Möglichkeiten und Grenzen der Kapitalmarktfinanzierung am Beispiel von Borussia Dortmund


Seminararbeit, 2014

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Börsengänge der Premier League im Vergleich mit der deutschen Bundesliga

2 Kapitalmarktfinanzierung von Profifußballclubs in Deutschland
2.1 Grundlagen eines Börsengangs
2.2 Besondere Rahmenbedingungen für Fußballunternehmen
2.3 Der Börsengang von Borussia Dortmund

3 Chancen und Risiken eines Börsengangs am Beispiel von Borussia Dortmund
3.1 Mögliche Chancen für den Fußballclub
3.1.1 Mögliche Vorteile durch die Stärkung der Eigenkapitalbasis
3.1.2 Realisierung von Investitionen und Diversifikation
3.1.3 Professionalisierung der Geschäftsführung
3.1.4 Öffentlichkeitswirkung
3.2 Risiken für den Fußballclub
3.2.1 Kosten eines Börsengangs
3.2.2 Publizität und Offenlegung
3.2.3 Folgen aus der kurzfristigen Orientierung der Kapitalgeber
3.3 Auswirkungen auf die Umwelt des Profivereins
3.3.1 Liga
3.3.2 Anleger

4 Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Börsengänge der Premier League im Vergleich mit der deutschen Bundesliga

Als Pionier gingen bereits im Jahr 1983 die Tottenham Hotspurs als erster europäischer Fußballclub an die Börse.1 Aufgrund der positiven Entwicklung des Aktienkurses folgten in den 90er Jahren eine Reihe von weiteren Fußballclubs aus der Premier League, die ebenso Fußballaktien an der London Stock Exchange emittierten. Bis zur Spielzeit 1999/2000 waren weitere 23 Fußballclubs dem Beispiel der Tottenham Hotspurs mit einem Initial Public Offer (IPO) gefolgt. Die deutsche Bundesliga wurde von diesem IPO-Boom jedoch nicht infiziert. Borussia Dortmund (BVB) ist der einzige deutsche Fußballclub, der bisher den Gang an die Börse wagte. Die schlechte Performance in den ersten Jahren der Aktie und die drohende Insolvenz in 2005 gab den übrigen Bundesligaclubs zunächst damit Recht nicht an die Börse gegangen zu sein.2 Auch aktuell ist der ursprüngliche Ausgabekurs der Aktie noch lange nicht erreicht. Allerdings ist seit der Saison 2010/2011 ein klarer Aufwärtstrend der Aktie zu beobachten.3 Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Frage, ob die Börsennotierung für einen Fußballclub sinnvoll ist.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Börsengang von Profifußballmannschaften in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Borussia Dortmund. Dabei werden zuerst die grundlegenden Rahmenbedingungen und Besonderheiten der Kapitalmarktfinanzierung einer Lizenzmannschaft erörtert. Anschließend werden die Chancen und Risiken einer Kapitalmarktfinanzierung untersucht, wobei der Untersuchungsschwerpunkt auf dem Verein liegt. Danach werden die Auswirkungen auf das Umfeld des Vereins erörtert, indem die Folgen für die Anleger und die Fußballliga diskutiert werden. Zum Schluss erhält der Börsengang als Finanzierungsalternative vor dem Hintergrund der aktuellen Situation des BVB eine kritische Betrachtung.

2 Kapitalmarktfinanzierung von Profifußballclubs in Deutschland

2.1 Grundlagen eines Börsengangs

Der Börsengang ist ein Instrument der Außenfinanzierung bei dem der Emittent liquide Mittel von einem breit gestreuten Anlegerpublikum erhält.4 Die erstmalige öffentliche Platzierung von Aktien bezeichnet man auch als IPO oder als Going Public. Die Stärkung der Eigenkapitalbasis erfolgt dabei aus verschiedenen Motiven. Laut einer Studie des Deutschen Aktieninstituts sind die wichtigsten Motive für einen Börsengang im Entry Standard die Finanzierung von Wachstum und Innovation sowie die Verbesserung des Image bzw. des Bekanntheitsgrades.5

Die Regulierung eines Börsengangs erfolgt zum einen durch Gesetze und Verordnungen - wie das Aktiengesetz oder die Börsenzulassungs-Verordnung - zum anderen durch die Regelwerke der Deutschen Börse AG selbst.6 Hier sind nicht nur Mindestemissionsvolumina, Unternehmensalter oder die Streuung der Aktien, sondern auch die Offenlegungspflichten geregelt. Für einen erfolgreichen IPO spielen vor allem aber wirtschaftliche Faktoren, wie eine gute Equity Story oder die Kapitalmarktreife des Unternehmens eine Rolle. Eine detaillierte Behandlung würde allerdings den Umfang dieser Arbeit sprengen.

2.2 Besondere Rahmenbedingungen für Fußballunternehmen

Die Rahmenbedingungen für die Aktienemission eines Profifußballclubs wurden mit einer Statutenänderung der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Oktober 1998 geschaffen.7 Seitdem erhalten auch Kapitalgesellschaften Lizenzen für die 1. und 2. Bundesliga. Kapitalgesellschaften setzten sich nach dem HGB aus der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und der Aktiengesellschaft (AG) zusammen.8 Allerdings kommen für eine Aktienemission in Deutschland nur AG, KGaA und Mischformen der KGaA in Frage, da eine reine GmbH keine Aktien veräußern darf.9

Nach dem Eckwertepapier der DFL unterliegt die Umfirmierung einer Profimann- schaft allerdings der sogenannten „50+1“-Regel, die den Einfluss und die Stimmhoheit des Muttervereins schützen will.10 Die Regel besagt, dass der Mindestanteil der Stimmrechte des Muttervereins 50 Prozent plus eine weitere Stimme/Aktie betragen muss. Durch diese Einschränkung gibt es lediglich vier verschiedene Rechtsformen für einen Börsengang, die der Regel der DFL gerecht werden können.11

2.3 Der Börsengang von Borussia Dortmund

Borussia Dortmund ist am 31.10.2000 an die Börse gegangen und erzielte dabei einen Emissionserlös von 131 Millionen Euro.12 Zuvor wurde die Profimannschaft und der damit verbundene wirtschaftliche Geschäftsbetrieb aus dem Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund ausgegliedert und in die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA umgewandelt.13 Die Motive für die zu jener Zeit innovative Finanzierungsform in Deutschland waren laut der damaligen Geschäftsführung die Unabhängigkeit von kurzfristigem sportlichem Erfolg, sowie die Zukunftssicherung des Vereins.14 Die Unabhängigkeit der Lizenzspielerabteilung sollte durch Diversifikation erlangt werden, weshalb sich die neugeschaffene Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mit Hilfe des neuerworbenen Kapitals auch in sportnahen Geschäftsfeldern beteiligte.15 Vor allem wurde aber in die Kaderstärke und das Westfalenstadion investiert.16 Durch die Rechtsform der GmbH & Co. KGaA tritt der Kernverein aus Gründen der Haftungsbeschränkung nicht selbst, sondern über eine Geschäftsführungs-GmbH als Komplementär der Kommanditgesellschaft auf.17 Somit verfügt der Verein über die wesentlichen Entscheidungsbefugnisse, während die Kommanditaktionäre lediglich als Kapitalgeber auftreten und über keine Zustim- mungs- oder Vetorechte verfügen. Dadurch können 100 Prozent der Aktien emit- tiert werden, ohne dass die „50+1“-Regel verletzt wird. Ein Überblick über diese verschiedenen Organe wird in Anhang 3 gegeben.

3 Chancen und Risiken eines Börsengangs am Beispiel von Borussia Dortmund

3.1 Mögliche Chancen für den Fußballclub

3.1.1 Mögliche Vorteile durch die Stärkung der Eigenkapitalbasis

Der offensichtliche Vorteil bei einem Börsengang ist die Stärkung der Eigenkapitalbasis. Das erworbene Kapital ist unbefristet und kann nur im Ausnahmefall (beispielsweise im Insolvenzverfahren) entzogen werden, sodass es eine ideale dauerhafte Finanzierungsform darstellt.18 Als Vorreiter der deutschen Proficlubs konnte sich der BVB den sog. „First-Mover-Vorteil“19 zu Nutzen machen. Aufgrund der temporären Alleinstellung am Markt konnte eine überdurchschnittlich hohe Bewertung der Marke und somit ein Emissionserlös erzielt werden, der deutlich über dem Unternehmenswert lag. Mit einer Erhöhung der Eigenkapitalbasis verringert sich der Verschuldungsgrad und durch das erhöhte Haftungspotential steigt die Kreditwürdigkeit. Dies wirkt sich positiv auf die Kreditkonditionen für künftiges Fremdkapital aus und senkt folglich die Finanzierungskosten. Die Clubs der ersten Fußball-Bundesliga haben zusammen 690 Millionen Euro Schulden und dies meist zu hohen Zinsen, da das Geschäft als riskant eingestuft wird.20 Die einzigen schuldenfreien Bundesligisten sind derzeit Bayern München und Borussia Dortmund.

Weiteres Eigenkapital zur Finanzierung neuer Investitionen kann bei Bedarf durch eine Kapitalerhöhung über die Börse aufgenommen werden. Borussia Dortmund hat bis heute bereits vier Kapitalerhöhungen durchgeführt und seit dem Börsengang das Grundkapital auf aktuell 92 Millionen Euro erhöht.21 Diese starke Eigenkapitalbasis dient auch als Puffer bei sportlichem Misserfolg (wie Abstieg), welcher sich unmittelbar wirtschaftlich - durch geringere Einnahmen im Ticketing, Sponso- ring und Merchandising - auswirken würde.

3.1.2 Realisierung von Investitionen und Diversifikation

Durch den Emissionserlös des Börsengangs können Investitionsvorhaben des Fußballclubs realisiert werden. Dabei ist es das Ziel sowohl sportlich als auch wirtschaftlich-finanziell wettbewerbsfähig zu werden beziehungsweise zu bleiben.22 Dies kann durch Investitionen in „Steine und Beine“23 erreicht werden, also durch Investitionen in Infrastruktur und Spieler. Borussia Dortmund hat nach dem Börsengang 35 Millionen Euro seines Emissionserlöses in neue Spieler wie Jörg Heinrich und Tomas Rosicky investiert.24 Infrastrukturelle Maßnahmen sind vor allem beim Stadionbau wiederzufinden. So wurde die Beteiligung am Westfalenstadion auf 75 Prozent aufgestockt und es wurden zwei Millionen Euro in den unternehmenseigenen Restaurant- und Hotelbetrieb investiert.

Um das wirtschaftliche Schicksal des Unternehmens vom Sport unabhängiger zu machen, kann in neue Geschäftsfelder investiert werden, die allerdings mit den Kernkompetenzen des Proficlubs harmonieren sollten.25 Bereits 2001 wurden Diversifikationsmaßnahmen wie der Aufbau des BVB-eigenen Sportartikelherstellers goool.de Sportswear GmbH oder des IT-Spezialisten Sports & Bytes GmbH initiiert, wovon jedoch nur noch letztere existiert.26 Auch heute noch ist Borussia Dortmund neben dem Kerngeschäft, das aus Fußball und der Vermarktung des Signal Iduna Parks besteht, an fußballaffinen Geschäftsfeldern beteiligt.27

[...]


1 Vgl. hier und folgend Kipker (2002), S. 131 f.; Süßmilch (2001) S. 11-13.

2 Vgl. Anhang 4; http://www.spiegel.de/sport/fussball/bvb-existenzkrise-dortmunds-stolz-vor- dem-aus-a-342347.html.

3 Vgl. Anhang 4.

4 Vgl. hier und folgend Werner/ Kobabe (2005), S. 53.

5 Vgl. Fey (2010), S. 2.

6 Vgl. hier und folgend Dworak (2010), S. 272; Mauer/ Schmalhofer (2001), S. 33-37.

7 Vgl. hier und folgend Zacharias (1999), S. 195-204.

8 Vgl. Drittes Buch, Zweiter Abschnitt, HGB.

9 Vgl. Werner/ Kobabe (2005), S. 58.

10 Vgl. hier und folgend Die Liga - Fußballverband e.V. (2001), S. 8; Huth (2011), S. 22; Teichmann (2007), S. 116-121.

11 Vgl. Anhang 1.

12 Vgl. Dworak (2010), S. 275 f.

13 Vgl. http://aktie.bvb.de/BVB-auf-einen-Blick/Unternehmensportrait.

14 Vgl. http://www.rp-online.de/sport/fussball/borussia-dortmund-ab-31-oktober-an-der-boerse- aid-1.1675904.

15 Vgl. Hockenjos (2002), S. 90-93.

16 Vgl. Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA (2001), S. 6-11.

17 Vgl. hier und folgend Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA (2001), S. 6 f.; Süßmlich (2001), S. 45-48.

18 Vgl. hier und folgend Gramatke (2003), S. 134-136.

19 Gramatke (2003), S.135.

20 Vgl. hier und folgend http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/nachrichten/finanzen-der- fussballklubs-gute-schulden-schlechte-schulden-seite-all/9477166-all.html.

21 Vgl. http://aktie.bvb.de/BVB-Aktie/Basisdaten.

22 Vgl. Zacharias (1999), S. 113.

23 Süßmilch (2001), S. 7.

24 Vgl. hier und folgend Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA (2001), S. 3-48.

25 Vgl. Mauer/ Schmalhofer (2001), S. 38 f.

26 Vgl. hier und folgend Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA (2014), S. 29-38.

27 Vgl. Anhang 2.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Kapitalmarktfinanzierung am Beispiel von Borussia Dortmund
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Hauptseminar zum Controlling
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V300200
ISBN (eBook)
9783656967286
ISBN (Buch)
9783656967293
Dateigröße
942 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalmarktfinanzierung;, Borussia Dortmund;, Finanzierung, Fußball, Börsengang, Rechtsform
Arbeit zitieren
Fabian Pelzl (Autor), 2014, Möglichkeiten und Grenzen der Kapitalmarktfinanzierung am Beispiel von Borussia Dortmund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300200

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Möglichkeiten und Grenzen der Kapitalmarktfinanzierung am Beispiel von Borussia Dortmund



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden