Arbeitsmarkttheorien und rechtlicher Rahmen des gesetzlichen Mindestlohns


Akademische Arbeit, 2011

20 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Arbeitsmarkttheorien
2.1 Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie
2.2 Kritik an der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie
2.3 Die keynesianische Arbeitsmarkttheorie

3. Rechtlicher Rahmen eines gesetzlichen Mindestlohns
3.1 Aktuell bestehende und geplante Regelungen
3.2 Rechtlicher Rahmen für Neuregelungen

Schluss

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur

1. Einleitung

Das Thema Mindestlohn, welches seit Jahren zur Debatte steht, spaltet nicht nur die Politik, sondern auch die Wissenschaft. Die vorgetragenen Argumente, sind in den meisten Fällen die Gleichen. Die Befürworter betonen vorwiegend arbeitnehmerschutzrelevante und sozialpolitische Gründe, während die Gegner stets betonen, dass genau diese Ziele durch einen Mindestlohn verfehlt werden und zusätzlich die Arbeitslosigkeit gesteigert wird.[1] Die empirischen Studien die zum Thema Mindestlohn in Auftrag gegeben wurden, kommen ebenfalls zu keinem eindeutigen Ergebnis. Doch selbst wenn es wissenschaftlich bewiesen wäre, dass durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns Arbeitsplätze verloren gingen, wäre dies kein Grund das Thema Mindestlohn zu begraben. Denn in diesem Fall geht es nicht nur um die Arbeitsmarktpolitik, sondern auch um die Lohnpolitik. Robert Reich hat sich in einem Interview der Berliner Zeitung zum Thema Mindestlohn in Deutschland geäußert. Reich war Arbeitsminister unter Bill Clinton und Hochschullehrer in Harvard. Er sagte damals der Berliner Zeitung: „Von einem engen ökonomischen Standpunkt aus gesehen macht ein zu hoher Mindestlohn Arbeit teurer und das kann zu Entlassungen führen. Aber ist das das Ende der Diskussion? Nein! Denn auch wenn ein Mindestlohn Jobs vernichtet, so dient er doch anderen Zielen, zum Beispiel das weitere Sinken des Lohnniveaus zu verhindern. Arbeitsplätze sind nicht alles…“[2]

Es werden zuerst die theoretischen Modelle erläutert, auf welche sich die Politiker und Wissenschaftler beziehen. Danach wird der rechtliche Rahmen für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns aufgezeigt.

2. Arbeitsmarkttheorien

Um Entscheidungen in der Lohnpolitik oder der Arbeitsmarktpolitik zu rechtfertigen, bedient sich die Politik zumeist zweier zentraler Arbeitsmarkttheorien. Dies wäre auf der einen Seite die neoklassische Arbeitsmarkttheorie und auf der anderen Seite die keynesianische Arbeitsmarkttheorie. Beide Theorien unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer Ursachennennung und Bekämpfungesmethoden von Arbeitslosigkeit. Das folgende Kapitel soll eine Übersicht über die neoklassische Arbeitsmarkttheorie geben und die Unterschiede der keynesianischen Arbeitsmarkttheorie aufzeigen. Anschließend werden die Auswirkungen eines Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt der beiden Modelle untersucht.

2.1 Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie

In der Mikroökonomie, welche ein Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre ist, wird das Zustandekommen von Tauschbeziehungen zwischen Individuen auf verschiedenen Märkten betrachtet Ein Tausch kommt dabei zustande, wenn sich die Beteiligten über die Tauschkonditionen einig sind. Dies könnte zum Beispiel der Preis sein, welcher für die Ware bezahlt wird. Genau diese Preisbildung ist der Untersuchungsgegenstand der neoklassischen Theorie und wird meist als Kurven in einem Koordinatensystem dargestellt.[3] Der Arbeitsmarkt wird in der Neoklassik ebenfalls als Markt dargestellt, auf welchem die privaten Haushalte ihre Arbeitskraft anbieten und die Unternehmen Arbeitskräfte nachfragen, um Güter produzieren zu können und damit Gewinne zu realisieren.

Für einen reibungslos funktionierenden Arbeitsmarkt sind im neoklassischen Modell fünf Bedingungen notwendig. Es muss vollkommene Konkurrenz auf dem Markt herrschen, das heißt, dass es eine Vielzahl von Anbietern und Nachfragern geben muss und somit Monopole ausgeschlossen sind. Es muss Homogenität auf dem Markt herrschen, es müssen also alle Anbieter auf dem Markt gleich produktiv sein. Alle Wirtschaftssubjekte müssen alle Informationen besitzen, die für eine Tauschentscheidung relevant sind. Zusätzlich wird eine vollkommene Mobilitätsbereitschaft von den Individuen verlangt. Das bedeutet, dass die Wirtschaftssubjekte auf andere Arbeitsmärkte ausweichen können. Die letzte Voraussetzung ist die flexible Anpassung von Löhnen, welche sich den Marktgegebenheiten anpassen müssen.[4]

An diesen Bedingungen kann bereits abgelesen werden, dass die neoklassische Arbeitsmarkttheorie in der Realität nur schwer umgesetzt werden kann, da die Bedingungen in der Realwirtschaft meistens nicht gegeben sind. Zum Beispiel können Individuen nicht in jeden Teilarbeitsmarkt wechseln, da ihnen dafür die Ausbildung und die Fähigkeiten fehlen.

Wie schon beschrieben, setzt sich ein Markt aus Angebot und Nachfrage zusammen. Im Folgenden werden die beiden Kurven hergeleitet und beschrieben und dann in einem gemeinsamen Schaubild zusammengeführt.

Die Theorie des Arbeitsangebotes basiert auf der Nutzentheorie. Jedes Individuum versucht seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Dabei muss das Individuum eine Entscheidung treffen welches Gut es konsumieren möchte und welches nicht. Durch die Begrenztheit des Geldes kann das Individuum keine unendliche Menge von Gütern konsumieren, sondern muss eine Wahl treffen. Bei dem Angebot von Arbeit muss sich das Individuum zwischen Arbeitszeit und Freizeit entscheiden, da der Tag nur eine begrenzte Anzahl von Stunden hat.[5] Dabei hat der Preis für die angebotene Arbeit, also der Lohn, einen großen Anteil an der Entscheidung. Umso mehr Lohn ein Arbeiter bekommt, desto mehr ist er dafür bereit Freizeit aufzugeben und arbeiten zu gehen. Daraus folgt eine positive Steigung der Angebotskurve, da die Angebotsmenge positiv vom Preis abhängig ist.[6] Folgendes Schaubild soll dies besser illustrieren:

Abbildung 1 : Die aggregierte Arbeitsangebotskurve

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 5

Im Gegensatz zur Arbeitsangebotskurve, welche auf Nutzen beruht und deren Einflussfaktoren wie Freizeit, Bedürfnisse und Arbeitsleid nicht objektiv messbar sind, lässt sich bei der Nachfragekurve der Nutzen objektivieren. Unternehmen haben nämlich im Normalfall das Ziel einen monetären Gewinn zu erwirtschaften. Jeder zusätzliche Arbeiter verursacht Lohnkosten, steigert aber auch den Umsatz des Unternehmens. Daher gilt im vereinfachten Sinn: Ein Unternehmen wird solange neue Arbeiter einstellen, solange das Unternehmen damit seinen Gewinn steigern kann, nicht nur den Umsatz.[7] Die Nachfragemenge der Unternehmen nach Arbeitskräften hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, den stärksten Einfluss übt aber der Preis aus.[8]

Wie auf Abbildung 2 zu sehen ist hat die Nachfragekurve eine negative Steigung. Bei einem hohen Lohn werden wenige Leute eingestellt und bei einem niedrigen Lohn werden viele Leute eingestellt. Die Nachfragemenge ist somit negativ vom Preis abhängig.[9] Es gibt wiederum sehr viele kleine Arbeitsmärkte, daher stellt die Kurve eine aggregierte Nachfragekurve dar. Wie sich der Gewinn mit Neueinstellung steigern kann, hängt allerdings von vielen verschiedenen endogenen und exogenen Faktoren ab. Zum Beispiel wirken Skalenerträge und Arbeitsteilungseffekte positiv auf den Gewinn. Eine absolute Marktsättigung oder eine abnehmende Fabrik-Ertragskurve, das heißt, dass sich Arbeiter gegenseitig behindern, wenn es zu viele sind, wirken dagegen negativ auf den Gewinn.[10]

Abbildung 2 : Die aggregierte Arbeitsnachfragekurve

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 6

Bisher wurde gezeigt, dass Haushalte um Einkommen zu erzielen ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt anbieten und Unternehmen den Faktor Arbeiten nachfragen um damit Gewinne zu generieren. Beide sind von der Lohnhöhe abhängig, aber in entgegengesetzter Richtung.[11] Die Frage, die nun beantwortet wird ist: Wie lassen sich die Pläne der Haushalte mit denen der Unternehmen kombinieren?

Im neoklassischen Grundmodell regelt das der Markt selber. Er ist aber kein Diktator, der den Teilnehmern vorschreibt zu welchen Bedingungen sie sich einigen müssen, er signalisiert nur welche Nachfrager mit welchen Anbietern vermittelbar sind. Der Markt zeigt allen Marktteilnehmern die allgemeinen Tauschkonditionen auf. Dabei handelt es sich um den Preis, welcher für die Güter oder die Arbeitszeit zu bezahlen ist. Doch wie funktioniert die Preisbildung? Es wird bei einem beliebigen Lohn begonnen. Bei diesem Lohn gibt es mehr Nachfrager als Anbieter. Das heißt, die Anbieter können sich frei aussuchen, mit welchen Nachfragern sie kooperieren wollen. Die Nachfrager, die nun leer ausgegangen sind, werden jetzt mit dem Werben um die Anbieter beginnen, damit die Anbieter sich lieber für sie entscheiden. Dies erreichen sie durch eine Steigerung der angebotenen Löhne. Dadurch wird ein Auktionsmechanismus in Gang gesetzt, bei welchem sich die Nachfrager so lange überbieten, bis die Ersten das Angebot nicht mehr mitgehen können und die Nachfrageseite reduziert wird. Der zweite Effekt der in Gang gesetzt wird ist das erhöhte Eintreten von Anbietern in den Markt, welches durch die Gebotserhöhung in Gang gesetzt wurde. Somit streben bei diesem Auktionsprozess die Nachfrage und das Angebot, in Preis und Menge auf ein Marktgleichgewicht zu.[12] Dieser Vorgang ist in Abbildung 3 zu sehen.

[...]


[1] Vgl. Schmid (2001)

[2] Löwisch (2008), Seite 1

[3] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 3

[4] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 3

[5] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 4

[6] Vgl. Mankiw/Taylor (2008), Seite 83

[7] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 5

[8] Vgl. Mankiw/Taylor (2008), Seite 76

[9] Vgl. Mankiw/Taylor (2008), Seite 76

[10] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 5

[11] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 6

[12] Vgl. Blazejewski/Schönfelder (2008), Seite 7

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Arbeitsmarkttheorien und rechtlicher Rahmen des gesetzlichen Mindestlohns
Hochschule
Universität Hohenheim
Veranstaltung
Wirtschaftswissenschaften, Soziale Sicherung
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V300411
ISBN (eBook)
9783656965503
ISBN (Buch)
9783668143951
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeitsmarkttheorien, rahmen, mindestlohns
Arbeit zitieren
Ingo Weigel (Autor), 2011, Arbeitsmarkttheorien und rechtlicher Rahmen des gesetzlichen Mindestlohns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300411

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