Das Jahr 2012/2013 war als das Georg-Büchner-Jahr betitelt worden: 200 Jahre Georg Büchner als historischer Jahrestag. Die gesamte Familie Büchner galt in der Epoche des Vormärz als bedeutend, wobei man sogar so weit ging, dass die Tendenzen des 19. Jahrhunderts an der Familie Büchner abgeleitet wurden. Sowohl auf dem Gebiet der Medizin, der Politik, des Rechtswesens als auch im Bereich der Bildung und der Literatur konnte die Familie Büchner große Erfolge sowie pionierhafte Durchbrüche erzielen. Die Einflüsse dieses Familienclans reichen sogar noch bis in die heutige Zeit.
In dieser Hausarbeit werde ich der Fragestellung nachgehen, inwieweit sich Georg Büchners Kunstauffassungen (Vormärz) von denen der Weimarer Klassik unterscheiden. Diese Gegenüberstellung wird von mir anhand ausgewählter Briefe und Textauszüge, vollzogen.
Sieht man sich die Deutsche Literaturgeschichte im Grobüberblick an, kann man feststellen, dass die Epoche der Weimarer Klassik zeitlich vor dem Vormärz angesiedelt ist. Dabei wurden beide Epochen von der zeitlich noch früheren Phase der Aufklärung in unterschiedlichster Weise beeinflusst. Fraglich ist nur, wie die Aufklärung diese beiden Epochen beeinflusst hat.
In diesem Sinne werde ich mich nun zuerst mit der Literatur der Weimarer Klassik und ihren Merkmalen befassen. Dabei werde ich versuchen, diese Merkmale bei Friedrich Schiller anhand von Textauszügen zu verifizieren. Danach werde ich mich mit der Vormärzliteratur auseinandersetzen, welche ich anhand von Georg Büchner repräsentativ mithilfe seiner Briefe und Werke erläutern werde. Zuletzt werde ich die beiden repräsentativen Autoren aus den jeweiligen Epochen anhand von drei ausgewählten Kriterien miteinander vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Weimarer Klassik
2.1 Merkmale der Literatur der Weimarer Klassik
2.2 Schillers Kunstauffassung als Vertreter der Weimarer Klassik
3 Vormärzliteratur
3.1 Büchners Leben und die Merkmale des Vormärz
3.2 Büchners Kunstauffassung als Vertreter des Vormärz
4 Vergleich der beiden Kunstauffassungen
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Gegenüberstellung der unterschiedlichen Kunstauffassungen der Weimarer Klassik und der Vormärzliteratur, repräsentiert durch Friedrich Schiller und Georg Büchner.
- Analyse der literarischen Merkmale der Weimarer Klassik anhand von Goethes Werk.
- Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Friedrich Schillers Kunstverständnis.
- Erforschung der Einflüsse der Aufklärung und der Französischen Revolution auf Georg Büchner.
- Kontrastierung von Realismus (Büchner) und Idealismus (Schiller) in der Dichtung.
- Bewertung der Rolle der Literatur als moralische Instanz versus kritisches Instrument.
Auszug aus dem Buch
3.2 Büchners Kunstauffassung als Vertreter des Vormärz
Auch seine Vorstellung vom Theater basiert auf der Reflexion seiner Erlebnisse mit dem zeitgenössischen Theater. Für ihn ist das Theater profan und „verzettelt“ (Text 1, Z.1) geworden, was nichts mehr mit Kunst zu tun hat sondern mit der Erschaffung eines Ideals, durch welches man sich „herumquälen“ muss. Seiner Meinung nach sollte das Theater die Realität und die „Schöpfung“ zeigen, um den Menschen die Augen zu öffnen für das besondere, wobei nur das Gefühl als Kriterium dienen sollte. Das Theater sollte die reine und einfache Wahrheit darstellen, da nur so „Leben“ wiedergespiegelt werden kann und die Menschen durch ihre Hülle erreicht. Im Gegensatz dazu versucht laut Büchner der Idealismus Gottes Schöpfung „gewöhnlich“ wirken zu lassen, weshalb die Gesellschaft den Bezug zur Realität verliert und das Besondere um sie herum nicht wahrnimmt. Denn nach dem Theaterbesuch werden die Zuschauer wieder mit der Realität konfrontiert, wobei diese Kontrastierung zwischen erlebtem Ideal und Realität zu stark sein könnte. Statt das Leben und das Gefühl zu sehen bzw. zu hören, kategorisieren sie ihre Umwelt in „schön“ und „hässlich“, was Büchner als vollkommen falsch erachtet. Er bezeichnet es als die „schmählichste Verachtung der menschlichen Natur“, was man als Aufruf dazu verstehen kann, dass die Gesellschaft Gottes Schöpfung – sprich die alltäglichen Dinge – würdigen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Georg Büchner und Definition der Fragestellung bezüglich der Unterschiede in der Kunstauffassung zwischen Weimarer Klassik und Vormärz.
2 Weimarer Klassik: Erläuterung der Epochenmerkmale wie Erziehungsfunktion, Idealismus und der Fokus auf Autonomie anhand von Goethes Werken.
2.1 Merkmale der Literatur der Weimarer Klassik: Detaillierte Analyse der Werteorientierung und der Abkehr vom Gefühlskult hin zu rationaler Humanität.
2.2 Schillers Kunstauffassung als Vertreter der Weimarer Klassik: Untersuchung der idealistischen Dichtungstheorie Schillers und der Bedeutung von Idealisierung als moralischer Instanz.
3 Vormärzliteratur: Einordnung der Epoche Vormärz unter Berücksichtigung historischer Einflüsse wie der Französischen Revolution.
3.1 Büchners Leben und die Merkmale des Vormärz: Biografische und zeitgeschichtliche Analyse der Prägung Büchners und seiner kritischen Haltung gegenüber Kants Mündigkeitsideal.
3.2 Büchners Kunstauffassung als Vertreter des Vormärz: Beschreibung von Büchners Verständnis der Kunst als wirklichkeitsgetreuer Spiegel ohne moralisierenden Lehrauftrag.
4 Vergleich der beiden Kunstauffassungen: Synthese der Diskrepanzen zwischen dem Idealismus Schillers und dem Realismus Büchners hinsichtlich Sprache und Zielsetzung.
5 Schluss: Persönliche Reflexion der Autorin über die Bedeutung von Idealen und Realität in der Literatur.
Schlüsselwörter
Georg Büchner, Friedrich Schiller, Weimarer Klassik, Vormärz, Kunstauffassung, Idealismus, Realismus, Aufklärung, Humanität, Mündigkeit, Literaturtheorie, Dramentheorie, Gesellschaftskritik, Moral, Identifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Kunstauffassungen der Weimarer Klassik und der Vormärzliteratur, indem sie die Ansätze von Friedrich Schiller und Georg Büchner einander gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle der Literatur bei der Charakterbildung, das Verhältnis zwischen Idealismus und Realismus sowie der Einfluss der Aufklärung und gesellschaftlicher Strukturen auf die Dichter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit sich die Kunstauffassungen der Weimarer Klassik und die von Georg Büchner als Vertreter des Vormärz voneinander unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse, basierend auf ausgewählten Briefen, Werken und Textauszügen, um die unterschiedlichen Kriterien der Autoren zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Weimarer Klassik (Schiller) und der Vormärzliteratur (Büchner), gefolgt von einem direkten Vergleich ihrer ästhetischen Standpunkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klassik, Vormärz, Realismus, Idealismus, Kunstauffassung, Gesellschaftskritik, Humanität und Mündigkeit.
Warum lehnt Büchner laut der Autorin den Idealismus Schillers ab?
Büchner sieht in der Idealisierung eine Einengung und eine Verfälschung der Realität, die den Leser daran hindert, sich mit den Charakteren zu identifizieren und die Welt in ihrer ganzen Komplexität wahrzunehmen.
Welche Funktion hat die Literatur für Schiller im Gegensatz zu Büchner?
Für Schiller dient Literatur als moralische Instanz zur Charakterbildung, während sie für Büchner ein Instrument zur Darstellung gesellschaftlicher Missstände und zur kritischen Reflexion der Wirklichkeit ist.
- Citation du texte
- Christina Mehs (Auteur), 2014, Die Kunstauffassung Georg Büchners als Repräsentant der Vormärzliteratur. Ein Vergleich zur Weimarer Klassik anhand ausgewählter Texte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300577