Römische Statuenaufstellungen auf der Athener Akropolis. Bedeutung und Entwicklung in der Antike


Seminararbeit, 2012

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Forschungsgeschichte und Wahrnehmung

2. Die Bedeutung der Akropolis als Ort athenischer Identitätsbildung 5

3. Die bauliche Entwicklung der Akropolis von der archaischen Zeit bis in die Spätantike

4. Klassische und nachklassische Statuenweihungen auf der Akropolis

5. Der Aspekt der Wiederverwendung älterer Statuen als römische Ehrenstatuen
5.1 Umschreibung durch „Umdrehen“
5.2 Umschreibung mit rasura der ursprünglichen Inschrift
5.3 Umschreibung ohne rasura der ursprünglichen Inschrift („Doppelte Identitäten“)

6. Dynamische Figuren, mehrteilige Denkmäler und Darstellung von Frauen

7. Zur Frage der Portraitköpfe

8. Programmatische Verbindungen mit der griechischen Klassik anhand der Reiterstatue des Germanicus

9. Neue Forschungsperspektiven zur nachklassischen Akropolis

Fazit

Tafeln

Literaturverzeichnis

Bildverzeichnis

Bis heute ist die Akropolis der Inbegriff des klassischen Athen und des antiken Griechenlands. Ähnliches galt auch für die Antike selber, als Menschen aus verschiedensten Ländern kamen, um in Athen zu studieren und die Akropolis als Zentrum dieser Stadt wahrnahmen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die römischen Statuenaufstellungen auf der Akropolis untersucht und vorgestellt werden. Um eine Grundlage für die weitere Thematik zu schaffen, wird am Anfang ein kurzer Abriss über die Forschungsgeschichte und die Bedeutung der Akropolis für die Identitätsbildung stehen, bevor auf die bauliche Entwicklung seit der archaischen Zeit eingegangen wird. Anschließend werden die römischen Statuenweihungen der Akropolis behandelt, um anschließend die Technik der Wiederverwertung, welche ein wesentlicher Aspekt hinsichtlich römischer Ehrenstatuen auf der Akropolis war, ausführlich und anhand einiger Beispiele darzulegen. Dabei wird neben den unterschiedlichen Arten der Wiederverwendung auch auf die Frage der Portraitköpfe und eventuelle programmatische Beziehungen eingegangen. Zum Schluss folgt dann ein kurzer Ausblick über die Perspektiven dieses Forschungsthemas für die Zukunft. Die Informationen stammen dabei aus unterschiedlicher Literatur, wobei aber besonders die Aufsätze von Ralf Krumeich herangezogen wurden, da die generelle Literatursituation bezüglich dieses Themas sehr übersichtlich ist, wie auch in der Forschungsgeschichte erläutert wird.1

1. Forschungsgeschichte und Wahrnehmung

Wie jedoch stand die Akropolis in der antiken und nachantiken Wahrnehmung, sowie in der modernen Forschungsgeschichte? Bereits Zeitgenossen des 5. und 4. Jhds. v. Chr. galt die Akropolis als der bedeutendste Baukomplex der polis. Dies war z.B. auch Anlass für den römischen Feldherrn Aemilius Paulus auf seiner Reise im Herbst 168 v. Chr. der Athena auf der Akropolis zu opfern. Die Akropolis spielte auch eine Rolle in der hellenistischen Stadtbeschreibung des Herakleides Kritikos und zwar als prächtigstes und sehenswertes Heiligtum, welches auf den Besucher einen großen Eindruck macht. Daneben gibt es noch die 15 Bücher „Über die Akropolis in Athen“ des Atheners Heliodoros und die vier Bücher „Über die Weihgeschenke auf der Akropolis“ von Polemon von Illion. Beide stammen aus der ersten Hälfte des 2. Jhds. v. Chr., jedoch ist heutzutage nur noch der Titel und einige Fragmente erhalten. Einen wichtigen Überblick über den Denkmälerbestand des Heiligtums in der mittleren Kaiserzeit gibt Pausanias (um 160 n.Chr.). Er folgt bei der Beschreibung der Monumente jedoch seinen eigenen Interessen und beschränkt sich auf die Erwähnung einiger ausgewählter Bauten und Denkmäler der klassischen und hellenistischen Zeit.2 Auch im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit gab es, trotz baulicher Veränderungen ein nicht zu unterschätzendes Interesse an der Akropolis und ihren baulichen Monumenten. So haben wir Beschreibungen und zeichnerische Aufnahmen des Cyriacus von Ancana (1436 und 1444), sowie die Reiseberichte von Jacob Spon und George Wheler (1675/1676), die Athen noch vor der Explosion des Parthenon am 26. September 1687 besuchten. Die eigentliche Erforschung der Akropolis begann nach den griechischen Freiheitskriegen unter der Leitung von Ludwig Ross (1834-1836) und Kyriakos Pittakis (1836-1863).3

Darüberhinaus gab es noch einen vielbeachteten Akropolis Vortrag von Ernst Cutius, der später einer der einflussreichsten deutschen Altertumswissenschaftler war. Er hatte sich zwischen 1837 und 1840 in Griechenland aufgehalten und am 10. Februar 1844 in der Berliner Singakademie einen begeisternden und fast schon romantisierenden Vortrag gehalten. Bei den Grabungen von Panagiotes Kavvadias und Georg Kaweran (1855-1891) konzentrierte man sich eher auf die archaische und klassische Zeit. Hierfür sind die Architektur und auch die skulpturale Ausstattung gut dokumentiert. Die aber immerhin 1000 Jahre umfassende nachklassische Zeit (d.h. die Zeitspanne vom ausgehenden 4. Jhd. v.Chr. bis zum Ende der Spätantike um 600 n. Chr.) wird selbst noch in den jüngsten Berichten und Monographien zur Akropolis eher am Rande behandelt.4

Zwar gibt es seit einigen Jahren Untersuchungen zu den Stiftungen hellenistischer Herrscher (z.B. die pergamenischen Pfeilermonumente) sowie zu den baulichen Veränderungen des Parthenon und der Propyläen in der Kaiserzeit und Spätantike, aber sind diese eher Auseinandersetzungen mit einigen wenigen „Highlights“. Die Gesamtentwicklung in nachklassischer Zeit und Ausstattung mit Weihgeschenken und statuarischen Monumenten lag eher weniger im Blick. Erst seit den 1980ern gibt es eine zunehmende Beschäftigung mit dem römischen Griechenland und auch mit der Situation Athens im 1. Jh v.Chr., sowie während der Kaiserzeit und der Spätantike. Hierbei stehen aber besonders die Agora, die römische Agora und die Baustiftungen des Kaiser Hadrian und des Herodes Atticus im Zentrum des Interesses. Die Entwicklung der Akropolis in römischer Zeit wird dagegen eher am Rande behandelt, obwohl das Heiligtum auch zu diesem Zeitpunkt weiterhin zentraler Ort der athenischen Identifikation war, an dem noch immer zahlreiche Weihgeschenke und Ehrenstatuen errichtet wurden. Dafür gibt es jedoch nur vereinzelte Aufmerksamkeit. Ein höheres Interesse der Forschung gibt es dagegen an dem Monopteros zu Ehren der Roma und des Augustus vor der Ostseite des Parthenon als ein bedeutendes Monument der augusteischen Zeit. In den letzten Jahren sind auch die Akropolisabhänge wieder stärker untersucht worden. Die jüngsten Grabungen im Zuge des Baus der Athener Akropolis, sowie die Errichtung des im Juni 2009 eröffneten neuen Akropolismuseums haben vor allem eine dichte kaiserzeitliche und spätantike Wohnbebauung im Süden der Akropolis aufgedeckt. Trotzdem wird die Geschichte des Heiligtums dadurch natürlich nur indirekt erhellt.5

2. Die Bedeutung der Akropolis als Ort athenischer Identitätsbildung

Im Gegensatz zur Agora und zum Dionysostheater spielte auf der Akropolis die retrospektive Repräsentation von bedeutenden Persönlichkeiten der griechischen Vergangenheit kaum eine Rolle. Dies erscheint sehr gegensätzlich zu dem Angebot und der Vielfältigkeit der Skulpturen auf der Akropolis. Eine Ausnahme bildete die Statue des Komödiendichters Philemon dar. Da selbst noch in der Kaiserzeit zahlreiche, dank der Wiederverwendung, originale Statuen herausragender Vorfahren zu sehen waren hielt man neue eigene Aufstellungen wohl für unangebracht. Der Vorbildcharakter und die Rezeption der Akropolis lassen sich vor allem durch die zahlreichen Kopien der hier aufgestellten Originale feststellen. So wurden etwa im Auftrag der Kaiser Augustus und Hadrian Kopien von den Erechtheion-Koren angefertigt, um sie in z.B. an den Hallen des Forum Augustum in Rom aufzustellen, was diese Statuen dann natürlich wieder in ganz andere Zusammenhänge rückte, wie etwa die propagierte Vorbildlichkeit der griechischen Klassik etc.6

Die Akropolis war aufgrund ihrer reichen Ausstattung ein wesentlicher Faktor für das Identitätsbewusstsein der Athener. Sie spielte jedoch auch in Bezug auf den Kulturtransfer zwischen Römern und Griechen eine wichtige Rolle. Inwieweit sich das kaiserzeitliche Athen an Rom orientierte lässt sich sehr gut anhand der Wiederverwendung von Statuen erläutern. So haben die Athener einerseits ihre Loyalität zu Rom zur Schau gestellt, aber gleichzeitig auch ihre eigenen Traditionen präsentiert. Darüberhinaus lässt sich eine Ablehnung der römischen Oberherrschaft auf der künstlerischen Ebene nicht feststellen.7

3. Die bauliche Entwicklung der Akropolis von der archaischen Zeit bis in die Spätantike

Seit dem ca. 8. Jhd. v.Chr. hat sich die Akropolis zum zentralen Heiligtum von Athen entwickelt. Hier wurden neben der Stadtgöttin Athena auch früh andere Gottheiten oder mythische Gestalten, wie Erechtheus oder Athena Nike verehrt. Bis in die Spätantike fand auch ein Fest zu Ehren der Athena Polias statt, die sogenannten Panathenäen. Diese wurden jährlich gefeiert und alle vier Jahre sogar als Große Panathenäen zelebriert mit besonders viel Aufwand und umfangreichen Agonen.

Selbst der tiefgreifende Einschnitt der Perserkriege und die damit verbundene großflächige Zerstörung Athens bedeutete nicht das Ende des Kultbetriebes auf der Akropolis.8 In der hellenistischen Zeit wurden, neben den pergamenischen Pfeilermonumenten vor den Propyläen und an der Nordostecke des Parthenon, keinen größeren neuen Bauwerke errichtet . Im frühen 1. Jhd. v. Chr. kam es dann zu einem weiteren Einschnitt in der athenischen Stadtgeschichte. Nachdem sich die Stadt auf die Seite von Mithradates VI. gestellt hatte und damit gegen Rom, kam es 86 v.Chr. zur Einnahme Athens durch römische Truppen unter dem Befehl des römischen Feldherren Sulla. Einher mit der Eroberung gingen großflächige Verwüstungen, von denen die Akropolis aber wohl weitestgehend verschont blieb und nur am Rande betroffen war. Allerdings wurden beträchtliche Mengen an Gold und Silber aus dem Heiligtum abtransportiert. Nach diesem Einschnitt gab es eine Phase der baulichen Stagnation, ehe es erst wieder unter Kaiser Augustus zu umfangreicheren Bauaktivitäten kam. Während der römischen Kaiserzeit konzentrierte man sich bei der Akropolis eher auf die Instandhaltung der klassischen Gebäude. So wurde etwa in den 20er Jahren des 1. Jhds. v. Chr. Reparaturen am Erechtheion durchgeführt, welche notwendig geworden waren. Kurz nach 20 v. Chr. errichteten

[...]


1 R. Krumeich/C. Witschel, Die Akropolis als zentrales Heiligtum und Ort athenischer Identitätsbildung, in: R. Krumeich (Hrsg.), Die Akropolis von Athen im Hellenismus und in der römischen Kaiserzeit (Wiesbaden 2010), S.1-33, im Folgenden zitiert als: Krumeich/Witschel, Die Akropolis als zentrales Heiligtum und Ort athenischer Identitätsbildung, S.1.

2 R. Krumeich, Formen der statuarischen Repräsentation römischer Honoranden auf der Akropolis von Athen im späten Hellenismus und in der frühen Kaiserzeit, in: V. Stavros (Hrsg.), Athens during the Roman Period (Athen 2008), S.353, im Folgenden zitiert als: Krumeich, Formen der statuarischen Repräsentation römischer Honoranden auf der Akropolis von Athen im späten Hellenismus und in der frühen Kaiserzeit, S.353.

3 Krumeich/Witschel, Die Akropolis als zentrales Heiligtum und Ort athenischer Identitätsbildung, S.2.

4 Krumeich/Witschel, Die Akropolis als zentrales Heiligtum und Ort athenischer Identitätsbildung, S.4; S. Aneziri, Kaiserzeitliche Ehrenmonumente auf der Akropolis. Die Identität der Geehrten und die Auswahl des Aufstellungsortes, in: R. Krumeich (Hrsg.), Die Akropolis von Athen im Hellenismus und in der römischen Kaiserzeit (Wiesbaden 2010), S.274, im Folgenden zitiert als: Aneziri, Kaiserzeitliche Ehrenmonumente auf der Akropolis, S.274

5 Krumeich/Witschel, Die Akropolis als zentrales Heiligtum und Ort athenischer Identitätsbildung, S.5; L.Schneider/C. Höcker, Die Akropolis von Athen. Eine Kunst- und Kulturgeschichte (Darmstadt 2001), S.191, im Folgenden zitiert, als: Schneider/Höcker, Die Akropolis von Athen, S.191.

6 Aneziri, Kaiserzeitliche Ehrenmonumente auf der Akropolis, S.284. 5

7 Aneziri, Kaiserzeitliche Ehrenmonumente auf der Akropolis, S.285.

8 Krumeich/Witschel, Die Akropolis als zentrales Heiligtum und Ort athenischer Identitätsbildung, S.7.6

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Römische Statuenaufstellungen auf der Athener Akropolis. Bedeutung und Entwicklung in der Antike
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V300516
ISBN (eBook)
9783656969549
ISBN (Buch)
9783656969556
Dateigröße
1099 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
römische, statuenaufstellungen, antike, athener, akropolis
Arbeit zitieren
Fabian Lukas (Autor), 2012, Römische Statuenaufstellungen auf der Athener Akropolis. Bedeutung und Entwicklung in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300516

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