„Denn der Ort, wo du stehst, ist kein heiliger Boden mehr“, dieser leicht abgewandelte Vers aus der Berufungsgeschichte des Mose dürfte sicherlich einer der bekanntesten Verse des Alten Testaments in Verbindung mit dem brennenden Dornbusch sein.
Es mag zunächst gewiss etwas verwundern, dieses Zitat mit Kirchengebäuden in Verbindung zu bringen. Vor allem wenn man bedenkt, dass es beim Betreten einer katholischen Kirche – anders als beim Betreten einer Moschee – nicht üblich ist sich die Schuhe von den Füßen abzustreifen. Allerdings ist m.E. dieses Zitat bei einer Arbeit, in der es um die Profanierung von Kirchengebäuden geht, doch ganz treffend gewählt. Denn schließlich geht es bei der Profanierung um einen Akt, bei dem das Heilige des Ortes ja gerade gewissermaßen beseitigt werden soll.
Aber wie kann man sich so einen Akt überhaupt vorstellen? Was geschieht dabei? Und geht das überhaupt einen Ort zu „profanieren“? Dafür kann es zunächst einmal sinnvoll sein sich darüber klar zu werden, was eine Kirche eigentlich ist und was sie ausmacht.
In meiner Arbeit möchte ich auch versuchen eine Antwort zu geben auf solche Fragen wie: „warum ist die Frage der Profanierung gerade in unserer Zeit von entscheidender Bedeutung?“, „wozu bedarf es einer Profanierung?“, „geht es auch anders?“.
Das Hauptaugenmerk der Arbeit wird auf Fragen des Kirchenrechts liegen. Die liturgische Umsetzung einer Profanierung werde ich ebenfalls ansprechen. Jedoch werde ich dies nicht in aller Breite tun, da die liturgiewissenschaftlichen Fragen in Bezug auf den Ritus einer Profanierung vom Umfang her gesehen durchaus für eine eigene Arbeit reichen würden. Das Zivilrecht und das Öffentliche Recht der Bundesrepublik Deutschland werde ich auch erwähnen, da es eine gewisse Rolle spielt. Die Beschränkung auf das nationale Recht der Bundesrepublik Deutschland ergibt sich aus rein pragmatischen Gründen. Das Zivilrecht und das Öffentliche Recht bilden aber nicht den Schwerpunkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Kirche – Was ist das?
3 Die Heiligkeit der Kirche
4 Die Profanierung
5 Umnutzung von Kirchengebäuden
6 Verkauf von Kirchengebäuden
6.1 Zivilrechtliche Normen der Bundesrepublik Deutschland
6.2 Kirchenrechtliche Normen
6.2.1 Veräußerungsfähigkeit
6.2.2 Bestimmungen im Sinne des c. 1290 CIC
6.3 Fazit zum Verkauf
7 Ritus anlässlich einer Profanierung
8 Besonderheiten bezüglich des Altares
9 Ergebnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kirchenrechtlichen und liturgischen Rahmenbedingungen sowie die praktischen Verfahrensweisen bei der Profanierung von Kirchengebäuden, insbesondere unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen in deutschen Diözesen wie dem Bistum Essen.
- Kirchenrechtliche Grundlagen der Profanierung gemäß CIC
- Umgang mit Kirchengebäuden bei sinkenden Gläubigenzahlen
- Möglichkeiten der Umnutzung und Veräußerung von Sakralbauten
- Liturgische Gestaltung der Profanierung und Abschiedsriten
- Rechtliche Implikationen bei der Profanierung von Altären
Auszug aus dem Buch
4 Die Profanierung
Wie schon bereits ausgeführt ist eine Kirche gem. c. 1217 § 1 CIC nach ordnungsmäßiger Vollendung baldmöglichst zu weihen oder wenigstens zu segnen, wodurch sie einen sog. „Heiligen Ort“ darstellt. Die Profanierung ist nun darauf angelegt genau das Gegenteil zu bewirken. Sie ist „die ‚Entweihung‘ bzw. ‚Verweltlichung‘ eines Sakralen Gebäudes. Sie ist Folge von Zerstörung oder Zweckfremder Nutzung, oder sie wird durch ein Dekret des Bischofs vorgenommen. Das Dekret wird am Ende der letzten Messe verlesen, die die Gemeinde in ihrer Kirche feiert; es folgen einige Riten, die das Ende der bisherigen Nutzung markieren. Das Gebäude kann danach eine andere Zweckbestimmung erhalten.“
Was diese andere Zweckbestimmung betrifft, hat die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Arbeitshilfe zur Umnutzung von Kirchen darauf hingewiesen, dass zumindest eine „kultische Nutzung durch nichtchristliche Religions-gemeinschaften“ auf Grund der Symbolhaftigkeit eines solchen Geschehens nicht möglich ist.
Die Profanierung von Kirchengebäuden ist im Kirchenrecht in dem c. 1222 CIC geregelt. Dieser stellt eine lex specialis zum c. 1212 CIC dar, der den generellen Fall der Profanierung von Heiligen Orten regelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zur Thematik der Profanierung von Kirchengebäuden und Darlegung der kirchenrechtlichen sowie liturgischen Schwerpunkte der Arbeit.
2 Kirche – Was ist das?: Definition des Kirchengebäudes nach dem Codex Iuris Canonici und Erläuterung seiner Bedeutung als Ort des Heiligen und Identifikationspunkt für die Gemeinde.
3 Die Heiligkeit der Kirche: Analyse der sakralen Bedeutung eines Kirchengebäudes, die durch den Ritus der Kirchweihe und die gottesdienstliche Nutzung begründet wird.
4 Die Profanierung: Darstellung der rechtlichen Voraussetzungen für die Profanierung gemäß c. 1222 CIC und der damit verbundenen Aufhebung der sakralen Zweckbestimmung.
5 Umnutzung von Kirchengebäuden: Untersuchung möglicher alternativer Verwendungen profanierter Kirchen sowie der damit verbundenen Herausforderungen bei der Einhaltung des Verbots eines unwürdigen Gebrauchs.
6 Verkauf von Kirchengebäuden: Erörterung der zivil- und kirchenrechtlichen Aspekte beim Verkauf, inklusive der notwendigen Genehmigungsverfahren.
7 Ritus anlässlich einer Profanierung: Überblick über die liturgische Praxis zur Beendigung der gottesdienstlichen Nutzung und die regionale Gestaltung dieser Abschiedsriten.
8 Besonderheiten bezüglich des Altares: Klärung der rechtlichen Statusänderung und Behandlung des Altares im Rahmen einer Gebäude-Profanierung.
9 Ergebnis: Zusammenfassende Betrachtung, dass die Profanierung ein legitimer Verwaltungsakt ist, dessen liturgische Ausgestaltung weitestgehend der gestalterischen Freiheit unterliegt.
Schlüsselwörter
Profanierung, Kirchengebäude, Kirchenrecht, CIC, Liturgie, Kirchweihe, Umnutzung, Veräußerung, Bistum Essen, Sakralität, Altar, Gottesdienst, Seelsorge, Kirchenverwaltung, Entweihung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das kirchenrechtliche und liturgische Verfahren zur Entwidmung, also der Profanierung, von katholischen Kirchengebäuden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtliche Definition einer Kirche, die Voraussetzungen für deren Profanierung, Möglichkeiten der Umnutzung, der Verkauf sowie die liturgische Gestaltung des Abschieds.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die katholische Kirche mit der Notwendigkeit umgeht, Kirchengebäude aufgrund von Priester- und Gläubigenmangel aufzugeben, und welche regulatorischen Rahmenbedingungen dabei gelten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer kirchenrechtlichen Analyse der einschlägigen Normen des Codex Iuris Canonici (CIC), ergänzt durch liturgiewissenschaftliche Perspektiven und Fallbeispiele aus dem Bistum Essen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Profanierungsgründen, die rechtlichen Verfahren bei Umnutzung und Verkauf sowie die speziellen Herausforderungen bei der Behandlung von Altären und der liturgischen Abschiednahme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Profanierung, Kirchenrecht, CIC, Sakralität, Umnutzung, Kirchengebäude und liturgische Praxis.
Warum ist das Zitat „Denn der Ort, wo du stehst, ist kein heiliger Boden mehr“ für die Arbeit so bedeutsam?
Es verdeutlicht den Kern der Profanierung: Die bewusste Aufhebung des Status eines Ortes als „heilig“, um ihn einer anderen, profanen Nutzung zuzuführen.
Gibt es einen universalkirchlichen Ritus für die Profanierung?
Nein, es gibt keinen eigens dafür vorgesehenen, universalkirchlichen Ritus. Die Ausgestaltung bleibt weitestgehend der regionalen beziehungsweise bischöflichen Entscheidung überlassen.
Wie unterscheidet sich die „Außerdienststellung“ von der „Profanierung“ im Bistum Essen?
Bei der Profanierung wird die sakrale Zweckbestimmung dauerhaft aufgehoben, während die Außerdienststellung eine vorübergehende Nutzungseinschränkung darstellt, bei der keine irreversiblen Maßnahmen vollzogen werden.
Welche Rolle spielt der Altar bei einer Profanierung?
Da der Altar auch nach der Profanierung des Gebäudes geweiht bleibt, erfordert seine Entfernung oder Profanierung ein separates, kirchenrechtlich geregeltes Verfahren.
- Citation du texte
- Oliver Schmitz (Auteur), 2013, Die Profanierung von Kirchengebäuden aus kirchenrechtlicher und liturgischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301325