Inwieweit kann man die Glaubensgrundsätze des Opus Dei als fundamentalistisch bezeichnen?


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundbegriffe
2.1 Fundamentalismus
2.2 Grundbegriffe des Opus Dei
2.3 Grundsätze des Fundamentalismus

3. Grundsätze des Opus Dei

4. Vergleich von Fundamentalismus und Opus Dei

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Opus Dei mag den meisten Leuten auf Anhieb nichts sagen und sie können den Begriff nicht zuordnen. Doch nennt man in diesem Kontext den Autor Dan Brown wissen die meisten Menschen, welche „The Da Vinci Code – Sakrileg“ gelesen haben, worum es sich handelt. In seinem Roman beschreibt Dan Brown die Suche nach dem heiligen Gral und einige Theorien diesbezüglich. Dabei glaubt die Hauptfigur einem großen Geheimnis auf die Schliche gekommen zu sein, welches die Grundfeste der katholischen Kirche erschüttern würde. Diese Offenbarung wird jedoch durchgehend von einer geheimen Organisation sabotiert: Opus Dei. Diese Organisation trifft sich im Geheimen und beschäftigt den Albino Silas, um jeden aus dem Weg zu räumen, der dem Geheimnis zu nahe kommt. Es wird alles in allem ein sehr düsteres und verschwörerisches Bild der Organisation entworfen. Doch wie viel davon ist Fiktion und wie viel Realität?!

Ebenso sieht es mit dem Begriff des Fundamentalismus aus, welcher im alltäglichen Gebrauch sehr negativ belastet ist und meist mit religiösem Fanatismus in Verbindung gebracht wird. Weder in Zeitungen noch Nachrichtensendungen kommt man um diesen Begriff herum, besonders wenn ein Anschlag mit religiösem Hintergrund verübt wurde. Doch was bedeutet dieser Begriff wirklich? Ist er wirklich nur ein Synonym für Fanatismus oder steckt mehr dahinter?

In dieser Hausarbeit werde ich mich zuerst mit dem Fundamentalismus und den Grundsätze, welche diesem zugrunde liegen, beschäftigen. Danach werde ich die Glaubensgrundsätze der Organisation des Opus Dei genauer betrachten, wobei ich diese anhand von verschiedenen Texten kritisch auswerten werde. Diese Glaubensgrundsätze werde ich danach im Folgenden mit den Grundsätzen des Fundamentalismus vergleichen und auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin untersuchen.

2. Grundbegriffe

2.1 Fundamentalismus

Für den Begriff Fundamentalismus gibt es viele verschiedene und keine einheitliche Definition, da verschiedene Auffassungen von diesem Begriff präsent sind. Darüber hinaus ist noch umstritten, welche Grenzen und Parameter dieser Begriff umfassen soll. Einige vertreten die Auffassung, dass der Begriff Fundamentalismus in Bezug auf religiösen Fanatismus einzuordnen sei. Andere vertreten die Auffassung man müsse den Begriff Fundamentalismus wertfreier betrachten und im Kontext von veralteten und rudimentären Strukturen verwenden. Verbunden hiermit wird auch die strikte Ablehnung gegenüber allen Neuerungen[1]. Allerdings sollte man vorher unterscheiden, welchen Fundamentalismus man betrachten möchte, da es je nach Kultur Feinheiten gibt, welche die Unterschiede verdeutlichen. Am bekanntesten sind wohl der islamische Fundamentalismus, welche eine Strömung im Islam bezeichnet, deren Vertreter die Rückkehr zum ursprünglichen Islam und die wörtliche Befolgung der Vorschriften des Korans und des islamischen Gesetzes, genannt Scharia, fordern[2]. In Europa ist der protestantische Fundamentalismus amerikanischer Prägung die bekannteste Strömung, welcher sich auf die Bibel als unmittelbares Wort Gottes beruft. Einige Ausläufer des Fundamentalismus sind sogar regelrecht berühmt, wie zum Beispiel dem Kreationismus, der Pfingstkirche oder dem Intelligent Design[3].

2.2 Grundbegriffe des Opus Dei

Zuerst sollte ich zum besseren Verständnis im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit die wichtigsten Begrifflichkeiten rund um die Strukturen der Organisation benennen. Innerhalb der Organisation wird je nach Rang zwischen Super-Numerarier, Numerarier und Prälaten unterschieden. Der Unterschied besteht jedoch nicht nur im Rang, sondern auch in den Verpflichtungen und Aufgaben des jeweiligen Mitglieds. Untereinander sprechen sich die Mitglieder allerdings mit der Bezeichnung „Bruder“ oder „Schwester“ an, was dem Gefühl der Gemeinschaft entgegen kommen soll[4].

Als Super-Numerarier bezeichnet man im Opus Dei ein Mitglied, welches sich nicht an ein Keuschheitsgebot halten muss, sondern ganz normal eine Familie haben kann. Allerdings müssen sie sich im Gegenzug einem strengen Lebensplan beugen[5].

Numerarier hingegen werden jene Mitglieder betitelt, welche als Zölibatäre „Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt“ haben[6]. Sie leben meist in Gemeinschaften zusammen und sind gänzlich auf das Werk fixiert. Allerdings üben sie eine berufliche Tätigkeit aus, wobei sie jede freie Minute mit Aktionen des Opus Dei verbringen und ihr Einkommen diesem darbringen[7]. Die Männer sind hierbei zu den höchsten Führungsaufgaben qualifiziert[8].

Der Prälat ist ein Numerarier-Priester und leitet das Opus Dei, wobei er vom männlichen Wahlkongress gewählt und vom Papst ernannt wird. Darüber hinaus ist der Prälat der Vorstand der Priester-Gesellschaft und seit 1991 auch im Bischofsrang[9].

Als Assoziierte bezeichnet man die zölibatär lebenden Mitglieder, welche in der Regel bei ihren Familien wohnen[10].

Aspiranten hingegen sind jugendliche Mitglieder ab 14 Jahren, die als ehelose Numerarier oder Assoziierte ausersehen sind, ins Opus Dei aufgenommen werden wollen und dies dem Regionalvikar per Brief mitteilen, was man pfeifen nennet. Danach müssen sie ein Programm der anfänglichen Formung durchlaufen, welches sie in das Innenleben des Werkes integrieren soll[11].

Der oben benannte Regionalvikar ist ein Numerarier-Priester, welcher als Leiter einer geographischen Region eingesetzt ist[12].

Untereinander hegen die Mitglieder darüber hinaus die Praktik der brüderlichen Zurechtweisung. Diese besteht darin, dass die Mitglieder sich untereinander Tadeln, wenn eines der Mitglieder sich nicht ordnungsgemäß verhält. Diese Tadelung wird dabei von einem geistlichen Leiter angeordnet und von einem beliebigen Mitglied ausgeführt[13].

2.3 Grundsätze des Fundamentalismus

Im Umfang dieser Hausarbeit werde ich mich nicht mit allen Strömungen des Fundamentalismus befassen können, da dies den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde. Somit werde ich mich auf den protestantischen Fundamentalismus amerikanischer Prägung und dem Kreationismus als bekannteste Vertreter beschränken.

Wie jede religiöse Strömung hat auch der Fundamentalismus bestimmte Charakteristika woran man ihn erkennen kann. Diese Charakteristiken bestehen hierbei in der Art und Weise der Glaubensausübung und der speziellen Regelungen innerhalb der einzelnen Strömungen.

Zum einen kann man festhalten, dass sich der Fundamentalismus nicht ausschließlich auf Glaubensfragen, bezüglich seiner Regelungen, beschränkt. Wer sich dieser Glaubensrichtung verschreibt, muss einige Regeln hinsichtlich seiner Alltagsgewohnheiten beachten. Kleidung dient zum Beispiel zur Desexualisierung, da der Körper asexuell sein soll und das Reizaussendungspotenzial aufs geringste minimiert werden soll[14]. Ihrer Auffassung nach soll „Bescheidenheit“ in der Kleidung Lust und Stolz der Menschen bezwingen. Allerdings gelten diese Regelungen hauptsächlich für Frauen, da Männer primär nicht als Sexobjekt angesehen werden und somit nicht im Fokus dieser Regelungen stehen[15].

Trotzdem soll der Unterschied zwischen Mann und Frau, durch genderspezifische Kleidung, unterstrichen werden. Für Frauen bedeutet dies allerdings, dass sie keine Hosen tragen sollten, sondern sich durch ihre Kleidung von den Männern unterschieden sollten[16]. Aber die Kleidung darf nicht zu weiblich sein, da das Reizaussendungspotenzial, wie oben schon beschrieben, auf das Minimum reduziert werden soll.

In einigen Strömungen in Amerika sehen diese Vorschriften, wie im islamischen Fundamentalismus, vor, dass die Frauen ein Kopftuch tragen sollen oder eine andere Art von Kopfbedeckung. Immerhin sehen diese Verfügungen nicht eine vollständige Verhüllung vor. Es findet innerhalb dieser Strömungen eine Rechristianisierung des Kopftuches statt[17].

Die meisten Strömungen des Fundamentalismus legen großen Wert auf das äußere Erscheinungsbild. Es gibt Vorschriften bezüglich „Haarschnitt, Kleider, Make-up, Rasur usw.“[18]. Diese Vorschriften sollen gewährleisten, dass die Mitglieder sich gänzlich auf die Schrift und das ausleben der Religiosität im Alltag konzentrieren können. Die Menschen sollen ganz in ihrer Religion aufgehen und durch nichts Banales abgelenkt werden.

Als oberstes Ziel der oben benannten evangelikalen Strömung kann man die Effizienz und dem Dienst für Gott benennen[19]. Die aufgestellten Regelungen sollen den Mitgliedern ermöglichen so effizient wie möglich ihren Alltag zu gestalten, damit sie gewissenhaft Gott dienen und folgen können.

Der Kreationismus bietet für dieses Ziel eine regelrecht einfache Lösung: die Bibel erklärt alles! Die Kreationisten setzen den „Glaube als Imperativ gegen die Wissenschaft“ ein[20]. Dass es Lücken in der Beweisführung gibt, wird von den Mitgliedern regelrecht geleugnet und damit quittiert, dass auch die Wissenschaft nicht auf alles eine Antwort hat! Allerdings gehen die Vertreter dieser Strömung noch einen Schritt weiter indem sie die gesamte Wissenschaft und ihre Relevanz für unser tägliches Leben anzweifeln[21]. Sie berufen sich dabei direkt auf die Bibel und stellen die dort beschriebene Entstehung der Welt mit all ihren Lebewesen als die einzige Wahrheit dar. Jedoch gibt es innerhalb der Kreationistengemeinde zwei verschiedene Lager was das Ausmaß der Ablehnung von wissenschaftlichen Ergebnissen angeht. Zum einen gibt es die Junge-Erde-Kreationisten, welche behaupten, dass die Erde erst ca. 6000 Jahre alt ist, wobei sie jegliche Art von Evolution bestreiten. Die Alte-Erde-Kreationisten hingegen erkennen das wahre Alter der Erde an und stimmen einer Mikroevolution zu, wobei jegliche weitere Erkenntnisse auch von ihnen bestritten werden[22]. Die Evolution wird jedoch hauptsächlich deswegen bestritten, da für die Kreationisten die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier sehr wichtig ist. Die hierarchische Stellung des Menschen als Krone der Schöpfung soll nicht bestreitbar sein.

3. Grundsätze des Opus Dei

Das Opus Dei wurde 1928 in Spanien von dem spanischen Priester Josemaria Escriva de Balaguery Albas gegründet und wurde 1982 vom Papst als Personalprälatur errichtet, weshalb es in der katholischen Kirche eine einzigartige juridische Stellung hat[23]. Zu Gründungszeiten war diese Gemeinschaft jedoch ausschließlich für Männer konzipiert gewesen und erst ab 1930 wurden auch Frauen zugelassen, wobei beide Geschlechter bis 1950 zölibatär zu leben hatten und nicht verheiratet sein durften. Diese lebten räumlich und ideell vollkommen getrennt voneinander. Sie sollten die Idee des Gründers von irdischer Heiligkeit streng nach dessen Vorgaben ausleben und durch keine weltlichen Ablenkungen darin beeinflusst werden[24]. Dennoch öffnete sich das Werk ab 1950 auch für verheiratete Mitmenschen. Heute ist diese spanische Gemeinde weltweit verbreitet und maß 2006 ca. 88145 Mitglieder[25]. Nichtsdestotrotz wirft das Werk seit seiner Gründung immer wieder Fragen auf und es gibt etliche Gerüchte um masochistische Praktiken sowie die Vermutung, dass das Opus Dei nicht verfassungskonform sein könnte.

Doch was hat es nun damit auf sich? Schaut man sich die Glaubensgrundsätze und wörtliche Zitate des Gründers Escriva an, kann man feststellen, dass die Regelungen und Ansichten innerhalb des Opus Dei strickt und teilweise retrograde Züge aufweisen.

Das Werk legt hierbei sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild seiner Mitglieder und das dadurch vermittelte Bild der Organisation, wobei das Ziel der Gemeinschaft bei Perfektion liegt. Die Männer und Frauen haben sich deshalb auch an bestimmte Kleidungsvorschriften zu halten, wobei der Fokus auf züchtiger, aber dennoch geschlechterspezifischer Kleidung gelegt wird. Die Frauen werden sogar regelrecht dazu angehalten Make-up zu tragen und ihr äußeres Erscheinungsbild gepflegt zu gestalten[26]. Mitglieder werden somit zu Aushängeschildern des Werkes. Allerdings bleibt in dieser auf Perfektion ausgelegten Darstellung des Werkes kein Raum für Individualität. Dies wird hauptsächlich durch den strengen Lebensplan verursacht, welchem sich alle Mitglieder unterziehen müssen, wobei dieser tägliche, wöchentliche und jährliche religiöse Verpflichtungen enthält[27]. Frauen sind laut einem Aussteigerbericht besonders davon betroffen, da sie durch die diversen Vorschriften und Verpflichtungen in ein traditionelles weibliches Rollenbild gedrängt werden. Der Haushalt und die Erziehung der Kinder wird im Opus Dei als das Lebensziel einer Frau dargestellt. Darüber hinaus sei es nicht gestattet zu wiedersprechen, sondern die Frauen hätten lediglich zu gehorchen und sich in keinster Weise zu beklagen[28]. Diese Behauptungen erschienen buchstäblich retrograd und gänzlich entgegengesetzt zu der Emanzipation der Frau von Heute, weshalb dieser Punkt auch sehr umstritten und kritisiert wird von Nicht-Mitgliedern.

[...]


[1] Schneeberger, Simon: Fundamentalismus für Einsteiger. 1.Auflage. Aschaffenburg: Alibri 2010. Im Folgenden: Fundamentalismus für Einsteiger.

[2] o. V.: Fundamentalismus. In: Der Jugend Brockhaus, hg. von der Deutschen Bibliothek. Band 1: A-Gri. 5., aktualisierte Auflage. Mannheim: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG 2004, Seite 340.

[3] Fundamentalismus für Einsteiger.

[4] Duborgel, Veronique: In der Hölle des Opus Dei. Eine Dokumentation. Aus dem Französischen übertragen von Dietmar Scharmitzer. Wien-Klosterneuburg: EDITION VA bENE 2009, Seite 27. Im Folgenden: In der Hölle des Opus Dei.

[5] Ebd., Seite 14.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Hertel, Peter: Schleichende Übernahme. Das Opus Dei unter Papst Benedikt XVI.. 2.Auflage. Oberursel: Publik-Forum Edition 2009, Seite 193. Im Folgenden: Schleichende Übernahme.

[9] Ebd., Seite 194.

[10] Ebd., Seite 188.

[11] Ebd.

[12] Schleichende Übernahme, Seite 194.

[13] In der Hölle des Opus Dei, Seite 26f..

[14] Fundamentalismus für Einsteiger, Seite 105.

[15] Ebd., Seite 107.

[16] Fundamentalismus für Einsteiger, Seite 106f..

[17] Ebd.

[18] Ebd.

[19] Ebd., Seite 12.

[20] Ebd., Seite 67.

[21] Ebd., Seite 71f..

[22] Fundamentalismus für Einsteiger, Seite 69.

[23] In der Hölle des Opus Dei, Seite 139.

[24] Ebd., Seite 25.

[25] Schleichende Übernahme, Seite 9.

[26] In der Hölle des Opus Dei, Seite 29.

[27] Ebd., Seite 64.

[28] Ebd., vgl. Seite 91-93.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Inwieweit kann man die Glaubensgrundsätze des Opus Dei als fundamentalistisch bezeichnen?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V300292
ISBN (eBook)
9783656966296
ISBN (Buch)
9783656966302
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fundamentalismus, Opus Dei
Arbeit zitieren
Christina Mehs (Autor), 2014, Inwieweit kann man die Glaubensgrundsätze des Opus Dei als fundamentalistisch bezeichnen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300292

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