Mitarbeitermotivation mittels sozialer und monetärer Marktnormen


Bachelorarbeit, 2014

29 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis Seite

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Soziale und monetäre Marktnormen
2.1. Unterschiede zwischen sozialen und monetären Marktnormen
2.2. Auswirkungen eines Wechsels zwischen den Marktnormen

3. Was motiviert Menschen?
3.1. Bedürfnis- und Motivtheorien
3.2. Erkenntnisse zur Mitarbeitermotivation

4. Einmalige Anreize zur Motivation von Mitarbeitern

5. Empfohlene Strategieausrichtung für Unternehmen
5.1. Merkmale von Unternehmen
5.2. Beispiele aus dem Unternehmenskontext
5.2.1. Fallbeispiel 1: Lidl
5.2.2. Fallbeispiel 2: dm
5.2.3. Fallbeispiel 3: Google

6. Diskussion

Literatur

Zusammenfassung

Ariely (2008) postuliert eine Theorie, in der er die Auswirkungen von dem Gebrauch sozialer und monetärer Marktnormen auf die Leistungsbereitschaft von Menschen definiert. Ist die Belohnung gering, ist es effektiver, einen Menschen mittels sozialer Marktnormen zu motivie- ren. Bei einer hohen Belohnung hängt es von den Rahmenbedingungen ab, ob soziale oder monetäre Marktnormen einen höheren Effekt erzielen. Unter Einbezug verschiedener Motivationstheorien und der Merkmale des Unternehmens kann aus dem Modell von Ariely eine differenzierte Empfehlung für Arbeitgeber abgeleitet werden, wie diese ihre Mitarbeiter best- möglich motivieren sollten. Die Bedürfnispyramide von Alderfer, eine Weiterentwicklung des kritisch diskutierten Konzepts von Maslow, stellt die Basis für diesen Transfer dar. Die un- terste Ebene bezeichnet in diesem Modell existenzielle Bedürfnisse. Diese können gut mit Geld bzw. monetären Marktnormen befriedigt werden. Die zweite Ebene des Modells umfasst soziale Bedürfnisse wie zum Beispiel den Wunsch nach Anerkennung und kann sowohl durch monetäre als auch durch soziale Marktnormen befriedigt werden. Die oberste Ebene stellt die Wachstumsbedürfnisse des Menschen dar und kann - da rein monetäre Motivation hier nicht ausreicht - nur durch soziale Marktnormen befriedigt werden. Die Arbeitstätigkeit sowie die Unternehmensphilosophie determinieren, in welche Ebene dieses Modells ein Unternehmen einzuordnen ist und bestimmen somit gleichermaßen, welche Marktnorm wann vom Unter- nehmen bevorzugt werden sollte.

1. Einleitung

„Wie motiviere ich meine Mitarbeiter am besten?“ - das ist eine Frage, die sich jeder Arbeitgeber, Abteilungsleiter oder Unternehmer stellt. Viele Unternehmen probieren, diese Motivation mithilfe von monetären Anreizen zu erreichen. Aber ist dies der beste und nachhaltigste Weg? Ariely (2008) trifft in diesem Zusammenhang die Aussage, dass Geld häufig das teuerste Mittel sei, um Menschen zu motivieren. Soziale Normen hingegen, so Ariely, seien billiger und auch wirksamer (Ariely, 2008, S. 134). Dies erkennen Unternehmen zunehmend und versuchen soziale Marktnormen im Umgang mit der Belegschaft zu etablieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Unternehmen Google, welches es geschafft hat, sich durch das Angebot vieler freiwilliger Nebenleistungen ein attraktives Image als Arbeitgeber aufzubauen und damit außerdem nachhaltig die Motivation der Mitarbeiter fördert. Ein weiteres Unternehmen, das bei der Mitarbeitermotivation stark auf soziale Marktnormen setzt, ist das Drogeriehandelsunternehmen dm. Gegenseitiger Respekt und Nachhaltigkeit sind Beispiele für die Werte, die die Unternehmensphilosophie des Unternehmens maßgeblich prägen (Teske, 2012).

Ein großer Vorteil der Etablierung sozialer Marktnormen besteht darin, dass sie mit einer erhöhten Loyalität der Mitarbeiter einhergeht. Einem Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter allein mit monetären Marktnormen zu motivieren versucht, wird solch eine Loyalität nicht zuteil. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass der Arbeitnehmer, wenn er die Arbeit nur unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet, den Arbeitgeber unmittelbar wechselt, wenn er ein besseres Angebot bekommt. Weitere Vorteile der sozialen Marktnormen bestehen darin, dass Mitarbeiter geringe Einschränkungen wie zum Beispiel eine vorübergehende Lohnkürzung oder etwas Vergleichbares eher tolerieren. Selbstverständlich haben die Mitarbeiter im Falle einer Etablierung von sozialen Marktnormen jedoch auch höhere Erwartungen (zum Beispiel Hilfestellungen in persönlich schwierigen Situationen) an das Unternehmen, da sie selbst eine hohe Anstrengungsbereitschaft zeigen (Ariely, 2008).

Das Ziel der Arbeit liegt in der Herleitung eines Modells, das genaue Aussagen über die Verwendbarkeit von sozialen und monetären Marktnormen zur Motivation von Mitarbeitern ermöglicht. Im zweiten Kapitel der Arbeit werden hierzu zunächst Studien vorgestellt, die empirische Evidenzen für die Effektivität von sozialen und monetären Marktnormen liefern. Im dritten Kapitel werden darüber hinaus verschiedene Motivationstheorien vorgestellt, die insbesondere im Kontext der Arbeitsmotivation relevant sind und im Verlauf der Arbeit wiederholt aufgegriffen werden. Außerdem wird hier ein kurzer Überblick über weiterführende Forschung zur Arbeitsmotivation gegeben. Kapitel vier beschäftigt sich mit einmaligen

Anreizen zur Mitarbeitermotivation. Kapitel fünf umfasst einen Transfer der gesammelten Erkenntnisse auf die Motivation von Mitarbeitern und beinhaltet in diesem Kontext die praxisnahe Herleitung eines neuen Modells der Mitarbeitermotivation. Die Arbeit bezieht sich hierbei insbesondere auf die praktische Anwendbarkeit des abgeleiteten Modells und fokussiert in diesem Kontext unter anderem die Strategien des Personalmanagements von Google. Die abschließende Diskussion hinterfragt das von Ariely (2008) vorgestellte Konzept und betrachtet weitere thematisch relevante Aspekte.

2. Soziale und monetäre Marktnormen

Ariely beschreibt in seinem Buch „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ (2008) einen Anwalt, der bedürftigen Personen lieber ehrenamtlich als für einen geringen Geldbetrag juristische Ratschläge gibt. Dieses Beispiel liefert sehr anschaulich Evidenzen für die von Ariely (2008) vorgestellte Theorie zweier unterschiedlicher Marktnormen. Durch das Angebot des Geldes wird der Anwalt die Tätigkeit unter Berücksichtigung monetärer Marktnormen analysieren. Hierbei stellt er fest, dass er für diesen geringen Geldbetrag nicht bereit ist, Anstrengung zu leisten. Wenn er jedoch gebeten wird die Tätigkeit ehrenamtlich - also ohne monetäre Gegenleistung - durchzuführen, wird er eher zustimmen, da er die Anstrengung unter Einbezug sozialer Marktnormen als „altruistische Handlung“ problemlos vor sich selbst rechtfertigen kann. In diesem Kapitel wird die Theorie von Ariely (2008) anhand zweier empirischer Studien dargestellt. Des Weiteren sollen die Auswirkungen der Verwendung der verschiedenen Marktnormen auf die Leistungsbereitschaft und Motivation von Menschen diskutiert werden.

2.1. Unterschiede zwischen sozialen und monetären Marktnormen

Ariely (2008) führte 2004 gemeinsam mit dem Forscher Heyman eine Studie durch, in der sie untersuchen wollten, ob die Marktnorm (monetäre & soziale Marktnormen) determiniert, inwieweit eine Person leistungsbereit ist und ob sie eine kompensatorische Leistung für ihre Arbeit erwartet. Die zwei Autoren stellten die Hypothese auf, dass sich eine Person bei der Verwendung von monetären Marktnormen stark anstrengt, wenn sie eine hohe monetäre Gegenleistung erwartet. Soziale Marknormen katalysieren hingegen innere Prozesse des Menschen, die dazu führen, dass das Bedürfnis nach Kompensation in den Hintergrund tritt. Die geleistete Anstrengung einer Person ist in diesem Fall also unabhängig von einer geleisteten

Gegenleistung (Heyman & Ariely, 2004). Zur empirischen Überprüfung dieser Hypothese führten die Forscher Heyman und Ariely (2004) drei verschiedene Experimente durch. Da diese weitestgehend konsistente Ergebnisse aufwiesen, wird nur eines davon in diesem Kapitel exemplarisch und repräsentativ vorgestellt. Es wurde hierbei das Experiment mit der größten Variation innerhalb der unabhängigen Variablen gewählt, da dieses den größten Erkenntnisgewinn verspricht.

Die Probanden sollten in diesem Experiment die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass eine Person, die als durchschnittlicher Student beschrieben wurde, einer anderen Person bei dem Beladen eines Sofas in einen Van hilft. Das Szenario sah vor, dass die helfende Person für ihre Arbeit eine Entlohnung erhielt. Diese variierte von verschiedenen Geldbeträgen als Form finanzieller Kompensation (monetäre Marktnormen) über eine unterschiedliche Anzahl an Süßigkeiten als soziale Kompensation (soziale Marktnormen). Des Weiteren wurde eine Bedingung hinzugefügt, die eine Nennung des Gegenwertes der Süßigkeiten (Kombination von sozialen und monetären Marktnormen) beinhaltete. Die Entlohnung wurde hierbei entweder bei 0$ (keine Bezahlung), 0.5$ (niedriges Bezahlungslevel) oder 5$ (hohes Bezahlungslevel) beziehungsweise einem entsprechenden Äquivalent in Süßigkeiten angesetzt. Die Forscher stellten für das Experiment folgende 4 Hypothesen auf (Heyman & Ariely, 2004):

1: Die Beziehung zwischen dem Bezahlungslevel und der erwarteten Hilfsbereitschaft unterscheidet sich bei der Verwendung von sozialen und monetären Marktnormen.
1a: Bei monetären Marktnormen ist die erwartete Hilfsbereitschaft von dem Bezah lungslevel abhängig.
1b: Bei sozialen Marktnormen ist die erwartete Hilfsbereitschaft durchgehend und unabhängig vom Bezahlungslevel auf einem hohen Level.
1c: Die erwartete Hilfsbereitschaft kann bei keiner Bezahlung höher sein als die er wartete Hilfsbereitschaft bei einer geringen monetären Bezahlung.
2: Werden beide Marktnormen kombiniert, überlagern monetäre Marktnormen und es folgt die Vorhersage der Hypothese 1a.

Heyman und Ariely (2004) untersuchten also den Einfluss von zwei unabhängigen Variablen (Bezahlungsform und Bezahlungslevel) auf eine abhängige Variable (erwartete Hilfsbereitschaft). Tabelle 1 liefert einen Überblick über die verschiedenen Bedingungen. Das experimentelle Design beinhaltete drei Bezahlungsformen, die jeweils mit einer niedrigen und hohen sowie - zur Kontrolle - mit keiner Bezahlung kombiniert wurden (Heyman & Ariely, 2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Experimentelles Design (Darstellung in Anlehnung an Heyman & Ariely, 2004)

Insgesamt wurden 614 Studenten der University of California und des MIT gebeten, eine kurze Umfrage auszufüllen. Hierbei sollten sie, nachdem sie das Szenario gelesen hatten, auf einer Skala von 1 (auf keinen Fall) bis 11 (in jedem Fall) angeben, ob der Durchschnittsstudent bei dem Einladen des Sofas helfen würde (Heyman & Ariely, 2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Resultate des Experiments (Quelle: Heyman & Ariely, 2004)

Alle Resultate bestätigten die eingangs aufgestellten Hypothesen. In Abbildung 1 werden die Ergebnisse anschaulich illustriert. Auf der x-Achse ist das Bezahlungslevel und auf der yAchse die erwartete Hilfsbereitschaft abgebildet. Da der y-Wert in der Geld-Bedingung mit einer höheren Bezahlung (höherer x-Wert) signifikant gestiegen ist [F(1,607) = 5.03, p < 0.001)] ist die Hypothese 1a bestätigt. Auch die Hypothese 1b kann bestätigt werden, da die

Auswertung der Fragebögen ein altruistisches Muster für die Bedingung der sozialen Marktnormen erkennen lässt. Eine Erhöhung der Bezahlung führt hier nicht gleichzeitig zu einer erhöhten erwarteten Hilfsbereitschaft. Es kann also kein signifikanter Unterschied zwischen geringer und hoher Bezahlung in dieser Bedingung ausgemacht werden [F(1,607) = 0.25, p = 0.81)]. Kritisch anzumerken ist hierbei jedoch, dass auch die Süßigkeiten eine Form von Kompensation darstellen. Da Personen, die durch soziale Marktnormen motiviert werden, jedoch keine kompensatorische Leistung erwarten, spielt für sie auch die Höhe der Entlohnung nur eine untergeordnete Rolle. Hypothese 1 beschreibt einen Interaktionseffekt für das Bezahlungslevel und die erwartete Hilfsbereitschaft. Das bedeutet, dass sich soziale Marktnormen bei einem hohen/niedrigen Bezahlungslevel anders auswirken als monetäre Marktnormen und vice versa. Dieses Ergebnis wird bereits durch die Signifikanz der Hypothesen 1a und 1b angedeutet und auch empirisch untermauert [F(1,607) = 3.44, p < 0.001]. Auch Hypothese 1c kann bestätigt werden. Wie in Abbildung 1 ersichtlich, ist die Hilfsbereitschaft bei keiner Bezahlung signifikant höher als bei einer geringen monetären Bezahlung [F(1,607) = 4.65, p < 0.001]. Gleicher Effekt ist in der Bedingung der sozialen Marktnormen (Süßigkeiten) bei geringer Entlohnung nicht signifikant [F(1,607) = 0.2, p < 0.84]. Gleichermaßen kann Hypothese 2 mithilfe der gewonnenen Ergebnisse empirisch bewiesen werden. Die „monetisierten“ Süßigkeiten gleichen einer Bezahlung und folgen dementsprechend dem Muster der Hypothese 1a [F(1,607) = 3.48, p < 0.001]: Je geringer die Entlohnung desto geringer ist auch die Bereitschaft Hilfe zu leisten (Heyman & Ariely, 2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Resultate eines weiteren Experiments (Quelle: Heyman & Ariely, 2004)

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Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Mitarbeitermotivation mittels sozialer und monetärer Marktnormen
Hochschule
Universität zu Köln  (Organisations- und Wirtschaftspsychologie)
Veranstaltung
Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Note
1,8
Autor
Jahr
2014
Seiten
29
Katalognummer
V300122
ISBN (eBook)
9783656972150
ISBN (Buch)
9783656972167
Dateigröße
1049 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mitarbeitermotivation, Ariely, soziale Marktnormen, monetäre Marktnormen, Motivation, Psychologie, Wirtschaftspsychologie
Arbeit zitieren
Bachelor of Science Jannis von Nitzsch (Autor:in), 2014, Mitarbeitermotivation mittels sozialer und monetärer Marktnormen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300122

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