Qualität betrieblicher Gesundheitsförderung der Krankenkassen in Deutschland. Eine Analyse ausgewählter "Best Practice Projekte"


Studienarbeit, 2015
32 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 1

2. Hintergrund. 2

2.1. Begriffsdefinition betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) 2

2.2. Relevanz der betrieblichen Gesundheitsförderung der Krankenkassen.. 3

2.3. Qualitätskriterien des ENWHP.. 4

3. Methodik. 7

4. Ergebnisse. 8

5. Diskussion.. 13

6. Schlussfolgerung. 15

7. Anhang. 17

Literatur 18

1. Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland unterliegt dem demografischen Wandel, was u. a. erhöhte Anforderungen an das Arbeitsleben bedeutet und eine damit einhergehende Verschiebung des Krankheitspanoramas hin zu mehr chronisch-degenerativen sowie psychischen Erkrankungen (Böhm et al., 2009; Robert Koch Institut, 2006). Damit verbunden ist ein Einnahmenproblem bei geleichzeitig zu erwartenden steigenden Kosten der Sozialversicherungen.

Die Politik reagiert bereits auf mehreren Ebenen auf diese Problematik, so soll ein Schwerpunkt des vierten Anlaufs des Präventionsgesetzes „die Förderung der Prävention im Betrieb [sein]. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sollen in den Fokus der Leistungen der Krankenkassen rücken. Mit einem Mehr an Leistungen – verbunden mit der Verbesserung der Beratung und Unterstützung sowie einer engeren Verknüpfung mit dem Arbeitsschutz – sollen deutlich mehr Unternehmen mit Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung erreicht werden“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2014a).

Eine Änderung des Arbeitsschutzgesetzes durch das BUK-Neuorganisationsgesetz hat bereits 2013 dazu geführt, dass der Fokus explizit mit auf die „psychische Gesundheit“ (§ 4 ArbSchG) gelegt wird, sowie „psychische Belastungen bei der Arbeit“ (§ 5 ArbSchG) mit in die Beurteilung von Arbeitsbedingungen einzuschließen sind (BUK-NOG, 2013).

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) scheint daher zunehmend für Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland an Bedeutung zu gewinnen. Dies geschieht nicht zuletzt aus gesetzlichem Zwang heraus, sondern auch aus anderen Motivationen wie z. B. dem Erhalt der Gesundheit der Belegschaft und damit der Produktionsfähigkeit (Badura et. al., 2010). So berichten der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS) und der GKV-Spitzenverband (2014) im aktuellen Präventionsbericht 2014, dass im Berichtsjahr 2013 ca. 10.000 Betriebe durch die betrieblichen Gesundheitsförderungsmaßnahmen der Krankenkassen unterstütz worden sein. 54 Mio. Euro wurden allein für betriebliche Maßnahmen der Gesundheitsförderung aufgewendet.

Die Qualität der durchgeführten Maßnahmen ist dabei von entscheidender Bedeutung. Investitionen in BGF zeigen zumeist erst einige Zeit später einen sichtbaren Erfolg, welcher sich in der Regel nicht mit eindeutigen harten Kriterien messen lässt, bzw. die direkte Kausalität durch die Komplexität der Zusammenhänge häufig nicht nachzuweisen ist (Ueberle Greiner, 2010). Gleiches gilt für das Messen von psychischer Belastung.

Daher erscheint es umso wichtiger bisher entwickelte und zum Teil evaluierte Standards in der BGF zu nutzen, um die Qualität der Maßnahmen zumindest auf konzeptioneller Ebene zu sichern. Dieser Konzept-Qualität widmet sich unter anderem das European Network for Workplace Health Promotion (ENWHP) [1]. Das ENWHP hat u. a. sechs Kernkriterien für Qualität der betrieblichen Gesundheitsförderung benannt. In der vorliegenden Arbeit soll mithilfe dieser Qualitätskriterien des ENWHP folgende Fragestellung bearbeitet werden: Inwiefern erfüllen Best Practice Projekte betrieblicher Gesundheitsförderung der Krankenkassen in der BRD die Kriterien des Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung (ENWHP)? Dafür wurden für diese Arbeit 19 exemplarische Best Practice Projekte ausgewählt, die hinsichtlich der Fragestellung analysiert wurden und somit einen Einblick in die konzeptionelle Gestaltungspraxis betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen der Krankenkassen in der Bundesrepublik Deutschland geben sollen.

In den folgenden Kapiteln wird daher auf die Hintergründe betrieblicher Gesundheitsförderung eingegangen, insbesondere auf die Kriterien des Europäischen Netzwerkes betrieblicher Gesundheitsförderung, sowie auf die Relevanz des Themas. Das Kapitel Methodik beschreibt knapp, wie bei der Analyse vorgegangen wurde sowie die Auswahl der exemplarischen Best Practice Projekte. Anschließend werden die ausgewählten Projekte im Kapitel Ergebnisse hinsichtlich der Erfüllung der Qualitätskriterien des ENWHP analysiert. Im Kapitel Diskussion werden die erlangten Ergebnisse sowie die Methodik der Datengewinnung diskutiert. Abschließend werden im Kapitel Schlussfolgerung ein kurzes Fazit gegeben sowie Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

2. Hintergrund

In diesem Kapitel soll zunächst der Begriff der betrieblichen Gesundheitsförderung definiert werden, da dieser in der Literatur häufig nicht eindeutig gebraucht wird, dessen Verständnis für diese Arbeit jedoch eine wichtige Grundlage darstellt. Danach soll eine Einführung in das Ausmaß der Aktivitäten in der betrieblichen Gesundheitsförderung der Krankenkassen erfolgen, um die Relevanz des Themas herauszustellen. Anschließend werden die Qualitätskriterien des Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung eingeführt und erläutert.

2.1. Begriffsdefinition betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)

Unter betrieblicher Gesundheitsförderung im klassischen Sinne sind einzelne Maßnahmen zu verstehen, die hauptsächlich auf die Verhaltensprävention abzielen, wie z. B. Fitnesskurse, Rückenschulen oder Entspannungstraining. Diese Maßnahmen werden jedoch ohne ein Gesamtkonzept, ohne gezielte Steuerung sowie deren Evaluation angeboten und durchgeführt. Ausschlaggebend für die Entwicklung der Verhaltensprävention war die Ottawa-Charta (1986), die Gesundheitsförderung mit dem Ziel definiert hatte: „allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (S. 1).

In dieser Arbeit werden unter dem Begriff der betrieblichen Gesundheitsförderung jedoch alle Maßnahmen verstanden, die in einem Betrieb angeboten und durchgeführt werden, die auf das Wiedererlangen, Erhalten oder sogar Verbessern des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens aller Mitarbeiter [2] des Unternehmens ausgerichtet sind. Diese Maßnahmen greifen optimalerweise ineinander und sind in die Organisationsstrukturen integriert, sodass eine funktionierende BGF in der bestehenden Unternehmenskultur gelebt werden kann. Die erweiterte Definition des Begriffs betriebliche Gesundheitsförderung umfasst dabei sowohl Verhaltensprävention als auch Verhältnisprävention im Gegensatz zur klassischen BGF (Badura et. al., 2010). [3]

Die in Kapitel 2.3. beschriebenen Qualitätskriterien des ENWHP bilden die Grundlage des erweiterten Verständnisses von betrieblicher Gesundheitsförderung in dieser Arbeit.

2.2. Relevanz der betrieblichen Gesundheitsförderung der Krankenkassen

Nach § 20a SGB V ist die betriebliche Gesundheitsförderung eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Diese sollen Prozesse zur gesundheitsgerechten Gestaltung der betrieblichen Umwelt initiieren und die notwendigen Kompetenzen vermitteln, um die persönliche Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern“ (MDS GKV-Spitzenverband, 2014, S. 85). Wie eingangs erwähnt berichten der MDS und der GKV-Spitzenverband (2014) im aktuellen Präventionsbericht, dass im Berichtsjahr 2013 ca. 10.000 Betriebe durch BGF der Krankenkassen unterstütz worden sind, mit einem Anstieg der Betriebe um 21 % im Vergleich zum Vorjahr. Das entspricht ungefähr 1,1 Millionen Menschen, die von BGF an ihrem Arbeitsplatz erreicht wurden. In Abb.1 wird die Verteilung der erreichten Branchen der knapp 10.000 Betriebe in % dargestellt. Von den 267 Mio. Euro, die die Krankenkassen für Maßnahmen der Gesundheitsförderung ausgegeben haben, wurden 54 Mio. Euro allein für betriebliche Maßnahmen der Gesundheitsförderung aufgewendet, was einer Steigerung von 18 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Schwerpunkt der betrieblichen Gesundheitsförderung war bei Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern angesiedelt mit einer mittleren Projektlaufzeit von ca. 3 Jahren.

[1] Zu deutsch: Europäisches Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung. In der vorliegenden Arbeit auch mit ENWHP abgekürzt.

[2] In der vorliegenden Arbeit wird das generische Femininum aus Gründen der Lesefreundlichkeit und Textökonomie nicht explizit genannt. Das verwendete generische Maskulinum schließt die feminine Form jeweils mit ein.

[3] Die erweiterte Definition des Begriffs betriebliche Gesundheitsförderung ist synonym auch als betriebliches Gesundheitsmanagement zu verstehen. In der verwandten Literatur werden die Begriffe zumeist unreflektiert benutzt, weshalb hier nur der erweiterte Begriff der BGF verwendet werden soll.

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Details

Titel
Qualität betrieblicher Gesundheitsförderung der Krankenkassen in Deutschland. Eine Analyse ausgewählter "Best Practice Projekte"
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Probleme der Gesundheitssystemforschung - Arbeit und Gesundheit
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
32
Katalognummer
V300778
ISBN (eBook)
9783656971368
ISBN (Buch)
9783656971375
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualität betrieblicher Gesundheitsförderung, betriebliche Gesundheitsförderung, BGF, BGM, betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsmanagement, ENWHP, Europäischen Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung (ENWHP), European Network For Workplace Health Promotion, Arbeit und Gesundheit, psychische Belastung bei der Arbeit, psychische Gesundheit
Arbeit zitieren
Tobias Munko (Autor), 2015, Qualität betrieblicher Gesundheitsförderung der Krankenkassen in Deutschland. Eine Analyse ausgewählter "Best Practice Projekte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300778

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