Das Laboratorium bei Bruno Latour. Von den Laborstudien zu AIME


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 – Einleitung

2 – „Science Studies“ oder die Erforschung der wissenschaftlichen Praktiken
2.1 – Die Erkundung des wissenschaftlichen Labors
2.1.1 Das Labor
2.1.2 Das Büro

3 – An Inquiry into Modes of Existence: Die Klimadebatte als Ausgangpunkt für die Neuerfindung der Welt
3.1 – Das Labor aus der Sicht unterschiedlicher Existenzweisen

4 – Fazit

Literaturverzeichnis

1 – Einleitung

Schon vor 1970 gab es Studien die das Labor aus technologischer und organisatorischer Perspektive betrachteten. Doch gegen Ende der Siebziger und in den achtziger Jahren begann sich die Perspektive auf das wissenschaftliche Labor zu verändern. Es ist in den Fokus wissenssoziologischer Analysen und ethnologischer Studien geraten, die einen neuen Blick auf die Forschungspraxis im Labor werfen sollten. Bruno Latour, seinerzeit weder Soziologe noch Anthropologe, leistete neben anderen Theoretikern einen besonderen Beitrag zu diesen neuen Science Studies, auch Laborstudien genannt. Wo andere Theoretiker zuvor die Organisationsstruktur des Labors und die „normative Struktur wissenschaftlichen Arbeitens“ (Schmidgen 2011: 47) genauer betrachten, leistet Latour einen anderen Beitrag. Für ihn steht im Mittelpunkt zu analysieren wie aus anthropologischer Sichtweise wissenschaftliches Wissen etabliert wird. Auch interessiert es ihn herauszufinden welche Praktiken verwendet werden, um wissenschaftliche Tatsachen zu konstruieren (vgl. Hagner 2006: 127). Diese neue Denkweise versucht nicht die Ergebnisse in den Mittelpunkt aller Diskussionen zu stellen, sondern fokussiert sich auf die Produktion von Tatsachen. In seinen frühen Werken Laboratory Life und Science in Action erfindet Latour einen anthropologischen Beobachter, der das Labor aus kulturtheoretische Sicht betrachtet. Dieser Beobachter überblickt alle Vorgänge im Labor – jeder Schritt des wissenschaftlichen Experimentierens wird genauestens überprüft und kritisch hinterfragt. Für den Theoretiker steht aber nicht „der Wissenschaftler“ allein im Fokus der Analyse. Vielmehr sind es Aktanten – menschliche und nichtmenschliche Wesen – die das Labor zu dem machen was es ist und gemeinsam dazu beitragen, dass wissenschaftliche Tatsachen produziert werden. Latour entfernt sich von der Subjekt-Objekt-Dichotomie indem er den Aktanten einführt und „Subjekte“ und „Objekte“ als gleichberechtigt und handlungsfähig ansieht. Nur durch die Interaktion dieser handlungsfähigen Entitäten wird Wissen produziert und nachvollziehbar gemacht.

In den Jahren danach hat sich Latours Wissenschaftsforschung zu einer Gesellschaftsforschung entwickelt – einer, die Kritik an der Moderne äußert und systematisch als Produktionsstätte von Fehlern deklariert. (vgl. ebd.: 128)

In seinen späteren Studien verändert sich der Blick Latours maßgeblich. Der Philosoph beginnt sich von der traditionellen Wissenssoziologie wegzubewegen und beginnt „das Soziale“ neu zu denken.

Er entwickelt eine Methode, die auf große Aufmerksamkeit und viele Anhänger stößt: die Akteur-Netzwerk-Theorie. Es ist eine Methode um die gesellschaftlichen Zusammenhänge neu zu denken und die klassischen Dichotomien Kultur/Natur, Subjekt/Objekt, Mikro/Makro abzulegen (vgl. ebd.:127). Auch dient sie dazu die Welt aus der Sicht der Netzwerke zu betrachten. Es sind Zusammenschlüsse, Assoziationen aus menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren die gemeinsam eine Handlung vollziehen und eine Vernetzung möglich machen. Diese Theorie stößt zwar auf eine Menge Zuspruch von Kollegen und Anhängern Latours, jedoch erkennt der Philosoph bald selbst, dass es Probleme bereitet die Welt nur noch in Netzwerken zu denken. Aus diesem Grund verändert sich der Blick Latours ein weiteres Mal. Die neue Theorie (AIME – An inquiry into modes of existence) entwickelt sich sowohl aus den Laborstudien als auch aus der Akteur-Netzwerk-Theorie heraus und entsteht knapp dreißig Jahre nach seinen Laborstudien. Mit diesem neuen Buch versucht Latour die Welt in Existenzweisen einzuteilen. Jede dieser Existenzweisen besitzt eine eigene Rechtsprechung und folgt ihren eigenen Regeln und Pfaden. Das Netzwerk übernimmt der Theoretiker von seiner nunmehr alten Theorie und macht es zu einer von vierzehn weiteren Existenzweisen. Diese etwas abstrakte Form des Denkens soll dazu befähigen sich von den großen Domänen wie die klassische Politik, die Wissenschaft, die Ökonomie, die Ökologie, die Rechtsprechung und anderen abzugrenzen. Denn Latours Hauptanliegen besteht darin eine Diplomatie zu entwickeln, die befähigt Probleme zu lösen, indem er die Welt nicht mehr nur aus der Sicht der Netzwerke beobachtet, sondern mit ihnen auch Probleme aus anderen Perspektiven analysieren kann. Eine Kritik, die das neue Buch aufgreift ist die Kritik an der Moderne. Latour ist der Ansicht, dass die Moderne, genaugenommen westliche Kulturen, zu sehr an traditionellen Konzepten festhalten und statt an die Ökologie zu denken, hauptsächlich damit beschäftigt sind Ökonomie zu betreiben und sich immer weiter zu modernisieren ohne zu bemerken, wie sie die Umwelt vernachlässigen (vgl. Barnes Norton 2013; Conway 2013). Verantwortlich für die Kreation des neuen Buchs ist die Auseinandersetzung des Autors mit der Krise um das sich verändernde Klima und die politische Debatte um den Klimawandel. Nach Ansicht des Autors bedarf es eines Diplomaten, der diese politische Debatte führen kann und die unterschiedlichen Seiten der Klimakatastrophe erkennen lässt. Diese „unterschiedlichen Seiten“ sind die sogenannten Existenzweisen.

Auf der Basis dieser zwei verschiedenen Perspektiven soll das wissenschaftliche Labor aus „alter Perspektive“ des frühen Latours untersucht werden, mit all seinen Verknüpfungen, Übersetzungen und Akteuren im Labor. Wie wird wissenschaftliches Wissen produziert? Dieser Frage wird im zweiten Kapitel nachgegangen. Gleiches soll auf der Basis der neuen Perspektive der unterschiedlichen Existenzweisen betrachtet werden. Es soll untersucht werden, wie sich der Blick des Autors verändert, wenn das Labor nicht nur als eine Assoziation von Akteuren im Netzwerk betrachtet wird, sondern dieses Netzwerk in der aktuellen Theorie nur eine von vielen Existenzweisen darstellt. Wie wird die Produktion von wissenschaftlichen Tatsachen aus alter Perspektive betrieben und wie aus der neuen Perspektive? Diese Frage wird in Kapitel drei geklärt. In Kapitel vier werden die Ergebnisse zusammengefasst und es wird der Frage nachgegangen, was die beiden Handlungsuntersuchungen unterscheidet. Mittels dieser Analyse lässt sich der „alte“ Philosophen Latour gut mit dem neuen vergleichen. Seine Weiterentwicklung wird am Beispiel des Labors gezeigt.

Die Akteur-Netzwerk-Theorie, die sich aus den Laborstudien weiterentwickelt und hat und eine Grundlage für AIME (An Inquiry Into Modes of Existence), seine neue Theorie zu den Existenzweisen, bildet, wird in dieser Arbeit nur rudimentär beschrieben. Nur diejenigen Begriffe, die entweder für die Laborstudien oder die AIME wichtig sind werden geklärt.

2 – „Science Studies“ oder die Erforschung der wissenschaftlichen Praktiken

Zwischen 1975 und 1977 besucht Bruno Latour das Salk Institute für biologische Studien in Kalifornien. Dieses Institut war bekannt geworden für seinen Impfstoff gegen Kinderlähmung und erreichte eine enorme Popularität in ganz Amerika. Es ist dieses Labor, welches Latour zwei Jahre lang untersuchen und in welchem der Gastphilosoph aus Frankreich die Praktiken der Wissenschaftler erforschen und Daten für sein erstes Werk sammeln wird. (vgl. Schmidgen 2011: 41f.)

Vor 1980 gab es zwar eine Reihe von Laborstudien aus anderen Disziplinen, eine ethnologische Erforschung der Laborpraxis hat es vorher noch nicht gegeben. Die früheren Laborstudien unter der Aufsicht von Robert Merton dienten lediglich dazu herauszufinden, welche Bedingungen und Voraussetzungen es im Labor gab um wissenschaftliches Wissen auszuwerten. In den Fokus dieser Analysen gerieten vor allem die Struktur der wissenschaftlichen Arbeit und die „sozialen Kontexte des Wissenschaftssystems“ (ebd.: 47). Unabhängig von diesen Studien beginnt Latour als „sozialwissenschaftlich interessierter Philosoph“ (ebd.: 47) seine Arbeit am Salk Institute aufzunehmen, Daten zu sammeln und später auszuwerten. Latour wird eine Auswertung des gesammelten Materials jedoch nicht vor 1986 veröffentlichen und neben anderen Pionieren wie Karin Knorr-Cetina, Sharon Traweek und Trevor Pinch einen wesentlichen Beitrag zu den Laborstudien leisten (vgl. ebd.: 47).

Nach seinem Aufenthalt in Kalifornien, gegen Ende der siebziger Jahre, kehrt Latour nach Paris zurück und trifft dort auf unterschiedliche Sozialwissenschaftler, die seine Denkweise stark prägen. So trifft Latour beispielsweise auf Symposien zur wissenschaftlichen Forschung auf John Law, einen Mitbegründer der späteren Akteur-Netzwerk-Theorie oder auf den Engländer Steve Woolgar, mit dem Latour sein erstes Werk Laboratory Life veröffentlichen würde. (vgl. ebd.: 60f.) Das Buch Laboratory Life von Latour und Woolgar ist eines der ersten kulturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Werke, die eine Analyse der wissenschaftlichen Praxis im Labor vornehmen (Latour & Woolgar 1986:12f.) und unterschiedliche Perspektiven auf die Wissenschaft projizieren (Schmidgen 2011: 63).

2.1 – Die Erkundung des wissenschaftlichen Labors

Den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Labors machen sogenannte Einschreibungsgeräte bzw. Überlieferungsmaschinen aus, die es erlauben Essenzen in Formen umzuwandeln, die letztlich mittels Wort und Schrift niedergeschrieben werden und die untersuchten Essenzen repräsentieren. Die Schriften die auf der Basis dieser Repräsentationen verfasst werden, werden publiziert und gelten fortan als wissenschaftliche Befunde – bis sie widerlegt werden. Latour und Woolgar sind daran interessiert herauszufinden, wie diese Überlieferungen stattfinden. Die Hauptfrage die mittels der Bücher Laboratory Life und Science in Action versucht wird zu klären ist, wie es sein kann, dass wissenschaftliche Praktiken in Aussagen transformiert werden können, die angeben, wie „Wissenschaft“ gemacht wurde (vgl. Latour & Woolgar 1986: 29). Die Autoren nehmen eine Analyse der sozialen Konstruktion von wissenschaftlichem Wissen vor. Sie analysieren, wie Wissenschaftler ihre Ergebnisse aus reinen Beobachtungen ziehen und diese so transformieren, dass sie die Beobachtungen aufschreiben und belegen können (vgl. ebd.: 32). Diese anthropologische Sichtweise bietet den Vorteil, dass alles, was schon als erwiesen gilt, noch einmal genau überprüft wird und nicht als Selbstverständlichkeit angenommen wird.

Wie auch das Labor am Salk Institute aufgetrennt war, werden Latour und Woolgar (1986) zwei grundlegende Unterscheidungen des Laborlebens ausfindig machen. Einerseits besteht das Labor aus dem Teil, in welchem Experimente durchgeführt werden, sie nennen dies einfach „das Labor“. In diesem Laborteil befinden sich Wissenschaftler in weißen Kitteln, führen Experimente durch und sind von Substanzen, Apparaturen, Tafeln und anderen Maschinen umgeben. Es gibt Instrumente, die Daten auswerten, Ergebnisse produzieren und diese auf Papier abzeichnen. In einem zweiten Teil des Labors wird vor allem mit Literatur gearbeitet. Dieser Teil ist das Büro des Labors. Hier wird Literatur produziert, einerseits mittels schon bestehender Literatur, beispielsweise aus Zeitschriften aber auch mittels Texten, Diagrammen, Einschreibungen, die im Laborteil produziert werden. Es ist aber gleichzeitig auch ein Archiv, in welchem Zeitschriften, frühere Labortexte, Handbücher, Wörterbücher und andere Literatur vorgefunden werden kann, die als Grundlage für das Schreiben von wissenschaftlichen Texten im Laborkontext verwendet wird (vgl. ebd.: 45). Für Latour und Woolgar steht nun die Frage im Mittelpunkt, wie diese beiden Sektionen „Labor“ und „Büro“ zusammenarbeiten und wie am Ende des Tages Labortexte entstehen können, die eine wissenschaftliche Darstellung dessen sind, was im Laborbereich mittels Experimenten durchgeführt wird. Es geht also in beiden Sektionen in erster Linie um die Herstellung, Aufbewahrung und Verarbeitung von Labortexten, die für das weitere Verfassen von wissenschaftlichen Schriften verwendet werden (vgl. Schmidgen 2011: 66).

Um die der Frage nach der Produktion beantworten zu können bedarf es einer genaueren Übersicht über die Praktiken (aus anthropologischer Sicht) in den beiden Sektionen Labor und Büro.

2.1.1 Das Labor

Latour hält eine Subjekt-Objekt Dichotomie für unangebracht. Der Forscher geht davon aus, dass Subjekte und Objekte sich gegenseitig permanent beeinflussen und sich gegenseitig produzieren. Aus diesem Grund wurde der Begriff des Akteurs eingeführt. Bei Latour sind die Akteure sowohl menschlich als auch nicht-menschlich (vgl. Latour 2002: 362). Sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Akteure sind im Labor daran beteiligt Literatur zu produzieren. Wissenschaftler sind darauf angewiesen nicht-menschliche Akteure in ihre Experimente einzuspannen, um diese Experimente durchführen zu können. Non-humane Akteure sind aber nicht nur Objekte oder Substanzen die untersucht werden, sondern auch Apparaturen, auf jene die Wissenschaftler angewiesen sind um die Ergebnisse zu erhalten. Es gibt demzufolge keine Hierarchie, sondern eine Interdependenz zwischen humanen und non-humanen Akteuren. (vgl. Latour 1987: 23ff., 103) Diese Interdependenz kann noch weiter verfolgt werden und als eine gegenseitige Manipulation gesehen werden: Die Akteure bilden gemeinsam ein Ensemble (Wissenschaftler und die zu untersuchende Substanz, Reagenzgläser, Petrischalen zur Aufbewahrung u.a.). Der Wissenschaftler manipuliert beispielsweise eine Substanz, indem er in seinem Experiment Stoffe hinzufügt und erwartet, dass sich die Substanz verändert. Sie muss also eine Leistung erbringen, eine Prüfung bestehen, um die wissenschaftliche Erkenntnis voranzutreiben. Gleichzeitig wird die Substanz zu einem Handlungsträger, da sie – sollte sie die Prüfung nicht bestehen – kein besonderes Ergebnis für den Wissenschaftler bereithält. Erst wenn das Experiment glückt, die Substanz sich verändert, macht sie den Wissenschaftler zu jemandem, der etwas herausgefunden hat was er publizieren kann. (vgl. Hagner 2006: 129)

Im Labor existieren viele unterschiedlichen Apparaturen, die Wissenschaftler für ihre Analysen verwenden. Hierbei wird unterschieden zwischen einfachen Instrumenten, wie eine Pipette, ein Reagenzglas, ein Bunsenbrenner, eine Petrischale und andere „einfache Geräte“, die verwendet werden um Dinge zu extrahieren, zu erhitzen, aufzubewahren. Neben diesen Geräten gibt es sogenannte Einschreibungsgeräte, „inscription devices“ (Latour & Woolgar 1986: 51, 65). Diese Einschreibegeräte sind große und kleine, kostspielige oder billige Apparaturen, die visuelle Ausgaben produzieren, die in einem wissenschaftlichen Text verwendet werden können: „[it is] any set-up, no matter what its size, nature and cost, that provides a visual display of any sort in a scientific text.“ (Latour 1987: 68). Weiterhin diesen sie dazu die Essenzen zu Dokumenten zu transformieren:

an inscription device is any item or apparatus or particular configuration of such items which can transform a material substance into a figure or diagram which is directly usable by one of the members of the office space. (Latour & Woolgar 1986: 51; auch Latour 1987: 66, 68)

Sie stellen eine direkte Beziehung zu der Essenz (z.B. einer untersuchten Substanz) her, die sie umschreiben. Das Dokument (eine Tabelle, ein Diagramm oder ähnliches) hat nun die wichtigen Eigenschaften der originalen Substanz eingefangen und sie lassen sich aus ihm direkt ablesen. Die Geräte übersetzen dementsprechend Dinge in Zeichen und haben eine besondere Bedeutung bei der Laborarbeit (vgl. Weiser 2012: 30). Der Blick der Wissenschaftler verschiebt sich von der Substanz auf das produzierte Zeichen. Latour nennt diese Form der Repräsentation auch die Referenz (vgl. z.B. Latour 2002: 43, 46), es ist ein „Belegexemplar“ dafür, dass eine Transformation, eine Veränderung stattgefunden hat (vgl. ebd.: 46). Die Zirkulation der Referenz, das heißt die Weiterverarbeitung des Referenzgegenstandes ist für Latour eines der wichtigsten Elemente der Laborarbeit, da so die Zurückverfolgbarkeit gewährleistet wird. Vom Ding (Substanz) zum Zeichen (Diagramm, Tabelle) und wieder zurück (vgl. Belliger & Krieger 2006: 26; Latour 2002: 53). Eine Weiterverarbeitung dieser Referenten wird im Büro vorgenommen.

Diese visuellen Ausgaben oder Inskriptionen nennt Latour in seinen späteren Arbeiten „immutable mobiles“ (Latour 2006: 285ff.). Sie haben verschiedene Eigenschaften, vor allem sind sie mobil, lesbar und interpretierbar und mit anderen Inskriptionen kombinierbar (vgl. Weiser 2012: 32f.). Sie sind deswegen mobil, weil sie große Distanzen überbrücken können. Diagramme können so beispielsweise über die Post oder per E-Mail an Forschungszentren in anderen Ländern gesendet werden. Die Ausgangsprodukte (Essenzen, Substanzen usw.) können dies nicht. Die immutable mobiles sind außerdem unveränderlich. Selbst wenn die Ausgangsprobe sich nach der Transformation verändert, verändert sich die Inskription nicht. Die Tabelle verändert ihre Daten nicht, eine Kurve in einem Diagramm wird nicht plötzlich abfallen wo sie vorher einen Anstieg dargestellt hat. Weiterhin machen diese Elemente die Welt „flach“. Denn die Einschreibegeräte transformieren die Essenzen soweit, dass sie auf ihren eigentlichen Charakter reduziert werden. Diese Reduzierung und Abbildung durch die Transformation bietet den Vorteil, dass die Inskriptionen nun in Texte eingebaut werden können. Es sind Bilder, Diagramme, Zahlen, Tabellen, die für alle Leser gleichermaßen sichtbar sind und als eine Referenz zur Laborarbeit dienen (vgl. Latour 2006: 285ff.; Weiser 2012: 32f.). Man kann mit den Inskriptionen „arbeiten und trotzdem den link >zur Welt< aufrechterhalten“ (Weiser 2012: 34, Hervorhebung im Original).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Laboratorium bei Bruno Latour. Von den Laborstudien zu AIME
Hochschule
Universität Hamburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Bruno Latour: Netzwerke und Existenzweisen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V301211
ISBN (eBook)
9783656978954
ISBN (Buch)
9783656978961
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bruno Latour;, Existenzweisen;, AIME;, Netzwerk;, Objekt-Subjekt-Dichotomie;, Akteur-Netzwerk-Theorie;, Modes of Existence;
Arbeit zitieren
Stephanie Kroll (Autor), 2014, Das Laboratorium bei Bruno Latour. Von den Laborstudien zu AIME, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301211

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