Bis heute ist die Akropolis der Inbegriff des klassischen Athen und des antiken Griechenlands. Ähnliches galt auch für die Antike selber, als Menschen aus verschiedensten Ländern kamen, um in Athen zu studieren und die Akropolis als Zentrum dieser Stadt wahrnahmen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die römischen Statuenaufstellungen auf der Akropolis untersucht und vorgestellt werden.
Um eine Grundlage für die weitere Thematik zu schaffen, wird am Anfang ein kurzer Abriss über die Forschungsgeschichte und die Bedeutung der Akropolis für die Identitätsbildung stehen, bevor auf die bauliche Entwicklung seit der archaischen Zeit eingegangen wird.
Anschließend werden die römischen Statuenweihungen der Akropolis behandelt. Darauf aufbauend soll die Technik der Wiederverwertung, welche ein wesentlicher Aspekt hinsichtlich römischer Ehrenstatuen auf der Akropolis war, ausführlich und anhand einiger Beispiele dargelegt werden. Dabei wird neben den unterschiedlichen Arten der Wiederverwendung auch auf die Frage der Portraitköpfe und eventuelle programmatische Beziehungen eingegangen.
Zum Schluss folgt dann ein kurzer Ausblick über die Perspektiven dieses Forschungsthemas für die Zukunft. Die Informationen stammen dabei aus unterschiedlicher Literatur, wobei aber besonders die Aufsätze von Ralf Krumeich herangezogen wurden, da die generelle Literatursituation bezüglich dieses Themas sehr übersichtlich ist, wie auch in der Forschungsgeschichte erläutert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Forschungsgeschichte und Wahrnehmung
2. Die Bedeutung der Akropolis als Ort athenischer Identitätsbildung
3. Die bauliche Entwicklung der Akropolis von der archaischen Zeit bis in die Spätantike
4. Klassische und nachklassische Statuenweihungen auf der Akropolis
5. Der Aspekt der Wiederverwendung älterer Statuen als römische Ehrenstatuen
5.1 Umschreibung durch „Umdrehen“
5.2 Umschreibung mit rasura der ursprünglichen Inschrift
5.3 Umschreibung ohne rasura der ursprünglichen Inschrift („Doppelte Identitäten“)
6. Dynamische Figuren, mehrteilige Denkmäler und Darstellung von Frauen
7. Zur Frage der Portraitköpfe
8. Programmatische Verbindungen mit der griechischen Klassik anhand der Reiterstatue des Germanicus
9. Neue Forschungsperspektiven zur nachklassischen Akropolis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Praxis römischer Statuenaufstellungen auf der Athener Akropolis, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Wiederverwendung älterer Denkmäler liegt. Es soll analysiert werden, wie römische Honoranden durch verschiedene Techniken der Umschreibung in das prestigeträchtige Umfeld der Akropolis integriert wurden und welche Rolle dabei Identitätsbildung und der Rückgriff auf griechische Traditionen spielten.
- Forschungsgeschichte der Akropolis in der römischen Kaiserzeit
- Methoden der Wiederverwendung antiker Statuen (Umschreibung, Umdrehen, Rasur)
- Repräsentation römischer Herrscher und Beamter
- Programmatische Bezüge zur griechischen Klassik (Beispiel Germanicus)
- Bedeutung der Akropolis als identitätsstiftender Ort
Auszug aus dem Buch
5.1 Umschreibung durch „Umdrehen“
In der Kaiserzeit wurden erstmals in großer Zahl schon benutzte Statuenbasen für neue Statuen wiederverwendet. Eine relativ einfache und schnelle Methode diese Blöcke wiederzuverwenden bestand darin, sie einfach umzudrehen oder auf den Kopf zu stellen, um die alten Weih- und Ehreninschriften für den Betrachter unleserlich zu machen. Zwar waren sie dadurch nicht wirklich unleserlich, es zeigte jedoch die Ungültigkeit dieser Inschrift und somit hatte sie für das Bildnis keine Relevanz mehr.
Ein gutes Beispiel ist der sogenannte „Agrippapfeiler“. Auf dem ursprünglich pergamenischen Pfeiler tauschten die Athener das originale Vierergespann gegen ein Neues aus, wo der Lenker auch die Potraitzüge des Agrippa trug und ersetzten die ursprüngliche Inschrift durch eine andere. So wurde der Schwiegersohn des Augustus von den Athenern mit einem herausragenden Denkmal geehrt, welches jedoch in seinem Unterbau immer noch unverändert ein pergamenisches Monument blieb. Obwohl weder Viergespann noch Inschrift auf den pergamenischen König hinwiesen, wurde dieses Thema trotz allem durch die charakteristische Bauweise des Pfeilers in Erinnerung gerufen. Es war nur einfach durch die Wiederverwendung nicht mehr gültig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Forschungsgeschichte und Wahrnehmung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die historische Wahrnehmung der Akropolis von der Antike bis zur modernen archäologischen Forschung und erläutert die bisherige Literaturlage.
2. Die Bedeutung der Akropolis als Ort athenischer Identitätsbildung: Hier wird analysiert, wie die Akropolis trotz römischer Präsenz ein zentraler Ort für das athenische Selbstverständnis und den Kulturtransfer zwischen Griechen und Römern blieb.
3. Die bauliche Entwicklung der Akropolis von der archaischen Zeit bis in die Spätantike: Das Kapitel skizziert die städtebauliche Historie der Akropolis, unter besonderer Berücksichtigung römischer Baumaßnahmen und der Zäsuren wie dem Herulereinfall.
4. Klassische und nachklassische Statuenweihungen auf der Akropolis: Hier wird der Bestand und die Verteilung statuarischer Denkmäler untersucht, wobei der Fokus auf dem Wandel der Weihungspraxis unter hellenistischen und römischen Herrschern liegt.
5. Der Aspekt der Wiederverwendung älterer Statuen als römische Ehrenstatuen: Dieses zentrale Kapitel behandelt die verschiedenen Techniken der Umnutzung älterer Statuen zur Repräsentation römischer Honoranden.
5.1 Umschreibung durch „Umdrehen“: Die Methode des Umdrehens oder Auf-den-Kopf-Stellens von Statuenbasen wird anhand des Beispiels des „Agrippapfeilers“ erläutert.
5.2 Umschreibung mit rasura der ursprünglichen Inschrift: Dieses Kapitel analysiert die vollständige Tilgung alter Inschriften zur Anbringung neuer Dedikationen, während Künstlersignaturen oft als Qualitätsmerkmal erhalten blieben.
5.3 Umschreibung ohne rasura der ursprünglichen Inschrift („Doppelte Identitäten“): Es wird die Praxis der Beibehaltung alter Inschriften bei gleichzeitiger Ergänzung neuer Widmungen beschrieben, was zu einer „doppelten Identität“ des Monuments führte.
6. Dynamische Figuren, mehrteilige Denkmäler und Darstellung von Frauen: Das Kapitel befasst sich mit der Repräsentation römischer Beamter durch bewegte Statuentypen und der Rolle von Frauen in diesem Kontext.
7. Zur Frage der Portraitköpfe: Hier wird diskutiert, inwiefern bei der Wiederverwendung von Statuen die Köpfe ausgetauscht wurden, um aktuellen Modetrends oder den Porträts der Kaiserfamilie zu entsprechen.
8. Programmatische Verbindungen mit der griechischen Klassik anhand der Reiterstatue des Germanicus: Dieses Kapitel untersucht am Beispiel der Reiterstatue des Germanicus bewusste Rückgriffe auf klassische Vorbilder zur politischen Legitimation.
9. Neue Forschungsperspektiven zur nachklassischen Akropolis: Der Ausblick zeigt auf, wie durch die Einbeziehung der Statuenbasen als archäologische Quelle neue Erkenntnisse über die nachklassische Akropolis gewonnen werden können.
Schlüsselwörter
Akropolis, Athen, Statuenaufstellung, Wiederverwendung, Römisches Reich, Ehrenstatuen, Identitätsbildung, Umschreibung, Statuenbasen, Kaiserzeit, Romanisierung, Germanicus, Agrippapfeiler, klassische Tradition, Kaiserkult.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der römischen Praxis, auf der Athener Akropolis eigene Ehrenstatuen durch die Wiederverwendung älterer griechischer Monumente aufzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Techniken der statuarischen Umnutzung, die Repräsentation römischer Eliten und der politisch-kulturelle Kontext des kaiserzeitlichen Athens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die systematische Wiederverwendungspraxis zu analysieren und aufzuzeigen, wie dabei Identitätsbildung und der Rückgriff auf die griechische Vergangenheit instrumentalisiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung archäologischer Berichte, literarischer Quellen (z.B. Pausanias) und vor allem der epigraphischen und typologischen Untersuchung erhaltener Statuenbasen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Akropolis, eine detaillierte Analyse verschiedener Umschreibungstechniken (Rasur, Umdrehen) sowie eine Untersuchung zur Rolle von Porträts und programmatischen Anspielungen an die Klassik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Akropolis, Wiederverwendung, Ehrenstatuen, Identitätsbildung, Römisches Reich und Kaiserzeit.
Wie wurde der „Agrippapfeiler“ umgenutzt?
Der Pfeiler wurde durch das Umdrehen der Basis und den Austausch der Reitergruppe so umgewidmet, dass er statt eines pergamenischen Königs den Schwiegersohn des Augustus, Agrippa, ehrte.
Warum wurde bei manchen Statuen die alte Inschrift stehen gelassen?
Dies diente der Erzeugung einer „doppelten Identität“, bei der sowohl der ursprüngliche Stifter als auch der neue Geehrte im Kontext des Monuments präsent blieben.
Welche Rolle spielten die Portraitköpfe bei der Statuen-Wiederverwendung?
Die Köpfe wurden häufig ausgetauscht, um den Geehrten im zeitgenössischen Stil darzustellen oder, besonders bei Mitgliedern der Kaiserfamilie, einer verbindlichen Porträtmode zu entsprechen.
Warum wird die Reiterstatue des Germanicus als programmatisch bezeichnet?
Da sie durch ihre Gestaltung, die Inschriften und die Kombination mit einer Begleitfigur bewusst ein Zitat der attischen Reiterei des 5. Jhd. v. Chr. darstellt, um den Geehrten in die machtpolitische Blütezeit Athens zu rücken.
- Citation du texte
- Fabian Lukas (Auteur), 2012, Römische Statuenaufstellungen auf der Athener Akropolis. Bedeutung und Entwicklung in der Antike, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300516