Ab dem 1. Januar 2004 wird das vielfach kritisierte, 1993 eingeführte System der Kapitalertragsbesteuerung (Zinsabschlagssteuer) durch eine Zinsabgeltungsteuer ersetzt. Hierdurch erhofft man sich, den Anreiz zur Steuerhinterziehung zu vermindern und die Kapitalanlage in Deutschland attraktiver zu gestalten 1 . Dies und die mit der Einführung der Zinsabgeltungssteuer geplante Teilamnestie für Fluchtkapital sollen die Steuerbasis verbreitern und damit dem Staat zu Mehreinnahmen verhelfen.
Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es zu untersuchen, ob sich diese Hoffnungen bestätigen und ob nicht ökonomische Verzerrungen eventuelle fiskalische Erfolge konterkarieren.
Hierzu soll zunächst ein Überblick über die gegenwärtige Praxis der Zinsabschlagsbesteuerung und die Zinsabgeltungssteuer gegeben werden. Anschließend befasst sich der zweite Abschnitt mit der fiskalischen Effizienz der Zinsabgeltungssteuer. Dabei soll beantwortet werden, ob durch die Neuordnung der Zinsbesteuerung tatsächlich ein höheres Netto-Steueraufkommen als mit der Zinsabschlagsbesteuerung erzielt werden kann.
Im dritten Teil der Seminararbeit wird anschließend untersucht, inwieweit sich die Zinsabgeltungssteuer auf die nationale und internationale Effizienz der Besteuerung auswirkt.
Den Abschluss der Seminararbeit bilden Zusammenfassung und Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zinsabschlag und Zinsabgeltung
2.1 Zinsabschlag
2.2 Zinsabgeltung
3 Fiskalische Effizienz der Zinsabgeltungssteuer
3.1 Steueraufkommen
3.2 Die Kosten der Steuererhebung
3.2.1 Zum Steuerabzug verpflichteten Stellen
3.2.2 Steuerpflichtige
3.2.3 Finanzverwaltung
4 Ökonomische Effizienz der Zinsabgeltungssteuer
4.1 Ökonomische Effizienz in einer geschlossenen Volkswirtschaft
4.1.1 Intertemporale Neutralität
4.1.2 Intersektorale Neutralität
4.1.3 Gleichbehandlung von Arbeits- und Kapitaleinkommen
4.2 Ökonomische Effizienz in einer offenen Volkswirtschaft
4.2.1 Kapitalimportneutralität
4.2.2 Kapitalexportneutralität
4.2.3 Koordinierung der Besteuerung internationaler Kapitaleinkommen
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die ökonomische Effizienz der zum 1. Januar 2004 geplanten Einführung einer Zinsabgeltungssteuer in Deutschland zu beurteilen und zu untersuchen, ob die mit diesem Systemwechsel verbundenen fiskalischen Hoffnungen realisierbar sind.
- Analyse des fiskalischen Erfolgs und des erwarteten Steueraufkommens.
- Untersuchung der Kosten der Steuererhebung für Beteiligte und Finanzverwaltung.
- Bewertung der nationalen Effizienz in einer geschlossenen Volkswirtschaft.
- Untersuchung der internationalen Effizienz durch Kapitalimport- und Kapitalexportneutralität.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Intertemporale Neutralität
Intertemporale Neutralität erfordert, dass die Entscheidung zwischen Gegenwarts- und Zukunftskonsum nicht verzerrt wird. Eine Besteuerung von Zinseinkünften wirkt jedoch unmittelbar daraufhin, dass infolge der Besteuerung die Menge an Gegenwartskonsum zunimmt, auf die verzichtet werden muss, um eine gegebene Menge an Zukunftskonsum durch Sparen realisieren zu können. De facto verteuert sich der zukünftige gegenüber dem unmittelbaren Konsum. Der Anreiz zum sofortigen Konsum des Einkommens steigt.
Diese negative Wirkung auf die Kapitalbildung wird noch verstärkt, da nicht der reale sondern der nominale Zinsertrag besteuert wird; Denn „mit der Besteuerung des im nominalem Zinsertrag enthaltenen Inflationsausgleichs – der ökonomisch gesehen ungeschmälert erhalten bleiben muss, damit die inflationsbedingte Abnahme der angelegten Mittel ausgeglichen wird - verringert eine Zinsbesteuerung den verbleibenden realen Zinsertrag zusätzlich (…)“.
Die obigen Erkenntnisse implizieren mithin eine steuerliche Freistellung von Zinserträgen, um solche, Verzerrungen in der Konsum-Spar-Entscheidung der Wirtschaftssubjekte zu vermeiden. Infolge der fehlenden politischen Durchsetzbarkeit einer vollständigen steuerlichen Freistellung von Zinseinkünften, ist jedoch zu fragen, ob eine Zinsabgeltungssteuer, bezogen auf die intertemporalen Neutralität, einen Vorteil gegenüber der Zinsabschlagsbesteuerung mit sich bringt.
Es ist offensichtlich, dass die intertemporale Verzerrungswirkung einer Zinsabgeltungssteuer dann geringer ausfällt als die einer Zinsabschlagsteuer, wenn ein Abgeltungssteuersatz Anwendung findet, der unterhalb des persönlichen Einkommensteuersatzes liegt. Da der Referentenentwurf des BMF eine solche Senkung des Steuersatzes vorsieht, ist die Zinssteuerreform im Hinblick auf die intertemporale Neutralität positiv zu bewerten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Zinssteuerreform des Jahres 2004 vor und formuliert das Ziel der Seminararbeit, den Systemwechsel hinsichtlich seiner fiskalischen und ökonomischen Effizienz zu prüfen.
2 Zinsabschlag und Zinsabgeltung: Hier werden die Funktionsweisen des bisherigen Zinsabschlags und der neuen Zinsabgeltungssteuer gegenübergestellt, wobei insbesondere auf die Abkehr vom Prinzip der synthetischen Einkommensbesteuerung eingegangen wird.
3 Fiskalische Effizienz der Zinsabgeltungssteuer: Dieses Kapitel untersucht, ob die Zinsabgeltungssteuer tatsächlich zu Mehreinnahmen führt und ob die Verwaltungskosten im Vergleich zum alten System sinken.
4 Ökonomische Effizienz der Zinsabgeltungssteuer: Der Hauptteil analysiert die nationalen Auswirkungen auf die Konsum-Spar-Entscheidung und die Kapitalstruktur sowie die internationale Dimension hinsichtlich der Kapitalmobilität.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Reform zwar international Wettbewerbsvorteile bieten kann, aber die fiskalischen Erwartungen kaum erfüllen wird und bestehende Verzerrungen bei der Produktions- und Kapitalallokation nicht löst.
Schlüsselwörter
Zinsabgeltungssteuer, Zinsabschlag, Fiskalische Effizienz, Kapitalbildung, Steuerreform, Kapitalimportneutralität, Kapitalexportneutralität, Wohnsitzprinzip, Quellenlandprinzip, Einkommensbesteuerung, Kapitalerträge, Steuerwettbewerb, Systemwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Beurteilung der ökonomischen und fiskalischen Effizienz der zum 1. Januar 2004 in Deutschland eingeführten Zinsabgeltungssteuer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Steueraufkommen, die Erhebungskosten sowie die Auswirkungen auf die intertemporale, intersektorale und internationale Effizienz der Besteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, ob die Hoffnung der Bundesregierung auf Mehreinnahmen durch die Reform begründet ist und ob ökonomische Verzerrungen die fiskalischen Erfolge konterkarieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine finanzwissenschaftliche Analyse der steuerlichen Rahmenbedingungen durchgeführt, wobei unter anderem Modelle wie die Konsum-Spar-Entscheidung und Kriterien der Kapitalneutralität herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der fiskalischen Ergiebigkeit, der administrativen Kosten sowie der nationalen und internationalen Allokationseffizienz unter Anwendung theoretischer Steuerneutralitätskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zinsabgeltungssteuer, Kapitalimport- und -exportneutralität, fiskalische Effizienz sowie Steuerharmonisierung.
Warum führt die Zinsabgeltungssteuer laut Autor zu einer möglichen Gefährdung von Arbeitsplätzen?
Da die Zinsabgeltungssteuer nur Zinserträge begünstigt, aber Unternehmensgewinne außen vor lässt, besteht der Anreiz, Eigenkapital durch Fremdkapital zu substituieren. Diese Verzerrung der Kapitalstruktur kann die Konkursanfälligkeit von Unternehmen erhöhen.
Welche Rolle spielt das Wohnsitzprinzip bei der internationalen Koordination?
Das Wohnsitzprinzip könnte ohne Harmonisierung der Steuersätze zur Kapitalexportneutralität führen, erfordert jedoch eine konsequente Durchsetzung durch Instrumente wie ein internationales Kontrollmitteilungssystem.
- Citation du texte
- Lennart Scheiber (Auteur), 2003, Beurteilung einer Zinsabgeltungsteuer unter Effizienzgesichtspunkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30122