Die Exposition Internationale du Surréalisme 1938


Hausarbeit, 2015
15 Seiten
Toni Maier (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Planung und Verwirklichung

Der Eröffnungsabend

Ausstellungskatalog und das Dictionnaire Abrégé

Die Ausstellung

Die schönsten Straßen von Paris im Detail

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Zunächst möchte ich mit einem Vorwort einleiten: Die gesamte Ausstellung, beziehungsweise Installation, die damals veranstaltet wurde, gab es so nur einmalig. Denn hierfür wurden einzelne Objekte nur für diese erschaffen und sind heute nicht mehr verfügbar. Durch diesen Sachverhalt lässt sich die Ausstellung, im Gegensatz zu Gemälden, Zeichnungen, Fotografien oder Objekten nur durch subjektive Beschreibungen und Erzählungen aus Büchern und Fotos nachbilden und ist schwer nachzuerleben. „Wie in den Dada-Ausstellungen wurden für die Surrealistenausstellung 1938 einzelne Objekte nur die Gesamtinstallation geschaffen. Damit sind sie wie die Gesamtinstallation heute nur noch durch den subjektiven Blick und die Auswahl von Fotos zu rekonstruieren. Mit Hilfe der Presse-Erklärung der Galerie, Berichten der Beteiligten und der Presse beziehungsweise einzelner Besucher versuchen die vielfältigen wissenschaftlichen Darstellungen, das 'Bild der Ausstellung' wiederzuerwecken. Die öffentlichen Ankündigungen der Ausstellung, die Einladungskarten und besonders der Katalog sind dabei weitere entscheidende Dokumente.“[1]

Planung und Verwirklichung

Die Surrealisten hatten schon länger eine neue Ausstellung geplant. Als dann schließlich André Breton angefragt wurde, bestimmte er Paul Eluard als Mitgestalter. „Paul Eluard und André Breton ‚willigten in die Zusammenarbeit ein und bestimmten als – vermittelnden – künstlerischen Leiter der Ausstellung, der 'Vorschläge für den Aufbau machen sollte', Marcel Duchamp. […] Hier übernahm er erstmals eine entscheidende konzeptuelle Rolle in der Ausstellungsgestaltung.“[2]

„Die Surrealisten hatten schon eine Reihe von Gruppenausstellungen abgehalten, doch diese war etwas Neues. Einige Jahre lang schon hatten Breton und seine Anhänger eine Ausstellung organisieren wollen, die in sich selbst ein schöpferischer Akt und ein surrealistisches Ereignis sein sollte, wobei die Bilder und Objekte als Elemente in einem total surrealistischen Environment fungieren konnten. Die Gelegenheit ergab sich, als die auf dem rechten Seine-Ufer gelegene Galerie des Beaux-Arts ihnen ihre großzügigen Lokalitäten überließ und Breton völlige Freiheit einräumte zu tun, was ihm beliebte.“[3] Somit konnten Breton, aber auch seine Mitgestalter, die Surrealisten, hier etwas vollkommen Neues schaffen, was es bisher so noch nicht gab.

Der Eröffnungsabend

„Zur Eröffnung am 17. Januar um 22 Uhr kamen die Besucher in den Vorhof der Galerie – der Presse zufolge waren es an dem Abend angeblich über 3 000, während der Gesamtzeit der Ausstellung 20 000 trotz des Eintrittspreises von 10 Francs. Hier wurden sie zunächst von den auf sie gerichteten Scheinwerfern eines alten englischen Taxis geblendet.“[4] Bei diesem Taxi handelte es sich um Salvadore Dalís Taxi Pluvieux, in welchem sich zwei Schaufensterpuppen befanden. „Die beiden dem Ort und Ereignis angemessen gekleideten Schaufensterpuppen in Dalís Taxi pluvieux – eine Dame in Abendgarderobe und ein Chauffeur - mögen wie Doppelgänger der Besucher gewirkt haben, denn, und dies wurde ebenfalls vielfach kommentiert von der zeitgenössischen Presse, auch 'das internationale Paris kam zu Eröffnung 'im Abendanzug' wie es die Einladung zur Vernissage verlangte.' Schließlich hielt Paul Eluard selbst – wie kostümiert – im Frack die Eröffnungsansprache. Sie bestand, passend zur Idee der Kostümierung, vorrangig aus dem Vorlesen von Bretons Grußworten.“[5] Nach Eluards Rede schließlich, führte die berühmte Pariser Schauspielerin Hélène Vanel ein Happening auf, in diesem sie wie eine Geisteskranke und nur leicht bekleidet durch den Hauptsaal der Inszenierung sprang. „Die Eröffnung selbst war [somit] ein ungeheuer erfreulicher Skandal, wurde von le tout Paris besucht und bot in reichem Maße Anlaß zum Schockiertsein und zur Empörung für jene, die sich noch zu solch veralteten Reaktionen hinreißen ließen.“[6]

Ausstellungskatalog und das Dictionnaire Abrégé

Ab dem ersten Ausstellungstag wurde an die Besucher ein Ausstellungskatalog verkauft, welcher aus acht Seiten bestand, in diesem wurden die Werke und die teilhabenden Künstler aufgezählt. Laut dem Katalog gab es in der Ausstellung 228 Werke von 60 Künstlern aus über 14 Ländern. Auf der ersten Seite fand man dann die Verantwortlichen für die Ausstellung. Als Organisatoren wurden Breton und Eluard genannt, Duchamp war der Generalintendant, der Assistent Claude le Gentil. Die technischen Beiräte waren Dalí und Ernst, Man Ray kümmerte sich um die Beleuchtung und Paalen hatte die Aufgabe des Wasser und Buschwerks. Durch diese Aufzählung der Künstler erwirkte man den Effekt eines Filmabspanns. Auch wurde dadurch die differenzierte Teamarbeit betont. „Sie simulierte Gemeinsamkeit in einem Moment, in dem der Zusammenhalt der Koryphäen bereits im Begriff war zu zerbrechen oder schon zerbrochen war.“[7] Als Ergänzung zum Katalog gab es noch ein Lexikon zum Surrealismus, welches von den Surrealisten selbst verfasst und veröffentlicht wurde und als das ein mal eins des Surrealismus publiziert wurde. Hier konnte man alle Begriffe und bedeutenden Künstler nachschlagen.

Die Ausstellung

Aber nun zum eigentlichen Thema; die Ausstellung. Diese begann mit dem Vorhof. Spannend dabei ist, dass dieser sich im tatsächlichen Vorhof, also nicht erst im Kunstraum, sondern schon davor begann. Hier begegneten die Besucher dem sogenannten Taxi Pluvieux von Salvadore Dalí, von dessen Scheinwerfern sie zunächst geblendet wurden. Dieses Taxi Pluvieux war ein altmodisches Pariser Taxi, das von außen mit lauter Efeu behangen war. Es war angeschlossen an eine Wasserleitung, so dass es im Inneren des Autos ständig nieselte, daher auch der Name Taxi Pluvieux, was auf Deutsch so viel wie ‚das Regentaxi‘ bedeutet. In dem Taxi befanden sich die ersten zwei Mannequins dieser Ausstellung. Diese waren, genauso wie die Künstler und Besucher, dem Ereignis angemessen gekleidet. Auf dem Fahrersitz saß ein haifischköpfiges Wesen, was sich bei näheren Hinsehen als ein männliches Mannequin entpuppte, das ein Haifischgebiss um den Hals trug. Auf der Rückbank finden wir ein weibliches Mannequin mit blonder Perücke, die allem Anschein nach „über das Desaster lächelte.“[8] Diese war geschmückt mit Chicorée, Blattsalat und lebendigen Burgunderschnecken. Außerdem finden wir auf der Rückbank neben der Mannequin eine Nähmaschine. „Während die Verfremdungskombinatorik von Haifischgebiß und Autobrille, Abendgarderobe und Schnecken noch ganz dadaistisch anmutet, sind einerseits die Verkehrung von Innen und Außen (der Regen) und andererseits das hier apostrophierte metamorphotische Verhältnis zwischen Totem und Lebendigem, zwischen Zivilisation und Natur spezifisch surrealistisch.“[9]

Nachdem man nun den Vorhof passiert hat kommt man in den nächsten Teil der Ausstellung, die sogenannten Les plus belles rues de Paris. Hier begegnete man zuerst zwei Firmenschildern, einerseits einem mit der Aufschrift P.L.E.M., der Betrieb, der der Leihgeber der Mannequins war, andererseits einem mit der Aufschrift Mazda, der Konzern, der die Taschenlampen hergestellt hatte. Beiden Firmen wurde versprochen, dass man ihre Schilder auffällig platzieren würde. Nachdem man nun weitergeht trifft der Besucher just auf einen langen Gang, in welchem man 16 surrealistisch gestaltete Mannequins begegnete. Jede von ihnen wurde von jeweils einem surrealistischen Künstler geschaffen und stand vor den Dokumenten ihres Ausstatters. „Bei einer war der Kopf von einem Vogelkäfig umschlossen, und sie hatte ein schwarzes Samtband um den Mund gebunden, mit einem einzelnen in der Mitte aufgeklebten Stiefmütterchen (André Masson); bei einer anderen liefen dicke Tränen die Wangen herab, und aus in ihrem Haar verborgenen Röhrchen kamen Seifenblasen (Man Ray); eine dritte hatte einen wassergefüllten Glaskrug als Bauch, in dem ein Goldfisch hin und her schoß (Léo Malet).“[10] Die Reihenfolge der Künstler, die die Mannequins gestalten hatten war folgende: Zuerst traf man auf Tanguys Mannequin, dann auf Sonja Mossés, es folgte Duchamps, Massons, Seligmans, Ernsts Mannequin, und dann Mirós, darauf Espinozas, Paalens, Dalís, Henrys, Man Rays, Dominguez‘, Léo Malets und als letztes schließlich Marcel Jeans Mannequin. Auch spannend zu erwähnen ist hierbei, dass die gegenüberliegende Wand komplett verspiegelt war und die Mannequins in dieser gespiegelt wurden. Vor den Mannequins befand sich eine Kordel, ein typischer Charakterzug einer Ausstellung in einem Museum. Was man noch aufführen sollte, ist das in den schönsten Straßen von Paris viele blaue Emaille Schilder an den Wänden hingen, auf denen Straßennamen standen, andere waren echte Orte in Paris andere erfunden. Zum Schluss, eine schöne Geste, die mir besonders gefällt, ist dass das letzte Mannequin mit ihrer Hand in den nächsten Raum weist, in den Hauptsaal der Ausstellung.

[...]


[1] Annabelle Görgen – Exposition Internationale du Surréalisme Paris 1938 Bluff und Täuschung – Die Ausstellung als Werk

[2] Annabelle Görgen – Exposition Internationale du Surréalisme Paris 1938 Bluff und Täuschung – Die Ausstellung als Werk

[3] Calvin Tomkins - Duchamp

[4] Annabelle Görgen – Exposition Internationale du Surréalisme Paris 1938 Bluff und Täuschung – Die Ausstellung als Werk

[5] Annabelle Görgen – Exposition Internationale du Surréalisme Paris 1938 Bluff und Täuschung – Die Ausstellung als Werk

[6] Calvin Tomkins - Duchamp

[7] Bernd Klüser - Die Kunst der Ausstellung eine Dokumentation

[8] Annabelle Görgen – Exposition Internationale du Surréalisme Paris 1938 Bluff und Täuschung – Die Ausstellung als Werk

[9] Bernd Klüser – De Kunst der Ausstellung eine Dokumentation

[10] Calvin Tomkins - Duchamp

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Exposition Internationale du Surréalisme 1938
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Surrealismus
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V301533
ISBN (eBook)
9783668003149
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Kunstgeschichte, Surrealismus, Ausstellung, Marcel Duchamp, Duchamp, Marcel, Exposition Internationale du Surrealisme, Surrealisme, Internationale, Exposition, Paris
Arbeit zitieren
Toni Maier (Autor), 2015, Die Exposition Internationale du Surréalisme 1938, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301533

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