In Diskursen zum deutschen Bildungssystem fallen immer wieder die Begriffe Ganztagsschule und Bildungslandschaft. Beiden Konzepten gemeinsam ist die Forderung nach einer verstärkten Öffnung der Schule zur Lebenswelt der SchülerInnen für einen Zugewinn an Entwicklungs- und Erfahrungsmöglichkeiten. Die SchülerInnen sollen besser individuell gefördert, der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft gelöst und Familie und Beruf besser vereinbart werden.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommune, die als Koordinator dient und eine soziale und pädagogische Infrastruktur bietet. Bestehen also Bildungslandschaften aus Kooperationen zwischen Schule und anderen Bildungseinrichtungen? Oder sind Ganztagsschulen die mit anderen Bildungseinrichtungen kooperieren schon Bildungslandschaften? Genügt überhaupt eine Kooperation zwischen einzelnen eigenständigen Einrichtungen oder bedarf es eines ganz neuen Systems?
Im Folgenden wird auf diese Fragen eingegangen und die verschiedenen Begrifflichkeiten näher betrachtet. Zunächst geht es um die Ganztagsschule, ihre Modelle und ihre Vor- und Nachteile. Es folgt eine Erläuterung von Kooperationen und Vernetzungen an den Beispielen der Institution Schule und der Kinder- und Jugendhilfe. Daraufhin wird näher auf die Bildungslandschaften eingegangen und dabei besonders der Bildungsbegriff und die Rolle der Kommunen in den Blick genommen. Schließlich werden die Erläuterungen zusammengefasst und eine Antwort auf die Ausgangsfrage, ob Ganztagsschulen ein verkleinertes Abbild kommunaler Bildungslandschaften sind, gefunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ganztagsschulen
2.1 Modelle
2.2 Vor- und Nachteile
3. Vernetzung verschiedener Einrichtungen
3.1 Institution Schule
3.2 Kinder- und Jugendhilfe
4. Bildungslandschaften
4.1 Bildungsbegriff
4.2 Kommunale Bildungslandschaften
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept der Ganztagsschule die Anforderungen an eine kommunale Bildungslandschaft erfüllt und ob die Schule hierbei lediglich als kooperierende Einheit fungiert oder Teil eines ganzheitlich vernetzten Gesamtsystems ist.
- Vergleich der Konzepte Ganztagsschule und Bildungslandschaft
- Analyse von Kooperationsformen zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe
- Bedeutung der Kommune als steuernde Instanz in Bildungsnetzwerken
- Diskussion des Bildungsbegriffs im Kontext lebensweltlicher Erfahrungen
- Bewertung der strukturellen Grenzen von Ganztagsschulen
Auszug aus dem Buch
4. Bildungslandschaften
Bildungslandschaften sind laut der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung „langfristige, professionell gestaltete, auf gemeinsames, planvolles Handeln abzielende, kommunalpolitisch gewollte Netzwerke zum Thema Bildung, die – ausgehend von der Perspektive des lernenden Subjekts – formale Bildungsorte und informelle Lernwelten umfassen und sich auf einen definierten lokalen Raum beziehen.“ (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, 2012).
Trotz dieser Definition ist die Komplexität einer Bildungslandschaft oft nicht bewusst. Neben dem Begriff der Bildungslandschaft gibt es noch viele weitere Begriffe die unterschiedlich interpretiert und genutzt werden (lokale Bildungslandschaft, regionale Bildungslandschaft, Bildungsnetzwerke, …) (Maykus, 2012). Außerdem konnten in den bereits bestehenden Bildungslandschaften vier verschiedene Entwicklungstypen beobachtet werden. In der schulzentrierten Variante liegt der Schwerpunkt in der Schule als zentrale Institution in einem Bildungsnetzwerk mit dem Ziel der Qualitätssteigerung der Schulen. Kooperationszentrierte Varianten haben ihren Schwerpunkt hingegen in der Kooperation von Schule und Kinder- und Jugendhilfe als Kerninstitutionen in einem Bildungsnetzwerk mit dem Ziel, Probleme besser zu erkennen und bearbeiten zu können. In qualifizierungsorientierten Bildungslandschaften liegt der Schwerpunkt in der beruflichen Aus- und Weiterbildung mit dem Ziel das Arbeitsmarktpotenzial der Kommune zu steigern. Multidimensional orientierte Entwicklungsvarianten haben ihren Schwerpunkt in der Kommune als Steuerungsinstanz in einem Gesamtsystem von Bildungsmöglichkeiten- und Räumen mit dem Ziel der Vernetzung aller an Bildung beteiligten Akteure (Eisnach, 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, ob Ganztagsschulen bereits Bildungslandschaften darstellen oder lediglich einzelne kooperierende Institutionen sind.
2. Ganztagsschulen: Hier werden Konzepte, Modelle (gebunden/offen/additiv/integrativ) sowie kritische Vor- und Nachteile von Ganztagsschulen erörtert.
3. Vernetzung verschiedener Einrichtungen: Dieses Kapitel definiert Kooperation und Vernetzung und beleuchtet die unterschiedlichen Rollen von Schule und Kinder- und Jugendhilfe.
4. Bildungslandschaften: Hier wird der theoretische Rahmen von Bildungslandschaften, der erweiterte Bildungsbegriff und die Rolle der Kommune als Steuerungseinheit detailliert.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Ganztagsschulen zwar wichtige Lernorte sind, aber im Vergleich zu kommunalen Bildungslandschaften systemisch begrenzt bleiben und nicht das Ziel einer ganzheitlichen Netzsteuerung ersetzen können.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Bildungslandschaft, Kommune, Kooperation, Vernetzung, Bildungssystem, Kindheit, Jugendhilfe, Bildungsnetzwerke, Bildungsbegriff, Sozialisation, Partizipation, Lebenswelt, Schulentwicklung, Netzwerkarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Ganztagsschulen und kommunalen Bildungslandschaften, insbesondere in Bezug auf deren Fähigkeit zur ganzheitlichen Vernetzung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Ganztagsschulkonzepten, die Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe und die theoretische Fundierung von Bildungslandschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob Ganztagsschulen als "verkleinertes Abbild" von Bildungslandschaften angesehen werden können oder ob sie systemische Grenzen aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur und Bildungskonzepten, um die strukturellen Gegebenheiten von Schule und Kommune zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ganztagsschulmodellen, der Vernetzung von Akteuren wie der Schule und Jugendhilfe sowie einer detaillierten Analyse des Bildungslandschaftsbegriffs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ganztagsschule, Bildungslandschaft, kommunale Steuerung, Kooperation und soziale Integration.
Warum reichen Kooperationen zwischen Schule und Jugendhilfe laut der Autorin oft nicht aus?
Die Autorin argumentiert, dass Kooperationen meist additiver Natur sind, während eine Bildungslandschaft eine tiefergehende Netzwerkarbeit und eine übergeordnete kommunale Steuerung erfordert.
Welche Rolle spielt die Kommune für eine gelingende Bildungslandschaft?
Die Kommune nimmt die zentrale Funktion als Koordinator ein, welche die verschiedenen Bildungsakteure in ein Gesamtsystem integriert und eine Gesamtverantwortung übernimmt.
- Arbeit zitieren
- Liza Springub (Autor:in), 2014, Ganztagsschulen als verkleinertes Abbild kommunaler Bildungslandschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300706