Die rauchende Frau

Eine historische Bildanalyse des Frauenrauchens anhand ausgewählter Beispiele aus der deutschsprachigen Plakatwerbung (1890-1964)


Bachelorarbeit, 2015

72 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konsum und Werbung im 20. Jahrhundert

3. Der Tabak - Ein historischer Überblick
3.1. Der Ursprung der Tabakkultur
3.2. Die Konsumformen des Tabaks

4. Die Geschichte der rauchenden Frau
4.1. Raucherinnen in der Frühen Neuzeit
4.2. Die lüsternen Nasen des Rokoko
4.3. Soziale Ungleichheit im Bürgertum
4.4. Die Zigarette und die „Neue Frau“ in der Moderne
4.5. „Deutsche Frauen rauchen nicht “ die Zeit des Nationalsozialismus
4.6. Die rauchende Hausfrau als neues Klientel in der Nachkriegszeit

5. Vom Text zur Visual History
5.1. Das Bild in der Geschichtswissenschaft
5.1.1. Realienkundliche Analyse
5.1.2. Ikonologie und Ikonographie
5.1.3. Neuere kulturgeschichtliche Ansätze
5.2. Die angewandte Methode der historischen Bildanalyse
5.3. Fragenkatalog zur historischen Bildanalyse

6. Die rauchende Frau in der Printwerbung von 1890-1964: Eine Analyse
6.1. Die Zigarette und Exotik
6.2. Die Zigarette und Attraktivität
6.3. Die Zigarette und die Emanzipation
6.4. Die Zigarette zur Stressbewältigung
6.5. Die Zigarette und der gesundheitliche Aspekt

7. Fazit: Wie die Werbung das Frauenrauchen veränderte

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„ Nur das Rauchen unterscheidet den Menschen von den anderen Lebewesen. “ 1

In unserer Gesellschaft gibt es ein zentrales Thema: den Konsum.

Unter Konsum versteht man die Auswahl, den Kauf, sowie den Ge- und Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen. Das Konsumieren selbst wird als eine Tätigkeit des Auswählens, Kaufens, Gebrauchens und Verbrauchens beschrieben.2 Der Begriff scheint zudem mit jenem der Konsumgesellschaft Hand in Hand zu gehen und findet besonderen Ausdruck in der Werbung. Die Gesellschaft verändert sich im Laufe der Zeit und ebenso verändert sich der Verbrauch, sowie die Werbung für jene materiellen und immateriellen Güter. Konsum ist für uns Alltag, den wir nur selten hinterfragen. Aber wer entscheidet eigentlich, was wir konsumieren und was Teil unserer Konsumkultur wird?

Während meines Studiums der Kulturwissenschaften an der FernUniversität in Hagen, habe ich eine besondere Begeisterung für Wirtschafts- und Sozialge- schichte entwickelt. Zeitlebens geprägt durch eine Familie mit künstlerischem Interesse, kam zudem noch eine große Faszination für historische Bildquellen hinzu. Als ehemalige Gelegenheitsraucherin und nun Nichtraucherin kam ich so zu meinem Analysegegenstand der vorliegenden Arbeit - dem Tabak, der rauchenden Frau, sowie einer historischen Bildanalyse des Frauenrauchens anhand ausgewählter Beispiele aus der deutschsprachigen Plakatwerbung, aus den Jahren 1890 bis 1964.

Wie allen Genussmitteln, beispielsweise Alkohol, Tee oder Kaffee, kommt auch dem Tabak eine ganz besondere Bedeutung in unser aller Leben zu. Doch kaum ein anderes Konsumgut hat in den letzten Jahrzehnten derart kontroverse Dis- kussionen innerhalb der Gesellschaft ausgelöst wie der Tabak. Rauchen ist das größte vermeidbare gesundheitsgefährdende Verhalten in der westlichen Welt. Zigarettenkonsum führt sowohl zu einem hohen Risiko der Morbidität als auch der Mortalität und fordert jährlich mehr Todesfälle als Alkohol- und Drogen- missbrauch zusammen. 8,5 % der weltweiten Todesfälle lassen sich auf das Rauchen zurückführen. In Deutschland beträgt dieser Prozentsatz gar 17%, da Menschen hier nicht an schlechter Gesundheitsversorgung, Seuchen oder Unter- ernährung sterben.3

Im theoretischen Teil erfolgt zunächst eine kurze Einführung in die Welt des Kon- sums und der Werbung. Hernach erhält der Leser einen historischen Überblick über die Geschichte des Tabaks. Den Ursprung hat der Anbau und Konsum der Tabakpflanze in Nord- und Südamerika. Nach der Entdeckung der „Neuen Welt“ durch Christoph Columbus kam mit ihm und seinen Seeleuten das Heil- und Genussmittel erstmals nach Europa.4 Es folgt eine Darstellung der verschiedenen Tabakkonsumformen, die zuvorderst männlich konnotiert sind, da einerseits das männliche Geschlecht den Konsum des Tabaks in Europa vorantrieb, andererseits die Geschichte des Frauenrauchens im Hauptteil ausführlich behandelt wird.

Das darauffolgende Kapitel klärt über die Geschichte des Frauenrauchens in Europa seit Anfang des 16. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre auf. Rauchende Frauen haben eine ganz besondere gesellschaftliche Zeichenkraft in der vermeintlichen Männerdomäne. Die Konsumformen des Tabaks veränderten sich im Laufe der Zeit. Ob Frauen Tabak konsumierten, beziehungsweise wann und wie sie das Genussmittel zu sich nahmen, lässt Rückschlüsse über die Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft zu. Der Tabakkonsum reflektiert somit Rollenklischees und geschlechtsspezifische Zuordnungen der jeweiligen Zeit.

Der empirische Part dieser Arbeit widmet sich der historischen Bildanalyse des Frauenrauchens anhand ausgewählter Beispiele aus der Printwerbung. Es wird hier erörtert, wie sich die mediale Repräsentation und Symbolik des Frauenrau- chens im Laufe des späten 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verändert hat.

Lange Zeit wurden Bilder in der Geschichtswissenschaft als Quellen marginalisiert. Dies änderte sich erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts, als der Historiker Gerhard Jagschitz den Begriff der „Visual History“ im deutschsprachigen Raum einführte.5 Es folgt ein Überblick über die Entwicklung von der Textdominanz hin zur „Visual History“, sowie über die unterschiedlichen Analysemodelle. Zudem wird die in dieser Arbeit konkret angewandte Methode der historischen Bildanalyse vorgestellt.

Die bereits eingangs gestellte Frage, ob sich ein Konsumgut im Laufe der Zeit verändert und wenn ja, wie und warum, soll im anschließenden Kapitel beantwor- tet werden. Es wird hier jener Aspekt in den Mittelpunkt gerückt, der für die Veränderung verantwortlich gemacht wird: die Werbung. Mit Hilfe einer Auswahl an Werbeplakaten des späten 19. Jahrhunderts und des 20. Jahrhunderts werden Bildkorpora gebildet, die die Zigarette in Verbindung mit dem weiblichen Ge- schlecht zeigt. Werbung ist für die historische Forschung insofern interessant, da sie uns Auskunft über das Konsumverhalten, sowie der Alltags- und Mentalitäts- geschichte vergangener Tage, gibt. Die Werbung bedient sich einer eigenen Rhetorik, hat bestimmte Funktionen und einen speziellen Adressatenkreis. Ge- schichte wird durch Werbung anders vermittelt, als durch sonstige visuelle Quellen. Bei Werbesujets ist eine exakte Analyse und Kontextualisierung notwendig, da es sich nicht um „ stumme Zeugen “ handelt6, wie zum Beispiel bei Gemälden oder Fotografien. Erst durch eine genaue Analyse werden die oft unfreiwilligen historischen Zeitbezüge, die durch die Werbebilder transportiert werden, ersichtlich.

Der Aufbau dieses zentralen Kapitels lässt sich in fünf Abschnitte gliedern:

Die Zigarette und Exotik, die Zigarette und Attraktivität, die Zigarette und die Emanzipation, die Zigarette zur Stressbewältigung, die Zigarette und der gesundheitliche Aspekt -im Hinblick auf die rauchende Frau in der Plakatwerbung im deutschsprachigen Raum. Die Entwicklung des jeweiligen Aspektes wird anhand des zusammengestellten Bildkorpus veranschaulicht.

Die Arbeit stellt somit einen Versuch dar, die unausgesprochenen Botschaften der Werbung ersichtlich zu machen und folgende Fragen zu beantworten: Mit welcher Strategie wurde die Zigarette für die Frau beworben? Wie wurden rauchende Frauen im Laufe des 20. Jahrhundert von ihrer Umwelt wahrgenommen?

Welche Symbolkraft hatten rauchende Frauen in der Printwerbung?

Wie veränderte sich der Zigarettenkonsum der Frauen im Laufe des

20. Jahrhunderts durch die Werbung?

Am Ende steht ein Fazit, welches die Ergebnisse der Geschichte der rauchenden Frau, sowie die mit Hilfe der historischen Bildanalyse neuen Blickwinkel auf den Konsum der Zigarette und des Frauenrauchens in den dargestellten Printmedien zusammenträgt.

2. Konsum und Werbung im 20. Jahrhundert

Christian Kleinschmidt definiert Konsum als „ den Verzehr und Verbrauch materieller und immaterieller G ü ter und Dienstleistungen durch den Endverbrau cher “ . 7 Ferner geht der Verbrauch von Konsumgütern und Dienstleistungen in einer Konsumgesellschaft über die reine Bedürfnisbefriedigung hinaus.8

Die vorliegende Arbeit basiert auf der Hypothese, dass Konsum ein kulturelles Gut ist, das sich im Laufe der Zeit verändert. Zudem können Konsumgüter, wie Waren und Dienstleistungen, als „ sichtbarer Teil von Kultur “ angesehen werden.9

Seit der Antike existiert der lateinische Begriff „consumere“. Dieser bezeichnet neben dem Verbrauch und der Verwendung von Gütern, auch deren Beseitigung, sowie unterschiedliche Formen des Verkaufs. Während der Epoche des Mittel- alters gab es mit Bestimmtheit keinen Begriff für den Verbrauch von materiellen und immateriellen Gütern. Erst in der Frühen Neuzeit wird der Begriff „consumieren“ durch den Merkantilismus wiederbelebt. Gemäß der Verwendung für den Verbrauch und den Verzehr von Gütern, bezeichnete er aber gleichzeitig auch die Verteilung, den Handel, die Besteuerung, sowie die Summe der marktwirtschaftlichen Relation zwischen den Ständen.10

Der Habitus des Konsums hat sich in der Gesellschaft seit der Europäischen Doppelrevolution im 18. Jahrhundert nachdrücklich verändert. Der Begriff der Europäischen Doppelrevolution geht auf den englischen Historiker Eric Hobsbawn zurück und verbindet zwei Entwicklungsstränge, die Europa den Weg in die Moderne ebneten. Zum einen die Industrielle Revolution, die sich im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts von England aus in ganz Europa durchsetzte und eine neue Form des wirtschaftlichen Wachstums ermöglichte. Zum anderen die Französische Revolution, die 1789 einen politisch-sozialen Umsturz zur Folge hatte, der mit der jahrhundertealten ständisch-feudalen Ordnung brach und dem Bürgertum mit dem Wahlspruch „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zum Durchbruch verhalf. Es setzte sich somit ein grundlegend neues Denken über Staat, Gesellschaft und Herrschaft durch.11 Diente der Konsum für die meisten Menschen bis zu diesem Zeitpunkt dazu, die Existenz zu sichern, änderte sich dies durch die Erfindung moderner Maschinen, der Fließbandarbeit, dem Übergang von der Selbst- zur Fremdversorgung, dem allmählich steigendem Wohlstand und dem Vorhandensein von frei verfügbarer Zeit.12 Die agrarisch-ständische Gesellschaft wurde durch eine moderne, industrielle Klassengesellschaft abgelöst. Wurde man in der vormodernen Zeit noch in einen Stand hineingeboren und entschied dieser an der Partizipation des Verbrauchs von Gütern und Dienst- leistungen, änderte sich dies mit der Europäischen Doppelrevolution, in der primär der Besitz an Materiellem die prägendste Deklaration war, an welchem Platz man im sozialen Gefüge stand.13 Die asketisch-religiöse Tugend der Vormoderne, also der Verzicht auf ein angenehmes und konsumorientiertes Leben verlor immer mehr an Geltung.14 Der Besitz von entbehrlichen Waren wurde legitim. Die steigende Nachfrage nach Konsumgütern wurde anfangs durch intensiveren Handel und später durch die Massenproduktion gestillt. Durch diese kam es hernach zu einer Vergünstigung der Waren und zudem konnte ein größeres Sortiment an unterschiedlichen Gütern angeboten werden. So konnten Konsumgüter, die vormals häufig Luxusartikel waren, einem großen Teil der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.15

Der Weg zur modernen Konsumgesellschaft war kein linearer Vorgang der sich immer weiter diversifizierte. Durch soziale, kulturelle, politische und ökono- mische Prozesse, sowie Regulierungen in der Frühen Neuzeit, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus, der BRD und der DDR, kann man höchstens von unterschiedlichen Konsumkulturen sprechen.16 In Zeiten des National- sozialismus wurde beispielsweise der Konsum der Rüstungsindustrie unter- geordnet. Kleinschmidt bezeichnet dies als „ Pseudo-Konsumgesellschaft “, in der Anspruch und Realität deutlich auseinanderdrifteten.17 Erst in Zeiten der BRD und dem Aufstieg zum Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren, kann man von einer modernen Massenkonsumgesellschaft sprechen. Prägnant für den deutsch- sprachigen Raum ist hierbei der schichtenspezifisch differenzierte und zeit- versetzte Zugang zu Massenkonsumartikeln. Ein weiteres Charakteristikum dieser Zeit ist die Amerikanisierung und Leitbildfunktion der USA im deutschsprachigen Raum, mit Ausnahme der DDR.18

Ebenfalls verstärkt mit dem Aufkommen des Massenkonsums, setzten intensivere Werbemaßnahmen ein. Vor allem durch die aus den USA eingeführte Standardisierung von Massenkonsumartikeln und der Vereinheitlichung von Warenhäusern, sollte die Werbung den Unternehmen dabei helfen, sich mit ihren Waren von der Masse abzuheben, dem Konsumenten eine Orientierungshilfe zu bieten und ihren USP zu festigen.19 Den Auftakt von Werbemaßnahmen, die dezi- diert mit visuellen Mitteln arbeiteten, kann bereits für das späte 18. Jahrhundert nachgewiesen werden. Die zweite Phase der Werbung mit Bildquellen vollzog sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen des Werbeplakats.20

Nach der Jahrhundertwende veränderten sich die Möglichkeiten der Werbung durch neue technische Errungenschaften wie Fernsehen, Radio und Kino. Insge- samt wurde immer auffälliger und aggressiver um potentielle Kunden geworben. Wurden Konsumartikel und Dienstleistungen zu Beginn der Werbeära schlicht und leicht verständlich durch die Abbildung des Produktes beworben, gestaltete sich dies ab dem 20. Jahrhundert radikal um. Mit psychologischen Tricks und unterschwelligen Techniken, sollten die potentiellen Kunden zum Kauf animiert werden. Nun war es möglich geworden, Produkte mit bestimmten Assoziationen, Bedeutungen und Werten zu verknüpfen.21 Diese rasche Entwicklung der Werbeindustrie setzte in den 1920er Jahren ein und ist gekennzeichnet und verbunden mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen jener Zeit. An- fang der 1920er entdeckten die Unternehmen das einfache Volk als Zielgruppe und richteten sich mit der Bewerbung ihrer Luxusartikel nicht mehr nur an die Elite. Anfangs fehlte der Unter- und Mittelschicht zwar noch die Kaufkraft, aber ihre Einbeziehung war zukunftsträchtig. Die Luxuswaren wurden von der Gesell- schaft wahrgenommen und weckten so den Wunsch diese zu konsumieren. Laut Rainer Gries und Andrea Morawetz wurde durch die Freigabe der wirtschaftlichen Produktkommunikation in die unteren Gesellschaftsschichten, der Anfang eines „Demokratisierungsprozesses“ für den Verbraucher gelegt, der aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg umgesetzt werden konnte.22

Obwohl der Erste und Zweite Weltkrieg die Entwicklung der Werbeindustrie stark hemmten, konnten sich die Werbestrategien in der Zwischenkriegszeit und in den Nachkriegsjahren rasch entwickeln und sich neue Modelle durchsetzen. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte sich der westeuropäische Raum, in Abgrenzung zum osteuropäischen Kommunismus, an den USA. Das Kaufverhal- ten der Kunden versuchte man nun mit Hilfe von innovativen Preisgestaltungs- und Preismanipulationsmodellen, wie Gutscheinen, Rabattmarken, Sonderangebo- ten und Postwurfsendungen, zu steuern. In weiterer Folge der Amerikanisierung entstanden Selbstbedienungsmärkte, Filialketten und Fast-Food-Läden. Ebenso wurde mit Nachdruck eine offensivere Produktwerbung und Public-Relation- Maschinerie betrieben, um ein ganzheitlich positives Bild des Unternehmens und der Marke zu vermitteln, was sich zum Beispiel auf die Gestaltung der Marke, der Atmosphäre in den Verkaufsräumen, oder der Verpackungsaufmachung nieder- schlug.23

Infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1950er Jahren, nahm laut Kulturwissenschaftler Hannes Siegrist anfangs die ökonomische Eigenverant- wortlichkeit des Konsumenten stärker zu, als seine kulturelle Autonomie, sprich die Kompetenz über das Erscheinungsbild und die Bedeutung von Konsumgütern zu bestimmen. Die Werbung positionierte sich in dieser Zeit als entscheidende Methode innerhalb des Konsumsystems und dadurch bedingt setzte man den Verbraucher immensen inneren und äußeren Diktaten und Zwängen aus24, was wiederum zur Folge hatte, dass vor allem in den 1970er Jahren die kritische Literatur am übermäßigen Konsum stark zunahm. Die durch die Werbeindustrie errichtete Konsumgesellschaft wurde als „ Symptom des Kulturzerfalls “, der Sicherung der Herrschaft, sowie der Zerstörung der Umwelt kritisiert.25

Doch wo liegen die Grenzen des Konsums? Wann ist das Limit des Verbrauchs erreicht? Diese Frage stellte sich unter anderem der Ökonom Fred Hirsch, der spekulierte, dass materielle Güter bald durch Gegensätzliches, wie Prestige, Ämter und akademische Titel substituiert werden.26

3. Der Tabak - Ein historischer Überblick

Gegenwärtig ist der Tabak die am weitesten verbreitete nicht essbare Feldfrucht27 auf unserem Planeten.28 Die Pflanze „Nicotiana“ wird in die drei Gattungen „Nicotiana“, „Rustica“ und „Petunioides“ gegliedert, wobei diese insgesamt circa 60 Unterarten umfassen. Das ursprüngliche Ausbreitungsareal der Tabakpflanze erstreckte sich auf Nord- und Südamerika, sowie einige Pazifikinseln. Bemerkens- wert ist die Anpassungsfähigkeit der Pflanze an ihre klimatischen Gegebenheiten. Heute gedeiht sie zwischen dem 40° südlicher Breite und dem 60° nördlicher Breite oder anschaulicher ausgedrückt - von Neuseeland bis Finnland.29 Der Ta- bak selbst enthält die Substanz Nikotin, ein kurzfristig wirkendes, aber starkes Nervengift, das mit einer großen Suchtgefahr einhergeht. Das toxische Gift führt beim Konsum zu Beruhigung und Entspannung, einer Unterdrückung des Hungergefühls, sowie zur Förderung der Verdauung. Der erstmalige oder zu übermäßige Gebrauch kann hingegen zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrasen und Schweißausbrüchen führen.30

3.1. Der Ursprung der Tabakkultur

Beheimatet ist die Tabakpflanze, wie auch die Tabakkultur ursprünglich in Nord- und Südamerika, sowie den westindischen Inseln31. Eine der ältesten archäologi- schen Quellen zur Rauchpraxis geht auf eine Entdeckung aus dem Jahre 200 n. Chr. zurück und wurde im heutigen US-Bundesstaat Arizona aufgefunden.32

Die Tradition des Tabakkonsums führten die Naturvölker auf die Götter zurück. So erzählt beispielsweise der Schöpfungsmythos „ Popol Vuh “ der Quiché-Maya vom Rauchen in der Götterwelt. Die Ureinwohner gingen davon aus, dass sich bei jedem Blitz die überirdischen Mächte gegenseitig Feuer gaben. Die Wolken erklärten sie sich als Tabakqualm, Sternschnuppen assoziierten sie damit, dass die Götter die Reste ihres in Maisblättern gedrehten Tabaks wegwarfen.33

Für die Ureinwohner Altamerikas war die Tabakpflanze gewissermaßen ein Ge- schenk der Götter. Der Tabakrauch stellte für sie eine Verbindung zwischen der irdischen und der göttlichen Welt dar und wurde dahingehend auch bei religiösen Zeremonien, der Heilung von Kranken, bei Hochzeiten und Begräbnissen, sowie bei zeremoniellen Feierlichkeiten und besonderen Anlässen aller Art, wie der Aussaat oder der Ernte, angewendet. Dem Konsum wohnte einerseits etwas Sakrales inne, andererseits war Tabak aber auch ein ganz alltäglicher Konsumartikel.34 Bemerkenswert ist ebenfalls, dass die indigene Bevölkerung Altamerikas die Tabakpflanze kultivierten, obwohl sie sonst keinerlei landwirtschaftlichem Anbau nachgingen, sondern als Jäger und Sammler lebten.35

3.2. Die Konsumformen des Tabaks

Aufgrund archäologischer Funde, Bildquellen, sowie frühneuzeitlicher Reisebe- richte von Entdeckern und Forschern, lässt sich daraus schließen, dass Tabak variabel eingesetzt wurde.36 So erfüllte er gleichzeitig als Rausch-, Heil- und Genussmittel seine Bestimmung, was wiederum die vielfältigen Konsumationsfor- men der Pflanze erklärt. Tabak wurde nicht nur geraucht, sondern auch ge- schnupft, gekaut oder als Essenz getrunken. Mehrheitlich schien dabei in Mittel- und Südamerika, sowie auf den Westindischen Inseln das Tabakrauchen, in Form einer frühneuzeitlichen Zigarre, aufzutreten. Der Tabak wurde hierfür in ein Mais- blatt gerollt und geraucht. In Nordamerika bevorzugten die dort ansässigen Indianerstämme den Konsum des Tabaks aus Ton-, Knochen-, Stein- oder Holzpfeifen.37

Tabak als Pulver zu schnupfen war ebenso eine gängige Praxis. Dem zerstoßenen Kraut wurde Kalk aus gebrannten Muschelschalen untermengt, da dieser eine bes- sere Absorption durch die Nase ermöglichte. Vor allem der als Medium fungie- rende Schamane, der als Bindeglied zwischen der weltlichen und der übernatürli- chen Sphäre auftrat, brachte sich mit Hilfe hoher Mengen an Schnupftabak in einen Trancezustand mit anschließender Ekstase. So konnten durch die Visionen des Schamanen, Götter gnädig gestimmt werden oder Auskunft über zukünftige Ereignisse, wie Ernte-, Jagd- oder Kriegsausgang eingeholt werden.38

Dem Tabak wurde eine magisch-sakrale Wirkung nachgesagt, der ebenfalls als Heilmittel bei Krankheiten fungierte. Der Schamane trat zeitgleich auch als Medizinmann auf. Er konnte eine Diagnose oder Heilung durch den Austausch mit übernatürlichen Mächten herbeiführen. Um die Götter zu besänftigen wurde der Kranke mit Tabakrauch angeblasen. Weiters setzten die Indianer den Tabak als Medizin für die unterschiedlichsten Krankheiten ein. Die Wirkung der Tabakpflanze besitzt in konzentrierter Dosis eine betäubende, antiseptische und beruhigende Funktion. So wurde der Tabak als äußeres Analgetikum in Form von feuchten Tabakblättern, -pasten, -säften, - dekokten oder -pflastern für offene Verletzungen, Insektenstiche oder Tierbisse verwendet. Zudem wurde Tabak als Arznei bei Zahn-, Ohren- und Kopfschmerzen, Geschwüren, Asthma, Fieber sowie bei parasitären Infektionskrankheiten angewendet. Ebenso erfreute sich die Tabakpflanze als Durst- und Appetitzügler39 und wurde als Brech- und Abführmittel40 genützt. Die mannigfaltigen Anwendungsgebiete des Pharmazeutikums Tabak werden heute noch in vielzähligen Indianerstämmen von Generation zu Generation weitergegeben.41

Als soziales Symbol besaß das Kalumet, die Friedenspfeife der amerikanischen Ureinwohner, eine integrative und vertragsbindende Funktion. Vor allem in nordamerikanischen Stämmen war es üblich bei Friedensbeschlüssen das Kalumet in der Runde, von einem zum anderen Häuptling zu reichen, um so gemeinsam Dekrete zu besiegeln. In diesem Zusammenhang wurde der Tabak wiederum als sakrale Pflanze in Kombination mit einer zeremoniellen Feierlichkeit eingesetzt.42

Tabak wurde aber nicht nur als Rausch-, Heil- und sakrales Mittel verwendet, sondern ihm kam auch eine ganz alltägliche Funktion in der Gesellschaft der amerikanischen Ureinwohner zu. Nach den Mahlzeiten, bei der Arbeit, bei Unterredungen und Festen wurde Tabak als Genussmittel geraucht.43 Zudem konsumierten laut den frühen Entdeckern, Forschungsreisenden und Missionaren Männer wie Frauen gleichermaßen das heilige Kraut. Stellvertretend für die vielen Reiseberichte dieser Zeit, dienen an dieser Stelle die Ausführungen des Bischofs von Chiapa, Bartholomäo de Las Casas, aus dem Jahre 1492. Die Kundschafter von Columbus waren demnach auf eine indigenen Stamm gestoßen, bei denen Männer wie Frauen „ ein kleines Feuerchen mit sich f ü hrten, das in den Bl ä ttern eines Krautes gl ü hte und dessen Rauch sie einatmeten “.44 Bereits bei diesen ersten Kontakten mit dem Tabak, beschrieben die Entdecker die beruhigende Wirkung, sowie die rauschartigen Befindlichkeiten der Indianer.45

4. Die Geschichte der rauchenden Frau

Die rauchende Frau besitzt eine außerordentliche gesellschaftliche Symbolik und Signalwirkung in der scheinbaren Männerdomäne. Ob Frauen Tabak konsumierten, beziehungsweise wann und wie sie das Rausch-, Heil- und Genussmittel zu sich nahmen, lässt Rückschlüsse über die Position der Frau innerhalb der Gesellschaft zu. Der Tabakkonsum reflektiert somit Rollenklischees und geschlechtsspezifische Zuordnungen der jeweiligen Zeit.

Der Tabakkonsum selbst kann aber auch als Spiegel der sich entwickelnden Gesellschaft verstanden werden. Von der agrarisch-ständischen hin zur industri- ell-kapitalistischen Gesellschaft. Mit der zunehmenden Schnelllebigkeit ging man von der gemütlichen Pfeife oder Zigarre zur hektischen Zigarette über. Der Siegeszug der Zigarette steht zudem für die Konsumgesellschaft mit ihrer massenhaften Aneignung und dem zahllosen Verbrauch von Gütern.

Dieses Kapitel ergründet somit die Historie des Frauenrauchens in Europa, insbesondere des deutschsprachigen Raumes.

4.1. Raucherinnen in der Frühen Neuzeit

Die Tabakpflanze sowie die Konsumform des Rauchens waren den Alteuropäern fremd, obschon es die Praxis des Rauchopfers, sowie Funde von Rauchrohren und -pfeifen in der Bronzezeit im Alpenraum gab. Römer und Kelten füllten ihre Pfei- fen damals mit Lattich, Hanf, Schlafmohn und Bilsenkraut, verschluckten den Rauch aber zusammen mit Wein. Trotz der sakralen Geltung und des gemeinschaftlichen Inhalierens, kann man das vorneuzeitliche Rauchen in Europa nicht mit jenem in Altamerika gleichsetzen. Ferner war das alltägliche Inhalieren mit Hilfe von Rauchpfeifen hierzulande keine gängige Praxis, sondern wurde nur selten für medizinische Zwecke gebraucht. Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwand zudem auch die Rauchpfeife in Europa.46

Erst mit der Entdeckungsgeschichte der „Neuen Welt“ kam die Tabakpflanze und mit ihr auch die verschiedenen Konsumformen nach Europa und verbreiteten sich, vor allem durch die Mobilität des Dreißigjährigen Kriegs und der guten Kultivierbarkeit der Pflanze, über den Rest der Welt.47 Laut dem Historiker Roman Sandgruber ist der Genuss von Tabak in Westeuropa ab 1580 und für den deutschsprachigen Raum ab dem frühen 17. Jahrhundert als alltäglich nachgewie- sen.48

Das neuartige Genussmittel Tabak, sowie dessen bislang meist unbekannte Konsumformen, führten in Europa nicht nur beim Anblick tabakkonsumierender Menschen zu Irritationen, sondern zeigte sich auch im damaligen Wortschatz. Es existierte noch kein einheitlicher Begriff für das Rauchen, da sich dieser erst im Laufe des 17. Jahrhunderts im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzte.49 Unter Anspielung auf den weitverbreiteten Alkoholverbrauch, bezeichneten zeitgenössische Quellen das Rauchen häufig als „ Rauchtrinken “ , „ Tabaktrinken “ , „ Truckene Trunckenheit “ oder „ Sauferei des Nebels “.50

Wirkte des Rauchen in der Anfangsphase noch auf die Menschen in Europa äu- ßerst befremdlich und hatte der Tabakqualm und der Zug an der „ gl ü henden Kohle “ für Christen etwas diabolisches an sich, wandelte sich dies, als die ersten Botaniker glaubten, in der Tabakpflanze ein heilendes Panazee gefunden zu ha- ben.51

Als Medizinalgewächs verehrt, wuchs die Tabakpflanze im Wesentlichen als Zier- pflanze in königlichen Gärten. Jean Nicot de Villemain52 gehörte zu jenen For- schern, die mit der Tabakpflanze experimentierten. So empfahl er niemand geringerem als König Karl IX., der unter unerträglichen Kopfschmerzen litt, den Tabak als Schnupfpulver einzunehmen, da das Niesen befreiend auf des Königs Kopf wirken sollte. Eine rasche Linderung ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem die Mutter des Königs, Katharina de‘ Medici, war fasziniert von der heilenden Wirkung und trug in der Zeit ihrer Regentschaft zur Entdämonisierung und kollektiven Akzeptanz des Tabakkonsums bei.53

Mit den aufkommenden Tabagien54, Kaffeehäusern, sowie Wein- und Bierschen- ken, verdeutlichte sich eines: Jeder konnte Tabak konsumieren. Das Rauchen be- schränkte sich in dieser Epoche nicht auf einen bestimmten Stand, eine Alters- gruppe, ein Geschlecht oder auf gewisse Areale.55 Die Standeszugehörigkeit ließ sich höchstens an den Orten, an denen geraucht wurde und an der Aufmachung der Rauchutensilien, erahnen. So traf sich in den Tabagien vor allem das einfache Volk zum Rauchen, wohingegen Bürger Kaffeehäuser bevorzugten und der Adel sich in privaten Salons zurückzog. Die Unterschicht begnügte sich mit ordinären Pfeifen aus Ton oder Holz, während sich die wohlhabenden Bürger und die Adelsschicht erlesene Tabakmischungen und kunstvoll geschmückte Pfeifen aus exklusiven Materialien leisteten.56 Selbst Mittellose konsumierten Tabak, streck- ten diesen aber mit Surrogaten, wie der deutsche Barockdichter Sigmund von Bir- ken in seinem Werk „Die Truckene Trunkenheit“ bereits im Jahre 1658 beschrieb:

Oder, so es ihnen etwan auch gar an Tabak mangelt, weiln je die Pipe voll seyn muß, pflegen sie mit Hopfen oder Nußbaumlaub die Lücken auszufüllen.57

Geschlechtsspezifische Attributionen sowie Separationen bezogen auf den Tabakkonsum von Mann und Frauen stellen sich also in der Frühen Neuzeit als unerheblich dar.

4.2. Die lüsternen Nasen des Rokoko

Das Rauchen ist unumstößlich die beliebteste und häufigste Form des Tabakkon- sums seit seiner Einführung in Europa, obschon es eine Epoche in der Geschichte gab, in der das Rauchen seine Bedeutung drastisch einbüßte. Im 18. Jahrhundert, in der Zeit des Rokoko, wurde das Tabakschnupfen zu einem bedeutenden kulturellen Phänomen.58 So heißt es in dem Werk „Le bon usage du Tabac en Poudre“ aus dem Jahr 1700:

Man schnupft heutzutage am Hofe wie in der Stadt; Fürsten, hohe Herren, und das Volk schnupfen gleichermaßen.59

Das Tabakschnupfen trat anfangs in Spanien auf und erlangte seine kulturelle Blütezeit am Französischen Hof. Frankreich war zu jener Zeit tonangebend in Bezug auf Sprache und Kultur und führte so die neue Mode des Schnupfens in allen europäischen Adelshäusern ein,60 von wo es, wie in Norbert Elias beschriebener „ Dynamik des Zivilisationsprozesses “,61 zuerst das Bürgertum und hernach alle anderen Gesellschaftsschichten durchdrang. Ungeachtet des Geschlechts wurde das Schnupfen in der Epoche des Rokoko zu einem bedeutenden Ritual im zwischenmenschlichen Umgang. Das Schnupfen wurde regelrecht zelebriert und ging mit der Verwendung eines ausgesprochen kostbaren Accessoires Hand in Hand - der Tabatière. Diese Tabakbehältnisse bestanden aus wertvollen Materialien mit kunstvollen Verzierungen. Die Tabatière wurde zudem auf das jeweils getragene Rokokokostüm abgestimmt.62

Anstandsbücher regelten in abundanten Schritten, wie man formvollendet und kultiviert zu Schnupfen hatte, beziehungsweise wie man die Tabatière standesge- mäß seinem Gegenüber anbot.63 Vor allem die Frauen am Hofe wussten die Tabatière galant und kokett einzusetzen.64 Schnupftabak zu konsumieren gehörte bei beiden Geschlechtern, vor allem in der Oberschicht, zum guten Ton. So ließen sich zahlreiche adelige Damen beim Schnupftabakkonsum, mit ihren wertvollen Tabakdosen porträtieren,65 um ihre besondere Grazie zu präsentieren.

Tabakschnupfen wurde auch von der katholischen Kirche akzeptiert, sowohl bei männlichen, als auch bei weiblichen Geistlichen. Weibliche Ordensgemeinschaf- ten, wie die Elisabethinerinnen in Österreich, genossen um 1800 staatlich geförderte Schnupfdeputate.66

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Schnupfen in den modebewussten Schichten der Gesellschaft immer häufiger diskreditiert. Bürgerliche Anstandsbü- cher verkündeten, dass das Tabakschnupfen aus hygienischen Gründen verwerf- lich war und folglich kam es zu einem enormen Prestigeverlust.67 Um 1900 war das Schnupfen fast gänzlich verschwunden, einzig auf dem Land gab es noch „alte Mütterchen“, die ihren Gepflogenheiten aus früheren Tagen nachgingen.68

Ferner war neben dem Schnupfen und dem Rauchen von Tabak in Zeiten des An- cien Régime auch das Kauen von Tabak von Bedeutung.69 Besonders im Alpen- raum war das Kauen weit verbreitet, da es dem bereits bekannten Arsen- und Pechkauen ähnlich war. Zudem handelte es sich um die die günstigste Art des Tabakkonsums. Der Genuss von Kautabak war auch bei Mädchen und Frauen nicht unüblich, wie Quellen aus Salzburg und Kärnten belegen.70 Es galt sogar als Zeichen der Zuneigung, den „Tabakknollen“ zwischen Jungen und Mädchen zu tauschen: „ Magst du n ö t mei Mummla, hast du mich n ö t gern. “ 71 Mit der zunehmenden Gesundheitspflege und Hygiene kam es aber zur Verhöhnung des Kauens und Spuckens und die Sitte des Tabakkauens verschwand fast gänzlich.72

Zusammenfassend erschließt sich, dass die Rollenerwartung im 17. und 18. Jahrhundert viel stärker standesspezifisch als geschlechtsspezifisch differenzierte. So war bei adeligen Damen Tabakschnupfen standesgemäß, wohingegen Pfeife rauchende Frauen Gegenstand von Karikaturen wurden. Dies war umgekehrt genauso möglich - schnupften Bürgersfrauen oder Dienstmägde wurde dies ebenso kritisch betrachtet.73

[...]


1 Es handelt sich hierbei um ein anonymes Zitat aus: KLEIN, Richard: Schöner blauer Dunst. Ein Lob der Zigarette. Wien 1995, S. 51.

2 Vgl. EDER, Franz X.: Geschichte des Konsumierens - Ansätze und Perspektiven der (historischen) Konsumforschung. In: Susanne Breuss, Franz X. Eder (Hg.), Konsumieren in Österreich. 19. und 20. Jahrhundert. Innsbruck/Wien 2006, S. 11.

3 Vgl. DINGES, Martin: Rauchen: gesundheitsgefährdend - und typisch „männlich“? Zum historischen Wandel geschlechtsspezifischer Zuschreibungen. In: Martin Lücke (Hg.), Helden in der Krise: didaktische Blicke auf die Geschichte der Männlichkeit. Berlin 2013, S. 137.

4 Vgl. AUFENVENNE, Melanie: Feuer gefällig? Eine Kulturgeschichte des Rauchens. Berlin 2013, S. 13-22.

5 Vgl. PAUL, Gerhard: Von der Historischen Bildkunde zur Visual History. Eine Einführung. In: Gerhard Paul (Hg.): Visual History. Ein Studienbuch. Göttingen 2006, S. 26.

6 Vgl. BURKE, Peter: Augenzeugenschaft. Bilder als historische Quellen. Berlin 2003, S. 15.

7 KLEINSCHMIDT, Christian: Konsumgesellschaft. Göttingen 2008, S. 13.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. DOUGLAS, Mary L.; ISHERWOOD, Baron: The World of Goods. Towards an anthropology of consumption. London 1996, S. 44.

10 Vgl. KLEINSCHMIDT: Konsumgesellschaft. (wie Anm. 7), S. 9f.

11 Vgl. BRANDT, Peter; KRUSE, Wolfgang; SCHLEGELMILCH, Arthur: Einführung in die neuere Geschichte. Studienbrief der FernUniversität Hagen Nr. 3503, Kurseinheit 3, Hagen 2008, S. 4f.

12 Vgl. SCHNEIDER, Norbert F.: Konsum und Gesellschaft. In: Doris Rosenkranz; Norbert F. Schneider, Konsum. Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven. Opladen 2000, S. 9 und Vgl. KLEINSCHMIDT: Konsumgesellschaft. (wie Anm. 7), S. 11.

13 Vgl. HRADIL, Stefan: Soziale Ungleichheit in Deutschland. Opladen 1999, S. 32ff.

14 Vgl. SCHNEIDER: Konsum und Gesellschaft. (wie Anm. 12), S. 10.

15 Vgl. SCHNEIDER: Konsum und Gesellschaft. (wie Anm. 12), S. 10.

16 Vgl. KLEINSCHMIDT: Konsumgesellschaft. (wie Anm. 7), S. 12.

17 Vgl. Ebd., S. 14.

18 Vgl. Ebd., S. 14f.

19 Vgl. Ebd., S. 36.

20 Vgl. BURKE: Augenzeugenschaft. (wie Anm. 6), S. 105-108.

21 Vgl. BURKE: Augenzeugenschaft. (wie Anm. 6), S. 39-52.

22 Vgl. GRIES, Rainer; MORAWETZ, Andrea: „Kauft österreichische Waren!“ Die Zwischen- kriegszeit im Medialisierungsprozess der Produktkommunikation. In: Susanne Breuss, Franz X. Eder (Hg.), Konsumieren in Österreich. 19. und 20. Jahrhundert, Innsbruck/Wien 2006, S. 214- 219.

23 Vgl. KLEINSCHMIDT: Konsumgesellschaft. (wie Anm. 7), S. 148-150.

24 Vgl. SIEGRIST, Hannes: Konsum, Kultur und Gesellschaft im modernen Europa. In: Hannes Siegrist, Hartmut Kaelble, Jürgen Kocka, Europäische Konsumgeschichte. Zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des Konsums (18. bis 20. Jahrhundert), Frankfurt/New York 1997, S. 20.

25 Vgl. KÖNIG, Wolfgang: Homo consumens. In: Peter Lummel, Alexandra Deak (Hg.), Einkaufen! Eine Geschichte des täglichen Bedarfs. Berlin 2005, S. 190.

26 Vgl. Ebd., S. 201.

27 Als Feldfrucht bezeichnet man auf dem Feld beziehungsweise Acker gezogene Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Rüben, Getreide und Tabak.

28 Vgl. HENGARTNER, Thomas; MERKI, Christoph Maria (Hg.): Genussmittel. Ein kulturgeschichtliches Handbuch. Frankfurt am Main 1999, S. 169.

29 Vgl. MENNINGER, Annerose: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16. - 19. Jahrhundert). Stuttgart 2001, S. 43.

30 Vgl. Ebd., S. 59.

31 Heute als Karibische Inseln oder Karibik bezeichnet.

32 Vgl. HESS, Henner; KOLTE, Brigitta; SCHMIDT-SEMISCH, Henning: Kontrolliertes Rauchen. Tabakkonsum zwischen Verbot und Vergnügen. Freiburg 2004, S. 10.

33 Vgl. AUFENVENNE: Feuer gefällig? (wie Anm. 4), S. 13f.

34 Vgl. AUFENVENNE: Feuer gefällig? (wie Anm. 4), S. 14.

35 Vgl. MENNINGER: Genuss im kulturellen Wandel. (wie Anm. 29), S. 68.

36 Vgl. HENGARTNER; MERKI (Hg.): Genussmittel. (wie Anm. 28), S. 174.

37 Vgl. MENNINGER: Genuss im kulturellen Wandel. (wie Anm. 29), S. 68f.

38 Vgl. Ebd., S. 69f.

39 Vgl. MENNINGER: Genuss im kulturellen Wandel. (wie Anm. 29), S. 70f.

40 Vgl. HENGARTNER; MERKI (Hg.): Genussmittel. (wie Anm. 28), S. 174.

41 Vgl. MENNINGER: Genuss im kulturellen Wandel. (wie Anm. 29), S. 70f.

42 Vgl. Ebd., S. 71.

43 Vgl. Ebd., S. 72.

44 WEISSER, Michael: Cigaretten-Reclame: Über die Kunst, blauen Dunst zu verkaufen. Bassum 2002, S. 9.

45 Vgl. WEISSER: Cigaretten-Reclame (wie Anm. 44), S. 9.

46 Vgl. SPODE, Hasso: Kulturgeschichte des Tabaks. In: Manfred V. Sieger, Anil Batra, Karl

Mann (Hg.), Alkohol und Tabak. Grundlagen und Folgeerkrankungen. Stuttgart/New York 2000,

S. 13.

47 Vgl. SANDGRUBER, Roman: Bittersüße Genüsse. Kulturgeschichte der Genussmittel. Wien u.a. 1995, S. 91.

48 Vgl. Ebd.

49 Vgl. SCHIVELBUSCH, Wolfgang: Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der Genussmittel. Frankfurt am Main 1990, S. 108.

50 GRIMMELSHAUSEN, Johann Jacob Christoffel von: Satyrischer Pilgram. (Originalausgabe 1667), Tübingen 1970, S. 111; BIRKEN, Sigmund von: Die Truckene Trunckenheit. (Originalausgabe 1658), München 1967, S. 9 und SCHIVELBUSCH: Das Paradies. (wie Anm. 49), S. 108f.

51 Vgl. AUFENVENNE: Feuer gefällig? (wie Anm. 4), S. 18-22.

52 Vgl. Ebd., S. 25.

53 Vgl. AUFENVENNE: Feuer gefällig? (wie Anm. 4), S. 25.

54 Vgl. Ebd., S. 36. Aus der Tradition der englischen „smoking parties“ der Oberschichten entstanden die ersten Raucherlokale in England, die sogenannte Tabagien.

55 Vgl. Ebd., S. 41.

56 Vgl. Ebd., S. 44.

57 BIRKEN: Die Truckene Trunckenheit. (wie Anm. 50), S. 13.

58 Vgl. HENGARTNER; MERKI (Hg.): Genussmittel. (wie Anm. 28), S. 177.

59 Zit. nach SCHIVELBUSCH: Das Paradies. (wie Anm. 49), S. 143.

60 Vgl. Ebd.

61 Vgl. ELIAS, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. Band 2. Frankfurt am Main 1977/1978, S. 415f.

62 Vgl. SCHIVELBUSCH: Das Paradies. (wie Anm. 49), S. 143f.

63 Vgl. SANDGRUBER: Bittersüße Genüsse. (wie Anm. 47), S. 103.

64 Vgl. Ebd., S. 104.

65 Beispiel eines weiblichen Porträts: Vgl. SCHIVELBUSCH: Das Paradies. (wie Anm. 49), S. 148.

66 Vgl. SANDGRUBER: Bittersüße Genüsse. (wie Anm. 47), S. 125f.

67 Vgl. AUFENVENNE: Feuer gefällig? (wie Anm. 4), S. 62.

68 Vgl. SANDGRUBER: Bittersüße Genüsse. (wie Anm. 47), S. 106.

69 Vgl. HENGARTNER; MERKI (Hg.): Genussmittel. (wie Anm. 28), S. 177.

70 Vgl. SANDGRUBER: Bittersüße Genüsse. (wie Anm. 47), S. 101.

71 Ebd.

72 Vgl. Ebd., S. 102.

73 Vgl. SANDGRUBER, Roman: Schöne Frauen rauchen. Geschlechtsrollen, materielle Kultur und sozialer Wandel. In: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Geschichte des Alltags - Alltagsgeschichten 1/84. Wien 1984, S. 12.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Die rauchende Frau
Untertitel
Eine historische Bildanalyse des Frauenrauchens anhand ausgewählter Beispiele aus der deutschsprachigen Plakatwerbung (1890-1964)
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
72
Katalognummer
V301396
ISBN (eBook)
9783656974369
ISBN (Buch)
9783656974376
Dateigröße
1859 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, eine, bildanalyse, frauenrauchens, beispiele, plakatwerbung
Arbeit zitieren
Marina Ehrngruber (Autor), 2015, Die rauchende Frau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301396

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