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"Verantwortung" in Aristoteles "Nikomachischer Ethik"

Titel: "Verantwortung" in Aristoteles "Nikomachischer Ethik"

Hausarbeit , 2015 , 15 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tatjana Stuhlmann (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die "Nikomachische Ethik" ist eine von drei Schriften zur Ethik, die uns als von Aristoteles verfasst überliefert sind. Sie ist einer der bedeutendsten und wirkungsreichsten Texte der Philosophiegeschichte. Auch heute noch wird sie in einigen ethischen Belangen herangezogen und als Beitrag zu gegenwärtigen Debatten gelesen. Diese Aktualität liegt unter anderem in der Zeitlosigkeit der Fragestellungen begründet, denen sich Aristoteles zuwendet. In der "Nikomachischen Ethik" beschäftigt sich Aristoteles unter anderem mit der Frage nach der Lust, dem Glück, der Gerechtigkeit, der Tugend und der Freundschaft und somit mit Fragen, die eine solche Allgemeinheit besitzen, dass sie auch nach mehr als 2300 Jahren noch Relevanz für die Menschen und ihre Wirklichkeit haben.

Aristoteles behandelt in der "Nikomachischen Ethik" ebenfalls die Frage nach der Zuschreibbarkeit von Handlungen. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, herauszuarbeiten, welche Strukturen von Verantwortung bereits in der "Nikomachischen Ethik" zu finden sind. Da der Begriff der Verantwortung ein verhältnismäßig junger ist und es ihn zu den Zeiten von Aristoteles noch nicht gab, gilt es zu untersuchen, ob in seinem Werk eine äquivalente Beschreibung für dieselbe Bedeutung zu finden ist.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird eine kurze Einführung in das Thema Verantwortung gegeben. Dabei ist es nicht das Ziel, die Entwicklungsgeschichte des Verantwortungsbegriffs wiederzugeben oder verschiedene Verantwortungskonzepte darzustellen. Stattdessen soll eine Grundlage für die folgende Untersuchung geschaffen werden, indem ein spezifisches Verständnis von Verantwortung dargelegt wird. Davon ausgehend werden im zweiten Teil der Arbeit die Kapitel 1-7 des dritten Buches der "Nikomachischen Ethik" behandelt, um anschließend im vierten Teil die Ergebnisse in Bezug zu dem Begriff der Verantwortung zu diskutieren. Zuletzt wird ein resümierendes Fazit gezogen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in das Thema Verantwortung

2.1 Der Verantwortungsbegriff

2.2 Grundannahmen zur Verantwortung

3 Nikomachische Ethik (III Kapitel 1–7)

3.1 Das Freiwillige und das Unfreiwillige (III 1–3)

3.1.1 Erste Bedingung des Unfreiwilligen: Zwang oder Gewalt

3.1.2 Zweite Bedingung des Unfreiwilligen: Unwissenheit

3.1.3 Das Freiwillige

3.2 Die Entscheidung (III 4–6)

3.2.1 Negativbestimmung der Entscheidung

3.2.2 Bestimmung der Entscheidung

3.2.3 Die Rolle der Entscheidung

3.3 Das Problem der Zurechnung (III 7)

3.4 Kurze Zusammenfassung

4 Verantwortung in der Nikomachischen Ethik

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Strukturen von Verantwortung in Aristoteles' Nikomachischer Ethik (drittes Buch, Kapitel 1–7) herauszuarbeiten, um zu prüfen, ob sich dort eine Äquivalenz zum modernen Verantwortungsbegriff finden lässt, obwohl dieser historisch deutlich jünger ist.

  • Etymologische und konzeptionelle Herleitung des modernen Verantwortungsbegriffs.
  • Differenzierung zwischen freiwilligem und unfreiwilligem Handeln bei Aristoteles.
  • Analyse des aristotelischen Entscheidungsbegriffs (Prohairesis) als Voraussetzung für Zurechenbarkeit.
  • Diskussion der Bedeutung von Zwang, Unwissenheit und Charakterbildung für die moralische Verantwortlichkeit.
  • Vergleich aristotelischer Kriterien mit modernen juristischen und ethischen Verantwortungskonzepten.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Erste Bedingung des Unfreiwilligen: Zwang oder Gewalt

Unfreiwillige Handlungen sind dann gegeben, wenn auf den Handelnden Zwang oder Gewalt (bia) ausgeübt wird und die Ursache der Handlung außerhalb des Handelnden liegt (1110a2f.). Den Gegenbegriff dazu bildet für Aristoteles die Natur (physis) des Menschen, die durch das Prinzip der Selbstbewegung bestimmt wird. Dass bei einer Handlung unter Zwang keinerlei Mitwirkung durch den Handelnden stattfindet, muss dabei ganz konkret gedacht werden, ohne Eigenbewegung desjenigen, auf den der Zwang ausgeübt wird: „Wie das Beispiel vom Sturm zeigt, der jemanden irgendwohin trägt, ist das in dem einfachen Sinn gemeint, dass man durch eine äußere Kraft an einen anderen Ort bewegt wird, ohne selbst zu der Bewegung beizutragen.“ Das Beispiel erscheint jedoch insofern problematisch, als das es kein aktives Handeln, sondern lediglich ein passives Erleiden schildert. Und zudem bleibt die Klasse der erzwungenen Handlungen somit sehr eng. „Als Entschuldigung kann Zwang daher nur in so seltenen Situationen wie derjenigen dienen, dass jemand unsere Hand nimmt und damit einen anderen schlägt“, was aber im wirklichen Leben wohl eher selten vorkommt.

Aristoteles geht jedoch schnell zu anderen Fällen über, bei denen nicht immer genau zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Handlungen unterschieden werden kann. Er macht darauf aufmerksam, dass manche Handlungen einen Mischcharakter besitzen und sowohl freiwillig als auch unfreiwillig sind (1110a4ff.). Als Beispiel verweist er auf die Besatzung eines Schiffes, die während eines Sturms Teile der Ladung über Bord wirft. Die Einordnung solcher Fälle wirft folgendes Problem auf: Einerseits ist eine solche Handlung freiwillig, denn man entscheidet sich dafür und handelt insofern freiwillig. Andererseits kann sie jedoch auch als unfreiwillig angesehen werden, da die äußeren Bedingungen den Handelnden zu der Handlung veranlassen und niemand eine solche Handlung an sich wählen würde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Relevanz der Nikomachischen Ethik und Darlegung der Zielsetzung, Strukturen der Verantwortung bei Aristoteles zu untersuchen.

2 Einführung in das Thema Verantwortung: Erörterung des etymologischen Ursprungs und der fünf zentralen Grundannahmen, die modernen Verantwortungskonzeptionen zugrunde liegen.

3 Nikomachische Ethik (III Kapitel 1–7): Detaillierte Analyse der aristotelischen Begriffe von Freiwilligkeit, Unfreiwilligkeit und Entscheidung sowie deren Rolle bei der moralischen Zurechnung.

4 Verantwortung in der Nikomachischen Ethik: Kritische Auseinandersetzung mit der Anwendung aristotelischer Kriterien auf moderne Debatten und Herausarbeitung von Parallelen sowie Unterschieden zur heutigen Praxis.

5 Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass Aristoteles wesentliche Aspekte der Zuschreibbarkeit von Handlungen bereits antizipiert hat, auch wenn Begriffe und Kontexte einer modernen Interpretation bedürfen.

Schlüsselwörter

Verantwortung, Nikomachische Ethik, Aristoteles, Freiwilligkeit, Unfreiwilligkeit, Zwang, Unwissenheit, Entscheidung, Prohairesis, Zurechnung, Handlungstheorie, Charakterbildung, Moral, Ethik, Handlungsfreiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die antiken Wurzeln des Verantwortungsbegriffs bei Aristoteles und analysiert, wie in der Nikomachischen Ethik Handlungen moralisch zugerechnet werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Bedingungen der Freiwilligkeit, der Einfluss von Zwang und Unwissenheit, die Rolle der Entscheidung (Prohairesis) und die Verantwortung für den eigenen Charakter.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, ob Aristoteles in den Kapiteln 1–7 des dritten Buches Strukturen anbietet, die eine äquivalente Bedeutung zu unserem heutigen Begriff der Verantwortung besitzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische Textanalyse der Nikomachischen Ethik in Verbindung mit einer systematischen Gegenüberstellung zu zeitgenössischen moralphilosophischen Grundannahmen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung von Freiwilligkeit und Unfreiwilligkeit, die Analyse des Begriffs der Entscheidung sowie das Problem der Zurechenbarkeit von Handlungen und Charakterhaltungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Verantwortung, Freiwilligkeit, Aristoteles, Prohairesis, Zurechnung und Handlungsfreiheit.

Warum unterscheidet Aristoteles zwischen Handlungen, die "aus Unwissenheit" und "unwissend" geschehen?

Diese Differenzierung dient dazu, die Eigenverantwortung zu wahren: Wer aus Trunkenheit oder Affekt handelt, ist selbst für diesen Zustand verantwortlich und handelt daher nicht einfach "unfreiwillig" aus Unwissenheit.

Inwiefern ist die Entscheidung (Prohairesis) für Aristoteles von zentraler Bedeutung?

Die Entscheidung ist das spezifische Merkmal des verantwortlichen Handelns, da sie als Ergebnis rationaler Überlegung den Menschen zum eigentlichen Ursprung seiner Handlung macht.

Wie bewertet Aristoteles den Mischcharakter von Handlungen unter Zwang?

Aristoteles erkennt an, dass Menschen in Extremsituationen (wie bei einem Sturm auf See) Handlungen wählen, die sie sonst ablehnen würden, bewertet diese aber als grundsätzlich freiwillig, da die Entscheidung für die Handlung beim Akteur liegt.

Gilt "Unwissenheit schützt vor Strafe" bei Aristoteles?

Nein, Aristoteles fordert, dass Unwissenheit entschuldbar sein muss; eine bloße Unkenntnis der Gesetze oder Pflichten entbindet den Bürger nicht von seiner Verantwortung.

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Details

Titel
"Verantwortung" in Aristoteles "Nikomachischer Ethik"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Schuld und Verantwortung
Note
1,0
Autor
Tatjana Stuhlmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V300958
ISBN (eBook)
9783656971788
ISBN (Buch)
9783656971795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles Nikomachische Ethik Verantwortung Freiwilligkeit Zuschreibbarkeit von Handlungen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tatjana Stuhlmann (Autor:in), 2015, "Verantwortung" in Aristoteles "Nikomachischer Ethik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300958
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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