Filmanalyse von "Schindlers Liste" und Betrachtung der historischen Hintergründe


Facharbeit (Schule), 2013
23 Seiten, Note: 14

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Filmanalyse
1.1 Inhaltszusammenfassung
1.2 Sequenzanalyse
1.3 spezifische Sequenzanalyse
1.3.1 Darstellung der Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung anhand der Sequenz 1,4,7.u 11
1.3.2 Die Lücken in der Biographie Oskar Schindlers anhand der Sequenz 2 und 17
1.3.3 Analyse der „Schindlers Liste“ anhand der Sequenz 14
1.3.4Schindlers Motive anhand der Sequenz 7

2. Historische Analyse
2.1 Historischer Überblick Polenfeldzug 1939
2.2 Juden in Krakau 1939-1945
2.2.1 Die Besatzung
2.2.2 Das Ghetto
2.2.3 Deportation und Vernichtung
2.3 Biographie Oskar Schindlers
2.4 Mythos „Schindlers Liste“
2.4.1 Vorgeschichte
2.4.2 Erstellung
2.4.3 Zusammensetzung
2.4.4 Rolle Marcel Goldbergs
2.5 Schindlers Motive

3. Fazit

4. Literatur/Quellenverzeichnis

Einleitung

Der australische Autor Thomas Keneally war gerade auf dem Rückweg von einer Autogrammstunde für sein neues Buch, als er zufällig ein Lederwarengeschäft in Beverly Hills betrat. Dort lernte er den Geschäftsführer Leopold Page kennen. Als Page hörte, dass Keneally Schriftsteller ist, bot er ihm gleich ein „gute Geschichte“ an . Schon lange suchte der Holocaustüberlebende Page, ehemals Poldek Pfefferberg, nach einem Autor, der mit ihm ein Buch über einen gewissen deutschen Fabrikanten schreibt, dem Pfefferberg wie viele Andere damals sein Leben zu verdanken hatte. Nach langen Bitten überzeugte Pfefferberg auch Keneally und so begannen sie, das allererste Buch über das Leben und die Taten von Oskar Schindler zu schreiben.1 Zwei Jahre sollte es dauern bis das Werk fertig geschrieben und unter dem Namen „Schindlers Ark“ veröffentlicht wurde. Gleich nach seinem Erscheinen katapultierte es sich auf die Spitze aller Bestsellerlisten. Es sollten jedoch noch dreizehn Jahre vergehen, eher sich der damals schon bekannte jüdisch - amerikanische Regisseur Steven Spielberg an die Verfilmung von „Schindlers Ark“ran machte. Das Ergebnis ließ sich dann aber sehen. Mit „Schindlers Liste“ verschaffte Spielberg dem Zuschauer nicht nur einen Einblick auf den Holocaust als den Tiefpunkt menschlicher Historie, gleichzeitig vermittelte er dadurch einem Millionenpublikum die Geschichte eines Mannes, dessen Biographie bizarr, widersprüchlich und doch genau deswegen so faszinierend ist: Oskar Schindler.

Die vorliegende Filmanalyse beschäftigt mich mit dem Film „Schindlers Liste“ auf zwei Ebenen, nämlich auf einer filmischen und einer historischen. Auf der Filmebene wird vornehmlich auf inhaltliche Struktur des Films eingegangen die nach einer kurzen Filmzusammenfassung tabellarisch in einer Sequenzanalyse dargestellt wird. Der Hauptaugenmerk wird jedoch auf der spezifischen Sequenzanalyse liegen , wo die nach der Meinung des Autors signifikanten Sequenzen und Szenen aus dem Film extrahiert werden, um durch sie die geschichtlichen Fragestellungen zu entwickeln, die dann nachfolgend in der historischen Analyse beantwortet werden. Die historische Analyse setzt sich dann mit den historisch relevanten Fragen des Films auseinander. So werden in den ersten beiden Punkten die Geschichte der Krakauer Juden, sowie auch die Biographie ihres

Retters Oskar Schindler erläutert. Danach wird die historische Wahrheit hinter der „Schindlers Liste“ beantwortet, die bekanntermaßen auch dem Film ihren Namen lieferte. Abschließend wird auch die entsprechenden Motive Schindlers analysiert, die zur seiner einzigartigen Tat führten. Literaturtechnisch stuetzt sich die historische Analyse hauptsaechlich auf der Biographie Schindlers von David. M. Crowe, sowie auf dem Werk „Juden in Krakau unter deutschen Besatzung“ von Andrea Löw und Markus Roth.

Nun zur Filmanalyse

I.Filmanalyse

1. 1 Inhaltszusammenfassung

Im September 1939, nachdem die Wehrmacht den Sieg über die polnische Armee errungen hat zwingt man in Krakau die jüdische Bevölkerung, sich registrieren zu lassen.

Der Industrielle und NSDAP - Mitglied Oskar Schindler kommt nach Krakau, um Karriere als Großunternehmer zu machen. Dafür will er eine Fabrik für Emaillenware aufbauen, um mit diesen die deutschen Streitkräfte zu beliefern. Die nötigen Bescheinigungen holt er sich durch seine Kontakte zu hohen Militärs und SS - Offizieren, die er regelmäßig mit teuren und exotischen Geschenken besticht. Im Judenrat lernt Schindler Itzhak Stern kennen, über den er an Geldgeber für seine Fabrik kommen will. Zudem bietet er Stern eine Stelle als Geschäftsführer an, was Stern jedoch zunächst ablehnt.

Im März 1941 werden alle Juden ins Ghetto zwangsumgesiedelt. Schindler nutzt die schlimme Situation der Juden und findet durch Sterns Kontakte reiche jüdische Sponsoren, die für die Finanzierung seiner „Deutschen Emaillenwarenfabrik“ (DEF) einen kleinen Anteil an Produktion erhalten sollen, um damit später Handel auf dem Schwarzmarkt zu betreiben. Um Kosten zu sparen, fordert Schindler Stern, der mittlerweile eingelenkt hat, Geschäftsführer in der Fabrik zu werden, auf, jüdische Arbeiter einzustellen, da sie billiger seien als polnische. Als „kriegswichtige Arbeiter“ stattet man diese mit einem „Blauschein“ aus , was ihnen erlaubt, tagsüber das Ghetto zu verlassen. Durch Dokumentenfälschung und seine außerordentlichen Befugnisse, schafft es Stern, möglichst viele Menschen als „kriegswichtig“ darzustellen, u.a Frauen, Kinder, Rentner, die ansonsten deportiert worden wären. Schindler erfährt es, unternimmt jedoch nichts dagegen. Auch später als Stern durch einen Fehler mit anderen Juden abtransportiert werden soll, rettet Schindler ihn, indem er den zuständigen SS - Offizieren mit einer Versetzung nach Russland droht.

Im Februar 1943 bauen die Nazis unter dem Kommando von Hauptsturmführer Amon Göth das Zwangsarbeitslager Placzow. Am 13.März 1943 wird das Krakauer Ghetto geräumt. Schindler, der einen Ausritt mit seiner Geliebten unternimmt, wird somit Zeuge der Grausamkeiten der SS, die vor seinen Augen ein Massaker begehen. Durch die Liquidierung des Ghettos verliert Schindler alle seine Arbeiter und seine Fabrik steht still.

In Placzow lernt Schindler Göth kennen. Er verlangt die Rückkehr seiner Arbeiter und bietet ihm dafür finanzielle Zuwendungen und Gewinnteilhabe an der Fabrik,was Göth auch annimmt und Schindler sein Personal freistellt. Die Verwaltung seines Geldes übernimmt ab sofort Stern, der nun für Schindler und Göth arbeitet. Im Arbeitslager Placzow leiden in der gleichen Zeit die gefangenen Juden sehr unter der grausamen Führung Göths, der zur willkürlichen Erschießungen neigt und Lagerhäftlinge manchmal einfach zum Spaß von Balkon seiner Villa erschießt. Schindlers Fabrik scheint für viele ein Zufluchtsort zu sein und immer wieder bekommen einzelne Insassen, unterstützt durch Bestechungsgelder Schindlers, einen Arbeitsplatz in der Fabrik. Als aber eine Frau Namens Regina Perlmann Schindler jedoch bittet, ihre Eltern aufzunehmen, wird Schindler die Gefahr seiner Aktionen klar. Er stellt Stern zur Rede, verteidigt Göths Grausamkeiten, rettet aber dann trotz allem die Perlmanns.

Während eines Besuchs in Göths Villa lernt Schindler Helene Hirsch, das jüdische Hausmädchen und geheime Liebe von Amon Goeth kennen. Sie erzählt ihm davon, wie Göth sie schlecht behandelt und schlägt, worauf Schindler sie zu trösten versucht. Nach der anschließenden Feier, stellt Schindler Goeth milde, indem er ihm erklärt, dass Macht auch gelegentlich die Begnadigung bedeuten kann. Er lässt sich, auch wenn nur für kurze Zeit, von Schindler beeinflussen, seine neue Rolle als Anführer und Begnadiger gefällt ihm auch kurzzeitig, wobei er schon nach kurzer Zeit wieder seine Übergriffe auf Gefangene fortsetzt.

Um Platz für neue Gefangene zu schaffen, führt die SS eine Selektion durch. Die selektierten Gefangenen müssen in der Mittagshitze in Eisenbahnwaggons stehen, worauf Schindler die Waggons mit Wasser bespritzen lasest. Die SS- Männer verstehen das als grausamen Scherz um den Menschen falsche Hoffnung zu machen.

Später wird Schindler von der Gestapo verhaftet, weil er gegen die Nürnberger Rassengesetze verstoßen hat, weil er an seinem Geburtstag zwei jüdische Mädchen geküsst haben soll. Jedoch setzt sich Göth für ihn ein und Schindler wird kurze Zeit später freigelassen.

Bald darauf soll das Zwangsarbeitslager Placzow aufgelöst. Goeth erzählt Schindler, dass alle Häftlinge nun nach Auschwitz geschickt werden. Schindler, der kurz davor die Massenverbrennung von Leichen durch die SS beobachtete, erstellt zusammen mit Stern eine Kaufliste von Juden, die Schindler nun Göth abkauft. Diese sollen dann zur neuen Fabrik Schindlers in Brünnlitz gebracht werden. Es kommt aber zunächst nur der Zug mit den Männern an, die Frauen werden stattdessen nach Auschwitz fehlgeleitet, worauf Schindler seinen Kommandanten Rudolf Höß besticht und die Frauen und Kinder zurückholt.

In der Fabrik verbietet Schindler den SS- Wachen jegliche Übergriffe auf die Arbeiter. Als Stern ihn darauf hinweist, dass seine Munition nicht die nötige Standarten erfüllt, antwortet ihm Schindler, dass er gar nicht wolle, dass seine Fabrik funktionstüchtige Ware für den Krieg herstellt und er lieber Munition bei anderen Fabriken kaufe, als eigene zu produzieren. Zu Kriegsende ist Schindler pleite. Er hält vor seinen Arbeitern eine Rede wo er die Verbrechen der Nazis und sich selbst verurteilt. Die verbliebenen SS- Soldaten bringt er mit einer geschickten Provokation dazu, sich dem Liquidierungsbefehl zu widersetzen und einfach zu gehen.

Anschließend flieht Schindler zusammen mit seiner Frau in einer Gefangenenuniform in unbekannte Richtung, wobei er sich zuvor sehr emotional von seinen „Schindlerjuden“ verabschiedet und von ihnen als Abschiedsgeschenk einen Ring mit der Aufschrift aus dem Talmud „Wer nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ und einen von allen unterschriebenen Brief über seine Taten erhält.

Am nächsten Morgen werden die „Schindlerjuden“ von einem sowjetischen Offizier aufgesucht, der ihnen mitteilt,dass der Krieg vorbei ist und sie wieder frei sind.

Abschließend wird Amon Göth für seine Verbrechen exekutiert.

1.2 Sequenzanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3 Spezifische Sequenzanalyse

1.3.1 Darstellung der Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung Krakaus anhand der Sequenz 1,4,7 und 11

Das Thema „Holocaust“ erweist sich als zentrales Thema von „Schindlers Liste“. Seine Entwicklung, von anfänglicher Unterdrückung über Zwangsarbeit bis hin zur methodischen Vernichtung zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Die vier ausgewählten Sequenzen bzw. ihre Teile können somit als Knotenpunkte gesehen werden, in denen diese Entwicklung am Beispiel Krakau anschaulich dargestellt wird.

So sieht man in der Anfangssequenz zu Beginn eine jüdische Familie beim feiern des Sabbat. Dieses allwöchentliches Ereignis, das als wichtigstes Ritual der jüdischen Religion gilt („Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!“2 ) ist hier als Symbol einer noch währenden Freiheit zu verstehen, die sich nach dem Szenenwechsel bereits aufzulösen scheint. Die Bahnhofszene, wo die Juden sich einer Zwangsregistrierung unterziehen müssen, zeigt keine freien Menschen mehr, hier findet bereits eine Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung statt. Diese steigert sich weiter in der Sequenz 4, wo die Juden ihrer Wohnungen und ihres Besitzes beraubt und wahllos in das neu errichtete Ghetto vertrieben werden , so beispielsweise die reiche jüdische Familie, die nun in einer ärmlichen Massenunterkunft leben muss. Dieser Zustand bleibt jedoch nicht lange. die Liquidierung des Ghettos, die Selektion und die anschließende Verlagerung ins Arbeitslager Placzow markiert die zweite Phase des Holocaust, die Zwangsarbeit. Zu diesem Zeitpunkt sind die Juden bereits nicht anderes als eine graue Menschenmasse, die sich zwischen KZ-Alltag und Todesangst bewegt. In der Sequenz 11 setzt die dritte Phase, nämlich die methodische Vernichtung ein. Immer mehr Menschen fallen in die Kategorie „unnütz“ und sind somit nicht mehr lebenswert. Man transportiert sie in Vernichtungslager, wo sie einem Fließbandtempo ausgelöscht werden sollen.

Doch trotz der überdurchschnittlichen Filmlänge lässt der Film viele historische Fakten des jüdischen Lebens in Krakau außer Acht. Somit entwickelt sich die Frage, wie sich in der Realität die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung nach dem Überfall 1939 bis zum Kriegsende 1945 entwickelten.

Die Lücken in der Biographie Oskar Schindlers anhand der Sequenz 2 und 14

Trotz seiner Hauptprotagonistenrolle, bleibt Schindlers Biographie im Film ein Rätsel. Zwar durchleuchtet der Film die wichtigsten Teil von Schindlers leben, so hinterlässt er doch große Lücken im Gesamtbild. Am Anfang in der Sequenz 2, in der Schindler sich umzieht und das Stammlokal der Nazis besucht, wissen wir nichts von Schindler, woher er kommt und wie ihn das Leben nach Krakau führte. Wir sehen nur einen groß gewachsenen, eleganten Mann, der ein Maßanzug mit dem goldenen Parteiabzeichen der NSDAP trägt und sich gerne in hoher Gesellschaft bewegt. Und genauso so ungewöhnlich wie Schindler auftaucht, so taucht er in der Sequenz 17 wieder ab. Seine Flucht in eine unbekannte Richtung hinterlässt viele Fragen über das weitere Fortschreiten von Schindlers Leben. Die daraus schließende historische Fragestellung ist somit, was hinter der Biographie von Oskar Schindler steckt, und was vor und nach Krakau passiert ist.

1.3.3 Analyse der „Schindlers Liste“ anhand der Sequenz 14

Die berühmte „Schindlers Liste“ ist nicht nur der Namensgeber, sondern gleichzeitig auch ein Symbol des Films und somit eins seiner wichtigsten Bestandteile. Der Film wendet ihrer Erstellung die Sequenz 14, die damit beginnt, dass Schindler Göth darum bittet, seine Arbeiter, die er mit nach Brünnlitz nehmen will, zu verkaufen. Dieser ist zunächst verwirrt, lenkt dann aber ein in Erwartung des großen Geldes. Sogleich stellen Stern und Schindler eine Liste zusammen, in die sie alle Emalia- Arbeiter zusammenschreiben. Auch ein Kollege Schindlers, der Industrielle Julius Madritsch wird darum gebeten seiner Arbeiter abzugeben, allerdings verweigert der jedliche Unterstützung. Die Sequenz endet mit der Abfahrt der Juden Richtung Brünnlitz Durch die relativ schnelle Erzählweise der Erstellung der Liste stellt sich hierbei die Frage, inwiefern eine solche „Liste“ existierte, wie ihre Erstellung aussah und welche Personen daran beteiligt waren.

1.3.4 Schindlers Motive anhand der Sequenz 7

Schindler, als ehrgeiziger Unternehmer ein Paradebeispiel der menschlichen Prinzipienlosigkeit beobachtet während eines Reitausflugs mit einer seiner Geliebten die Liquidierung des Krakauer Ghettos. Inmitten dieses Massakers taucht auf einmal ein paradoxes Bild auf: ein kleines Mädchen mit blonden Haaren und einem roten Mantel. Allein und verloren marschiert sie durch eine von SS- Soldaten geführte Menschenmenge. Überall ist Chaos und Verwirrung, es hallen Schüsse, Männer und Frauen fallen kümmerlich zu Boden. Das Mädchen marschiert jedoch weiter, Straße für Straße, und durch ihre Reinheit und Unschuld bezeugt sie jedes einzelne Verbrechen. . Sie, das einzelne Opfer, verwandelt für Schindler die ihn die bis dahin vorkommende gesichtslose Masse in reale Menschen. Zahlen werden zu Schicksalen, die er ab jetzt mit aller Kraft zu beschützen tut. Das Mädchen kommt dann wieder in der Sequenz 13 während der Exhumierung von Judenleichen durch die SS. Man sieht ihren leblosen Körper, immer noch in den Mantel gehüllt, auf einer Trage Richtung Feuer fahren. Sie ist das letzte was Schindler vor der Erstellung seiner Liste widerfährt.

Die folgende Szene wirft die Frage auf, welche realen Motive Schindler dazu bewegt hatten, sich mit vollen Einsatz der Judenrettung zu geben.

II.Historische Analyse

2.1 Historischer Ueberblick Polenfeldzug 1939

Als Adolf Hitler im Zuge seiner Ernennung zum Reichskanzler des Deutschen Reiches am 30. Januar 1933 an die Macht kam, machte er sich sogleich an die Erfuellung seiner politschen Ziele , naemlich der Vernichtung des europäischen Judentums und der „Erweiterung des [deutschen] Lebensraumes“3. Die entscheidende Voraussetzung bildete dabei eine Expansion des Reiches nach Osten, also, Polen, Baltikum und Russland, wobei Polen durch seine direkte Angrenzung an Deutschland als primäres Ziel galt. Jedoch sollte es noch sechs Jahre dauern, eher Deutschland seine Annexionspläne gegen Polen verwirklichen konnte. Der Nichtangriffspakt von 19344 brachte eine paradoxe Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen, wodurch Hitler die Möglichkeit bekam, sich vorerst auf anderen Fronten durchzusetzen. Im März 1938 fand der schon in „Mein Kampf“5 angekündigte „Anschluss“ Österreichs statt, mit dem die „älteste Ostmark des Deutschen Volkes“ wieder ein Teil Deutschlands wurde. Als schwieriger erwies sich die Invasion der Tschechoslowakei. Die dortige Minderheit der Sudetendeutschen unter ihrem „Führer“ Konrad Henlein konnte in ihrem Willen nach nationaler Selbstbestimmung nicht gegen die Zentralregierung durchsetzen und auch ein Staatsstreich Anfang 1938 in den Grenzgebieten konnte durch die tschechoslowakischen Sicherheitskräfte im Keim erstickt werden. Somit griff Deutschland persönlich ein und besetzte am 23. September den Bezirk Asch nahe der deutsch- tschechischen Grenze. In Folge dessen trafen sich am 29 September 1938 Vertreter Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens in München um eine Lösung der „Sudetenkrise“ zu finden. Aus Angst vor einem Weltkrieg und ohne das Einverständnis seitens der Tschechoslowakei unterschrieben die Westmächte am 30.September 1938 das „das Münchner Abkommen“, in dem sie das Anrecht Deutschlands an Sudetenland bestätigten. Auch Polen nutzte die Schwäche ihres suedlichen Nachbarn und besetzte das westliche Olsagebiet, dessen Zugehörigkeit seiner Zeit heftige Streitigkeit zwischen polnischer und tschechischer Seite auslöste. Im März 1939 beendete Hitler seine tschechische Invasion mit der Einnahme der „Rest- Tschechei“ die nun „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren hieß.6 Seine Pläne der „Heimkehr“ der größeren deutschen Bevölkerungsteile war nun erfüllt und er konnte sich der Lebensraumerweiterung im Osten widmen.

In Polen, wo man die aggressive Außenpolitik seines Nachbarn mit Sorge beobachtete, bereitete sich das Militär auf die immer realer erscheinende Invasion.7 Als am 24. August 1939 die Sowjetunion und Deutschland einen Nichtangriffspakt unterschrieben, leitete Polen unter diesem Eindruck die sofortige „Alarmmobilmachung“ ein.8 Als Antwort darauf, erhielt die deutsche Wehrmacht den Angriffsbefehl auf den Folgetag, musste aber zurückgerufen werden, da Großbritannien Polen nun seine Hilfe zusicherte. Dies schreckte Hitler aber nicht zurück.

[...]


1 Der Spiegel 7/1983

2 Die Bibel, AT, Buch Exodus , Kapitel 20 Vers 8

3.Wilhelm Treue: Dokumentation: Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte.Jahrgang 3, 1955, Heft 2, S. 204

4 Jochen Böhler, Der Überfall, 2009, S 22f

5 Adolf Hitler, Mein Kampf, 1925, S.29

6 Jochen Böhler, Der Überfall, 2009,S25ff

7 a.a.O, S.35

8 a.a.O S.58ff

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse von "Schindlers Liste" und Betrachtung der historischen Hintergründe
Veranstaltung
W-Seminar "Film und Geschichte"
Note
14
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V301097
ISBN (eBook)
9783956872457
ISBN (Buch)
9783668003651
Dateigröße
1164 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
filmanalyse, schindlers, liste, betrachtung, hintergründe
Arbeit zitieren
Dan Arodovsky (Autor), 2013, Filmanalyse von "Schindlers Liste" und Betrachtung der historischen Hintergründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301097

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