Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Histoire - Généralités

Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien

Titre: Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien

Dossier / Travail de Séminaire , 2011 , 55 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Benjamin Nowak (Auteur)

Histoire - Généralités
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

„Wer sich die Ehe vornimmt, handelt sich eine Welt ein. Die der Politik und der Ökonomie und die der Phantasie, die der Köpfe und die der Herzen“, konstatiert Caroline Arni ihre äußerst anregenden Untersuchungen über die "Krise der Ehe um 1900". Und in der Tat beschäftigt die Frage, wer wen warum oder warum auch nicht heiratet seit geraumer Zeit die Gesetzgeber, Literaten, Wirtschaftswissenschaftler und Vertreter der verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen.
Sich einen Überblick über die Thematik, die auf den ersten Blick als eine sehr einfache, weil allgegenwärtige erschien, zu verschaffen, dauerte ein reichliches Jahr, indem mehrere hundert Literaturtitel konsultiert wurden. Die Allgegenwart des Themas ist es schließlich auch, die eine Fülle von Zugängen anbietet. Sinnbildlich steht man als Wanderer an einem Wegekreuz in weiter (Forschungs-) Landschaft: dutzende Wege führen zu dutzenden Sehenswürdigkeiten, doch keiner führt an allen entlang.
Einen Einblick oder, um bei der Metapher zu bleiben, einen ‚Reiseführer‘ zu bieten, ist das Anliegen dieser Arbeit. Selbstredend kann dabei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden.

Die folgenden Ausführungen stehen dabei in einem weiteren Kontext: Der empirischen Untersuchung des Heiratsverhaltens bzw. der Eheschließungen in einer deutschen Großstadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts, also in einer Zeit rasanten wirtschaftlichen Wachstums, der Urbanisierung, der massenhaften Migration und Mobilität. Es wird in diesem Gesamtkontext zu untersuchen sein, wer wen heiratete, das heißt, welche Determinanten das Heiratsverhalten bestimmten: Beruf, soziale Lage, Konfession, Alter sowie soziale und geografische Herkunft etc. Darüber hinaus sollen neben diesen quantitativen auch qualitative Zugänge genutzt werden, um Ehe als soziale Praxis begreifbar zu machen. Die Literaturlage ist, wie bereits angedeutet, diesbezüglich sehr ergiebig.

Ziel ist es, einen umfänglichen Einblick einerseits in die Forschungslage und aktuelle Fragestellungen zu gewinnen, andererseits über theoretische und praktische Zugänge zur Thematik Anregungen für eigene Untersuchungen zu erfahren.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ehe als Institution zwischen privater und öffentlicher Sphäre. Ein Exkurs zur Entwicklung des Eherechtes und der Eheauffassung im Preußen des 19. Jahrhunderts

2.1. Institutionen

2.2. Das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten

2.3. Das Bürgerliche Gesetzbuch

2.4. Folgerungen

2.5. Zusammenfassung

3. Ehe und Familie als Forschungsthemen. Ein Abriss

4. Ehe als soziale Praxis. Deskriptive und analytische Zugänge

4.1. Soziale Platzierung, soziale Praxis und soziale Gruppen. Eine Hypothese zur Wirkweise von Ehe als sozialer Praxis

4.2. Forschungszugänge

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über die historische und sozialwissenschaftliche Erforschung der Ehe als soziale Praxis im Kontext des 19. Jahrhunderts zu geben, wobei insbesondere die Wechselwirkungen zwischen rechtlichen Rahmenbedingungen, sozialen Strukturen und individuellen Heiratsstrategien untersucht werden.

  • Entwicklung des Eherechts im 19. Jahrhundert (ALR vs. BGB)
  • Theoretische Zugänge zur Ehe als soziale Institution
  • Einfluss von sozialer Herkunft, Beruf und Mobilität auf Heiratsmuster
  • Interdependenz von Struktur und Kultur im Kontext der Partnerwahl

Auszug aus dem Buch

4.1. Soziale Platzierung, soziale Praxis und soziale Gruppen. Eine Hypothese zur Wirkweise von Ehe als sozialer Praxis

Vereinfachend wird voran gestellt, dass die soziale Platzierung eines Individuums und – auf einer höheren Aggregationsebene – ganzer sozialer Gruppen durch die Wahl bzw. die Ausübung eines Berufes, die Art und Dauer der Ausbildung und die Wahl eines Ehepartners bestimmt wird. Der Beruf bspw. bestimmt durch die berufstypischen Verdienstchancen über den Umfang des Konsums, des Sparens sowie die Art und das Volumen möglicher Investitionen. Die Qualität der Ausbildung entscheidet idealiter über zu erwartende Berufschancen und, neben anderen Faktoren, über das gesellschaftliche Prestige seines Trägers. Über Eheschließungen ergeben sich für die Eheschließenden dieselben, mitunter sogar potenzierten Effekte, d. h., dass Einheirat in eine wohlhabende Familie eine Steigerung des eigenen Wohlstands bedeutet, bzw., dass das Prestige des einen auf den anderen Ehepartner übergehen kann.

Berufswahl, Ausbildung und Eheschließung sind zugleich Entscheidungen im Leben des Einzelnen mit hoher Verbindlichkeit. Daher liegen ihnen Strategien zu bestmöglichen Umsetzung – praktisch bedeutet das Statuserhalt oder -verbesserung – zu Grunde. Man erlernt i. d. R. nur einen Beruf, absolviert zielgerichtet einen Bildungsweg und heiratet einander für die Dauer der verbliebenen Lebenszeit eines der Partner. Oder, um es mit dem Volksmund zu sagen: „Gut gefrühstückt spürt man den ganzen Tag, gut geschlachtet das ganze Jahr, aber gut geheiratet das ganze Leben.“

Eheschließungen sind hochkomplexe soziale Praktiken und können nicht auf rein ökonomistische oder rein kulturelle Erklärungsversuche reduziert werden. So hat einerseits Josef Ehmer zeigen können, dass trotz moderner Lohnarbeitsbedingungen und einer sozialen Angleichung der Gesellen verschiedener Handwerke an Facharbeiter verwandter Branchen und zum Teil obsoleter tradierter Werdegänge im ausgehenden 19. Jahrhundert – insbesondere den Brauch der Meisterwerdung vor der Gründung einer Familie – alte, ständische Verhaltensmuster überdauerten. Andererseits lässt der auffällige Befund schichtendogamen Heiratens in vielen Studien den Schluss zu, dass ein romantisches Liebesideal, dessen Realisierung theoretisch jegliche Eheschließungsmuster hätte auflösen müssen, nicht den alleinigen Ausschlag bei der Partnerwahl bildete. Es ist also danach zu fragen, wie Ehe als soziale Praxis funktioniert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und erläutert das Ziel der Arbeit, einen „Reiseführer“ durch die komplexe Forschungslandschaft zur Ehe als soziale Praxis im 19. Jahrhundert zu bieten.

2. Die Ehe als Institution zwischen privater und öffentlicher Sphäre. Ein Exkurs zur Entwicklung des Eherechtes und der Eheauffassung im Preußen des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert den institutionellen Wandel der Ehe zwischen dem absolutistischen Allgemeinen Landrecht (ALR) und dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) im Kontext gesellschaftlicher Modernisierung.

3. Ehe und Familie als Forschungsthemen. Ein Abriss: Hier wird ein Überblick über die interdisziplinäre Erforschung von Ehe und Familie gegeben und der theoretische Fokus auf die Historische Demographie und Sozialgeschichte gelegt.

4. Ehe als soziale Praxis. Deskriptive und analytische Zugänge: Das Kapitel entwickelt ein theoretisches Modell, das soziale Platzierung, berufliche Faktoren und kulturelle Dispositionen (Habitus) zur Erklärung von Heiratsmustern und -strategien verknüpft.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer interdisziplinären Synthese für zukünftige Forschung und weist auf Desiderate in der methodischen Vergleichbarkeit hin.

Schlüsselwörter

Ehe, Soziale Praxis, Heiratsverhalten, Sozialgeschichte, Historische Demographie, Soziale Platzierung, Familienökonomie, Eherecht, Preußen, Heiratsmuster, Habitus, Heiratsstrategien, soziale Mobilität, Klassenbildung, Schichtendogamie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Ehe als soziale Praxis und Forschungsthema im historischen Kontext, insbesondere im Preußen des 19. Jahrhunderts, und beleuchtet die Mechanismen hinter Eheschließungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die rechtliche Entwicklung des Eherechts (ALR vs. BGB), die Bedeutung von sozialer Herkunft und Beruf für Heiratsentscheidungen sowie die theoretische Verknüpfung von Struktur- und Kulturfaktoren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, einen Überblick über Forschungslage und -zugänge zu bieten und ein synthetisierendes Modell zu entwerfen, das erklärt, wie Ehe als soziale Praxis funktioniert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine multidisziplinäre, synthetisierende Übersichtsmethode genutzt, die verschiedene theoretische Ansätze der Soziologie, Historischen Demographie und Sozialgeschichte kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen im 19. Jahrhundert, die theoretischen Ansätze der Forschung zu Ehe und Familie sowie detaillierte Hypothesen zur Wirkweise von Ehe als soziale Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Ehe, Heiratsverhalten, Soziale Praxis, Sozialgeschichte, Soziale Platzierung und Heiratsmuster.

Wie unterscheidet sich das Eherecht nach ALR von dem im BGB?

Das ALR betrachtete die Ehe als naturrechtlichen Vertrag mit dem Ziel der Nachwuchserzeugung, während das BGB die Ehe eher als ideell begründete Lebensgemeinschaft institutionalisierte, wobei das BGB restriktiver bei Scheidungen war.

Welche Rolle spielt der „Habitus“ nach Bourdieu in dieser Untersuchung?

Der Habitus fungiert als Bindeglied zwischen inneren kulturellen Dispositionen und äußeren sozialen Strukturen und erklärt, warum Individuen häufig Partner aus ähnlichen sozialen Milieus wählen.

Was bedeutet der Begriff „schichtendogames Heiraten“?

Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass Individuen bevorzugt Partner aus der eigenen sozialen Schicht oder Klasse heiraten, was die soziale Stabilität bzw. Reproduktion der Schicht begünstigt.

Fin de l'extrait de 55 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien
Université
Martin Luther University  (Institut für Geschichte)
Cours
Ehe als soziale Praxis
Note
2,0
Auteur
Benjamin Nowak (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
55
N° de catalogue
V301352
ISBN (ebook)
9783956876561
ISBN (Livre)
9783668004597
Langue
allemand
mots-clé
praxis überblick untersuchung eheschließungen kontext studien
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Benjamin Nowak (Auteur), 2011, Ehe als soziale Praxis. Ein Überblick über die Untersuchung von Eheschließungen im Kontext historischer Studien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301352
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  55  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint