Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Ursprungsregeln bei der Formierung von Freihandelsabkommen auf die Wohlfahrt der FTA-Partnerländer. Dazu wird eine komparativ statische Analyse der Auswirkungen der Formierung eines FTA mit und ohne ROO durchgeführt, wobei die Wohlfahrt der FTA- Partnerländer untersucht wird. Es zeigt sich, dass in einem FTA, in dem keine ROO verankert sind, der positive die negativen Wohlfahrtseffekte nur unter bestimmten Umständen übersteigt.
Der klassische „Trade Creation“-Effekt kann von dem negativen „Input Price“-Effekt und „Derived Demand“-Effekt überwogen werden. Bei der Untersuchung eines FTA mit ROO wird ebenso eine komparativ statische Analyse durchgeführt. Es wird dabei gezeigt, dass die Wohlfahrtseffekte abhängig sind von der Höhe des geforderten Anteils der „lokalen Wertschöpfung“ und von der Bemessungsgrundlage für die ROO. Außerdem ergeben sich Unterschiede zwischen einem Markt mit perfektem Wettbewerb und einer Monopolstellung. Abhängig von diesen Einflussfaktoren können sich FTAs mit ROO positiv oder negativ auf die Wohlfahrt eines Landes auswirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Freihandelsabkommen
2.1. Hintergrund
2.2. Formierung eines Freihandelsabkommens
2.3. Vergleich eines Freihandelsabkommen und einer Zollunion
3. Rules of Origin (ROO)
3.1. Hintergrund
3.2. Gründe für und gegen die Aufnahme von ROO in ein FTA
3.3. Arten der Bemessungsgrundlage für den LC
4. Wohlfahrtseffekte eines FTA ohne ROO
4.1. Modellaufbau
4.2. Auswirkungen auf die Importe
4.3. Wohlfahrtseffekte
5. Wohlfahrtseffekte eines FTA mit ROO
5.1. Model Outline
5.2. Wohlfahrtseffekte bei perfektem Wettbewerb
5.2.1. Kostenbasierte Bemessung
5.2.2. Preisbasierte Bemessung
5.3 Wohlfahrtseffekte bei einem ausländischem Monopol
5.3.1. Kostenbasierte Bemessung
5.3.2. Preisbasierte Bemessung
6. Modellvergleich zwischen einer FTA-Formierung mit und ohne ROO
7. Kritische Würdigung
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Analyse der wohlfahrtstheoretischen Auswirkungen von Freihandelsabkommen (FTA), wobei ein besonderer Fokus auf dem Einfluss von Ursprungsregeln (Rules of Origin, ROO) liegt. Die Forschungsfrage untersucht, wie sich die Formierung von Freihandelszonen – mit und ohne diese spezifischen Handelshemmnisse – auf die Wohlfahrt der beteiligten Partnerländer unter unterschiedlichen Marktbedingungen wie perfektem Wettbewerb und Monopolstellungen auswirkt.
- Vergleich der Wohlfahrtseffekte von Freihandelsabkommen mit und ohne Ursprungsregeln.
- Analyse der Mechanismen wie "Trade Creation", "Trade Diversion", "Input Price"-Effekt und "Derived Demand"-Effekt.
- Untersuchung der Bemessungsgrundlagen für den lokalen Wertschöpfungsanteil (Local Content).
- Gegenüberstellung theoretischer Modelle (Ju & Krishna sowie Krishna & Krueger) zur Bewertung von Handelsintegration.
Auszug aus dem Buch
3.2. Gründe für und gegen die Aufnahme von ROO in ein FTA
Nachdem ROO definiert wurden, kann man nun auf die Gründe für die Aufnahme von ROO eingehen.
Ein bereits erwähnter Aspekt für die Aufnahme von ROO in ein FTA ist die Verhinderung von TDE. Hierbei werden Güter in das Land mit dem geringeren Zollsatz exportiert, um diese von dort aus, unter Verwendung des FTA weiter zu exportieren. Ohne ROO würde es laut Krishna (2005), bei Vernachlässigung von Transportkosten, in diesem Fall zu einem Handelskrieg kommen, weil jede Reduzierung des Zollsatzes in einem Land zu einer vollständigen Verschiebung der Warenströme in dieses Land führt. Dementsprechend wird das Land mit den marginal geringeren Zollsätzen die gesamten Zolleinnahmen erzielen. Das Resultat wäre eine Reduktion der Zollsätze des Partnerlandes, sodass es die gesamten Einnahmen für sich generieren kann. Die Länder konkurrieren um die Einnahmen mit dem finalen Ergebnis einer vollständigen Elimination aller Zölle. Dann wird keines der Partnerländer mehr, ohne ROO, Zölle einnehmen.
Des Weiteren verhindern ROO, dass Produkte oberflächlich bearbeitet werden, nur um sie für die reduzierten FTA-Zollsätze zu qualifizieren (Cadot et al., 2002). So wird vermieden, dass beispielsweise ein fertiges Auto ohne Reifen aus Deutschland in den USA mit Reifen ausgestattet wird und sich allein dadurch für NAFTA-Zollsätze qualifiziert.
Außerdem bieten sie Produzenten einen Anreiz, lokale Vorprodukte zu kaufen um den geforderten LC-Anteil zu erreichen (Krishna, 2005). Ohne die lokalen Vorprodukte können die LC-Anforderungen nicht erreicht werden. Sie bieten somit den heimischen Produkten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Produkten aus nicht FTA Partnerländern. Es kann zu dem Fall kommen, dass Firmen teurere Vorprodukte aus dem FTA-Partnerland kaufen, um den LC-Anteil zu erreichen und somit das finale Produkt zollfrei dort verkaufen zu können (Krueger, 1993). Krueger, (1995) bezeichnet dies als „'export' protection from one country to the other through the incentives created by rules of origin“. Diese Effekte wirken sich auch politisch aus. Die Absicherung der heimischen Produktion gegen die Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland macht ein FTA mit ROO, wie bereits erwähnt, leichter durchsetzbar (Krishna, 2005). Nichtsdestotrotz gibt es auch Gründe, die gegen die Verankerung von ROO in einem FTA sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wachsende Bedeutung regionaler Handelsabkommen ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Wohlfahrtseffekte von Ursprungsregeln.
2. Freihandelsabkommen: Dieses Kapitel definiert Grundlagen von Freihandelsabkommen und grenzt diese von anderen Integrationsformen wie Zollunionen ab.
3. Rules of Origin (ROO): Hier werden die Definition, Hintergründe sowie die Bemessungsmethoden für Ursprungsregeln in internationalen Handelsabkommen detailliert dargelegt.
4. Wohlfahrtseffekte eines FTA ohne ROO: Dieses Kapitel analysiert anhand eines Modells von Ju & Krishna die Auswirkungen von Freihandelsabkommen ohne Ursprungsregeln auf Importe und Wohlfahrt.
5. Wohlfahrtseffekte eines FTA mit ROO: Basierend auf dem Modell von Krishna & Krueger werden hier die Wohlfahrtseffekte unter Berücksichtigung von Ursprungsregeln bei perfektem Wettbewerb und Monopolstrukturen untersucht.
6. Modellvergleich zwischen einer FTA-Formierung mit und ohne ROO: In diesem Kapitel werden die verwendeten ökonomischen Modelle gegenübergestellt, um Unterschiede in der Spezifikation und den Ergebnissen herauszuarbeiten.
7. Kritische Würdigung: Hier werden die Annahmen der Modelle sowie die Realitätsnähe der theoretischen Ergebnisse einer kritischen Analyse unterzogen.
8. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Analyse zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Freihandelsabkommen, Ursprungsregeln, Rules of Origin, Wohlfahrtseffekte, Trade Creation, Trade Diversion, Lokale Wertschöpfung, Local Content, Internationaler Handel, Zollunion, Industriepolitik, Handelshemmnisse, Preisbildung, Monopol, Wettbewerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Wohlfahrtseffekte, die bei der Bildung von Freihandelsabkommen auftreten, wobei insbesondere die Rolle von Ursprungsregeln (Rules of Origin) untersucht wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt Themen wie Handelsliberalisierung, Ursprungsregeln, die Kostenstruktur der lokalen Wertschöpfung sowie die Auswirkungen auf Konsumentenrente und Produzentenwohlfahrt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob Freihandelsabkommen mit Ursprungsregeln wohlfahrtstechnisch vorteilhaft sind oder ob sie durch ineffiziente Produktionsanreize die Wohlfahrt mindern, im Vergleich zu Abkommen ohne diese Regeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine komparativ statische Analyse auf Basis bestehender mikroökonomischer Handelsmodelle (insbesondere Ju & Krishna sowie Krishna & Krueger) angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Freihandelsabkommen ohne Ursprungsregeln sowie die detaillierte Analyse von Abkommen mit solchen Regeln unter Annahme von perfektem Wettbewerb oder Monopolmacht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Freihandelsabkommen", "Ursprungsregeln", "Wohlfahrtseffekte", "Trade Creation" und "Local Content" charakterisiert.
Warum sind Ursprungsregeln für Regierungen so wichtig?
Sie dienen als Instrument, um heimische Industrien vor unerwünschten Warenströmen zu schützen und sicherzustellen, dass die Vorteile eines Abkommens tatsächlich den Mitgliedsländern zugutekommen, statt von Drittländern "durchgereicht" zu werden.
Wie beeinflusst eine Monopolstellung die Auswirkungen der Ursprungsregeln?
In einer Monopolsituation können Produzenten versuchen, durch gezielte Preissetzung die Kriterien für Ursprungsregeln zu manipulieren, was zu komplexen und teilweise entgegenlaufenden Wohlfahrtseffekten führt.
- Citar trabajo
- Dominik Linder (Autor), 2014, Wohlfahrtseffekte von Freihandelsabkommen. Eine Analyse des Einflusses der "Rules of Origin", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299968