Mit einer Geburtenrate von 8,4 lebend geborenen Kindern pro 1000 Einwohner in Deutschland bleibt das Land deutlich unter dem internationalen Durschnitt von 10,4 Geburten. Zwar bleibt die Zahl der Geburten in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland relativ konstant, dennoch ist sie minimal sinkend.
Neuere Studien versuchen diesen Rückgang der Geburtenraten auf internationaler Ebene zu erklären. Sowohl die Politik als auch die Presse weisen darauf hin, dass es wichtig wäre, sich die Frauen anzusehen, die im geburtsfähigen Alter sind. Im Fokus dieser Diskussionen um die sinkenden Geburten sind zumeist erwerbstätige Frauen, die gezwungen sind sich zwischen einer Karriere oder der Familie zu entscheiden. In Deutschland steht nicht mehr das aus den 1950er Jahren vorherrschende bürgerliche Familienmodell im Fokus, welches vorsah, dass der Ehemann arbeitete und die Frau sich um den Haushalt kümmerte.
Es hat ein sozialer Wandel stattgefunden, der eine Vielfalt von neuen Lebensformen mit sich brachte. Frauen können sich durch diesen Wandel selbstverwirklichen, durch die Bildungsexpansion eine bessere schulische Ausbildung genießen und selbst entscheiden, wie sie ihr Leben führen wollen. Dieser Wandel bringt aus politischer Sicht das politische Problem mit sich, dass viele Frauen sich entscheiden eher zu arbeiten als eine Familie mit (vielen) Kindern zu gründen. Dies führte bisher und wird vermutlich auch in Zukunft zu einem Rückgang der Geburten führen.
Im Jahr 2011 beteiligten sich 71% der Frauen und 81% der Männer im Alter von 20 bis 64 Jahren am deutschen Arbeitsmarkt. Daraus lässt sich schließen, dass anteilsmäßig fast gleichviele Frauen und Männer am Arbeitsmarkt tätig sind, die Männer jedoch leicht dominieren.
Die Politik und Presse äußern des Öfteren die Annahme, dass Frauen eine Entscheidung zwischen der Erwerbstätigkeit und ihrer Karriere und der Gründung einer Familie treffen müssten. Es besteht die Annahme, dass Frauen sich eher für die Karriere als für ein Kind entscheiden.Basierend auf der Annahme, dass Frauen von ihrer Erwerbstätigkeit systematisch beeinflusst werden, wenn die Frage der Fertilitätsintention gestellt wird, wird in dieser Arbeit untersucht, welche arbeitsbezogenen Faktoren einen tatsächlichen Einfluss haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Stand der Forschung und Hypothesen
3 Daten und Operationalisierung
3.1 Abhängige Variable
3.2 Unabhängige Variablen
3.2.1 Arbeitsbelastung
3.2.2 Stress
3.2.3 Untypische Arbeitszeiten
3.2.4 Kontrollvariablen
3.3 Fehlende Werte
4 Analyse
4.1 Häufigkeiten
4.2 Logistische Regressionsanalyse
5 Ergebnisse
6 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.1 Diskussion
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener arbeitsbezogener Faktoren auf die Fertilitätsintention von Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland und den Niederlanden. Dabei wird analysiert, inwieweit Arbeitsbelastung, Stress und atypische Arbeitszeiten die Entscheidung für oder gegen ein Kind beeinflussen.
- Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und Fertilitätsintention
- Einfluss von Arbeitsbelastung, Stress und untypischen Arbeitszeiten
- Rolle von strukturellen Variablen (Bildung, Familienstand, Teilzeit/Vollzeit)
- Vergleich der Situation in Deutschland und den Niederlanden
- Empirische Überprüfung mittels logistischer Regressionsanalyse
Auszug aus dem Buch
3 Daten und Operationalisierung
Bei den für die Analyse verwendeten Daten handelt es sich um Sekundärdaten des European Social Survey. Der ESS erhebt seit 2002 in einem Jahresrhythmus von zwei Jahren auf internationaler Ebene Daten aus inzwischen über 30 verschiedenen Ländern.
Für diese Arbeit wurde auf den Datensatz für Deutschland und die Niederlande aus dem Jahr 2010 zurückgegriffen (Welle fünf), da in diesem Modul mehr persönliche Fragen zu Einstellungen im Arbeitsleben und zum persönlichen Wohlbefinden gestellt wurden.
Aus der Analyse wurden alle Männer ausgeschlossen, sodass das Sample nur Frauen umfasst. Weiterhin wurden alle Personen aus der Analyse ausgeschlossen, die keiner bezahlten Beschäftigung nachgehen und nicht in das gebärfähige Alter passen (18-45 Jahre). Das ursprüngliche Sample von 4860 Personen (Deutschland und Niederlande zusammen) wurde durch diese Maßnahmen auf 498 Personen gekürzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik des Geburtenrückgangs in Deutschland sowie Erläuterung des Fokus auf erwerbstätige Frauen und die Vereinbarkeit von Karriere und Familie.
2 Stand der Forschung und Hypothesen: Vorstellung bestehender Studien zum Zusammenhang zwischen Erwerbsarbeit und Fertilitätsintention sowie Herleitung der drei zentralen Arbeitshypothesen.
3 Daten und Operationalisierung: Beschreibung der Datengrundlage des European Social Survey sowie Definition der abhängigen und unabhängigen Variablen für das statistische Modell.
4 Analyse: Durchführung deskriptiver Häufigkeitsanalysen sowie logistischer Regressionsanalysen zur empirischen Überprüfung der Hypothesen.
5 Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertung und Interpretation der Zusammenhänge zwischen den betrachteten Variablen und der Fertilitätsintention.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Kritische Diskussion der Befunde im Kontext der theoretischen Annahmen sowie ein Ausblick auf den Bedarf für weiterführende, lebenslaufbasierte Studien.
Schlüsselwörter
Fertilitätsintention, Arbeitsbelastung, Stress, untypische Arbeitszeiten, Erwerbstätigkeit, Familienplanung, European Social Survey, logistische Regression, Deutschland, Niederlande, Teilzeitbeschäftigung, Vereinbarkeit, Geburtenrate, Bildungsabschluss, strukturelle Variablen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie verschiedene arbeitsbezogene Faktoren, wie zum Beispiel Stress, Arbeitsbelastung oder untypische Arbeitszeiten, die Entscheidung von Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren beeinflussen, in den nächsten drei Jahren ein Kind zu bekommen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft arbeitssoziologische Aspekte mit demographischen Fragestellungen. Im Zentrum steht die Untersuchung, ob erwerbstätige Frauen durch ihren Job in ihrer Familienplanung eingeschränkt werden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, arbeitsbezogene Einflussfaktoren auf die Fertilitätsintention zu identifizieren und zu prüfen, ob die theoretisch angenommene negative Beeinflussung durch Belastungen am Arbeitsplatz empirisch bestätigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt quantitative Methoden. Auf Basis der Daten des European Social Survey (ESS) werden zunächst deskriptive Häufigkeiten ermittelt und anschließend eine logistische Regressionsanalyse durchgeführt, um signifikante Einflussfaktoren zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Hypothesen, die genaue Beschreibung der Operationalisierung der Daten, die deskriptive Darstellung der Stichprobe sowie die Interpretation der Ergebnisse der logistischen Regression.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Fertilitätsintention, Arbeitsbelastung, Erwerbstätigkeit, Vereinbarkeit und European Social Survey charakterisieren.
Bestätigen die Ergebnisse die aufgestellten Hypothesen zu Arbeitsbelastung und Stress?
Nein, die Hypothesen, dass Stress, untypische Arbeitszeiten oder allgemeine Arbeitsbelastung einen negativen signifikanten Effekt auf die Fertilitätsintention haben, konnten in diesem Modell nicht bestätigt werden.
Welchen Einfluss hat der Bildungsabschluss auf die Kinderwunsch-Entscheidung?
Die Analyse zeigt einen signifikanten Zusammenhang: Mit jedem weiteren Bildungsjahr steigt die Intention der Frauen, in den nächsten drei Jahren ein Kind zu bekommen, um 13 % an.
- Citation du texte
- Stephanie Kroll (Auteur), 2014, Die Fertilitätsintention von Frauen in Deutschland und den Niederlanden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301207