Grundlage dieses Quellenkommentars ist das Buch „Wir Kinder von Bergen-Belsen“ verfasst von Hetty E. Verolme, erschienen 2000 in Australien.
Hetty Verolme durchlebt in ihrem Buch noch einmal die schwersten Jahre ihrer Kindheit, die sie im Alter von 13 Jahren zunächst noch gemeinsam mit ihrer Familie, später alleine mit ihren beiden Brüdern, im Konzentrationslager von Bergen-Belsen verbringen muss, bis das Lager am 15. April 1945 durch britische Soldaten befreit wird.
Das Schicksal der Familie Werkendam aus Amsterdam teilen nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht über 140.000 niederländische Juden.
Antisemitische Gesetze wie Berufsverbote, Ausgrenzung der jüdischen Mitmenschen, Arisierung des Vermögens, Ausschluss der jüdischen Kinder aus der allgemeinen Schule und die Errichtung von Wohnvierteln, in denen alle Juden leben müssen, waren Maßnahmen, die nun auch in den Niederlanden ab 1940 durchgeführt werden, wodurch die niederländischen Juden extrem in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Politische Situation 1940 in den Niederlanden
2. Einleitung
3.Das Durchgangslager Westerbork
4.Das Konzentrationslager Bergen-Belsen
5. Das Leben im Aufenthaltslager
6. Deportation der Diamantengruppe
7. Das Kinderhaus Bergen-Belsen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Werkes „Wir Kinder von Bergen-Belsen“ von Hetty E. Verolme die Auswirkungen der Inhaftierung im Konzentrationslager auf das Leben der Autorin. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, welche Überlebensstrategien die Betroffenen entwickelten und wie sich die persönlichen Lebensumstände sowie die Identität von Hetty Velrome während der zweijährigen Haftzeit verändert haben.
- Historischer Kontext der Besetzung der Niederlande
- Strukturen und Alltag im Durchgangslager Westerbork
- Funktionsweise des Aufenthaltslagers Bergen-Belsen
- Die Rolle von Solidarität und Familienzusammenhalt
- Überlebensstrategien von Kindern in Extremsituationen
Auszug aus dem Buch
7. Das Kinderhaus Bergen-Belsen
Nachdem der Trennung von den Mütter stehen etwa 40 Kinder im Alter zwischen 10 Monaten und 18 Jahren verlassen vor dem Tor. Die Kinder werden kurz darauf auf einen Lastwagen verladen und fahren stundenlang durch die Lüneburger Heide, bis sie doch schlussendlich ins Lager zurückgefahren werden, wo sie in einer verlassenen Baracke sich selbst überlassen werden. Die Kinder fühlen sich verlassen, schutzlos, haben nichts zu essen und frieren in der kalten Nacht („Das war kein Weinen mehr, es war der Klang der puren Verzweiflung. Innerhalb von zwei Tagen hatten wir unsere Väter und Mütter verloren, und nun, nachdem wir stundenlang alleine in der Garage gelassen worden waren, fühlten wir uns von der ganzen Welt vergessen.“ S.128).
Hetty ist von Anfang an die Bezugsperson für die Kinder („einige klammerten sich an mich, […]“), deshalb versuch Hetty auch ihre eigenen Ängste zu unterdrückten, als sie in ihre neue Baracke gebracht werden. Der erste Tag in der neue Umgebung vergeht, ohne dass sich jemand um die Kinder kümmert („ Es war, als lebten wir in unseren eigenen Welt“, S. 138).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Politische Situation 1940 in den Niederlanden: Dieses Kapitel skizziert die militärische Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen und die Einführung nationalsozialistischer Rassegesetze.
2. Einleitung: Hier wird der Fokus auf das autobiografische Werk von Hetty E. Verolme gelegt und die Forschungsfrage zur persönlichen Veränderung der Autorin formuliert.
3.Das Durchgangslager Westerbork: Das Kapitel beschreibt die Ankunft der Familie im Lager Westerbork, die dort herrschenden Bedingungen und das Leben vor der weiteren Deportation.
4.Das Konzentrationslager Bergen-Belsen: Die historischen Hintergründe und die Sonderrolle von Bergen-Belsen als sogenanntes „Aufenthaltslager“ werden hier erläutert.
5. Das Leben im Aufenthaltslager: Der Alltag im Sternenlager, die Arbeitsbedingungen und die zunehmende Verschlechterung der Lebenssituation stehen hier im Mittelpunkt.
6. Deportation der Diamantengruppe: Dieses Kapitel behandelt die Ankunft der „Diamantjuden“, ihre kurzzeitigen Privilegien und die anschließende Zerschlagung dieser Gruppe.
7. Das Kinderhaus Bergen-Belsen: Die Schilderung fokussiert auf das Überleben einer Gruppe von Kindern in einer verlassenen Baracke und die Entwicklung von Ersatzfamilienstrukturen.
Schlüsselwörter
Bergen-Belsen, Hetty E. Verolme, Westerbork, Holocaust, Konzentrationslager, Kinderhaus, Überlebensstrategien, Nationalsozialismus, Deportation, Austauschjuden, Zeitzeugenschaft, Zweiter Weltkrieg, Niederlande, Familienzusammenhalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Leben der Autorin Hetty E. Verolme in den Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung der Besatzung, dem Alltag in den Lagern Westerbork und Bergen-Belsen sowie den psychologischen und physischen Überlebensmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die persönlichen Veränderungen von Hetty Velrome durch die zwei Jahre Lagerhaft aufzuzeigen und Strategien zu beleuchten, die ihr Überleben ermöglichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen Quellenkommentar, der das autobiografische Werk als Primärquelle nutzt und durch historische Sekundärliteratur einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Besetzung der Niederlande über das Lager Westerbork bis hin zur spezifischen Situation im Kinderhaus in Bergen-Belsen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bergen-Belsen, Überlebensstrategien, Holocaust, Deportation und die historische Aufarbeitung der Erfahrungen von Kindern im Krieg.
Was unterscheidet das „Aufenthaltslager“ Bergen-Belsen von anderen Lagern?
Bergen-Belsen nahm eine Sonderstellung ein, da es für „Austauschjuden“ vorgesehen war, die gegen im Ausland internierte Deutsche ausgetauscht werden sollten.
Wie organisierte sich das Leben im Kinderhaus?
Die Kinder bildeten eine feste Solidargemeinschaft, in der ältere Kinder wie Hetty die Rolle von Ersatzmüttern übernahmen, um für die Kleineren zu sorgen und den Zusammenhalt zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Hanna Heun (Autor:in), 2007, Das Leben nach dem Konzentrationslager. "Wir Kinder von Bergen-Belsen" von Hetty Verolme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301579