Im Fremdwörterduden ist unter ‚Koordination‘ folgendes zu finden: „...das
harmonische Zusammenwirken der bei einer Bewegung tätigen Muskeln.“1
Harmonie, Bewegung, Muskeln. Diese Komponenten spielen bei jeder Tätigkeit eine
Rolle. Egal ob man läuft, sich setzt, oder einen Brief schreibt. Unterschiedliche
Tätigkeiten bedürfen unterschiedlicher koordinativer Vorgänge in unserem Körper. Im
Sport ist eine gute Koordination die Voraussetzung für ein erfolgreiches Training. Sie
fördert ein gutes Körpergefühl und macht den Körper geschmeidig und flexibel. Da
Sport eine extreme Leistung vom Körper abverlangt, ist ein gezieltes
Koordinationstraining obligatorisch, wenn man in seiner Sportart besser werden will.
Aber auch weniger sportliche Tätigkeiten sind koordinativ anspruchsvoll, wie z.B. das
Spielen einer Geige: Das ist ein derart komplexer Vorgang wobei die Finger und
Hände, die Körperhaltung und nicht zuletzt der Geist müssen topfit sein. Auch das
Dirigieren erfordert ein gutes Körpergefühl, bspw. gibt man mit der rechten Hand
einen zackigen Impuls der Schläge und mit der Linken die Lautstärke, in einer
fließenden Auf- und Abbewegung, an. Da Koordination unser Leben beeinflusst und
ein Thema ist, das ins Bodenlose ginge, wollen wir uns auf den Bereich Sport
beschränken.
1 Vgl. Der große Duden – Fremdwörterbuch, Band 5 (Seite 383)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Modelle der Bewegungskoordination
3.1 koordinative Fähigkeiten
3.2 koordinatives Anforderungsprofil
3.3 koordinative Funktionen
4. Praxisbeispiel aus der Sportart „Laufen“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Bewegungskoordination und deren Bedeutung für das koordinative Lernen. Ziel ist es, verschiedene wissenschaftliche Modelle der Koordination darzustellen, kritisch zu beleuchten und deren praktische Anwendung anhand der Sportart Laufen zu illustrieren.
- Grundlegende Definition von Koordination und Steuerbarkeit
- Analyse der klassischen koordinativen Fähigkeiten
- Modellierung koordinativer Anforderungen durch den KAR-Regler
- Didaktische Perspektiven auf koordinative Funktionen
- Praktische Umsetzung in sportartspezifischen Übungsformen
Auszug aus dem Buch
3.2 Koordinatives Anforderungsprofil
1994 nehmen Neumaier und Mechling einen Perspektivenwechsel vor, indem sie nicht mehr von den globalen Leistungsvoraussetzungen (koordinative Fähigkeiten) der Sportler, sondern von typischen koordinativen Leistungsanforderungen motorischer Aufgabenstellungen ausgehen. Im Mittelpunkt dieses Modells stehen Anforderungskategorien und Aufgabenklassen, welche aus zwei Teilen bestehen, den „Informationsanforderungen“ und den „Druckbedingungen“.
Informationsanforderungen werden in fünf Eigenschaften unterteilt: optisch (Sehvermögen), akustisch (Hörvermögen), taktil (Tastvermögen), kinästhetisch (Bewegungsempfinden), vestibulär (Gleichgewichtssinn betreffend). Diese Eigenschaften sind als Grundlage jeder Bewegung zu sehen, d.h. man braucht diese unterschiedlichen Sinne mal mehr oder weniger, je nach Sportart und Trainingsweise. Druckbedingungen sind folgende: Präzisionsdruck, Zeitdruck, Komplexitätsdruck, Situationsdruck, Belastungsdruck. Auch hier gilt, dass jede Sportart ihre eigenen Druckbedingungen hat. Dieses Modell versucht nun Sportart und Trainingsbezogen ein Profil zu schaffen in dem es die beschriebenen Druckbedingungen und Informationsanforderungen auf einem ‚Mischpult’ in hoch und niedrig auspendelt.
„Die koordinativen Anforderungen der Bewegungsprobleme und –aufgaben werden mit Hilfe des so genannten Koordinations-Anforderungs Regler (KAR) beschrieben, miteinander in Beziehung gesetzt und zu einem detaillierten Profil der sportart- bzw. disziplinspezifischen koordinativen Anforderungen modelliert. Auf einer Skala werden jeweils Druckbedingungen und Informationsanforderungen zwischen den Polen „hoch“ und „niedrig“ ermittelt und eingestellt, so dass die modellierten Bewegungsaufgaben hinsichtlich des zugrunde liegenden koordinativen Schwierigkeitsgrades differenziert eingeschätzt werden können“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Begrifflichkeit der Koordination und deren zentrale Rolle in Sport und Alltag.
2. Definition: Herleitung des Koordinationsbegriffs nach N.A. Bernstein als Prozess der Steuerung und Überwindung motorischer Schwierigkeiten.
3. Modelle der Bewegungskoordination: Vorstellung dreier zentraler Erklärungsmodelle zur Systematisierung koordinativer Prozesse.
3.1 koordinative Fähigkeiten: Darstellung des klassischen, auf Blume und Hirtz basierenden Fähigkeitsmodells und dessen methodischer Kategorisierung.
3.2 koordinatives Anforderungsprofil: Erklärung des Modells von Neumaier und Mechling, das mittels des Koordinations-Anforderungs-Reglers (KAR) spezifische Anforderungen einer Sportart profiliert.
3.3 koordinative Funktionen: Interpretation von koordinativem Lernen nach Hotz als Entwicklungsprozess, unterteilt in fünf situative Hauptfunktionen.
4. Praxisbeispiel aus der Sportart „Laufen“: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf spezifische Laufübungen zur Verbesserung des Bewegungsgefühls und der Beckenstabilisierung.
Schlüsselwörter
Bewegungskoordination, koordinatives Lernen, motorische Fähigkeiten, Anforderungsprofil, KAR-Regler, Bewegungssteuerung, Sporttraining, Kinästhetik, Gleichgewichtsfähigkeit, Rhythmisierung, Lauftechnik, Bewegungsgefühl, Leistungsanforderungen, Trainingswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Einordnung der Bewegungskoordination und der Bedeutung von koordiniertem Lernen für sportliche Leistungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition motorischer Steuerbarkeit, die Analyse verschiedener Koordinationsmodelle sowie deren praktische Anwendung im Training.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die wissenschaftliche Fundierung und anschauliche Vermittlung von Ansätzen zur Schulung der koordinativen Kompetenz im Sport.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende trainingswissenschaftliche Modelle (Blume, Hirtz, Neumaier, Mechling, Hotz) zusammenführt und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei großen Koordinationsmodelle (Fähigkeiten, Anforderungsprofil, Funktionen) und überträgt diese auf praktische Laufübungen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Begriffe wie Bewegungssteuerung, Koordinations-Anforderungs-Regler (KAR), Differenzierungsfähigkeit und koordinative Handlungskompetenz stehen im Fokus.
Wie unterscheidet sich das Anforderungsprofil von den klassischen Fähigkeiten?
Während klassische Fähigkeiten die Innenperspektive des Sportlers betonen, konzentriert sich das Anforderungsprofil auf die objektiven Anforderungen der jeweiligen Bewegungsaufgabe (Außenperspektive).
Warum wird im Anforderungsprofil mit einem „Mischpult“ gearbeitet?
Das „Mischpult“-Bild dient der Veranschaulichung, wie verschiedene Parameter (Druckbedingungen und Informationsanforderungen) individuell für eine Sportart „hoch“ oder „niedrig“ eingestellt werden können.
Welche Rolle spielt die Musik beim Rhythmisieren?
Musik wird als das effektivste Mittel zur Schulung der Rhythmisierungsfähigkeit identifiziert, da sie Bewegungsabläufe zeitlich strukturiert und akzentuiert.
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- Madeleine Wagner (Author), 2004, Bewegungskoordination - koordinatives Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29971