Japanisch-Deutsche Internetblogs. Eine sprachlich-kulturelle Untersuchung


Hausarbeit, 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen zum Zweitspracherwerb
2.1 Sukzessiver Zweitspracherwerb
2.2 Sprachlicher Transfer

3. Japanisch-Deutsche Internetblogs
3.1 Aus dem Kirschbluetenland
3.1.1 Inhaltlich-kulturelle Betrachtung
3.1.2 Sprachliche Untersuchung
3.2 Vagabond
3.2.1 Inhaltlich-kulturelle Betrachtung
3.2.2 Sprachliche Untersuchung
3.3 Doitsugoken e ikou! ドイツ語圏へ行こう!
3.3.1 Inhaltlich-kulturelle Betrachtung
3.3.2 Sprachliche Untersuchung

4. Fazit
4.1 Inhaltlich-kulturelles Fazit
4.2 Sprachliches Fazit

5. Quellenverzeichnis und Anhang

1.Einleitung

Seit ungefähr 15 Jahren steht das Internet nun für den Heimgebrauch zur Verfügung. Dabei hat in letzter Zeit das Phänomen von sogenannten „Blogs“ (online gestellten Tagebüchern) rasant zugenommen. Die meisten der Autoren solcher Blogs – auch Blogschreiber oder Blogger genannt – verwenden dabei selbstverständlich ihre jeweilige Muttersprache. Ein weitere Teil jedoch nutzt diese Blogs auch zwecks Übung einer anderen Sprache, zur Schaffung einer neuen Identität oder zur kulturellen Brückenlegung innerhalb der virtuellen Welt. Die nun vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einem bestimmten Typus von Blogs und ihren Besitzern: nämlich japanischen Muttersprachlern, die ihre Internetblogs aus eigenem Antrieb heraus komplett oder zumindest zum großen Teil in deutscher Sprache halten.

Insgesamt habe ich mich – aus Platzgründen – auf die drei ergiebigsten Blogs beschränkt, und sie einer inhaltlich-kulturellen sowie sprachlichen Betrachtung unterzogen. Letzteres stellt das Hauptaugenmerk meiner Arbeit dar, indem ich anhand von Fehleranalysen den bisherigen Lernerfolg der Autoren auswerten möchte, um die unterschiedlichen Methoden und Auseinandersetzungen in Bezug auf den Erwerb der deutschen Sprache bewerten zu können. Zusammenhängend damit werde ich einführend auf die Grundlagen des Zweitspracherwerbs eingehen. Auf der anderen Seite werde ich in etwas kompakterer Form auch die Frage diskutieren, inwiefern die beiden mehr oder weniger gegensätzlichen Kulturen des deutschen und japanischen in solchen Internetblogs aufeinandertreffen und ob diese Art von virtuellem Tagebuch eine kulturelle „Hängebrücke“ zwischen Deutschland und Japan darstellen kann.

Vorsorglich sei gesagt, dass es in der Kombination „japanisch-deutsch“ im Internet noch verhältnismäßig rar aussieht und die Kombination von Japanischem und Englischem weitaus verbreiteter ist. Doch gerade diese noch beschränkte Anzahl an verwertbaren Blogs machte meine Arbeit umso überschaubarer.

Quellen meiner Untersuchung sind sowohl die im Anhang genannten und in Auszügen beigefügten Internetblogs sowie Literatur zum Thema Zweitspracherwerb und zum Thema japanischer Deutschlerner. Insgesamt stellt diese Arbeit natürlich nur einen annähernden Schritt in das noch weitaus unberührte Feld japanischer bilingualer Internettagebücher dar.

2. Grundlagen zum Zweitspracherwerb

2.1 Sukzessiver Zweitspracherwerb

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine zweite (oder mehrere) Sprachen zu erlernen. Man kann entweder bi- oder sogar trilingual aufgewachsen sein, weil beispielsweise die Eltern aus unterschiedlichen Ländern stammen oder man selbst längere Zeit im Ausland gelebt hat. Diese Art des Zweitspracherwerbs bezeichnet man als ungesteuert. Andernfalls kann man auch aus eigenem Antrieb heraus Bücher in die Hand nehmen und ein Selbststudium beginnen, ähnlich dem obligatorischen Fremdsprachunterricht in der Schule. Dieser Zweitspracherwerb wäre gesteuert.

Der sukzessive Zweitspracherwerb beschreibt nun zunächst einfach den Erwerb einer zweiten Sprache, und zwar nachdem die erste Sprache bereits erworben wurde – im Unterschied zum sogenannten simultanen Zweitspracherwerb, bei dem das Kind von Anfang an einen Input von zwei verschiedenen Sprachen erhält und somit bilingual heranwächst. Von Anfang an eine zweite Sprache zu lernen ist in der Hinsicht sehr erfolgreich, dass Kinder diese zweite Sprache (und ggf. auch eine noch weitere Sprachen) praktisch wie eine Erstsprache erwerben können. Bereits ab einem Alter von ca. vier Jahren wird jedoch nicht mehr von einem bilingualen, sondern von einem kindlichen Zweitspracherwerb gesprochen (vgl. Rothweiler 2007:122), der spätestens ab der Pubertät als komplett sukzessiver Zweitspracherwerb einzustufen ist.

Grund dafür ist laut gegenwärtiger wissenschaftlicher Untersuchungen die Tatsache, dass Kleinkinder sogenannte Spracherwerbsmechanismen besitzen, die im Laufe der Zeit immer weiter schwinden. Diese sensible Phase des Verschwindens einzelner Spracherwerbsmechanismen – auch kritische Phase genannt – beginnt ab einem Alter von ca. drei Jahren und endet meist schon vor der Pubertät mit einem Alter von ca. zehn Jahren (vgl. Rothweiler 2007:125). Dabei schwinden zunächst die für den phonetischen Erwerb zuständige Mechanismen, gefolgt von solchen, die für die Syntax zuständig sind. Für die Lexik hingegen scheint es keine kritische Phase zu geben.

Ein Kind kann demnach innerhalb des Vorhandenseins bestimmter Spracherwerbsmechanismen jede Sprache ungesteuert auf erstsprachlichem Niveau erlernen, wobei es im späteren Leben durch fehlenden Input oder verstärkten Gebrauch von nur einer der jeweiligen Sprachen durchaus auch zu einer Verkümmerung der Zweitsprache kommen kann (vgl. Rothweiler 2007:127). Sind diese kindlichen Spracherwerbsmechanismen nun nicht mehr gegeben, was wohl spätestens ab dem Jugendlichenalter der Fall ist, so kann ganz klar von einem sukzessiven Zweitspracherwerb die Rede sein.

Aufgrund der hier genannten Gegebenheiten lässt sich gut erklären, warum Kindern im Vergleich zu Erwachsenen der Fremdsprachenerwerb um einiges leichter fällt. Allerdings ist die kritische Phase nicht der einzige Grund für den unterschiedlichen Lernerfolg. Im Gegenteil wird die kritische Phase – insbesondere, da sie empirisch gar nicht bestätigt ist – von einigen Wissenschaftlern angezweifelt, die wiederum die im Folgenden genannten Gründe als ausschlaggebender für den schlechteren Lernerfolg einer Zweitsprache im Erwachsenenalter angeben.

Zum einen spielt die biologische Entwicklung eine entscheidende Rolle. Physiologische Veränderungen während des Altersprozesses können im Sprachzentrum, den Ohren und an den Artikulationswerkzeugen Wahrnehmungs- und Kontrollschwierigkeiten der Muskeln mit sich bringen. Außerdem ist die soziale Entwicklung bzw. die Aneignung einer sozialen Identität im Kindesalter von großer Bedeutung, während ein Erwachsener bereits eine soziale Identität besitzt und demnach nicht unter einem vergleichbaren Druck steht, sich eine weitere Identität zu verschaffen. Zu guter Letzt ist auch die kognitive Entwicklung nicht zu unterschätzen. Denn bedingt durch die Erstsprache haben sich im Kopf des Sprechers bereits bestimmte Kategorien wie beispielsweise zeitliche Relationen gebildet, die nicht einfach neu zu definieren sind. So fällt es monolingualen Sprechern einer Sprache, die kein present perfect als Zeitform besitzt, schwerer, diese Zeitform in einer zweiten Sprache korrekt zu erwerben. Umgekehrt kann allerdings das Vorhandensein übereinstimmender kognitiver Kategorien den Lernprozess in einer zweiten Sprache auch begünstigen (vgl. Klein 2000:544).

Andererseits wiederum ist auch durchaus davon die Rede, dass eine „perfekte“ Beherrschung einer Zweitsprache auch nach der Pubertät keinesfalls eine Unmöglichkeit darstellt – man nehme das Beispiel der Gelehrten im Abendland, die über tausende von Jahren hinweg das Lateinische schriftlich fehlerfrei beherrschten. Phonetische Aspekte lassen sich in dem Fall zwar nicht beurteilen, scheinen allerdings auch in der heutigen Zeit mit der ausreichenden Portion Eigeninitiative und Motivation kein unerreichbares Ziel darzustellen (vgl. Klein 2000:545).

Insgesamt sollte dieses Kapitel nun eine kurze Übersicht zum sukzessiven Zweitspracherwerb gegeben haben, welcher alle drei der von mir untersuchten Blogschreiber betrifft.[1]

2.2 Sprachlicher Transfer

Sprachlicher Transfer bezeichnet wie bereits angedeutet den ‚Transfer’, d.h. die Übertragung eines oder mehrerer sprachlichen Merkmale von einer Sprache in die andere. Üblicherweise ist es die Erstsprache, die einen großen Einfluss auf die sukzessiv erlernte Zweitsprache ausübt. Dies kann sich sowohl auf phonologischer als auch syntaktischer oder lexikalischer Ebene deutlich machen. Auf phonologischer Ebene führt der Transfer von phonologischen Regeln der Erstsprache zu dem allgemein bekannten „Fremdsprachenakzent“ (vgl. Rothweiler 2007:112).

Da in dieser Hausarbeit jedoch keine Aussprachephänomene untersucht werden, sind der syntaktische und lexikalische Transfer hierbei von größerer Bedeutung. Syntaktischer Transfer beschreibt dabei die Übertragung von syntaktischen, also grammatikalisch-strukturierende Sprachmustern, während der lexikalische Transfer die Benutzung bestimmter Wörter in der Zweitsprache entsprechend dessen Restriktionen in der Erstsprache darstellt (vgl. Rothweiler 2007:112).

In beiden Fällen kann von positiven und negativem Transfer geredet werden. Ersterer wirkt sich durch Übereinstimmungen in Erst- und Zweitsprache positiv auf den Spracherfolg in der Zweitsprache aus, während negativer Transfer (‚Interferenz’ genannt) zu fälschlichen Ergebnissen in der Zweitsprache führt. Allerdings kann auch ein positiver Transfer dazu führen, dass subtile Unterschiede in der Bedeutung gar nicht wahrgenommen werden und somit wiederum eine leichte Interferenz auftritt (vgl. Klein 2000:551).

In den von mir untersuchten Internetblogs geht es rein um den negativen, sprachlichen Transfer, da ich in erster Linie die Fehlerhaftigkeit untersuchen möchte. Gleichzeitig sollen dem gegenüber gestellt jedoch auch einige positive Auffälligkeiten genannt werden; beispielsweise, wenn einer der Blogschreiber in einer von Fremdsprachlern häufig falsch gemachten Struktur außergewöhnliche Sicherheit zeigt. Dies wäre wohl vor allem am Beispiel der Verbfolge des Deutschen gegeben, die im Hauptsatz zwar eine SVO[2], im Nebensatz allerdings eine SOV-Struktur aufweist. Häufig zeigen Japanische Deutschlerner Schwierigkeiten hinsichtlich der deutschen Verbstellungen, da die Verbendstellung im Japanischen festgelegt ist und nicht wie im Deutschen von der SOV-Stellung des Hauptsatzs zu einer SOV-Stellung im Nebensatz[3] mutiert. Hingegen ist die Ähnlichkeit zwischen dem japanischen Satz und dem deutschen Infinitivsatz wiederum relativ hoch (vgl. Schümer 1979:53), so dass sowohl Fehler als auch richtige Übertragungen in dieser Hinsicht auf sprachlichen Transfer hinweisen.

Diese zusammenfassende Einführung zu sukzessivem Spracherwerb und sprachlichem Transfer sollte als Hintergrund zu den nun folgenden Untersuchungen des schriftlichen Deutschs japanischer Blogschreiber dienen. Es sollte aus den hier beschriebenen Tatsachen bereits ersichtlich sein, dass Perfektion bei einem sukzessiven Zweitspracherwerb keinesfalls die Regel, sondern eher die Ausnahme darstellt. Nichtsdestotrotz kann man auch als Erwachsener mit der nötigen Motivation und Ausdauer ein sehr gutes Niveau in der Beherrschung der jeweiligen Fremdsprache erreichen – dies ist komplett abhängig vom individuellen Antrieb des Lerners.

3. Japanisch-Deutsche Internetblogs

Die nun folgenden Internetblogs sind im Besitz von Japanern, die einige oder viele ihrer Einträge auf Deutsch verfasst haben. Alle drei dieser Blogs sind relativ aktuell und werden regelmäßig mit neuen Einträgen versorgt. Für meine sprachliche Untersuchungen habe ich mir möglichst repräsentative Beispiele herausgesucht, wobei ich mich aufgrund der festgelegten Seitenzahl dieser Hausarbeit auf einen Auszug pro Blog beschränken muss. Eine originalgetreue Kopie des jeweiligen Eintrages in Form eines Screenshots findet sich im Anhang des Quellenverzeichnisses.

[...]


[1] Zumindest konnte ich bei keinem der mir untersuchten Internetblogs Andeutungen auf einen simultanen Zweitspracherwerb finden, und auch die Fehlertypen lassen eher Rückschlüsse auf einen sukzessiven zu.

[2] Subjekt-Verb-Objekt (vgl. „Hans kauft einen Hut.“)

[3] Subjekt-Objekt-Verb (vgl. „...weil Hans einen Hut kauft.“)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Japanisch-Deutsche Internetblogs. Eine sprachlich-kulturelle Untersuchung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V301313
ISBN (eBook)
9783656975359
ISBN (Buch)
9783656975366
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
japanisch-deutsche, internetblogs, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Andrea Kluge (Autor), 2008, Japanisch-Deutsche Internetblogs. Eine sprachlich-kulturelle Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301313

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