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Die verunsicherte soziale Mitte. Prekarisierung und Subjektivierung von Arbeit in Deutschland

Titel: Die verunsicherte soziale Mitte. Prekarisierung und Subjektivierung von Arbeit in Deutschland

Hausarbeit , 2013 , 26 Seiten

Autor:in: Tara Fischer (Autor:in)

Sozialwissenschaften allgemein
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die derzeitigen Entwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt stellen eine der größten Herausforderungen für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik dar. Erwerbsarbeit und Löhne bestimmen, wie weit jemand Teil der Gesellschaft ist, wie er sein Leben gestalten und seine Zukunft sichern kann, ohne abhängig vom Staat zu sein. Erwerbsarbeit in Zeiten des Kapitalismus soll der Garant für ein gutes, aussichtsreiches Leben in finanzieller Sicherheit sein. So sieht das gesellschaftliche Ideal aus. Dieses Ideal sieht die Mittelschicht für sich nun bedroht, denn sie hat noch etwas zu verlieren.

In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern die soziale Mitte Unsicherheit bezüglich ihrer zukünftigen sozialen Position verspürt und welche gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Entwicklungen dazu beitragen. In diesem Rahmen wird zunächst ein komprimierter Überblick über den Wandel des Arbeitsmarktes von der Industriegesellschaft hin zur deutschen Arbeitsgesellschaft des 21. Jahrhunderts verschafft, um anschließend genauer die Abstiegsangst der Mittelschicht zu beleuchten. Innerhalb dessen wird unter anderem auf die Potenziale von Erwerbsarbeit eingegangen und welchen Stellenwert Arbeit in der heutigen Gesellschaft einnimmt. Zudem wird die Bedeutung von Prekarisierungs- und Subjektivierungsprozessen der Arbeit für die steigende Verunsicherung der Mittelschicht geklärt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil

2.1 Die Herausbildung der deutschen Arbeitsgesellschaft: Von der Industriegesellschaft zur modernen Dienstleistungsgesellschaft

2.1.1 Wandel zur Industriegesellschaft:

2.1.2 Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft:

2.1.3 Von der prekären Lohnarbeit zur Erwerbsarbeit als Institution

2.2 Gefühlte Unsicherheit

2.3 Ursachen für gestiegene Unsicherheitsmomente der Mittelschicht

2.3.1 Prekarisierung der Arbeit

2.3.2 Subjektivierung der Arbeit

2.3.3 Zwischenfazit

2.4 Folgen: Aufweichen tradierter Funktionen von Erwerbsarbeit

2.4.1 Integrationsfunktion

2.4.1.1 „(Des-)Integrationspotenziale von Erwerbsarbeit“ nach Castel/Dörre

2.4.2 Sicherheitsfunktion

2.5 Fazit

3 Schluss

4 Glossar

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern die deutsche Mittelschicht Unsicherheit hinsichtlich ihrer künftigen sozialen Position verspürt und welche gesellschaftlichen sowie arbeitsmarktlichen Entwicklungen zu dieser Verunsicherung beitragen. Dabei wird analysiert, wie Prekarisierungs- und Subjektivierungsprozesse der Arbeit das Potenzial von Erwerbsarbeit zur sozialen Integration und Sicherheitsgewährleistung destabilisieren.

  • Wandel der deutschen Arbeitsgesellschaft von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft.
  • Die Rolle der Prekarisierung der Arbeit als Ursache für Unsicherheitsgefühle.
  • Subjektivierung der Arbeit und deren Auswirkung auf die Leistungsanforderungen.
  • Verlust der Integrations- und Sicherheitsfunktionen klassischer Normalarbeitsverhältnisse.
  • Abstiegsängste und deren Verbreitung innerhalb der sozialen Mitte der Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

2.2 GEFÜHLTE UNSICHERHEIT

Verunsicherung ist ein Gefühl, das man vor einiger Zeit der deutschen Mittelschicht nicht zugeschrieben hätte. Mittlerweile zeigen Studien und Meinungsbilder, dass die Mittelschicht heute sehr wohl von Abstiegsängsten und Erwartungsunsicherheit geprägt ist. Was auf den ersten Blick paradox wirkt: Die Mittelschicht in Deutschland galt seit langer Zeit von den Risiken schwankender Konjunkturen, dem Wandel der Erwerbsstrukturen, vor Langzeitarbeitslosigkeit oder Bildungsdefiziten unberührt. Erosion und Schrumpfen hin oder her, die Mittelschicht ist die größte Schicht in Deutschland, überwiegend in Normalarbeitsverhältnissen beschäftigt und besitzt ein überdurchschnittliches Einkommen. Rein faktisch betrachtet ist die Situation der Mitte der Gesellschaft weder bedroht, noch angsteinflößend.

Woher kommt dann die empfundene Unsicherheit und Abstiegsangst der Mittelschicht?

Hier kommt eine Besonderheit der Mittelschicht zum Tragen. Während die Unterschicht zu einem großen Anteil tatsächlich in prekären und atypischen Arbeitsverhältnissen beschäftigt ist und die Elite sich aufgrund guter Einkommens- und Vermögenslagen sowie ungefährdeter Arbeitsverhältnisse sowieso kaum Sorgen machen muss, ist die Mittelschicht ein Sonderfall: Sie ist weder besonders von Prekarität gefährdet, noch ist sie vor einem sozialen Abstieg sicher. Genau hier beginnt das Unsicherheitsmoment. Denn die Auswirkungen der Prekarisierung der Arbeit, derer die Unterschicht ausgesetzt ist, strahlt auf alle Schichten aus. Dieses Diffundieren von Unsicherheitsgefühlen beschreibt Bourdieu in seinem Essay „Prekarität ist überall“ folgendermaßen: „Die objektive Unsicherheit bewirkt eine allgemeine subjektive Unsicherheit, welche mitten in einer hoch entwickelten Volkswirtschaft sämtliche Arbeitnehmer, einschließlich derjenigen unter ihnen in Mitleidenschaft zieht, die gar nicht oder noch nicht direkt von ihr betroffen sind.“22 Dieser Effekt wird auch „Spill-over-Effekt“23 genannt. Im Fall der Mittelschicht bedeutet dies, dass die objektive Unsicherheitslage nicht dem subjektiven Unsicherheitsgefühl entspricht und dennoch Abstiegsängste herrschen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Wandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt und die daraus resultierenden Zukunftsängste innerhalb der Mittelschicht, die das soziale Gleichgewicht gefährden könnten.

2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert den Wandel der Arbeitsgesellschaft, die Bedeutung von Prekarisierung und Subjektivierung sowie die schwindenden Integrations- und Sicherheitsfunktionen der Erwerbsarbeit für die soziale Mitte.

2.1 Die Herausbildung der deutschen Arbeitsgesellschaft: Von der Industriegesellschaft zur modernen Dienstleistungsgesellschaft: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den historischen Wandel von der industriellen Massenproduktion hin zur modernen Dienstleistungsgesellschaft und die Etablierung der Lohnarbeit als Institution.

2.2 Gefühlte Unsicherheit: Hier wird thematisiert, warum die Mittelschicht trotz objektiver Stabilität zunehmend unter Abstiegsängsten leidet und wie der „Spill-over-Effekt“ diese Unsicherheit verbreitet.

2.3 Ursachen für gestiegene Unsicherheitsmomente der Mittelschicht: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Treiber der Verunsicherung, namentlich die Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse und die steigenden Anforderungen durch Subjektivierung der Arbeit.

2.4 Folgen: Aufweichen tradierter Funktionen von Erwerbsarbeit: Es wird dargelegt, wie die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses die zentralen Funktionen von Arbeit – Integration und soziale Sicherheit – schwächt.

2.5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die durch Prekarisierung und Subjektivierung entstehende Angst die bisherigen Integrationspotenziale von Arbeit überschattet und weitreichende gesellschaftliche Folgen birgt.

3 Schluss: Der Schluss resümiert die Gefahr für den sozialen Zusammenhalt durch zunehmende Desolidarisierung und unterstreicht die Notwendigkeit politischer Lösungen für die neue „soziale Frage“.

4 Glossar: Das Glossar definiert zentrale Begriffe der Arbeit wie „Atypische Beschäftigung“, „Erwerbsarbeit“, „Mittelschicht“, „Normalarbeit“ und „Rheinisches Ordnungsmodell“ zur Klärung des Fachkontexts.

Schlüsselwörter

Mittelschicht, Erwerbsarbeit, Prekarisierung, Subjektivierung, Normalarbeitsverhältnis, soziale Unsicherheit, Arbeitsmarkt, Abstiegsangst, Dienstleistungsgesellschaft, Integrationsfunktion, Sicherheitsfunktion, Spill-over-Effekt, soziale Frage, gesellschaftlicher Wandel, Beschäftigungsverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die zunehmende Verunsicherung der deutschen Mittelschicht durch den Wandel des Arbeitsmarktes und die damit verbundenen Ängste vor einem sozialen Abstieg.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Übergang von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft, die Prekarisierung von Beschäftigung sowie die Subjektivierung der Arbeitswelt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Erosion etablierter Arbeitsnormen die Integrations- und Sicherheitsfunktionen der Erwerbsarbeit schwächt und welche Gefahren dies für den sozialen Zusammenhalt birgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literatur- und Diskursanalyse, die aktuelle Studien zum Wandel der Arbeitsgesellschaft und soziologische Theorien zur Prekarisierung zusammenführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft, die Mechanismen der Prekarisierung und Subjektivierung sowie deren Auswirkungen auf die soziale Mitte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mittelschicht, Prekarisierung, Subjektivierung, Normalarbeitsverhältnis und die soziale Frage.

Was bedeutet der Begriff „Spill-over-Effekt“ im Kontext der Arbeit?

Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass objektive Unsicherheiten, denen die Unterschicht ausgesetzt ist, auf die Mittelschicht ausstrahlen und dort subjektive Abstiegsängste erzeugen.

Warum wird die Subjektivierung der Arbeit als Unsicherheitsfaktor gesehen?

Die Subjektivierung führt zu höheren Anforderungen an die Eigenverantwortung und Selbstorganisation, was bei den Beschäftigten oft zu Überforderung und einer Aufweichung der Trennung von Arbeits- und Privatleben führt.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die verunsicherte soziale Mitte. Prekarisierung und Subjektivierung von Arbeit in Deutschland
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Autor
Tara Fischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V299741
ISBN (eBook)
9783656971986
ISBN (Buch)
9783656971993
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mitte prekarisierung subjektivierung arbeit deutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tara Fischer (Autor:in), 2013, Die verunsicherte soziale Mitte. Prekarisierung und Subjektivierung von Arbeit in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299741
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  26  Seiten
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