150 Jahre Frauenbewegung. Die Entwicklung der politischen Forderungen


Studienarbeit, 2013
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Existenzialismus
2.2 Patriarchale Herrschaft
2.3 Gender
2.4 Queer Theory

3 Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland und erste Entwicklung bis 1968 – wichtigste Vertreterinnen
3.1 Gründerin der ersten Welle der bürgerlich deutschen Frauenbewegung: Louise Otto-Peters
3.2 Die Mutter des modernen Feminismus: Simone de Beauvoir

4 Die Anfänge der zweiten Frauenbewegung – der Tomatenwurf 1968

5 Übergang von Frauenforschung zu Geschlechterforschung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Arbeit soll zeigen inwieweit sich die Wünsche und Forderungen der ersten Frauenbewegung Ende des 18. Jahrhunderts und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute entwickelt haben und inwieweit die Forderungen politisch sind. Politisch bedeutet hier eine Forderung nach rechtlicher und politischer Gleichheit und außerdem die Forderung nach gleichem Lohn bei gleicher Arbeit. Mit Louise Otto-Peters wird die Frau der ersten Stunde der bürgerlich deutschen Frauenbewegung vorgestellt, sie trat für gleiche Rechte für Frauen und Männer ein, auch war es zu ihrer Zeit Frauen nicht erlaubt nachdem sie konfirmiert wurden die Schule weiterhin zu besuchen. Des Weiteren stelle ich Simone de Beauvoir vor und möchte mit ihrem Lebenslauf zeigen, wie sehr sie sich eine persönliche Freiheit gegenüber dem Manne erkämpft hat und diese auch nutzt. Während Frauen zu ihrer Zeit schon an Hochschulen studieren durften, beschreibt sie mit ihrem international bekanntesten Buch „Das Andere Geschlecht“, wie sehr gesellschaftliche Strukturen auf Menschen, also Männer und Frauchen, wirken. Dabei ist ihr größtes Anliegen die Charakterzuschreibungen von Frauen als nicht natürlich gegeben bzw. biologisch determiniert zu beschreiben, sondern sie als von der Gesellschaft gemacht/konstruiert zu definieren.

Außerdem möchte ich die Positionen genannter Feministinnen anhand zweier Zeitungsartikeln diskutieren. Die Frage, inwieweit sich die Wünsche und Forderungen der ersten Frauenbewegung Ende des 18. Jahrhunderts und ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute entwickelt haben, müsste auch berücksichtigen, welche aktuellen Gegenbewegungen, diese Forderungen behindern. Dazu gehören z. B. „Die antifeministische Männerrechtsbewegung“, die ein einer Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung von Hinrich Rosenbrock, 2011, dokumentiert wurde. Diese und auch andere Bewegungen überschreiten aber das Volumen der vorliegenden Studienarbeit.

2 Theoretischer Teil

2.1 Existenzialismus

Existenzialismus bezeichnet eine philosophische Strömung deren Hauptgewicht auf der Individualität, Freiheit und Subjektivität des Einzelnen liegt. Existenzialisten lehnen strenge Regeln ab, sie bewerten jede Situation neu und versuchen so die größtmögliche Freiheit zu erlangen. Außerdem gehen Existenzialisten davon aus, dass Menschen nicht von außen bestimmt werden und frei sind zu wählen, was sie tun möchten und sich dahingehend transzendieren. Jean-Paul Sartre, de Beauvoirs Geliebter, ist der Hauptvertreter der französischen Existenzphilosophie, sein berühmter, vielzitierter Satz „Die Existenz geht der Essenz voraus.“ zählt zu den bekanntesten existenzialistischen Äußerungen. Die existenzialistische Theorie geht davon aus, dass der Mensch als freies Subjekt in die Welt geworfen wird. Geworfen bedeutet, dass es keine äußerliche Institution gibt (kein Gott, Kaiser, Tribun, nicht mal die Eltern), die unser Leben bestimmt bzw. ihm einen Sinn geben kann. Der Existenzialismus geht auch davon aus, dass jedes Subjekt den Sinn seines Lebens selber bestimmt und damit auch Verantwortung für sein Leben übernimmt.

Das Subjekt bestimmt sein Leben selbst, indem es sich entwirft. Sich entwerfen heißt, sich selbst entwickeln, sich zu verwirklichen, sich Ziele zu setzen und Wege zu suchen, diese Ziele zu erreichen. Hier möchte ich den Begriff der Transzendenz anführen, der im Gegensatz zu Immanenz steht und für Existentialisten eine zentrale Bedeutung hat: sich transzendieren bedeutet: immer wieder über sich selbst hinauszuwachsen.

Simone de Beauvoir will kein „Germanys Next Topmodel“ als Ziel, sondern sie geht davon aus, dass die menschlichen Lebensentwürfe in einem sozialen politischen Zusammenhang stehen und sich darauf richten, die Welt zum Besseren zu verändern. Das geschieht auch dann, wenn die Entwürfe vieler Menschen in die gleiche oder ähnliche Richtung gehen. Zum Beispiel: wenn sich arbeitende Menschen in Gewerkschaften oder Parteien zusammenschließen, um gegen ihre Ausbeutung anzukämpfen.

2.2 Patriarchale Herrschaft

Patriarchale Herrschaft bedeutet die Herrschaft des Mannes bzw. die Vorherrschaft der Männer. Erstmals verwendet Max Weber diesen Begriff in seinen Studien zur Herrschaftssoziologie, jedoch verwendet er den Begriff des Patriarchats nicht für die Kennzeichnung der Unterdrückung von Frauen, da für ihn die ursprüngliche Form des Patriarchats jene ist, die durch Traditionen legitimiert ist, nämlich die Herrschaft des Familienoberhauptes - also des Vaters - über die Mitglieder seines Hofes bzw. seines Hauses. Die Mitglieder des Hauses waren demnach Frauen, Kinder, Sklaven, Mägde, Dienstboten und Knechte; heute ist es die Familie mit der der Mann zusammenlebt.

2.3 Gender

Der Begriff Gender wurde 1955 von John Money eingeführt. Ihm liegt die Annahme zugrunde, dass sich die soziale Geschlechterdifferenz nicht automatisch aus der biologischen ergibt. Auch ist die Bedeutung von Mann-Sein und Frau-Sein je nach Gesellschaft anders. Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen sex, was das biologische Geschlecht, und Gender, was das soziale Geschlecht bezeichnet und ein Ergebnis bestimmter Eigenschaften ist. Ist das biologische Geschlecht einer Person weiblich und ihr soziales Geschlecht eine Frau, kann die Zuschreibung der in dem Falle weiblichen Eigenschaften zum Beispiel aus Kopftuch, langen Haaren, überschlagenen Beinen und hoher Stimme bestehen. Gender bezeichnet also alles, was in einer Kultur oder Gesellschaft als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird, so auch Verhaltensweisen, Kleidung und Äußerlichkeiten. Es ist abhängig von kulturellen und sozialen Umständen und ist damit eine soziokulturelle Konstruktion.

2.4 Queer Theory

Gegenstand der Queer Theory ist die Analyse und Destabilisierung gesellschaftlicher Normen von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit. Untersucht wird, wie Sexualität reguliert wird und andere gesellschaftliche Bereiche beeinflusst und strukturiert. Außerdem möchte die Queer Theory Sexualität ihrer vermeintlichen Natürlichkeit berauben und sie als ganz und gar von Machtverhältnissen durchsetztes, kulturelles Produkt sichtbar machen. Als politische Protestbewegung bedeutet queer die Abkehr von einer an Toleranz und Minderheitenrechten orientierten Integrationspolitik. Queere Politik ist ein Versuch, Bündnisse gegen die Herrschaft der Normalisierung nicht auf Identität, sondern auf politische Solidarität aufzubauen.

Der Begriff queer kommt aus dem amerikanischen Raum und war bis in die 1980er Jahre ein homophobes Schimpfwort. Doch seit Mitte der 1980er Jahre wird er immer mehr als ein Sammelbegriff von sexuellen Randgruppen verwendet, auch Homosexuelle, die sich nicht einer Identitätskategorie zugehörig fühlen wollen, finden sich in queer wieder. Unter sexuellen Randgruppen verstehe ich Inter- und Transsexuelle. Auch verweist Queer als neues theoretisches Konzept auf die Unmöglichkeit einer „natürlichen“ Sexualität.

3 Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland und erste Entwicklung bis 1968 – wichtigste Vertreterinnen

3.1 Gründerin der ersten Welle der bürgerlich deutschen Frauenbewegung: Louise Otto-Peters

Die Anfänge der ersten Frauenbewegung lassen sich Ende des 18. Jahrhunderts festmachen. Stark beeinflusst war sie sowohl von dem Ziel der französischen Revolution (1789 bis 1799), nämlich der Gleichheit und Freiheit aller Menschen, als auch den Ideen der Aufklärung. Die Charakterdefinition der Frauen wird Ende des 18. Jahrhunderts gleichgesetzt mit der Standesdefinition für Frauen. Karin Hausen sieht als tiefgreifende Veränderung den Übergang vom ganzen Haus zu bürgerlichen Familie (vgl. Hausen 1976, S. 36) Hausen interpretiert, dass die herausgebildeten Geschlechtscharaktere der Versuch sind, ein die Verhältnisse stabilisierendes neues Orientierungsmuster an die Stelle des alten zu setzen. Die Polarisierung der Geschlechtscharaktere kann mit der Trennung von Privat- und Berufsleben erklärt werden. Der private Bereich steht dem öffentlichen (Arbeits-)Bereich gegenüber. Zur Kontrastierung von Erwerbs- und Familienleben werden in den Geschlechtscharakteren Aspekte der Kindererziehung und Erwerbstätigkeit in Charaktereigenschaften umgesetzt. Das bürgerliche Ideal der Persönlichkeit eines Mannes sieht Vernunft, Stärke und Aktivität vor, dem gegenüber steht das Rollenmodell der Frau: Emotionalität, Passivität und Schwäche. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass von nun an allein die Frau und nicht mehr der Mann durch Familie definiert wird. Diese Zweiteilung der Welt in Gegensatzpaare und die gleichzeitige Zuordnung zu einem Geschlecht verallgemeinert die Geschlechtscharaktere. Weiblichkeit wird als mütterlich-sinnlich-lustvoll-fortpflanzungsorientiert, Männlichkeit als zeugend-kriegerisch-gewalttätig kreiert. Diese Vorstellungen von Männer- und Frauenbildern finden sich auch in zeitlich viel weiter zurückliegenden Mythen, Religionen und Geschichten, wobei hier noch keine genaue und wissenschaftlich fundierte Charakterzuschreibung des Mannes oder der Frau stattfindet, sondern durch bloße Nicht-Erwähnung der Frau die Höherwertigkeit bzw. die wichtige Bedeutung des Mannes hervorgehoben wird.

Ende des 18. Jahrhunderts gingen die Anfänge der ersten Frauenbewegung weder vom Proletariat, noch von Männern aus, denn nur Frauen aus dem Bildungsbürgertum hatten die Zeit, die Intelligenz und die Ideen sich mit einer den Frauen verwehrten Welt zu befassen. Gleichzeitig funktionierte die Ideologie des natürlichen Geschlechtscharakters für proletarische Frauen nicht, da ihre Arbeit für den Unterhalt der Familie gebraucht wurde und somit im Gegensatz zum Konzept der nicht erwerbstätigen Hausfrau und Mutter stand.

Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang Louise Otto-Peters (1819-1895). Sie ist 1819 als Tochter eines Gerichtsdirektors in Meißen geboren und wuchs in einem liberalen Elternhaus auf, in dem viel gelesen und diskutiert wurde – auch über Politik und Rechte der Frauen. Als jüngste Tochter von vier Kindern, besuchte sie die Schule bis zur Konfirmation. Ein weiterer Schulbesuch war im 19. Jahrhundert für Mädchen nicht vorgesehen. Kurz nach Louise Otto-Peters Konfirmation sterben ihre Eltern 1835 und 1836 an Tuberkulose, sie wächst mit ihren drei Schwestern bei einer Tante auf. Als sie 1840 während eines Besuches bei einer ihrer Schwestern, Fabrikarbeiterinnen kennenlernt und deren Not mit eigenen Augen sah, empörte sich ihr Gerechtigkeitsgefühl gegen den ausbeutenden Kapitalismus, der nicht ihr idealistisches Weltbild passte (vgl. Twellmann 1993, S. 14) und schreibt über deren Lebenssituation.

Mit ihrem Gedicht „Klöpplerinnen“ macht sie öffentlich auf das Problem der auf Arbeit angewiesenen proletarischen Mädchen und Frauen aufmerksam und es löst wegen seines sozialkritischen Inhaltes große Empörung aus. Louise Otto-Peters beschreibt darin, die drückende Not, unter der jene Frauen arbeiten mussten.

Gedicht - Klöpplerinnen

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen

Die Wangen bleich und die Augen rot!

Sie mühen sich ab für einen Bissen,

Für einen Bissen schwarzes Brot!

Großmutter hat sich die Augen erblindet,

Sie wartet, bis sie der Tod befreit -

Im stillen Gebet sie die Hände windet:

Gott schütz' uns in der schweren Zeit.

Die Kinder regen die kleinen Hände,

Die Klöppel fliegen hinab, hinauf,

Der Müh' und Sorge kein Ende, keine Ende!

Das ist ihr künftiger Lebenslauf.

Die Jungfrauen all, daß Gott sich erbarme,

Sie ahnen nimmer der Jugend Lust -

Das Elend schließt sie in seine Arme,

Der Mangel schmiegt sich an ihre Brust.

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen,

Seht Ihr die Spitzen, die sie gewebt:

Ihr Reichen, Großen - hat das Gewissen

Euch nie in der innersten Seele gebebt?

Ihr schwelgt und prasset, wo sie verderben,

Genießt das Leben in Saus und Braus,

Indessen sie vor Hunger sterben,

Gott dankend, daß die Qual nun aus!

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen

Und redet noch schön von Gottvertraun?

Ihr habt es aus ihrer Seele gerissen,

Weil sie Euch selber gottlos schaun!

Seht Ihr sie sitzen am Klöppelkissen

Und fühlt kein Erbarmen in solcher Zeit,

Dann werde Euer Sterbekissen

Der Armut Fluch und all ihr Leid!

Louise Otto-Peters

Seit dem Besuch bei einer ihrer Schwestern und jener Erfahrung, tritt sie für die Rechte der Arbeiterinnen ein und sah im Jahr 1843, also mit 24 Jahren, es als Pflicht der Frauen an, am Staat teil zu haben. „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht.“ (Bäumer 1939, S. 332)

Mit diesen sehr kühnen Worten gilt sie als die Gründerin der ersten Welle der bürgerlich deutschen Frauenbewegung, die nicht nur das Recht auf Mitbestimmung, sondern auch das Recht auf Bildung forderten, denn sie setzten sich aktiv dafür ein, auch Frauen ein Hochschulstudium zu ermöglichen.

Zu dieser Zeit begann eine Zusammenarbeit zwischen Louise Otto-Peters und freiheitlich demokratischen Kreisen. Sie wurde Mitarbeiterin von zahlreichen Verlagen, durfte aber nur unter einem Synonym „Otto Stern“ ihre Artikel und Beiträge veröffentlichen. Dass Louise Otto-Peters ihr Geschlecht im öffentlichen Umgang geheim gehalten hat, zeigt deutlich, wie sehr sie die damalige gebildete Frauenwelt überragte und wie schwer die vorherrschenden Vorurteile, nämlich dass Frauen weder rational denken, noch logisch argumentieren können, auf der Frauenwelt lasteten. Einige Jahr später veröffentlichte Louise Otto-Peters sogar unter ihrem richtigen Namen, während andere Herausgeberinnen weiterhin anonym blieben oder Kürzel benutzten. 1849 gründete sie, für die damalige Zeit für eine Frau sehr ungewöhnlich, eine „Frauen-Zeitung“, die heute als die erste Zeitung der Frauenbewegung gilt. In ihren zahlreichen Publikationen konzentriert sich Louise Otto-Peters auf die Forderung nach Arbeit für alle, also dass die Arbeitswelt nicht nur Männern, sondern auch Frauen geöffnet wird. Außerdem fordert sie die Verbesserung der Situation von arbeitenden Frauen.

Vor allem Louise Otto-Peters ist es zu verdanken, dass das Problem der auf Arbeit angewiesenen Mädchen und Frauen der niederen Stände in die Öffentlichkeit getragen wurde. (vgl. Twellmann 1993, S. 15)

Nachdem 1950 in Sachsen und wenig später 1952 in Preußen ein neues Gesetz in Kraft tritt, dass Frauen die Leitung bzw. die Herausgabe einer Zeitung verbietet, muss das Erscheinen der „Frauen-Zeitschrift“ eingestellt werden. Ab 1960 lebt Louise Otto-Peters mit ihrem Ehemann in Leipzig. Dort gründet sie 1865 zusammen mit Auguste Schmidt, anlässlich der im Oktober stattgefundenen Frauenkonferenz, den „Allgemeinen deutschen Frauenverein“ (ADF). Hinsichtlich der Freiheit der Erwerbswahl, des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit und der rechtlichen Gleichstellung von Männern und Frauen sollte der Verein seine Ziele verwirklichen. Die Forderung nach Arbeiterinnenschutz und Mutterschutz wurde erstmals publik und bereits zwölf Jahre nach seinem Bestehen hat der Verein 12 000 Mitglieder.

Louise Otto-Peters, die zu den Begründerinnen der ersten Phase der deutschen Frauenbewegung zählt, hat sich sehr für Demokratie in angemessenen Maßen und Formen eingesetzt. (vgl. Holland-Cunz 2003, S. 30) Allerdings widerstrebt es ihr die Idee der Gleichheit von Mann und Frau zu unterstützen, denn Wärme, Begeisterung, Hingabe und Aufopferung wohnen einzig und allein der Frau inne. Louise Otto-Peters nennt das das „Ewig-Weibliche“. Ihre Vision, dass Frauen, sobald sie am Staat teilhaben werden, die Welt mit ihren „Ewig-Weiblichen“ Tugenden erhellen und die übermächtige, vom Mann ausgehende, kalte oder brutale Kraft bezwingen werden, „war echt und entsprach der Lebens- und Geisteshaltung der Frauen jener Epoche.“ (Twellmann 1993, S. 21) Das heißt die Forderung nach Mündigkeit und Selbstständigkeit, was gleichbedeutend mit einer vollen Entfaltung der Persönlichkeit zu verstehen ist, ist immer der Norm des „Ewig-Weiblichen“ untergeordnet, das bedeutet, dass Lebensinhalt und Lebensziel immer im Dienste der Menschheit, also opferbereit und hingebungsvoll, gestaltet und erreicht werden sollen. Das Glück der Frau wird dort verortet, wo sie durch selbstloses Wirken die Welt verbessern kann und es auch tut. Die damit einhergehende Anerkennung aus ihrer Umwelt in Form von Liebe und Achtung soll dann lebenserfüllend sein. (vgl. Twellmann 1993, S. 22). Aufgrund der von ihr erklärten Unterschiede zwischen Männern und Frauen, kann Louise Otto-Peters den Differenzfeministinnen zugeordnet werden, denn jene erklären sich mit Hilfe von der Natur gegebenen zwei verschiedenen Geschlechter und gehen davon aus, dass die Natur für diese Verschiedenheit auch verschiedene Wirkungskreise und körperliche Fähigkeiten zugewiesen hat. (vgl. Holland-Cunz 2003, S. 30 f.) Die Gegner der Frauenfabrikarbeit, die sich vor Allem vor dem Konkurrenzkampf, der Männerarbeitslosigkeit und dem Lohndruck fürchten und sich zu antifeministischen Äußerungen, wie: wenn es schon Erwerbsarbeit sein muss, dann soll es wenigstens Heimarbeit sein, hinreißen lassen haben, hatten Mitte des 19. Jahrhunderts in Louise Otto-Peters eine gegen diese Tendenzen eintretende Gegnerin, die sich schnell von einer Abwehrhaltung hin zu konstruktiven Vorschlägen zur Lösung der Probleme von Frauenfabrikarbeit überging. (vgl. Twellmann 1993, S. 141 f.) Sie forderte Ende der 1860er eine naturgemäße Teilung der Arbeit für Mann und Frau. Zusätzlich macht sie auf die Gefahren der Sittlichkeit aufmerksam und postuliert: wenn man den Frauen die Arbeit nehme, werde der Hunger sie zur Prostitution treiben. (vgl. Twellmann 1993, S. 143)

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
150 Jahre Frauenbewegung. Die Entwicklung der politischen Forderungen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Soziologie)
Veranstaltung
Studienarbeit, Thema selbst gesucht
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V301082
ISBN (eBook)
9783656974543
ISBN (Buch)
9783656974550
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Simone de Beauvoir, Louise Otto.Peters, 150 Jahre Frauenbewegung, Frauenforschung
Arbeit zitieren
Stella Kies (Autor), 2013, 150 Jahre Frauenbewegung. Die Entwicklung der politischen Forderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301082

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