Die optimale Beanspruchung beim Training im Schulsport


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

8 Seiten, Note: 12 Punkte

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakteristika einer Schulklasse
2.1 Heterogene Klassen
2.2 Belastungshäufigkeiten in der Schule
2.3 Ferieneinschnitte als Planungsdaten

3. Training im Schulsport
3.1 Belastungsdosierung
3.2 Belastungssteuerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit dem Thema „Training im Schulsport“ beschäftigen. Hierbei möchte ich näher auf die Frage eingehen, ob Training in der Schule sinnvoll und durchführbar ist und welchen Beitrag die Trainingswissenschaft für den Schulsport leisten kann, damit eine möglichst optimale Beanspruchung der Schüler/innen erreicht wird. Im Anschluss daran möchte ich noch einige praktische Möglichkeiten zur Steuerung und Differenzierung im Schulsport aufzeigen und kurz eine Möglichkeit zur Messung der Beanspruchung nennen.

Schulsport hat die Aufgabe verschiedenste Erfahrungen den Schüler/innen zu vermitteln. Zum Einen sollen Schüler/innen vielseitige Bewegungs- und Körpererfahrungen machen, auch soziales Lernen soll im Sportunterricht stattfinden. Sportunterricht wird des Weiteren durch den Aspekt der Gesundheitsförderung legitimiert, denn der Gesundheitszustand unserer Jugend ist schreckend schlecht: „ Jeder vierte weist Kreislaufschwächen, jeder zweite Haltungsschäden, jeder dritte ist übergewichtig, und jeder zweite schafft nicht einmal einen Klimmzug.[1] Gerade der Gesundheitsaspekt ist ein Argument warum Trainings im Schulsport stattfinden sollte. Frühere Definitionen von Training wandten sich speziell an den Hochleistung- und Vereinssport („Training ist der nach wissenschaftlichen Prinzipien gelenkte Prozess der sportlichen Vervollkommnung, der darauf hinzielt, Sportler zu hohen und höchsten Leistungen in einer Sportart zu führen.“, Harre). Heute wird die Definition von Training nicht mehr so eng gefasst: Training ist etwas für jedes Leistungsniveau, für jedes Alter und Geschlecht und kann sich in den Sinnrichtungen sehr unterscheiden.

Bis vor einer Generation begegnete man dem Training in der Schule jedoch eher skeptisch, weil es als unpädagogische Art der Unterdrückung und Fremdbestimmung diffamiert wurde.[2]

Das Bildungspotenzial liegt aber nicht in der unreflektierten Anwendung trainingswissenschaftlichen Regeln, sondern in der Erfahrung, was Sport und Training mit dem eigenen Körper macht und wie sich Belastung, Ermüdung und Entspannung anfühlt.

2. Charakteristika einer Schulklasse

2.1 Heterogene Klassen

Eine Schwierigkeit, mit der sich Sportlehrer/innen häufig konfrontiert sehen, sind die unterschiedlichen Leistungsniveaus in einer Schulklasse. Jedoch kann Training nur wirksam sein, wenn der Lehrer die individuellen Unterschiede der Schüler/innen berücksichtigt und dies in seiner Unterrichtsgestaltung mit einplant. Auf keinen Fall kann für die Klasse ein einheitlicher Trainingszustand vorausgesetzt werden.[3] Gut lässt sich dies am Beispiel eines Waldlaufs verdeutlichen: Der Lehrer möchte den Überblick behalten und bitte die Gruppe zusammenzubleiben. Ein Teil der Klasse wird so belastet, dass die aerobe Ausdauer geschult wird. Leistungsschwächere Schüler/innen werden aber unter Umständen zu sehr beansprucht, laufen im anaeroben Bereich, ihre Muskulatur übersäuert und sie können die Belastung nicht bis zum Ende des Waldlaufs durchhalten. Ein umgekehrte Bild ergibt sich für leistungsstarke Schüler/innen: Sie werden nicht genug beansprucht, der gesetzte Reiz ist nicht trainingswirksam und so wird auch nicht die gesundheitsförderliche aerobe Reizschwelle erreicht.

2.2 Belastungshäufigkeiten in der Schule

Eine Trainingsbedingte Adaptation kann nur erfolgen, wenn bestimmte Prinzipien des sportlichen Trainings eingehalten werden. Das Prinzip der kontinuierlichen Belastung besagt, dass regelmäßig ansteigende Trainingsbelastungen zu einer Leistungssteigerung führen, jedoch unregelmäßiges Training und zu große Pausenintervalle zu einem Abfall der sportlichen Leistungsfähigkeit führen.[4] Es stellt sich nun die Frage, ob die Belastungshäufigkeiten in der Schule groß genug sind um Adaptationsvorgänge auszulösen.

In der Regel werden 2 Stunden Sportunterricht erteilt, im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern, in denen 3 bis 4 Stunden Sport unterrichtet werden.

Entscheidend ist, wie die geringe Zeit im Sportunterricht genutzt wird. Günter Frey schlägt vor, die Doppelstunden in Einzelstunden aufzuteilen, sodass die Belastungshäufigkeit pro Woche ansteigt.[5] Kombinationen mit großen Häufigkeiten führen demnach zu besseren Ergebnissen, als eine geringe Belastungshäufigkeit mit höheren Intensitäten. In der Schule würden sich durch eine Erhöhung der Trainingseinheit von 1 auf 2 wesentliche Effektsteigerungen erzielen lassen. Die größten Leistungsverbesserungen bei nicht trainierten Schülern würden bei 3 Einzelstunden Sport pro Woche erzielt werden, jedoch wird dies in den wenigsten Schulen durchzuführen sein. Da die Belastungshäufigkeiten gering sind, sollte regelmäßig trainiert werden, um wenigsten geringe Effekte zu erzielen oder wenigstens um das vorhandene Niveau zu erhalten. Schon ein zehnminütige Konditionsprogramm führt im Schulsport nachweisliche zu positiven Effekten, jedoch handelt es sich hierbei um eine Minimalbelastung, die über einen Zeitraum von mindestens 2 bis 3 Monaten durchgeführt werden sollte.[6]

Die sportliche Leistungsfähigkeit bei untrainierten Schüler/innen kann in relativ kurzer Zeit mit moderaten Belastungshäufigkeiten verbesserte werden, da der Leistungszuwachs sich umgekehrt proportional zum Trainingszustand verhält (Quantitätsgesetz).

Training im Schulsport sollte also länger geplant werden, die Abstände zwischen den einzelnen Trainingseinheiten sollten nicht zu kurz sein, da sonst die Wiederherstellung unvollständig ist, auch sollten die Trainingsabstände nicht zu lang sein, da sich sonst die positiven Effekte zurückbilden. Zwar ist es in der Schule kaum möglich eine optimale individuelle Regenerationsphase der Schüler/innen zu ermöglichen, jedoch geht man davon aus, dass der Reiz beim Anfänger in der Schule breiter gestreut werden kann.

2.3 Ferieneinschnitte als Planungsdaten

Es stellt sich nun die Frage, welchen Einfluss die Ferien auf das Training im Schulsport haben. Verschwinden die Effekte des Trainings auf Grund der Ferien?

Handelt es sich um kurze Trainingsunterbrechungen werden die Adaptationsprozesse zwar verlangsamt, die Leistung stagniert, fällt aber meist nicht auf ein schlechteres Niveau ab.

Anders verhält es sich jedoch in den Sommerferien: Zwar geht nach einem langfristigen Training, die erworbene Leistungsfähigkeit nach 6 Wochen nicht völlig zurück, jedoch sollte Maßnahmen eingeleitet werden, damit sich der Leistungsabfall während der Ferien verzögert. Natürlich darf auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Schüler/innen in den Ferien nicht bewegen. Ein Teil treibt auch in den Ferien Sport, geht schwimmen oder Radfahren. Auch die in den Sportstunden vermittelte Theorie könnte die Schüler anspornen in den Ferien Sport zu treiben. Jedoch können die Schüler/innen nur selbst trainieren, wenn sie um die Möglichkeiten, aber auch die Probleme des Trainings bescheid wissen.[7]

3. Training im Schulsport

Pädagogisch bedeutsam wird das Training im Schulsport dann, wenn Schüler/innen die körperliche Erfahrung Belastung, Ermüdung und Erholung beim Trainieren selbst erleben und reflektieren können. „ Vielseitige Trainingserfahrungen können den Schüler/innen helfen ihren eigenen Köper besser kennen zu lernen“ (Baschta, Martin: Fit? Na klar! Schüler lernen zu trainieren. In: Sportpädagogik, 4/2005). Es geht hierbei nicht um das strikte Einhalten von Trainingsplänen, sondern um den individuellen Umgang mit ihnen. Training in der Schule sollte demnach um die subjektive Dimension der Beanspruchung erweitert werden.

Eine Spezialisierung im Schulsport ist kaum durchführbar, vielmehr sollte es darum gehen, eine möglichst breite konditionelle Grundlage zu schaffen.

[...]


[1] Frey, Günter: Möglichkeiten und Grenzen des Beitrags der Trainingswissenschaft für den Schulsport- eine Bilanz der Enttäuschung und der Hoffnung. In: Sportunterricht, Heft 10, 2002, S. 299.

[2] Ebenda, S. 299

[3] Frey, Günter/ Hildebrandt Eberhard: Einführung in die Trainingslehre. Teil 2: Anwendungsfelder. Hofmann-Verlag, Schondorf, 1995, S. 95

[4] Weineck, Jürgen: Optimales Training. Spitta Verlag, 2004, S. 35.

[5] Frey, Günter/ Hildebrandt Eberhard: Einführung in die Trainingslehre. Teil 2: Anwendungsfelder. Hofmann-Verlag, Schondorf, 1995, S. 95

[6] Frey, Günter: S. 20

[7] Baschta, Martin/ Lange, Harald: Sich selbst trainieren können. Trainingspädagogische Argumente zum Trainieren im Schulsport. In: Sportunterricht, Heft 9, 2007, Schondorf, S. 268.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die optimale Beanspruchung beim Training im Schulsport
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12 Punkte
Jahr
2008
Seiten
8
Katalognummer
V301203
ISBN (eBook)
9783668043305
ISBN (Buch)
9783668043312
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beanspruchung, training, schulsport
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Die optimale Beanspruchung beim Training im Schulsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301203

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