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"Wir mussten sehr hungern." Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Braunlage unter dem Hakenkreuz

Title: "Wir mussten sehr hungern." Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Braunlage unter dem Hakenkreuz

Scientific Study , 2015 , 28 Pages , Grade: keine Benotung

Autor:in: Dr. Friedhart Knolle (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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In der bis heute oft zitierten Chronik der Stadt Braunlage (Moritz o.J.) findet sich kein Wort zu den Themen Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Braunlage – dabei lehrt schon ein kurzer Blick auf die Friedhöfe der Stadt, dass diese Themen nicht an der Stadt Braunlage vorbeigingen.

Solchermaßen sensibilisiert, hat der Autor seit Jahren zum Thema recherchiert.

Schon früh machte Braunlage die Bekanntschaft mit dem NS-Terror. Am 20. März 1933 überfiel ein staatliches Rollkommando Braunlage und sperrte zahlreiche Braunlager in die Vereinsgaststätte der Nazis, die Kurbadeanstalt Birkel, ein. Dort wurden die Festgenommenen gefoltert, in Badezellen gesperrt oder besinnungslos geschlagen (Kuessner 2002).

Begeben wir uns auf eine Spurensuche nach den Wunden, die das NS-Regime in Braunlage hinterlassen hat, mit einem besonderen Augenmerk auf die Themen Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Beginnender NS-Terror 1933

Rüstungsproduktion in der NS-Zeit

Todesmärsche durch Braunlage

Zwangsarbeit in der Kernstadt Braunlage

Zwangsarbeit in Sankt Andreasberg

Drei kriegswichtige Rüstungsbetriebe in Sankt Andreasberg

Werk I

Werk II

Werk III

Arbeitsbedingungen

Zeitzeugenbericht Frolenkowa Warwara, Jg. 1926, Weißrussland

Weiterer Zeitzeugenbrief

Absturz eines US-Fliegers über Silberhütte

Kriegsende

Kriegsgräber in Sankt Andreasberg

Historische Verantwortung, Erinnerung und Dank

Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Aufarbeitung der bisher weitgehend verdrängten Geschichte der Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Braunlage und Sankt Andreasberg während des Nationalsozialismus. Ziel ist es, durch die Zusammenführung von Archivrecherchen und Zeitzeugenberichten die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Betroffenen sowie die Strukturen der beteiligten Rüstungsbetriebe zu dokumentieren und der historischen Verantwortung gerecht zu werden.

  • Strukturen der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie im Harzgebiet.
  • Lebens- und Leidenswege der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
  • Detailanalysen der Rüstungsbetriebe (u.a. Metallwerke Silberhütte).
  • Dokumentation der Todesmärsche und der Bedingungen in den Arbeitslagern.
  • Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte und Gedenkkultur an den betroffenen Orten.

Auszug aus dem Buch

Zeitzeugenbericht Frolenkowa Warwara, Jg. 1926, Weißrussland

Wir Zwangsarbeiterinnen waren in Baracken untergebracht, die tief im Tal lagen. Wenn es regnete, stand das Wasser fast bis zur untersten Pritsche; dann legten wir uns zu zweit auf die obere Pritsche. Zwischen den Pritschen lagen Bretter, damit man nicht gleich im Wasser stand. Um 6 Uhr wurden wir geweckt. Das Frühstück bestand aus einer Tasse Tee aus Früchten (getrocknete Himbeerblätter) und einer dünnen Scheibe Brot. Danach sind wir Zwangsarbeiter etwa zwei Kilometer bis zum Werk gegangen. Die Frühschicht begann um 8 Uhr; wir mussten beim Betreten und Verlassen der Fabrikhalle die Karte an der Zeituhr abstempeln. Die Schicht dauerte 12 Stunden. Um 20 Uhr gingen wir zurück, wo wir danach eine zweite Mahlzeit bekamen, meistens Kohlrabi-, Möhren- oder irgendeine andere Gemüsesuppe. Bei der Spätschicht bekamen wir um 18 Uhr das Essen, danach zu Fuß zur Fabrikhalle. Um 20 Uhr begann die Spätschicht und dauerte bis 8 Uhr.

Wenn wir von der Spätschicht, welche die unbeliebteste Schicht war, zurückgekommen waren, mussten wir noch andere Arbeiten erledigen: im Sommer am Bahnhof die Wagons be- oder entladen, Heu umwälzen, verschiedene Gartenarbeiten oder Blaubeeren sammeln im Wald. Dabei wurde man bestraft, wenn man einige aß. Der Aufseher kontrollierte, ob die Zunge von Blaubeeren gefärbt war; wenn es so war, wurde man geschlagen. Weitere Arbeiten waren Schneeräumen im Winter, Arbeiten am Bahnhof oder Wäsche waschen in der nahegelegenen Hitlerjugendschule (oder so ähnlich). In dieser Schule hieß eine der Beschäftigten Ursula – sie hat uns Zwangsarbeitern manchmal etwas Brot gegeben. Nur Weihnachten und Ostern bekamen wir ein anderes Essen: ein Glas Schwarzbier, 3 - 4 Pellkartoffeln und eine etwas dickere Scheibe Brot als sonst.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorbemerkung: Der Autor thematisiert die Lücken in der offiziellen Stadtchronik bezüglich der NS-Vergangenheit und begründet seine jahrelange Recherche.

Beginnender NS-Terror 1933: Dieser Abschnitt beleuchtet frühe Übergriffe und Terrormaßnahmen der Nationalsozialisten gegen Braunlager Bürger bereits kurz nach der Machtübernahme.

Rüstungsproduktion in der NS-Zeit: Das Kapitel beschreibt die strategische Entwicklung des Harzgebiets zu einem Schwerpunkt der Rüstungsindustrie und die Vielzahl der kriegswichtigen Betriebe.

Todesmärsche durch Braunlage: Hier werden die letzten Tage des Krieges und die Evakuierungsmärsche von KZ-Häftlingen durch die Stadt und Umgebung dokumentiert.

Zwangsarbeit in der Kernstadt Braunlage: Eine Übersicht über die verschiedenen Einsatzorte von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in der forstwirtschaftlichen und industriellen Produktion.

Zwangsarbeit in Sankt Andreasberg: Das Kapitel detailliert die Firmengeschichte der Metallwerke Silberhütte und die Ansiedlung der Rüstungsproduktion im Ort.

Drei kriegswichtige Rüstungsbetriebe in Sankt Andreasberg: Eine technische und organisatorische Analyse der Werke I, II und III der Metallwerke Silberhütte.

Arbeitsbedingungen: Darstellung der prekären Lebensumstände, der Zwangsarbeit und der brutalen Behandlung der Arbeiter in den Betrieben.

Zeitzeugenbericht Frolenkowa Warwara, Jg. 1926, Weißrussland: Ein persönlicher, erschütternder Bericht einer ehemaligen Zwangsarbeiterin über ihren Alltag in der Munitionsfabrik.

Weiterer Zeitzeugenbrief: Dokumentation eines weiteren persönlichen Schicksals einer ukrainischen Zwangsarbeiterin, inklusive eines Archivauszugs.

Absturz eines US-Fliegers über Silberhütte: Schilderung eines Kriegsverbrechens gegen einen alliierten Piloten kurz vor Kriegsende.

Kriegsende: Beschreibung der Befreiung der Zwangsarbeiter durch amerikanische Truppen Mitte April 1945.

Kriegsgräber in Sankt Andreasberg: Analyse der vorhandenen Gedenkstätten und der Identifizierung der dort begrabenen Opfer.

Historische Verantwortung, Erinnerung und Dank: Der Autor resümiert die Notwendigkeit der aktiven Erinnerungsarbeit und dankt den unterstützenden Zeitzeugen und Institutionen.

Literatur: Verzeichnis der herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Zwangsarbeit, Rüstungsproduktion, Nationalsozialismus, Braunlage, Sankt Andreasberg, Metallwerke Silberhütte, Todesmärsche, Zeitzeugen, Kriegsgefangene, Munitionsfertigung, Harz, Gedenkkultur, Geschichte, NS-Lager, Zivilarbeiter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser historischen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das bisher weitgehend verschwiegene Kapitel der Rüstungsproduktion und des Zwangsarbeitereinsatzes in den Städten Braunlage und Sankt Andreasberg während des Zweiten Weltkriegs.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentrale Themen sind der Aufbau der Rüstungsbetriebe, die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie die Schicksale von Menschen in den Todesmärschen und lokalen Arbeitslagern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist die Dokumentation der historischen Fakten durch Archivarbeit und die Sicherung menschlicher Schicksale durch Zeitzeugenberichte, um eine lokale Erinnerungskultur zu fördern.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus Archivrecherchen (u.a. Bundesarchiv, Archiv Spurensuche Harzregion e.V.), der Auswertung von Fachliteratur sowie der direkten Einbeziehung von Zeitzeugenberichten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in technische Beschreibungen der Rüstungsstandorte, Analysen der Arbeitsbedingungen sowie die Dokumentation individueller Leidensgeschichten ehemaliger Zwangsarbeiter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Zwangsarbeit, Rüstungsproduktion, NS-Lagersystem, Zeitzeugen und Erinnerungsarbeit im Harzraum.

Welche Rolle spielen die "Metallwerke Silberhütte" in dieser Dokumentation?

Sie werden als zentraler Rüstungsbetrieb analysiert, der exemplarisch für die Verflechtung von Industrie, Zwangsarbeit und nationalsozialistischer Kriegswirtschaft steht.

Wie geht der Autor mit der "Erinnerungsarbeit" an die Verstorbenen um?

Der Autor wertet Gräberlisten aus und versucht, anonyme Schicksale den Opfern der Zwangsarbeit zuzuordnen, um deren Geschichte für die Nachwelt zu bewahren.

Welche Bedeutung haben die Briefe von Mašurenko Galyna Vasylivna?

Diese Briefe liefern eine unmittelbare, persönliche Perspektive auf das Leid, die fehlende Entschädigung und die Schwierigkeiten der Rückkehr nach dem Krieg aus Sicht einer ukrainischen Zeitzeugin.

Was lehrt der Fall des US-Fliegers über die Zustände kurz vor Kriegsende?

Der Fall verdeutlicht die Brutalität und Fanatisierung lokaler NS-Funktionäre selbst in den letzten Tagen vor dem Einmarsch der Alliierten.

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Details

Title
"Wir mussten sehr hungern." Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Braunlage unter dem Hakenkreuz
Grade
keine Benotung
Author
Dr. Friedhart Knolle (Author)
Publication Year
2015
Pages
28
Catalog Number
V301421
ISBN (eBook)
9783668000209
ISBN (Book)
9783668000216
Language
German
Tags
rüstungsproduktion zwangsarbeit braunlage hakenkreuz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Friedhart Knolle (Author), 2015, "Wir mussten sehr hungern." Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Braunlage unter dem Hakenkreuz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301421
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