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Kunststreik.Verweigerung in der zeitgenössischen Kunst

Title: Kunststreik.Verweigerung  in der zeitgenössischen Kunst

Term Paper , 2015 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ina Hildebrandt (Author)

Art - History of Art
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„Was wäre jedoch, wenn das Nicht(s)tun zu einer Quelle produktiver Verweigerung würde?“ fragt man im Booklet zur Ausstellung "Neue Wege ins Nichtstun", die 2014 in Wien stattfand.

Der Rückgriff auf die Verweigerung und ihr Potenzial in der zeitgenössischen Kunst, die stetig von neoliberalen Produktionsstrukturen ergriffen wird, fußt geradezu auf einer 'Tradition der Verweigerer'. Indem sie sich den bestehenden ästhetischen Normen, der Anbiederung an den Kunstmarkte oder dem Innovationsdruck verweigern, kämpfen politisch engagierte Künstler seit jeher gegen den Kunstbetrieb oder soziale Missstände an. Sie schreiben Manifeste oder führen Protestaktionen durch, alleine oder im Kollektiv. Andere wenden sich ganz von der Kunst ab.

Zum Repertoire der künstlerischen Verweigerung gehört auch der Kunststreik. Mehrere Male wurde er ausgerufen, im Westen als auch im Osten Europas und in den USA. Einer hat in den 1970er Jahren eine der radikalsten und konkretesten Aufrufe verfasst. Für einen Zeitraum von drei Jahren forderte der deutschstämmige britische Künstler Gustav Metzger die komplette Einstellung der künstlerischen Produktion und Kollaboration mit dem Kunstbetrieb. Metzger Arbeiten entstanden stets vor dem Hintergrund eines ausgeprägten politischen Bewusstseins und der Befürchtung einer möglichen nuklearen Katastrophe. Insbesondere in seiner frühen Auto Destruktiven und Auto Kreativen Kunst hat er sich stets mit dem Wesen von Zerstörung und Neuschaffung beschäftig und formulierte hier konsequent eine radikale Abkehr von der Kunstproduktion als Kampfansage an gesellschaftliche Verhältnisse. Wie bei anderen, ist auch sein Streikaufruf missglückt im Sinne einer tatsächlichen kollektiven Aktion.

In diesem Text soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern der Kunststreik mit einem klassischen Streik der Lohnarbeiter zu vergleichen ist, welche Bedingungen für seinen Erfolg notwendig sind und ob er trotz äußeren Scheiterns Elemente beinhaltet, die eine Gültigkeit und Notwendigkeit im künstlerischen als auch gesellschaftlichen Sinne besitzt. Dabei wird anhand einzelner Textpassagen der Aufruf Metzgers mit Hilfe von Texten zur Streiktheorie untersucht um abschließend mit Blick auf die Praxis der französischen Intermettans sowie dem Potenzial in der zeitgenössischen Kunst wie z.B. beim Human Strike von Claire Fonataine, Verbindungen herzustellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Art into Society – Society into Art 1974

3. Years without Art 1977 - 1980

4.Streik

5.Solidarität

6.Bewusstsein

7. Der Kunststreik und sein Erbe

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Aspekte des Kunststreiks, insbesondere den radikalen Aufruf von Gustav Metzger zu "Jahren ohne Kunst", und analysiert, inwiefern dieser mit klassischen Arbeitskämpfen vergleichbar ist und welche gesellschaftspolitische Relevanz dem künstlerischen Rückzug trotz des faktischen Scheiterns kollektiver Umsetzung zukommt.

  • Analyse der historischen Aufrufe zum Kunststreik (insbesondere G. Metzger).
  • Vergleich der künstlerischen Arbeitsverweigerung mit dem klassischen Streikbegriff der Lohnarbeit.
  • Untersuchung der Herausforderungen für die Solidarität innerhalb des Kunstbetriebs.
  • Bedeutung von "Years without Art" als Instrument der Reflexion und Bewusstseinsbildung.
  • Rezeption und Weiterführung des Streikgedankens in aktuellen Kontexten (z.B. Human Strike).

Auszug aus dem Buch

3. Years without Art 1977 - 1980

Der Text ruft Künstler dazu auf, sich den streikenden Arbeitern gleich, von der Produktion zurückzuziehen. Diese Arbeitsniederlegung soll drei Jahre betragen. Im ersten Abschnitt spricht Metzger über das doppelte Bemühen politischer Künstler, die einerseits mit ihren Werken auf einen politischen Wandel hinarbeiten und andererseits die geltenden Strukturen des Kunstbetriebs verändern wollen.Dabei würden sie über ein reformatorisches Handeln nicht hinausgelangen können, sondern das gegebene politische System sogar stärken/festigen.

Der Grund dafür ist die starke Verbindung zwischen Gesellschaft und Kunst, die der letzteren keine Möglichkeit bietet, ihr gesellschaftsveränderndes Potential zu entfalten. Dabei agiert der Staat als Unterstützer und Förderer der Kunst, der diese benutzt um seine „[...] entsetzliche Realität zu überschminken, und […] um weite Teile der Bevölkerung abzulenken, zu benebeln und zu unterhalten.“ Eine Art Verschleierung bzw. falsche Harmonisierung beschreibt Reinhard Hoffmanns als wesentliche Notwendigkeit der spätkapitalistischen Gesellschaft, gegen die sich Metzger auflehnt.

„Allerdings kann die Herrschaft des Kapitals aufgrund der formalen politischen Gleichberechtigung der Arbeitnehmer sowie angesichts der Notwendigkeit einer Kooperation der Arbeitnehmer […] letztlich nur durch die Zustimmung, d.h. durch eine systemimmanente Einordnung der Arbeitnehmer gewährleistet werden,[...]. Diesen immanenten Widerspruch müssen die in der Gesellschaft herrschenden Schichten zum Zwecke der Absicherung ihrer Macht zu verschleiern suchen […]. Dazu bedarf es einer Harmonie zwischen Kapital und Arbeit bzw. möglichst allgemeinen ideologischen Annahme einer solchen Harmonie, die eine generelle Zustimmung bewirken soll. Solcherart Harmonisierung wird vorgespielt, durch die wesentliche Verbesserung des Lebensstandard der Mehrheit der Arbeitnehmer […].“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der künstlerischen Verweigerung ein und stellt die Forschungsfrage zur Vergleichbarkeit von Kunststreik und klassischem Arbeitskampf.

2. Art into Society – Society into Art 1974: Dieses Kapitel behandelt die Teilnahme Gustav Metzgers an der Ausstellung 1974 und seinen bewussten Verzicht auf ein physisches Werk zugunsten des Katalogbeitrags "Years without Art".

3. Years without Art 1977 - 1980: Es werden die inhaltlichen Forderungen Metzgers analysiert, Künstler zur dreijährigen Arbeitsniederlegung aufzurufen, um das System zu destabilisieren.

4.Streik: Eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Streiks und der kritischen Hinterfragung, ob der Künstler als Lohnarbeiter im industriellen Sinne verstanden werden kann.

5.Solidarität: Hier wird die Problematik der mangelnden kollektiven Solidarität innerhalb der Künstlerschaft untersucht, illustriert an Beispielen wie dem Streikaufruf von Goran Dordevic.

6.Bewusstsein: Das Kapitel beleuchtet das schöpferische Potenzial einer Phase der Unproduktivität als Zeit der Reflexion und Bewusstseinsbildung.

7. Der Kunststreik und sein Erbe: Abschließend wird diskutiert, welche Relevanz der Kunststreik für zeitgenössische Bewegungen wie die "Intermettans" oder den "Human Strike" besitzt.

Schlüsselwörter

Kunststreik, Gustav Metzger, Jahre ohne Kunst, künstlerische Verweigerung, Arbeitskampf, Kunstsystem, politisches Bewusstsein, Solidarität, Kulturindustrie, systemkritische Kunst, Human Strike, postfordistisches Zeitregime, institutionelle Kritik, Arbeitsniederlegung, künstlerische Produktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Konzept des Kunststreiks als Mittel der künstlerischen Systemkritik, basierend auf den Aufrufen des Künstlers Gustav Metzger.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen Streiktheorie, das Verhältnis von Kunst und Kapitalismus, gesellschaftliche Teilhabe von Künstlern sowie die kritische Reflexion über Produktionsstrukturen im Kunstbetrieb.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob der Kunststreik als äquivalent zum klassischen Lohnarbeiterstreik betrachtet werden kann und welche Bedeutung ihm trotz des Scheiterns als kollektive Aktion zukommt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der Originaltexte von Gustav Metzger und streiktheoretische Schriften sowie aktuelle kulturwissenschaftliche Positionen zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Streikaufrufe, die Problematik der Solidarität unter Künstlern, die Theorie der "Years without Art" und die Transformation dieser Ideen in moderne kulturelle Widerstandsformen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Kunststreik, Arbeitsverweigerung, Systemkritik und Bewusstseinsbildung charakterisieren.

Welche Rolle spielt Gustav Metzger in dieser Publikation?

Metzger dient als zentraler Fallbeispielgeber; sein Aufruf zu drei Jahren ohne Kunst bildet das Fundament für die gesamte Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen künstlerischen Widerstands.

Was unterscheidet den von Metzger geforderten Kunststreik vom klassischen Arbeitskampf?

Während beim klassischen Arbeitskampf die Verbesserung von Lohn- und Arbeitsbedingungen im Vordergrund steht, zielt Metzgers Kunststreik auf die Zerschlagung des bestehenden Kunstsystems und eine radikale gesellschaftspolitische Transformation ab.

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Details

Title
Kunststreik.Verweigerung in der zeitgenössischen Kunst
College
Free University of Berlin
Grade
1,0
Author
Ina Hildebrandt (Author)
Publication Year
2015
Pages
19
Catalog Number
V300286
ISBN (eBook)
9783656976981
ISBN (Book)
9783656976998
Language
German
Tags
Kunststreik Gustav Metzger Art Strike
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ina Hildebrandt (Author), 2015, Kunststreik.Verweigerung in der zeitgenössischen Kunst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300286
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