Parzivals Weg von der Mutter zur Gralsburg


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung Seite

1. Einleitung

2. Die wichtigsten Aspekte der ersten Parzivalpartie
2.1 Die Geburt Parzivals
2.1.1 Motiv: Von der Namensgebung und der Identitätsfindung
2.2 Parzivals Kindheit in der Einöde Soltane
2.3 Ritter oder Gott?
2.3.1 Motiv: tumpheit – Als doppelseitiges Symbol
2.4 Parzivals Weg zum Artushof
2.5 Parzival am Artushof
2.6 Parzival tötet Ither
2.7 Parzivals Erziehung zum Ritter
2.7.1 Motiv: Die Rittererziehung – Wirklichkeit und Literatur
2.8 Pelrapeire: Ein Königreich für einen Ritter
2.9 Parzival findet die Gralsburg „Munsalvaesche“
2.9.1 Motiv: Fischer und Gralskönig
2.10 Der Gral „Lapsit exillis“ – „Ein Ding“
2.11 Die versäumte Frage
2.12 Begegnung mit Sigune
2.13 Begegnung mit Orilus und Jeschute
2.14 Liebe und Verstand – Drei Blutstropfen im Schnee
2.14.1 Motiv: Drei Blutstropfen im Schnee
2.15 Parzival wird Artusritter
2.16 Cundries Fluch
2.17 Beginn der Gralssuche
2.18 Gott ist tot? Abkehr von Gott

3. Ausblicke

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende schriftliche Ausarbeitung des am 28.06. und am 05.07.2004 gehaltenen Referats, im Rahmen des Hauptseminars „Wolfram von Eschenbachs: Parzival“, wird sich in den Hauptzügen an den Strukturen des Referats orientieren. Die Bücher zwei bis sechs des Romans (Epos) „Parzival“ werden in bezug auf Parzivals Weg von der Mutter zur Gralsburg untersucht, dabei wird chronologisch vorgegangen. Forderst werden die wichtigsten Aspekte des Handlungsstrangs verdeutlicht, außerdem wird auf die wichtigsten Motive, welche sich aus der breiten Forschungsliteratur ergeben, eingegangen. Abschließend wird ein kurzer Ausblick auf eine mögliche Fragestellung bezüglich der Idee des „Erziehungs- und Bildungsromans“ gegeben.

Im Anhang werden u. a. die Ausarbeitungen der Mitreferenten zu finden sein. Im übrigen werde ich Zitate aus Wolframs „Parzival“ nur in geklammerten Verszahlen angeben.

2. Die wichtigsten Aspekte der ersten Parzivalpartie

2.1 Die Geburt Parzivals

Grundlage für die Bearbeitung des Referatsthemas sollten zunächst die Bücher drei bis sechs des (für mich) „Bildungs- und Erziehungsromans“ „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach sein. Hier scheint es mir jedoch sinnvoller schon das Ende des zweiten Buches mit in die Bearbeitung des Themas aufzunehmen, da schon hier einige Motive, welche sich später verdichten werden, auftauchen. Ich beginne deshalb mit dem folgenden Zitat:

„man barg in vor ritterschaft,

ê er koeme an sîner witze craft.“ (Pz. 112,19 u. 20)

Schon kurz nach der Geburt Parzivals wird ein zentrales Motiv deutlich, indem Herzeloyde versucht ihren Sohn vom Ritterdasein fernzuhalten. Sicherlich erscheint es dem Leser zunächst verständlich, dass Herzeloyde, die gerade ihren Mann Gahmuret verloren hat, nicht auch noch ihren Sohn als Ritter sterben sehen möchte.

Auffällig ist zudem der Stolz der Mutter einen Sohn geboren zu haben. Früher und auch oft heute noch war und ist ein Sohn mehr wert als ein Mädchen.

„Si und ander frouwen

begunden betalle schouwen

zwischen den bein en sîn visellîn.“ (Pz. 112, 23-25)

Die Szene verdeutlicht die Vermutung, Mutter und Gefolge betrachten zunächst den Penis des Sohnes, woraus sich ergibt, dass die Mutter wohl sehr stolz darauf sein muss einen Jungen zur Welt gebracht zu haben.

Herzeloyde nennt ihren Sohn im zweiten Buch „’bon fîz, scher fîz, bêâ fîz’“ (Pz.113,4), was übersetzt aus dem Französischen soviel bedeutet wie: mein gutes Söhnchen, mein teures Söhnchen, mein schönes Söhnchen. Hier legt Herzeloyde die Grundlage für Parzivals jugendliche „tumpheit“. Parzival wird bei seiner ersten Begegnung mit Sigune erklären, dass dies sein Name sei, woraufhin Sigune ihm seinen richtigen Namen nennen wird. Des weiteren findet man schon im zweiten Buch immer wieder Hinweise auf Parzivals Schönheit. Diese Thematik baut sich im Verlauf des „Romans“ zu einem eigenständigen Motiv aus, weil die Menschen, welche auf Parzival treffen, stets von seiner Schönheit eingenommen sind.

Außerdem ist sehr beeindruckend, dass Herzeloyde ihren Sohn selbst stillt:

„Diu küngîn nam dô sunder twâl

diu rôten välwelohten mâl:

ich meine ir tüttels gränsel:

daz schoup si im in sîn vlänsel.“ (113,5-8)

Gerade im Mittelalter ist das Säugen eines „Königs“ (überhaupt von Adligen) nicht die Aufgabe der adligen Mutter (Königin), sondern der Amme, welche vom Hof gerade für diese Aufgabe beauftragt wird. Jedoch kann man darin auch die Wurzel für Parzivals wachsende Stärke sehen, da man heute davon ausgeht, dass Kinder die mit der Brust gesäugt werden stärkere Abwehrkräfte entfalten.

Insgesamt kann man schon hier vermuten, dass aus Parzival etwas ganz besonderes werden muss, weil er schon im Säuglingsalter anders, vielleicht bevorzugt, behandelt wird.

2.1.1 Motiv: Von der Namensgebung und der Identitätsfindung

Wie schon angedeutet erfährt Parzival seinen richtigen Namen erst bei der Begegnung mit Sigune. Sie erklärt ihm:

„deiswâr du heizest Parzivâl.

Der name ist ‚Rehte enmitten durch’.“ (Pz. 140,16-17)[1]

Wir können davon ausgehen, dass der Name Parzival aus dem Französischen kommt. Hier gibt es die Worte par (durch), percée (Durchbruch), percer (durchbohren, durchdringen) und valée (das Tal). Zusammenfassend können wir „Parzival“ vielleicht mit „Taldurchstreifer“ übersetzen. Warum ist Parzival jedoch ein Taldurchstreifer? Welches Tal durchstreift er?

Hier ist es wichtig auf den Unterschied zwischen Namensfindung und Identitätsfindung hinzuweisen. Seinen Namen hat Parzival schon bei der Begegnung mit Sigune gefunden[2]. Seine Identität, welche etwas über sein Sein aussagen würde, hat er jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden und er wird sie auch am Ende des sechsten Buches nicht gefunden haben. Parzival kommt von außerhalb der Gesellschaft (Kindheit in Soltanes Abgeschiedenheit) in eine bereits konstituierte Gesellschaft. Um sich selbst in diese Gesellschaft zu integrieren muss er zunächst Erfahrungen sammeln und macht sich zunächst vielerorts unschuldig schuldig. Aber was heißt nun Erfahrungen?

„dialektische Bewegung, welche das Bewusstsein an ihm selbst, sowohl an seinem Wissen als an seinem Gegenstand ausübt, insofern ihm der neue wahre Gegenstand daraus entspringt, ist eigentlich dasjenige, was Erfahrung genannt wird [...]. Dieser neue Gegenstand enthält die Nichtigkeit der ersten, er ist die über ihn gemachte Erfahrung.“[3]

Gerade die Erfahrung mit der Welt zeigt Parzival die Nichtigkeit seines ersten Verständnisses von der Welt.

2.2 Parzivals Kindheit in der Einöde Soltane

Genau wie nach der Geburt ihres Sohnes unterweist Herzeloyde ihr Gefolge in der Einöde Soltane, dass sie Parzival keinesfalls etwas über Ritter erzählen dürfen:

„Ê daz sich der versan,

ir volc si gar vür sich gewan:

ez waere man oder wîp,

den gebôt si allen den lîp,

daz si immer ritters wurden lut.

‚wan vriesche daz mîn herzen trut,

welh ritters leben waere,

daz wurde mir vil swaere.

Nu habt iuch der witze craft,

und helt in aller ritterschaft.’“ (Pz. 117,19-118,6)

Herzeloyde bringt ihren Sohn, dadurch dass sie ihn von der Ritterschaft fern hält, um seine königliche Erziehung. Standesrechtlich müsste er eigentlich eine königliche Ritterausbildung erhalten, welche sie ihm jedoch versagt und ihm so den Weg in die „tumpheit“ ebnet.

Als Parzival seine Sehnsucht an die Vögel bindet, veranlasst Herzeloyde, dass alle Vögel im Wald umgebracht werden sollen. Doch zeigt sich Herzeloyde nach kurzer Zeit schon demütig gegenüber Gott und besinnt sich des christlichen Gebotes:

„Du sollst nicht töten.“[4]

„Wes wende ich sîn gebot,

der doch ist der hoehste got?“ (Pz. 119,13-14)

Nachdem Herzeloyde hier erstmals gegenüber ihrem Sohn vom höchsten Gott redet, erscheint Parzivals kindliche Frage verständlicher:

„ôwê muoter, waz ist got?“ (Pz. 119,17)

Parzivals Frage nach Gott stellt ein zentrales Motiv dar, weil er die Frage bei seiner Abkehr von Gott (im sechsten Buch) wieder stellen wird. Herzeloyde erklärt ihrem Sohn Gott als menschliche, glänzende Gestalt, was später zu Problemen führen wird, wenn Parzival erstmals Ritter erblickt. Insgesamt kann man jedoch feststellen, dass Parzival in der Einöde Soltane zu einem sehr kräftigen und schönen jungen Mann heranwächst, was Wolfram beispielsweise daran verdeutlicht, dass Parzival das erlegte Wild unzerteilt auf den Schultern nach Hause tragen kann (Pz. 120,8-10).

[...]


[1] Übersetzung: Du heißt Parzival. Der Name bedeutet ‚Mittendurch’.

[2] Parzival weiß nun: „Ich heiße Parzival.“

[3] Martin Heidegger: Hegels Begriff der Erfahrung. In: Holzwege. Frankfurt a.M. 1972, S.115.

[4] Vgl. 2. Mose 20, 13 „Du sollst nicht töten.“ und 5. Mose 5,17 „Du sollst nicht töten.“

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Parzivals Weg von der Mutter zur Gralsburg
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Wolfram von Eschenbachs Parzival
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V30036
ISBN (eBook)
9783638313940
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parzivals, Mutter, Gralsburg, Wolfram, Eschenbachs, Parzival
Arbeit zitieren
Jasmin Weitzel (Autor), 2004, Parzivals Weg von der Mutter zur Gralsburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30036

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