Experimentelles Design in der ökonomischen Happiness Forschung

Die Induktion von Happiness im Labor


Bachelorarbeit, 2014

52 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aufbau der Bachelorarbeit

2. Glück und positiver Affekt
2.1. Happiness in der Psychologie
2.1.1. Affekte in der Psychologie
2.2. Happiness in der Philosophie
2.3. Happiness und positiver Affekt in der Wirtschaftswissenschaft

3. Experimente in der Wirtschaftswissenschaft

4. Der Zusammenhang von Glück und relativen Auszahlungen
4.1. Das relative Einkommen
4.2. Die Adaption des Happiness
4.3. Ein weiteres Ergebnis bezüglich relativen Auszahlung
4.4. Fazit

5. Induktion von „Happiness“ bzw. „positiven Affekten“ im Labor
5.1. Affektinduktion im Labor durch Ökonomen: Verwendung von Videoclips
5.1.1. Verwendung von Videoclips I: Happiness und Produktivität
5.1.2. Verwendung von Videoclips II: Happiness und Zeitpräferenzen
5.2. Affektinduktion im Labor durch Ökonomen: Verwendung der Methode von Erfolg und Misserfolg
5.2.1 Verwendung der Methode von Erfolg und Misserfolg I: Risiko- und Zeitpräferenz unter der Induktion von Stimmungszuständen
5.2.2. Verwendung der Methode von Erfolg und Misserfolg II: Stimmungsgelenktes Verhalten in strategischen Interaktionen

6. Zusammenfassung

Bibliographie

Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen

Tabelle 1

Grafik 1

Grafik 2

Grafik 3

Grafik 4

Grafik 5

Grafik 6

Grafik 7

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Happiness bzw. Glück gilt im Allgemeinen als ein unumstößliches Lebensziel. Faktisch möchte jeder glücklich sein. Es spielt sich gegenwärtig eine enorme Entwicklung in der Ökonomie ab. In den letzten Jahren ist die Happiness- Forschung auch zu einem wichtigen Thema in der Wirtschaftswissenschaft geworden. Dies kann überraschend erscheinen, da der Gegenstand der Wirtschaftswissenschaft das Wirtschaften des Materiellen ist. Die Ökonomie beschäftigte und beschäftigt sich auch heute noch hauptsächlich mit der Produktion und Verteilung von Gütern. In der Makroökonomik setzen sich die Ökonomen mit gesamtwirtschaftlichen Problemen auseinander (z.B. Konjunkturablauf). Eine andere Situation herrscht in der Mikroökonomik, wo das Verhalten von Individuen als Konsumenten und Produzenten analysiert wird. Dabei verfolgen die Individuen eine Maximierung ihres eigenen Nutzens. Diese individuelle Maximierung führt kausal zu einem größtmöglichen Nutzen für alle. Erst seit Ende der 1990er Jahre wurde die Frage nach dem Glück zu einem Thema in der Wirtschaftswissenschaft. Dafür gibt es zwei maßgebliche Gründe. Der erste ist, dass sich Menschen in bestimmten Situationen nicht rational verhalten. Sie unterliegen vielen Anomalien und verhalten sich kurzfristiger als sie eigentlich wollen, was zu inkonsistentem Verhalten führt, oder sie sind nicht fähig richtig vorherzusagen welchen Nutzen ihnen bestimmte Güter in der Zukunft bringen werden. In den Bereichen, in denen die Anomalien vorkommen, macht der herkömmliche Ansatz falsche Verhaltensprognosen. Der zweite Grund sind die großen Fortschritte der Sozialpsychologie in den letzten Jahren bezüglich der empirischen Erfassung des Glücks.

In der ökonomischen Happiness-Forschung geht es um Fragen, wie sich Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation, institutionelle Faktoren wie demokratische Entscheidungsprozesse und Einkommensunterschiede auf das individuelle Wohlbefinden auswirken.1

Da die Happiness-Forschung sehr viel Potenzial in sich birgt, ist es wichtig Methoden herauszuarbeiten, die es den Ökonomen erlauben, Happiness im Labor

zu induzieren, um den ökonomischen Fragestellungen in einem neuem Blickwinkel begegnen zu können.

In dieser Bachelorarbeit, werde ich der Frage nachgehen, wie Happiness im Labor von Ökonomen induziert werden kann.

1.1. Aufbau der Bachelorarbeit

Im nächsten Abschnitt dieser Arbeit geht es um das Thema des Glücks bzw. Happiness und des positiven Affekts. Dabei versuche ich mich an einer Distinktion, Einordnung und Abgrenzung der Begriffe in den Disziplinen: Psychologie, Philosophie und der Wirtschaftswissenschaft. Interessant ist wie die Begriffe „Happiness“ und „positiver Affekt“ definiert werden und in welchem Zusammenhang diese gebräuchlich sind.

Der dritte Abschnitt handelt von dem generellen Zweck der Experimentalökonomie. Dabei werden die Aspekte erwähnt, die als substanziell in Bezug auf die Experimentalökonomie gelten, und weitergehend werden Probleme bzw. Kontroversen aufgezeigt, die diese mit sich bringen.

Im vierten Abschnitte wird ein Anwendungsbeispiel für Happiness-Daten präsentiert und wie daraus ein Nutzen für weitere Maßnahmen gewonnen werden kann. Es geht dabei um relative Einkommen und wie diese mit Happiness zusammenhängen.

Der fünfte Abschnitt bildet den Kern dieser Arbeit. Es werden Methoden aufgezeigt, mit denen die Induktion von Happiness (bzw. positiven Affekten) im Labor möglich gemacht wird. Aus diesen Methoden habe ich zwei ausgewählt, die ich, unter zur Hilfenahme von wissenschaftlichen Arbeiten, darstellen werde. Der letzte Abschnitt besteht aus einer Zusammenfassung der gesamten Arbeit.

2. Glück und positiver Affekt

2.1. Happiness in der Psychologie

Als ich anfing mich mit der Happiness2-Forschung zu beschäftigen, war es fast unvermeidlich, dass der Begriff „Happiness“ in Verbindung mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung auftauchte. Denn in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 ist das Streben nach Glück ein unabdingbares Recht, vergleichbar mit dem Leben und der Freiheit. Dabei wird Happiness als ein ultimatives Lebensziel aufgefasst.3 Es ist jedoch nicht ganz klar, wie Happiness in diesem Zusammenhang definiert ist. Der Psychologe Samuel S. Franklin schreibt:

„Jefferson could not guarantee a perfect life to everyone, but he may have intended the government to ensure the right of every American to pursue all that his or her natural abilities would allow.“ (Franklin 2010, S.11).

Diese Schlussfolgerung leitet er aus dem Standpunkt ab, dass Happiness das Ergebnis eines erfüllten Lebens ist. Als erfülltes Leben bezeichnet er die Möglichkeit eines Menschen das gesamte inhärente Potenzial zu verwirklichen. 4 Franklin zeigt insgesamt vier der gängigsten Bedeutungen des Happiness in der Psychologie auf. Die erste, ist die Auffassung von Happiness als ein Gefühl des Vergnügens. Damit sind beispielsweise körperliche Vergnügen, wie ein gutes Essen oder ein guter Wein gemeint. Also Glück, welches auf einem niedrigen Niveau stattfindet.5 Nach Maslows Bedürfnispyramide wäre damit die Befriedigung der Grundbedürfnisse gemeint, was eine Voraussetzung ist, um eine Bedürfnisbefriedigung einer höheren Stufe zu erreichen.6 Eine weitere Auffassung von Happiness ist die des Glücks in Form von pekuniärem Reichtum. Denn nach Franklin, bringt Geld Happiness mit sich. Weiter führt er aus, dass es keinen Zweifel daran geben kann, dass Geld wichtig ist für das individuelle Wohlbefinden. Eine monetäre Sicherheit ermöglicht eine Befriedigung von Grund- und Sicherheitsbedürfnissen, aber auch das Bedürfnis nach Wertschätzung.7 Es gibt genügend Beweise dafür, dass Happiness und pekuniärer Reichtum positiv korreliert sind. Diese Korrelation ist jedoch eine Konkave, da mit steigendem Reichtum das zusätzliche Glück immer weniger wird. So macht Geld nur bis zu einem bestimmten Punkt glücklich. Der Politikwissenschaftler Robert E. Lane suggeriert sogar, dass das Streben nach Geld das Wohlbefinden mindert, da es von wirklich wichtigen Dingen, wie der Familie, den Freunden und der Gemeinschaft, ablenkt.8

Die dritte alternative Sichtweise auf die Frage, was Happiness vom Standpunkt der Psychologie nach Franklin ist, ist die Religion als Glück. Vielen Menschen bietet der Glaube an ein transzendentes Geschöpf eine gewisse Geborgenheit oder Sicherheit und die Hoffnung Glück und Frieden nach dem Tod zu finden.9 Die vierte Bedeutung von Happiness ist die, dass Glück die Ausführung von menschlichem Potential ist. Demnach ist Happiness nicht nur das Resultat vom sich gut fühlen, vom reich oder gottgefällig sein, Happiness ist die Verwirklichung der endogenen Möglichkeiten.10 Somit ist Happiness nach dieser Definition Glück, welches sich auf das gesamte Leben bezieht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass darunter auch Momente fallen, die als nicht glücklich im objektiven Sinn gelten, aber auf Hinblick des gesamten Lebens man von Happiness sprechen kann, solange jeder Mensch sich selbst verwirklichen kann.

2.1.1. Affekte in der Psychologie

Etwas allgemeiner: Emotionen gehören in das psychologische Forschungsfeld der Affekte. Hierbei ist mit Affekt ein Gemütszustand gemeint, der als Überbegriff verschiedene affektive Phänomene beinhaltet. Dazu gehören auch die Stimmung und die Emotion. Emotionen sind kurze, aber heftige Reaktionen mit einer Dauer von Minuten bis hin zu einigen Stunden, auf potentiell wichtige Ereignisse oder Veränderungen in der äußeren oder inneren Umgebung (auch Stimuli). Diese Reaktionen auf einen Stimulus, oder mehrere Stimuli, können als positiv oder negativ wahrgenommen werden. Eine Stimmung hingegen kann eine Dauer von mehreren Stunden oder einigen Tagen haben.11 Der positive und negative Affekt sind die zwei dominanten Dimensionen, die in Selbst-Berichten bezüglich der eigenen Stimmung stehen. Ihre Namen lassen vermuten, dass diese beiden Affekte gegenseitige Pole auf derselben Dimension sind, tatsächlich handelt es sich dabei um unterschiedliche Dimensionen, die orthogonal zu einander stehen, also unkorreliert sind.

Der positive Affekt reflektiert das Ausmaß, in dem sich eine Person enthusiastisch, aktiv und alarmiert fühlt. Ein hoher positiver Affekt ist ein Zustand von völliger Konzentration, hoher Leistung und angenehmer Beschäftigung, wohingegen ein niedriger positiver Affekt durch Traurigkeit und Lethargie charakterisiert ist.

Der negative Affekt ist eine allgemeine Dimension des subjektiven Leids, das sich in einer Vielzahl von aversiven Gemütszuständen subsumieren kann, beinhaltend unter anderem Wut, Verachtung, Ekel, Angst und Nervosität. Ein niedriger negativer Affekt ist ein Zustand von Ruhe und Gelassenheit. Diese zwei Faktoren repräsentieren die Dimensionen der Affektzustände.12

2.2. Happiness in der Philosophie

Wie ist die Einstellung der Philosophen zum Thema Happiness? Der Philosoph Fred Feldman schreibt:

„The most popular concepts of happiness among psychologists and philosophers nowadays are concepts of happiness according to which happiness is defined as “satisfaction with life as a whole”. Such concepts are “Whole Life Satisfaction” (WLS) concept of happiness.“ (Feldman, 2008, S.219).

Wie man diesem Zitat entnehmen kann, haben die beiden wissenschaftlichen Disziplinen eine gemeinsame Tendenz in der Definition von Happiness. In der Philosophie bestehen ebenfalls andere Theorien über das Wesen des Happiness. In der utilitaristischen Tradition gilt, dass es sich bei Happiness um Vergnügen und Schmerz handelt. Somit muss jemand, der glücklich sein will, eine positiv ausgerichtete hedonistisch-dolose Balance haben.

Einer anderen Sicht nach ist man dann glücklich, wenn man bekommt was man begehrt. Es bestehen noch weitere Ansichten darüber, was Happiness genau sein soll. Nichtsdestotrotz ist der Konsens seit den letzten Jahren, dass Happiness ein

„Whole life satisfactionism (WLS)“ (Feldman, 2008, S.220)

ist. Diesem Verständnis nach ist Happiness Zufriedenheit mit dem gesamten Leben.13 Dieser Ansatz birgt jedoch zwei große Probleme. Das erste Problem entsteht, weil das Urteil über ein wichtiges Ereignis im Leben einer Person mit den Erwartungen darüber übereinstimmt; aber die gleiche Person zu einer anderen Zeit über das gleiche Ereignis urteilen und feststellen kann, dass es nicht mehr den Erwartungen entspräche. Dieses Problem wird auch als Unbeständigkeitsproblem bezeichnet. Das zweite Problem, mit dem WLS Ansatz in der Philosophie, besteht in dem individuellen Urteil über die Zufriedenheit des gesamten Lebens. Die Beurteilung kann durch scheinbar triviale Eigenschaften eines Kontextes beeinflusst werden, in dem diese stattfindet. Wenn eine Person beispielsweise einen Geldschein auf dem Boden findet, was ein positives Ereignis ist, und danach über sein gesamtes Leben urteilen soll, könnte das Urteil anders ausfallen, als in einem Fall ohne gefundenen Geldschein. Dieses Problem wird auch das Labilitätsproblem genannt.14

Trotz der Äquivokation des Begriffs „Happiness“ haben die Psychologie und die Philosophie eine gemeinsame Bedeutung für diesen Begriff.

2.3. Happiness und positiver Affekt in der Wirtschaftswissenschaft

Für eine lange Zeit galt die Happiness-Forschung als Gebiet der Psychologie. Erst seit einigen Jahren beschäftigen sich auch die Wirtschaftswissenschaftler mit diesem Thema. Die Frage, die sich mir dabei stellt ist, ob die Ökonomen eine eigene Definition für den Happiness-Begriff haben oder ob sie diesen, wie auch das Forschungsgebiet, aus der Psychologie übernommen bzw. abgeleitet haben. Dazu schreiben Frey und Stutzer:

„Aus ökonomischer Sicht macht es wenig Sinn, nach einer allgemeinen Definition von Glück zu suchen. Vielmehr gilt es, die subjektive Sicht anzuerkennen und jedem Menschen selber zu überlassen, was für ihn das gute Leben ausmacht. […] Die Leute können direkt gefragt werden, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind.“ (Frey & Stutzer, 2010, S.79)

Der Ansatz in der Ökonomie ist also laut Frey, nach der gegenwärtigen Zufriedenheit des Lebens zu fragen. Dabei spielen die facettenreichen Distinktionen aus der Psychologie nur eine indirekte oder untergeordnete Rolle. Zudem kann eine gegenwärtige Beurteilung des Glücks, bezogen auf das Leben, bei derselben Person unterschiedliche Bewertungen hervorbringen, wie das Labilitätsproblem und das Unbeständigkeitsproblem von weiter oben zeigen.

„Die Ökonomen nehmen an, dass die Individuen selbst am besten beurteilen können, ob sie glücklich oder unglücklich sind, ob sie die Qualität ihres Lebens als vorteilhaft einschätzen oder nicht.“ (Frey & Stutzer, 2010, S.79)

Damit wird Happiness als eine Bestandsgröße angesehen, die eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Befragung, hat. Die Bewertung des Glücks findet dabei meistens über eine Ordinalskala statt, auf der die Befragten den Zustand ankreuzen müssen, der ihrem eigenen am nächsten kommt15. Trotzdem bleibt unklar, wie Glück in diesem Zusammenhang verstanden wird. Es ist deutlich hervorzuheben, dass die Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Definition von Glück in der Ökonomie von Frey und Stutzer abgelehnt wird. Im Zusammenhang mit der Happiness-Forschung tauchen auch Begriffe wie Wohlergehen16 und positiver Affekt auf. Unter einem Affekt wird eine Gemütsbewegung17 und unter einem positiven Affekt ein angenehmer Gemütszustand verstanden, wie weiter oben bereits erläutert. Der positive Affekt ist eine relativ allgemeine Beschreibung eines Zustandes und deutet nur in eine gewisse Gemütsrichtung. Der Begriff Wohlergehen ist dahingegen schon konkreter in seiner Bedeutung. Die positive Konnotation der beiden Begriffe ist hilfreich, um Gegebenheiten außerhalb des Happiness-Begriffs zu beschreiben, impliziert aber noch denselben Kontext. John Ifcher und Homa Zarghamee (2011) untersuchten die Einflüsse von milden positiven Affekten auf Zeitpräferenzen. Sie benutzen dabei hauptsächlich den Begriff des positiven Affekts als den Happiness-Begriff. Ihrer Ansicht nach ist die Beziehung dieser Begriffe, eine zwischen einer glücklichen Stimmung und zum anderen, glücklich zu sein. Hence, Lyubomirsky, King und Diener (2005) argumentieren, dass die Methode eines Experiments in der ökonomischen Happiness-Forschung dann am besten ist, wenn ein Experiment mit zufälligen Zuordnungen18 durchgeführt wird, in dem positive Affekte induziert werden. Ihrer Meinung nach ist eine solche Methode ein stichhaltiger Weg, um die Auswirkung des glücklich seins zu identifizieren, da glücklichere Individuen viel häufiger positive Affekte erfahren. Somit sind positive Affekte nötig und ausreichend, um einen Zustand, den wir Happiness nennen würden, hervorzurufen.19

Der Ansatz, um Happiness in der Ökonomik zu erforschen, besteht darin, die positiven Affekte und das Wohlergehen einzubeziehen, welche richtig eingesetzt, glücklich machen können und somit zum Happiness führen können. Das Verständnis der Wirtschaftswissenschaft, bezüglich Happiness, ist damit dem in der Psychologie nicht unähnlich. Es ist nur noch zu klären, wie eine Induktion im Labor umgesetzt werden kann. Die Ansätze und Umsetzungen dazu werden im fünften Kapitel besprochen.

3. Experimente in der Wirtschaftswissenschaft

Die Wirtschaftswissenschaft galt zum größten Teil des zwanzigsten Jahrhunderts als eine nicht experimentelle Wissenschaft. Erst seit den 1980er Jahren hat es ein enormes Wachstum im Gebrauch von experimentellen Methoden in der Wirtschaftswissenschaft gegeben. Dabei brachte die experimentelle Ökonomik die außergewöhnlichsten Veränderungen mit sich, da diese einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftswissenschaften genommen hat. Anfänglich haben Ökonomen den Sinn und Zweck von Experimenten im Labor nicht gesehen, doch über die letzten dreißig Jahre hinweg, stieg die Anzahl der Befürworter kontinuierlich an, so dass die experimentelle Wirtschaftswissenschaft zu einem der spannendsten Felder in der Wirtschaftswissenschaft gehört.

Die experimentelle Forschung wird von vielen Ökonomen weltweit betrieben und ihre Ergebnisse werden in bedeutenden Fachzeitschriften publiziert. Ein Höhepunkt der experimentellen Ökonomik bestand in der Ehrung der Wissenschaftler Daniel Kahneman und Vernon Smith mit dem Nobelpreis im Jahre 2002 für ihre Arbeit als Pioniere in diesem Bereich. Nichtsdestotrotz wäre es töricht zu glauben, dass die experimentellen Methoden keine Kontroversen mit sich bringen würden. Viele Ökonomen führen keine Experimente durch und sind von ihrem Nutzen nicht überzeugt. Es besteht ein offensichtlicher Konsens über die legitime Rolle der Experimente in der Wirtschaftswissenschaft, jedoch herrscht eine große Meinungsverschiedenheit darüber, was diese Rolle ist. Es gibt laufend Streitigkeiten darüber was die Wirtschaftswissenschaft von den Ergebnissen der Experimente lernen soll, auch in Bezug darauf ob ökonomische Theorien im Labor getestet werden können und inwiefern die traditionellen Theorien im Lichte der experimentellen Ergebnisse erscheinen.

Da die weit verbreitete Nutzung von experimentellen Methoden recht neu in dieser wissenschaftlichen Disziplin ist, haben die Methodiker erst damit begonnen ihre Darstellungen der Methoden, unter Berücksichtigung der Veränderungen, zu überarbeiten.20

Es kommt natürlich auch die Frage auf, warum viele Ökonomen erst seit den letzten dreißig Jahren frequentierter zu experimentellen Methoden greifen, und ob die Wirtschaftswissenschaft diese überhaupt brauchen.

Tatsache ist, der epistemische Gebrauch kontrollierter Experimente hat eine lange Geschichte in der Volkswirtschaft. Von besonderer Bedeutung ist, dass die neoklassische Ökonomik in den ersten Jahren ihres Seins auf experimentellen Forschungen basierte. Die Pioniere der neoklassischen Ökonomik waren stark von den damals neuesten Erkenntnissen in der experimentellen Psychologie beeinflusst. Stanley Jevons (1871) und Francis Edgeworth (1881) brachten die marginale Revolution in die Wirtschaftstheorie ein, basierend auf ihrer Analyse des marginal abnehmenden Nutzens von psychologischen Ergebnissen, die über die Beziehung zwischen Stimuli und Empfindungen berichten. Jevons (1870) war womöglich die erste Person, die die Ergebnisse eines kontrollierten ökonomischen Experiments, in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publizierte. Dieser Bericht beinhaltet eine Serie von Experimenten, die von Jevons persönlich durchgeführt wurden. Darin untersuchte er die Beziehung zwischen Müdigkeit und der Effektivität vom menschlichen Muskelaufwand. Zu einer Zeit, in der die Bauarbeiten in erster Linie von Männern mit Spaten und Schubkarren ausgeführt wurden, waren seine Experimente und die damit verbundenen Ergebnisse eine Sache von reeller ökonomischer Wichtigkeit.

Ein weiteres Experiment, das heutzutage als Klassiker angesehen wird, ist das von Louis Thurstone (1931). Thurstone, der seinen Sitz in der Universität von Chicago hatte, war einer der führenden Psychophysiker seiner Zeit. Nach einer Konversation mit seinem Kollegen Henry Schultz, einem Ökonomen, der wegweisende Arbeit auf dem Gebiet der statistischen Schätzverfahren von Nachfragefunktionen leistete, wurde er drauf aufmerksam, dass das Konzept der Indifferenzkurven in der Volkswirtschaft kein direktes, auf Empirie basierendes, Fundament besitzt. Mit seinem Experiment versuchte er die individuellen Indifferenzkurven der Teilnehmer durch binäre Entscheidungsprobleme zu eruieren. Während den darauffolgenden drei Dekaden, beschränkt sich das Projekt, zur Untersuchung von Präferenzen, abgeleitet von tatsächlichen Entscheidungen, die durch die Theorie postuliert werden, auf eine Minorität von Ökonomen und Entscheidungstheoretiker. Maurice Allais entdeckte in den frühen 1950er Jahren eine systematische Abweichung zwischen der postulierten Theorie und dem tatsächlichen Verhalten. Diese Entdeckung schien jedoch die nächsten zwanzig Jahre keine größeren Unruhen zu verursachen. Trotz einer Entdeckung, die die Ansätze zu einem möglichen Paradigmenwechsel hätte, wurde dieser keine große Beachtung geschenkt, da die experimentelle Wirtschaftswissenschaft von der Überzahl der Ökonomen nicht akzeptiert wurde.21 Denn der generelle Konsens vor den 1980er Jahren war, dass die Methoden der Wirtschaftswissenschaft, ähnlichen denen der Astronomie22, in keinem kontrollierten Experiment adaptiert werden können.23

Aber warum akzeptierten Wirtschaftswissenschaftler für so eine lange Zeit die Idee, dass ihre Disziplin eine nicht experimentelle war?

Es wird meist suggeriert, dass der verbreitete Gebrauch der experimentellen Methoden in der Ökonomik erst durch die Entwicklung in der Informationstechnologie möglich wurde. Es ist sicherlich wahr, dass einige experimentelle Designs, die neuerdings benutzt werden, vor einigen Dekaden als undurchführbar galten. Wie schon weiter oben erwähnt, fanden die ersten ökonomischen Experimente ohne Mängel an Durchführbarkeit und ohne Mängel an informativen experimentellen Designs statt, und das in den ersten drei Vierteln des zwanzigsten Jahrhunderts. Es bestand lediglich ein mangelndes Interesse darin diese zu Nutzen. Selbst in den 1980er in der Zeit, in der die ökonomischen Experimente auf Akzeptanz stießen, wurden die meisten signifikanten Experimente lediglich mit Papier und Stift durchgeführt. Einer Erklärung bedarf jedoch die Frage, warum Ökonomen so lange glaubten, dass die Informationen, die durch die Experimente erzeugt wurden, nicht nützlich waren. Diese Frage muss in Relation zu den zwei Eigenschaften der Ökonomik während der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gesehen werden. Erstens, war das Arbeitsgebiet in der die Ökonomik vorhersagen traf, durch die modernen Standards begrenzt. Die Mikroökonomie hatte ihren Schwerpunkt bei der Erklärung und der Vorhersage vom gesamtwirtschaftlichen Marktverhalten, im Speziellen standen Preis und Absatz im Vordergrund, weshalb die Mikroökonomie auch synonym für die Preistheorie verwendet wurde. Die Makroökonomie arbeitete dabei auf einem höheren Aggregationslevel. Folglich agierte die sinnvolle Prädiktion der Ökonomik auf einem Niveau, von dem man dachte, dass das experimentelle Testen sehr kostspielig und möglicherweise auch unethisch wäre.

[...]


1 Frey, Bruno S., & Alois Stutzer: „What can economists learn from happiness research?”, in: Journal of Economic literature, Volume 40, Issue 2, 2002, S.402-403. Und: Frey, Bruno S., & Alois Stutzer: „Glück: die ökonomische Analyse“, in: Erich H. Witte [u.a.] (Hrsg.): Sozialpsychologie und Ökonomie, Pabst Science Publishers, 2010, S.76-79.

2 Als adäquate deutsche Übersetzung kann man die Begriffe: Glück oder Freude benutzen. Da die
überwiegende Literatur auf Englisch ist, möchte ich hauptsächlich die englische Notation
beibehalten.

3Frey, Bruno S.: & Alois Stutzer, „What can economists learn from happiness research?”, in: Journal of Economic literature, 40.2, 2002, S. 402.

4Franklin, Samuel S.: „The Psychology of Happiness”, Cambridge University Press, 2010, S. 8-10.

5Vgl.: Franklin, 2010, S. 2.

6 Esch, Franz-Rudolf, Andreas Herrmann, & Henrik Sattler: „Marketing: eine managementorientierte Einführung“, 3. Auflage, Vahlen, 2012, S. 50.

7 Vgl.: Esch, 2012, S. 50.

8 Vgl.: Franklin, 2010, S. 3-6.

9 Ebd.: S. 6-8.

10 Ebd.: S. 8-12.

11 Juslin, Patrik.: „Emotional responses to music“, in: Susan Hallam, Ian Cross, Michael Thaut:The oxford Handbook of Music Psychology, Oxford 2009 , S.131-132.

12 Watson, David, Lee A. Clark, & Auke Tellegen: "Development and validation of brief measures of positive and negative affect: the PANAS scales.", in: Journal of personality and social psychology, Volume 54, Nr.6, 1988, 1063-1070.

13 Feldman, Fred: „Whole life satisfaction concepts of happiness”, in:Theoria, Volume 74, Issue 3, 2008, S.220.

14 Ebd.: S.223-224.

15 Zum Beispiel: „Sind Sie sehr glücklich (3), ziemlich glücklich (2) oder nicht so glücklich (1)?“

16 Englisch: Well-being

17 Brockhaus - Die Enzyklopädie in 24 Bänden: Bd. 1. A -AP. 20., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Mannheim: Brockhaus Verlag, 1996, S.165, Sp.2.

18 Englisch: Random-assignment; Aufteilung der Probanden in Kontroll- und Experimentalgruppen

19 Ifcher, John, & Homa Zarghamee: "Happiness and Time Preference: The Effect of Positive Affect in a Random-Assignment Experiment", in: The American Economic Review, Volume 101, Nr.7, 2011, S. 3124.

20Bardsley, Nick , Cubitt, R. Graham Loomes, Peter Moffatt, Chris Starmer, & Robert Sugden, „Experimental Economics: Rethinking the Rules”, Princeton University Press, 2010, S.1-3.

21 Vgl.: Bardsley, N., & Cubitt, eds. 2010, S.4-6.

22 In der Philosophie der Wissenschaft, ist die Astronomie, ein traditionelles Beispiel einer nicht experimentellen Wissenschaft.

23 Vgl.: Bardsley, N., & Cubitt, eds. 2010, S.1.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Experimentelles Design in der ökonomischen Happiness Forschung
Untertitel
Die Induktion von Happiness im Labor
Hochschule
Universität zu Köln  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln)
Veranstaltung
Spieltheorie
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
52
Katalognummer
V299888
ISBN (eBook)
9783656963745
ISBN (Buch)
9783656963752
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
experimentelles, design, happiness, forschung, induktion, labor
Arbeit zitieren
Arthur Raimann (Autor), 2014, Experimentelles Design in der ökonomischen Happiness Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299888

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