Neue Formen der Leistungsbewertung von Schülern im "Offenen Unterricht"


Hausarbeit, 2012
28 Seiten, Note: 1,7
Michael van Zadel (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Darstellung des Themas

2. Hauptteil
2.1. Was ist Offener Unterricht?
2.2. Welche Formen von Leistungsbewertung gibt es?
2.3. Meinung verschiedener Autoren
2.3.1. Thorsten Bohl
2.3.2. Eiko Jürgens
2.3.3. Felix Winter
2.3.4. Zusammenfassung und Vergleich
2.4. Begründung der eigenen Einstellung

3. Schluss/Resümee
3.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
3.2. Offene/weiterführende Fragen

4. Literaturverzeichnis.26 5. Anhang

Einleitung

Die Benotung ist die Hauptform, mit der die Schule Leistungen bewertet und über sie berichtet. Was inhaltlich im Einzelfall geleistet wurde, ist ohne zusätzliche Erläuterungen und intime Kenntnisse über die Lehrerpläne aus den Noten nicht ersehbar.1

Leistungsbewertung in deutschen Schulen. Ein Thema, das immer wieder in der Diskussion steht.2 Dabei wird auch diskutiert, ob die Ziffernnoten in den Schulen sinnvoll sind, oder ob sie alternativen Bewertungsformen weichen sollten.

In dieser Hausarbeit möchte ich mich damit beschäftigen, welche verschiedenen Arten von Leistungsbewertungen im Rahmen eines Offenen Unterrichts möglich sind und welche sinnvoll und welche eher sinnfrei sind. Dabei orientiere ich mich am Unterricht in der Sekundarstufe I und II, denn meiner Ansicht nach ist die Leistungsbewertung in der Primarstufe deutlich anders zu handhaben, als in den weiterführenden Schulen. Zunächst werde ich die Fragestellung, mit welcher ich mich in dieser Hausarbeit auseinandersetze, kurz erläutern. Dabei werde ich in den Blick nehmen, was überhaupt gemeint ist, wenn von Offenem Unterricht gesprochen wird. In einem weiteren Schritt werde ich verschiedene Formen von Leistungsbewertung aufzeigen, aber nur einige näher erläutern, da dies sonst den Umfang dieser Arbeit sprengen würde.

Daran anschließend werde ich die Meinungen einzelner Autoren und Forscher zum Thema kurz wiedergeben und miteinander vergleichen, um so einen breiteren Überblick über die Problematik der Leistungsbewertung in der Schule zu geben.

In einem nächsten Schritt werde ich meine eigene Meinung und meine eigenen Gedanken zur Fragestellung formulieren und begründet darstellen.

In einem letzten Schritt werde ich die Ergebnisse meiner Hausarbeit kurz zusammenfassen, offen gebliebene Fragen darlegen und Ansätze für neue Forschungsfragen geben, welche sich aus meiner Hausarbeit entwickeln lassen.

In meiner Hausarbeit beziehe ich mich zum Großteil auf drei Werke, aus welchen ich hauptsächlich zitiere. ÄLeistungsbewertung, - Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit Schülerleistungen“ von Felix Winter in 2. Auflage von 2006. Ein weiterer Titel ist ÄNeue Formen der Leistungsbeurteilungen“ von Thorsten Bohl in 2. Auflage von 2004. Als drittes Werk benutze ich ÄOffener Unterricht heute - Konzeptionelle und didaktische Weiterentwicklung“ von Thorsten Bohl und Eiko Jürgens (Hg.) von 2010.

Darüber hinaus benutze ich auch noch weitere Literatur, welche ich aber hier nicht weiter nenne, da dies sonst den Umfang dieser Einleitung sprengen würde. Im an meine Arbeit angeschlossenen Literaturverzeichnis ist alle verwendete Literatur aufgelistet.

1.1 Darstellung des Themas

Neue Unterrichtsformen bedürfen einer neuen Art von Schülerleistungsbewertung. Der in dieser Arbeit thematisierte Offene Unterricht macht dabei keine Ausnahme. Es ist unabdingbar, dass die Systeme, nach welchen Leistungen der Schüler bewertet werden, an die jeweilige Unterrichtsform angepasst werden müssen.3 Nur durch ein auf den Unterricht ausgelegtes Leistungsbewertungssystem kann sichergestellt werden, dass die Leistungen der einzelnen Schüler individuell berücksichtigt, gemessen und bewertet werden können. Die Problematik der Benutzung von Ziffernnoten zur Beschreibung und Bewertung von Schülerleistungen ist in der Literatur schon öfters benannt worden. So schreibt Felix Winter zum Beispiel, dass Ädie Objektivität der Urteile und ihre Validität“4 bemängelt werden. Weiter sagt er, dass die ÄMessqualität der Noten […] in der Regel nur mittlere Werte erreicht.“5 Damit äußert Winter Kritik am bestehenden Wert von Noten, welche keinesfalls objektiv sind, wie es des Öfteren behauptet wird. Im Gegenteil. Die Vergabe von Noten - guten wie schlechten - hängt zu einem großen Teil von den Meinungen der Lehrkräfte ab. Ist einem Lehrer ein Schüler sympathisch, hat dieser meist bessere Chancen auf eine gute Note, als ein Schüler, welcher dem Lehrer unsympathisch ist, aber trotzdem die gleichen Leistungen bringt. Das Problem bei Noten ist, dass sie wenig über die tatsächliche Leistung eines Schülers aussagen, sondern vielmehr ein Maßstab dafür sind, wie gut oder schlecht ein Schüler im Vergleich zu seinen Mitschülern ist.6

Die immer größer werdende Forderung nach alternativen Unterrichtsmethoden fordert auch auf, neue Konzepte für die Bewertung von Schülerleistungen zu suchen. Hier setzt diese Arbeit an und möchte verschiedene alternative Bewertungsformen vorstellen, welche besonders im Offenen Unterricht eine Rolle spielen können.

Hauptteil

2.1. Was ist Offener Unterricht?

Zu Beginn der Ausführung über alternative Bewertungsformen im Offenen Unterricht sollte zuerst einmal die Frage geklärt werden, was überhaupt gemeint ist, wenn von Offenem Unterricht gesprochen wird.

Eine klare Definition (lat.: de - weg; finire - begrenzen) ist nicht möglich, da es (zu) viele unterschiedliche Auffassungen von Offenem Unterricht gibt.

Drei Vorstellungen von Offenem Unterricht sollen hier kurz dargestellt werden, um einen Überblick zu liefern und dabei trotzdem nicht zu ausschweifend zu werden.

Wulf Wallrabenstein7 sagt, dass Offener Unterricht aus sieben Bestandteilen besteht. Stuhlkreis, freie Arbeit, Wochenplan, Projekte, Klassenraum, Arbeitsmittel, Schulleben. Wallrabenstein gibt damit Komponenten vor, welche ein Offener Unterricht seiner Meinung nach unbedingt enthalten muss. Gleichzeitig beschreibt er das Konzept Offener Unterricht als Möglichkeit, dass Schüler ihre Eigenständigkeit entwickeln können, um so zu Lernen, ihr eigenes Lernen, ihre Leistungen und die Leistungen anderer realistisch und reflektierend einschätzen zu können.8

Einen anderen Ansatz führt Eiko Jürgens9 an. Er entwickelt ein Rahmenkonzept10 von Offenem Unterricht, in welchem er bewusst keine bestimmten Inhalte vorgibt, damit die Struktur des Offenen, zu dem jeder etwas hinzufügen bzw. von dem jeder etwas wegnehmen kann, erhalten bleibt. Schüler können nach eigenem Ermessen bestimmen, was in dieses Rahmenkonzept hineingehört, und können so ihren Unterricht aktiv mitgestalten.11

Wiederum ein anderer Schulpädagoge, Thorsten Bohl12, beschreibt Offenen Unterricht als ÄMitbestimmung des Schülers in inhaltlicher Sicht“. Dieses Mitbestimmungsrecht des Schülers ist Zeichen der Selbstbestimmung und kann dadurch zu einer Eigenverantwortlichkeit führen, welche der Schüler für sein eigenes Lernen entwickelt.13 Bohl gibt dabei keinerlei Richtlinien vor, welche in einem Offenen Unterricht vorkommen müssen, sondern fokussiert seine Überlegungen dazu fast gänzlich auf die Eigenverantwortlichkeit und dadurch erreichte Selbstbestimmung für Lernen und Handeln des Schülers.

Anhand dieser drei Vorstellungen soll deutlich werden, dass es keine allgemein anerkannte Definition von Offenem Unterricht gibt. Lediglich Überlappungen lassen sich bei den hier vorgestellten Ansätzen erkennen. Alle drei Forscher haben die Ansicht, dass Offener Unterricht daraus besteht, dass die Schülerinnen und Schüler teilweise selbst mitbestimmen können, was sie wann und wie lernen wollen.

Dies setzt ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit bei den Schülern voraus, welche sie in Bezug auf ihr eigenes Lernen übernehmen müssen.

2.2. Welche Formen von Leistungsbewertung gibt es?

Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit unterschiedlichen Formen von Leistungsbewertungen. Angefangen bei Portfolios über Schülerselbst- und mitbewertung und Lerntagebücher bis hin zu Lernentwicklungsberichten werden vier unterschiedliche Bewertungsmöglichkeiten exemplarisch aufgezeigt, kurz erklärt und erläutert.

Angefangen bei Portfolios. Leistungsmappen, welche die Leistungslaufbahn eines Schülers über die Schuljahre hinweg dokumentieren sollen und dabei nicht nur Zeugnisse, sondern zum Beispiel auch außerschulisch erworbene Fähigkeiten enthalten sollen.14 In einem Portfolio werden auch eigene Stellungnahmen zu Arbeitsprozessen aufgenommen, welche eine kritische und reflexive Betrachtung der eigenen Arbeit zum Ziel haben.15 Portfolios bieten gegenüber reinen Notenzeugnissen einige Vorteile, welche im Folgenden kurz dargestellt werden sollen. Zum einen kann die Leistungsentwicklung durch direkte Leistungsberichte und nicht nur durch abstrakte Noten verfolgt werden, was es sowohl den Lehrern, als auch den Schülern einfacher macht, konkret über Leistung zu sprechen.16 Des Weiteren sorgen Portfolios dafür, dass Bildungsübergänge erleichtert werden. Durch die Fülle an Informationen, welche die abnehmende Institution durch ein Portfolio über den Bewerber erhält, kann ein weitaus umfassenderes Bild des Bewerbers erzeugt werden, als durch ein bloßes Ziffernzeugnis. Außerdem kann eine als ungerecht empfundene Notengebung in Schulen reduziert werden, da nun individuell auf die Leistungen eines Schülers eingegangen werden kann.

Portfolios bieten aber auch Probleme, welche in diesem Zusammenhang natürlich nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Auf der einen Seite dokumentiert ein Portfolio zwar die gesamte Leistungslaufbahn eines Schülers, dabei sollte man sich aber die Frage stellen, was passiert, wenn (zu) viele Dokumente in ein Portfolio aufgenommen werden. Wird es dann nicht zu unübersichtlich und wenig handhabbar? Sollte nicht der Sinn eines Portfolios gerade darin bestehen, übersichtlich und leicht überschaubar die Leistungsfortschritte eines Schülers abzubilden? Wie steht es mit dieser Übersichtlichkeit, wenn Unmengen an Dokumenten hinzugefügt werden? Erfüllt ein Portfolio dann noch die ihm zugedachte Aufgabe?

Eine weitere, problematische Tatsache ist die der Überprüfbarkeit von Leistungsstandards. In der heutigen Leistungsgesellschaft und bei bestehender ÄSelektionsfunktion der Schule“17 muss eine Möglichkeit gefunden werden, wie am Ende der Schulzeit gemeinsame (Bildungs-)standards nachgewiesen werden können. Das könnte sich beim Portfolio als schwierig erweisen, da bei den Schülern nicht dieselben Dokumente Einzug in die Leistungsmappe finden, sondern je nach Interesse, Begabung und Fähigkeit jeweils unterschiedliche. Das macht es schwer, die verschiedenen Leistungsniveaus der Schüler zu vergleichen, um so der Selektionsfunktion der Schule gerecht zu werden. Mögliche Lösung dieses Problems könnte die Abschaffung der Selektionsaufgabe der Schule sein. Infolgedessen müssten die abnehmenden Institutionen mehr Initiative bei der Auswahl der Bewerber zeigen.

Dabei bleibt aber die Frage bestehen, ob der erhöhte Mehraufwand der Unternehmen/Universitäten bei der Auswahl der Bewerber und die gleichzeitige Abschaffung der Selektionsfunktion der Schule zum Beispiel aus organisatorischer Sicht sinnvoll ist. Aufgrund des Umfangs dieser Hausarbeit kann auf diese - doch recht interessante - Frage nicht eingegangen werden.

Eine weitere durchaus interessante Möglichkeit der Leistungsbewertung besteht darin, einfach die Schüler selbst- und mitbewerten zu lassen. Dabei sollen die Schüler lernen, ihre eigenen Arbeiten und die anderer Mitschüler einzuschätzen, um sich so eigene Urteile bilden zu können. Dies fördere die Fähigkeit zur Reflexion und Bewertung der eigenen Leistungen.18 Wenn Schüler aktiv in den Prozess der Leistungsbewertung eingebunden werden, z.B. dadurch, dass sie Kommentare zu einer Hausarbeit eines Mitschülers abgeben und selber einschätzen sollen, was gut oder was schlecht daran war, verstehen sie die Leistungsprozesse besser und können so für sich selber erkennen, an welche Bedingungen gute Leistung geknüpft ist.

Aber auch die Form der Schülerselbst- und mitbewertung bringt einige Probleme mit sich, welche im Folgenden kurz erläutert werden sollen.

Zum einen sind die Lehrer der Ansicht, dass die Schüler sich selbst zu milde bewerten. Außerdem hat ein Schüler - und das kann er auch gar nicht haben - keinen Überblick über den Leistungsstand der ganzen Klasse und kann somit auch die bewertete Leistung nicht im Gesamtzusammenhang der Leistung in der ganzen Klasse sehen, er weiß schlicht und ergreifend nicht, wo er steht. Ein weiteres, in der heutigen Zeit immer wieder auftretendes Problem kann durch die Schülermitbewertung noch verstärkt werden: Die Diskriminierung und Beleidigung von Mitschülern. Wenn Schüler andere Schüler bewerten, könnten verletzende oder beleidigende Kommentare verwendet werden. Der beurteilte Schüler könnte sich verletzt fühlen und Formen des Mobbings könnten durch solche Bewertungsansätze verstärkt werden.

Nur durch eine umfassende Vorarbeit seitens der Lehrkraft, zum Beispiel indem Gesprächsregeln festgelegt und Umgangsformen klar definiert werden, kann gewährleistet werden, dass es nicht zu solch einer Art Mobbing kommt.19

Es lässt sich sagen, dass der Einbezug von Schülern in den Prozess der Bewertung von Leistung durchaus sinnvoll ist. Inwiefern aber Schülerselbst- und mitbewertung eine wirkliche Alternative zur Leistungsbewertung im herkömmlichen Sinn, zum Beispiel durch Klassenarbeiten, Tests, Noten darstellt, bleibt fraglich und in dieser Arbeit auch nicht weiter ausgeführt.

Als dritte, in dieser Arbeit thematisierte Form der Leistungserhebung und -bewertung werden die sogenannten Lerntagebücher aufgeführt.

Das Führen von Lerntagebüchern ist eine bewährte Methode, die eigene Lernpraxis zu dokumentieren, zu erkunden, zu überprüfen und möglicherweise zu verändern.20

Ein Lerntagebuch ist eine Möglichkeit, in persönlich gehaltener Form über die Unterrichtsinhalte und eigenen Lernfortschritte zu berichten.21 Dabei lernen die Schüler, ihre eigenen Leistungen zu beobachten, zu bewerten und darüber zu reflektieren. Das Schreiben eines Lerntagebuchs bietet einige Vorteile sowohl für die Schüler selbst, als auch für die Lehrkraft. Diese sollen nun im Folgenden kurz erläutert werden. Zum einen sorgt das Schreiben von Lerntagebüchern dafür, dass sich die Schüler ihrer eigenen Lernwege bewusst werden. Dadurch, dass sie aufschreiben müssen, was sie wann wie lernen wollen bzw. gelernt haben, können sich die Schüler ihren eigenen Lernprozess vergegenwärtigen und so eventuelle Hindernisse des Lernens oder auch offen gebliebene Fragen darstellen. Damit ist ein weiterer Vorteil aus Sicht der Schüler verknüpft: Die Selbstkontrolle der eigenen Arbeit und des Erfolgs des Lernens. Da sie die Probleme, welche sie beim Lernen hatten, aufschreiben und genau definieren sollen, können die Schüler versuchen, diese Hindernisse beim nächsten Mal zu überwinden. Es fällt ihnen so auch leichter, ihrem Lehrer genau zu schildern, welche Probleme sie hatten. Darauf aufbauend kann der Lehrer dann reagieren und eventuelle Hilfestellungen geben. Des Weiteren bietet ein Lerntagebuch, wenn es denn regelmäßig geführt wird, dem Schüler die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum sein Lernen zu beobachten und positive aber auch negative Tendenzen in seinem Lernverhalten zu entdecken und sich damit auseinanderzusetzen.22

Aber nicht nur für die Schüler, sondern auch für die betreuende Lehrkraft bietet ein Lerntagebuch vielfältige Vorteile.

Mithilfe der Lerntagebücher erhält der Lehrer eine Rückmeldung über den individuellen Lernfortschritt eines jeden Schülers und kann so auf ihn in der Unterrichtsgestaltung gezielt eingehen. Dass dies aber schon rein aus organisatorischen Gründen in der Praxis kaum zu verwirklichen ist, sei hier noch erwähnt. Außerdem erhält der Lehrer durch die Rückmeldung einen Hinweis auf die Zufriedenheit der Schüler mit seinem Unterricht und mit den Lernleistungen. Ein Lehrer könnte dadurch angeregt werden, seine Unterrichtsgestaltung zu ändern, falls aus den Einträgen in den Lerntagebüchern hervorgeht, dass die Mehrzahl der Schüler mit seinem Unterricht nicht zufrieden ist. Als weiteren Vorteil aus Lehrersicht - und das ist in Bezug auf die Leistungsbewertung einer der wichtigsten - kann man über die Einträge in Lerntagebüchern sowohl die Arbeit, als auch die geforderten zu erbringenden Leistungen kontrollieren. Der Lehrer kann überprüfen, ob ein Schüler ein Thema verstanden, ob und in welchem Umfang er sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Auf Grundlage dessen könnte der Lehrer ein Modell entwickeln, mit welchem er die Einträge in Lerntagebüchern bewerten kann.23

Doch genauso wie die beiden anderen vorher erwähnten alternativen Formen der Leistungsbewertung, hat auch das Lerntagebuch ein paar Schwächen und wirft einige Probleme auf, welche nun erläutert werden sollen.

Felix Winter beschreibt in seinem Buch fünf Probleme im Umgang mit Lerntagebüchern, von denen drei hier kurz erläutert werden sollen.

Zuerst wirft Winter die Frage auf, ob man ein Lerntagebuch zu einer freiwilligen oder einer verpflichtenden Aufgabe machen soll. Beide Seiten haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Ist das Schreiben eines Lerntagebuchs freiwillig, so kann vermieden werden, dass für den Lehrer geschönte Berichte entstehen, nur um die eigene Person besser dastehen zu lassen. Nachteil bei freiwilligem Schreiben von Lerntagebüchern ist jedoch, dass gerade Schüler, welche eine geringe Fähigkeit zur Reflexion ihrer eigenen Leistung haben - und gerade für diese Schüler wäre ein Lerntagebuch sinnvoll - es oft ablehnen, sich freiwillig mit ihrer Arbeit auseinanderzusetzen. Vorteil einer verpflichtenden Übernahme eines Lerntagebuchs ist, dass der Lehrer gleiche Ausgangslagen schafft, auf deren Grundlage er seine Bewertungsmaßstäbe ansetzen kann. Außerdem kann er davon ausgehen, dass sich jeder Schüler mit seinem eigenen Lernverhalten auseinandersetzt und somit übt, über sein Handeln, sein Lernen und seinen Lernprozess zu reflektieren.

[...]


1 Winter, Felix: ÄLeistungsbewertung - Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit Schülerleistungen“ Baltmannsweiler 2006, S. 37.

2 Vgl. Fiegert, M.; Solzbacher, C.: ÄAlternative Schulen - alternative Leistungsbeurteilung“ in: Freitag, C.; Solzbacher, C.: ÄAnpassen, verändern, abschaffen?`- Schulische Leistungsbewertung in der Diskussion“, Rieden 2001, S. 289 f.

3 Vgl. Bohl, Thorsten: ÄNeue Formen der Leistungsbewertung“, Baltmannsweiler 2004², S. 333.

4 Winter, Felix, 2006, S. 41.

5 Ebd.

6 Vgl. ebd. S. 37.

7 W. Wallrabenstein: Professor (i.R.) für Erziehungswissenschaften in Hamburg.

8 Vgl. Bohl, Thorsten, u.a.: ÄOffener Unterricht heute“, Weinheim und Basel 2010, S. 13.

9 E. Jürgens: Professor für Schulpädagogik an der Universität Bielefeld.

10 S. Anlage 1.

11 Vgl. Bohl, Thorsten, u.a., 2010, S. 14.

12 T. Bohl: Professor für Erziehungswissenschaften in Tübingen.

13 Vgl. Bohl, Thorsten, u.a., 2010, S. 19.

14 Vgl. Winter, Felix, 2006, S. 195.

15 Vgl. Bohl, Thorsten; Jürgens, Eiko: ÄPrüfen und Bewerten im Offenen Unterricht“, Weinheim und Basel 2009, S. 149.

16 Vgl. Winter, Felix, 2006, S. 196.

17 http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/KaelteIFS.pdf, S. 13. (20.09.12)

18 Vgl. Winter, Felix, 2006, S. 236 f.

19 Vgl. Bohl, Thorsten, 2004, S. 316 ff.

20 http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNTECHNIK/Lerntagebuch.shtml. (20.09.2012)

21 Vgl. Winter, Felix 2006, S. 254.

22 Vgl. Winter, Felix, 2006. S. 262 f.

23 Vgl. ebd. S. 263.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Neue Formen der Leistungsbewertung von Schülern im "Offenen Unterricht"
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V299944
ISBN (eBook)
9783656963837
ISBN (Buch)
9783656963844
Dateigröße
942 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue, formen, leistungsbewertung, schülern, offenen, unterricht
Arbeit zitieren
Michael van Zadel (Autor), 2012, Neue Formen der Leistungsbewertung von Schülern im "Offenen Unterricht", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299944

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