Wie für die Artusromane charakteristisch, findet sich auch im "Iwein" die Doppelwegstruktur des epischen Helden. Im ersten Kursus der Erzählung findet der tapfere Ritter Iwein Ehre, Liebe und Landesherrschaft aufgrund seiner erfolgreichen âventiure – in unserem Fall durch den Sieg über Askalon und die Minne zu Laudine.
Dann kommt es zum Schuldfall und nach einer andauernden Krise mit anschließender Selbstfindung, erkennt der Held im zweiten Kursus schließlich seine wahre Bestimmung und erlangt Ruhm und Buhle zurück. Hier findet sich also der klassische Verlauf eines mittelhochdeutschen Artusromans.
Was sich hier aber von anderen Werken unterscheidet, sind die Märchenelemente, die in den Iweinstoff eingebunden sind. Der Schutz einer verwunschenen Quelle, die gleichzeitig Schutz für Land und seine Herrscherin bietet, kennzeichnet die ungewöhnlichen Naturgesetze, die in dieser Anderswelt herrschen: Riesen leben in dieser Anderswelt, Löwen können sprechen und Salben heilen von geistiger Verwirrung.
Diese Feenerzählung kommt nicht umhin den Frauen in diesem Brunnenland die wichtigsten Funktionen zuzuteilen. So spielt Laudine die Rolle der Brunnenfee, die erst durch eine Freierprobe von Iwein erobert werden kann. Ihre Vetraute Lunete scheint ebenfalls besondere Fähigkeiten zu haben. So ist sie dazu in der Lage durch geschickte Schachzüge Iwein und ihre Herrin zusammenzuführen oder zu entzweien. Ginover, die Königin am Artushof, bringt in gewisser Weise die Handlung in Bewegung, weil sie dafür sorgt, dass Kalogrenants Geschichte erzählt wird. „Der doppelte Konflikt, nämlich zwischen Iwein und Laudine einerseits und den zwei Sphären andererseits, bildet das Movens der Erzählung.“
Um das Geschlechterverhältnis und damit einhergehende Wandlungen in der Erzählung zu analysieren, wird ich zunächst die Beziehungen Iweins zu den zwei wichtigsten Frauen – Laudine und Lunete – analysiert. Später sollen die Funktionen der Abenteuer auf seiner âventiure geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Analyse
- Die Beziehung zu Laudine und ihre Entwicklung
- Anklägerin und Verbündete Lunete
- Iweins Abenteuer
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit analysiert die weiblichen Protagonisten des "Iwein" Hartmanns von Aue, wobei der Fokus auf Laudine und Lunete liegt. Die Arbeit untersucht die Beziehungen zwischen diesen Figuren und Iwein, sowie die Rollen der Frauen im Kontext von Macht, Politik, und Liebe.
- Analyse des weiblichen Agierens in der mittelalterlichen höfischen Literatur
- Die Rolle von Laudine als Herrscherin und Frau
- Lunetes Einfluss auf die Beziehung zwischen Iwein und Laudine
- Die Doppelwegstruktur des Iwein und ihre Auswirkungen auf die Figuren
- Die Bedeutung der Minne und der Ritterlichkeit im Kontext der Handlung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Thema der Hausarbeit vor und skizziert den Forschungsstand. Sie beleuchtet die Doppelwegstruktur des "Iwein" und die Bedeutung der weiblichen Figuren.
Das Kapitel "Analyse" untersucht die Beziehung zwischen Iwein und Laudine und die Entwicklung ihrer Beziehung im Laufe der Geschichte. Es analysiert das ambivalente Verhalten von Laudine und die politischen Zwänge, denen sie als verwitwete Herrscherin ausgesetzt ist.
Das Kapitel über Lunete beleuchtet ihre Rolle als Vermittlerin und Manipulatorin in der Beziehung zwischen Iwein und Laudine.
Das Kapitel "Iweins Abenteuer" analysiert die Herausforderungen und Erfahrungen, denen Iwein auf seinen Abenteuern begegnet.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter der Arbeit sind: Hartmann von Aue, "Iwein", Laudine, Lunete, Minne, Ritterlichkeit, Doppelwegstruktur, höfische Literatur, Mittelalter, politische Zwänge, Gender Studies.
- Quote paper
- Cathrin Utesch (Author), 2015, "Iwein" und die Frauen. Die Rolle der weiblichen Protagonisten in der Doppelwegstruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301564