Neue Unterrichtsformen bedürfen einer neuen Art von Schülerleistungsbewertung. Der in dieser Arbeit thematisierte „Offene Unterricht“ macht dabei keine Ausnahme. Es ist unabdingbar, dass die Systeme, nach welchen Leistungen der Schüler bewertet werden, an die jeweilige Unterrichtsform angepasst werden müssen. Nur durch ein auf den Unterricht ausgelegtes Leistungsbewertungssystem kann sichergestellt werden, dass die Leistungen der einzelnen Schüler individuell berücksichtigt, gemessen und bewertet werden können.
Die Problematik der Benutzung von Ziffernnoten zur Beschreibung und Bewertung von Schülerleistungen ist in der Literatur schon öfters benannt worden. So schreibt Felix Winter zum Beispiel, dass „die Objektivität der Urteile und ihre Validität“ bemängelt werden. Weiter sagt er, dass die „Messqualität der Noten […] in der Regel nur mittlere Werte erreicht.“ Damit äußert Winter Kritik am bestehenden Wert von Noten, welche keinesfalls objektiv sind, wie es des Öfteren behauptet wird. Im Gegenteil. Die Vergabe von Noten – guten wie schlechten – hängt zu einem großen Teil von den Meinungen der Lehrkräfte ab. Ist einem Lehrer ein Schüler sympathisch, hat dieser meist bessere Chancen auf eine gute Note, als ein Schüler, welcher dem Lehrer unsympathisch ist, aber trotzdem die gleichen Leistungen bringt. Das Problem bei Noten ist, dass sie wenig über die tatsächliche Leistung eines Schülers aussagen, sondern vielmehr ein Maßstab dafür sind, wie gut oder schlecht ein Schüler im Vergleich zu seinen Mitschülern ist.
Die immer größer werdende Forderung nach alternativen Unterrichtsmethoden fordert auch auf, neue Konzepte für die Bewertung von Schülerleistungen zu suchen. Hier setzt diese Arbeit an und möchte verschiedene alternative Bewertungsformen vorstellen, welche besonders im Offenen Unterricht eine Rolle spielen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Darstellung des Themas
2. Hauptteil
2.1. Was ist Offener Unterricht?
2.2. Welche Formen von Leistungsbewertung gibt es?
2.3. Meinung verschiedener Autoren
2.3.1. Thorsten Bohl
2.3.2. Eiko Jürgens
2.3.3. Felix Winter
2.3.4. Zusammenfassung und Vergleich
2.4. Begründung der eigenen Einstellung
3. Schluss/Resümee
3.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
3.2. Offene/weiterführende Fragen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Formen der Leistungsbewertung im Rahmen des Offenen Unterrichts sinnvoll sind, wobei der Fokus auf der Sekundarstufe I und II liegt, um Alternativen zur klassischen Ziffernbenotung zu identifizieren.
- Konzepte und Definitionen von Offenem Unterricht
- Kritische Analyse traditioneller Ziffernnoten
- Vorstellung alternativer Bewertungsformen (Portfolios, Lerntagebücher, Lernentwicklungsberichte)
- Vergleich der Positionen namhafter Schulpädagogen
- Diskussion zur Umsetzbarkeit und Selektionsfunktion der Schule
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Thorsten Bohl
Traditionelle Leistungsbeurteilungen […] sind nicht geeignet, um Leistungen innerhalb des erweiterten Lernbegriffs zu überprüfen: Neue Beurteilungsformen sind notwendig.33
Um dieses Zitat verstehen zu können, sollte erst einmal definiert werden, was Bohl unter einem erweiterten Lernbegriff versteht. In seinem Buch „Neue Formen der Leistungsbewertung“ beschreibt Bohl, dass der erweiterte Lernbegriff vier Bereiche umschreibt: (1) fachlich-inhaltlicher Lernbereich, (2) methodisch-strategischer Lernbereich, (3) sozial-kommunikativer Lernbereich, (4) persönlicher Lernbereich.34 Im heutigen Bewertungssystem werde laut Bohl nur der erste Lernbereich, der fachlich-inhaltliche Lernbereich beurteilt. Die anderen drei Bereiche finden keine bzw. fast keine Bewertung. Dies lässt sich auch an den Prüfungen in der Schule ablesen. Klausuren und Tests, welche das fachliche Können der Schüler bewerten sollen, stehen dort eher an der Tagesordnung als zum Beispiel Bewertungsmöglichkeiten, die die sozial-kommunikativen Fähigkeiten des Schülers beurteilen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Thema dar, erläutert die Fragestellung und begründet die methodische Vorgehensweise sowie die Auswahl der verwendeten Fachliteratur.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert den Offenen Unterricht, stellt verschiedene alternative Leistungsbewertungsformen vor, analysiert die Positionen von Fachautoren und begründet die persönliche Einstellung des Verfassers.
3. Schluss/Resümee: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und identifiziert weiterführende Forschungsfragen, die sich aus der Analyse ergeben haben.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Leistungsbewertung, Ziffernnoten, Portfolio, Lerntagebuch, Lernentwicklungsberichte, erweiterter Lernbegriff, Schülerselbstbewertung, Leistungsgesellschaft, Selektionsfunktion, Schulpädagogik, Unterrichtsmethoden, Lernkultur, Kompetenz, Diagnosekompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Schülerleistungen im Kontext des Offenen Unterrichts angemessen bewertet werden können und ob das klassische Notensystem durch alternative Formen ergänzt oder ersetzt werden sollte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Offenem Unterricht, die Kritik an Ziffernnoten, die Vorstellung innovativer Bewertungsmethoden wie Portfolios und Lerntagebücher sowie die theoretischen Ansätze von Pädagogen wie Bohl, Jürgens und Winter.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, verschiedene alternative Bewertungsformen im Offenen Unterricht zu beleuchten, deren Vor- und Nachteile abzuwägen und aufzuzeigen, wie eine individuellere und differenziertere Leistungsbewertung gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse, in der er Definitionen und Ansätze renommierter Schulpädagogen gegenüberstellt, vergleicht und mit seiner eigenen Einschätzung zur praktischen Umsetzbarkeit in Einklang bringt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Definitionen von Offenem Unterricht diskutiert, vier alternative Bewertungsmöglichkeiten (Portfolios, Selbst-/Mitbewertung, Lerntagebücher, Lernentwicklungsberichte) detailliert erläutert sowie die Positionen von Bohl, Jürgens und Winter vergleichend dargestellt.
Welche Rolle spielt der erweiterte Lernbegriff in der Arbeit?
Er dient als theoretisches Fundament, um zu begründen, dass Schule nicht nur fachliches Wissen abprüfen sollte, sondern auch methodische, sozial-kommunikative und persönliche Kompetenzen in die Bewertung einfließen lassen muss.
Warum wird die Selektionsfunktion der Schule als problematisch angesehen?
Der Autor argumentiert, dass das Ziffernnotensystem eher den Konkurrenzdruck fördert und Schwächere benachteiligt, anstatt individuelle Lernfortschritte zu unterstützen und eine echte Diagnose der Stärken eines Schülers zu ermöglichen.
Welche Kombination schlägt der Autor als Lösungsansatz vor?
Der Autor plädiert für eine Kombination aus Lerntagebuch (zur individuellen Reflexion und Selbstkontrolle) und Lernentwicklungsbericht (als formalisierte Rückmeldung), um sowohl eine kontinuierliche Lernentwicklung zu fördern als auch eine transparente Dokumentation zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Michael van Zadel (Autor:in), 2012, Neue Formen der Leistungsbewertung von Schülern im "Offenen Unterricht", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299944