In Bezug auf Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen bestehen einige Vorurteile. Häufige Bedenken, die Gegner eines Krafttrainings mit Kindern und Jugendlichen äußern, sind die Verletzungsgefahr für den wachsenden Organismus, ein Verlust der Beweglichkeit und eine geringe Effektivität aufgrund des zu geringen Muskelwachstums.
Die Gefahr der Schädigung des kindlichen Körpers birgt das Krafttraining insbesondere bei einer fehlerhaften Ausführung der Kraftübungen. Es kann dabei zu Schädigungen am passiven Bewegungsapparat kommen, da die Knochen von Kindern und Jugendlichen aufgrund der geringeren Kalkeinlagerungen elastischer sowie weniger druck- und biegefest sind. Der passive Bewegungsapparat von Kindern und Jugendlichen ist damit weniger belastbar als der eines Erwachsenen. Um Schäden zu vermeiden, sind einige Grundsätze zu beachten, auf die wir in Punkt 4 näher eingehen werden.
Zuvor werden allerdings von vielen Sportwissenschaftlern die positiven gesundheitlichen Effekte eines optimal durchgeführten Krafttrainings in den Vordergrund gestellt. Krafttraining zielt auf die wirkungsvolle Entwicklung funktioneller und struktureller Muskeleigenschaften, um das erforderliche Kraftniveau für Bewegungsleistungen zu gewährleisten. Aus diesem Grund sind Kraftfähigkeiten Grundlage für menschliche Bewegungen. Die Bedeutung für ein Krafttraining im Kinder- und Jugendalter ergibt sich aus weiteren Notwendigkeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Krafttraining mit Kindern - Relevanz, Chancen und Vorbehalte
2. Motorische Entwicklung
2.1 Zentrales Nervensystem
2.2 Aktiver Bewegungsapparat
2.3 Passiver Bewegungsapparat
3. Arten der Kraft und ihre Relevanz für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen
3.1 Maximalkraft
3.2 Kraftausdauer
3.3 Schnellkraft
4. Grundsätze für das Krafttraining im Kindes- und Jugendalter
4.1 Krafttraining in Bezug auf die einzelnen Entwicklungsphasen
5. Belastungssteuerung im Schulsport
5.1 Belastungssteuerung nach dem subjektiven Belastungsempfinden
6. Konkrete Möglichkeiten zur Umsetzung
6.1 Spielerisches Krafttraining
6.2 Zirkeltraining ohne oder mit einfachen Geräten
6.2.1 Übungen mit dem eigenen Körpergewicht
6.2.2 Übungen mit einfachen Geräten
6.3 Übungen mit Krafttrainingsgeräten
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Relevanz, die Chancen und die notwendigen Grundsätze für ein altersgemäßes Krafttraining im Schulsport zu untersuchen, um Vorurteile abzubauen und praktische Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Motorische Entwicklungsgrundlagen in Bezug auf die Kraft
- Klassifizierung der Kraftarten (Maximalkraft, Kraftausdauer, Schnellkraft)
- Gesundheitsorientierte Belastungssteuerung durch subjektives Empfinden
- Methodische Umsetzungsformen: Spielerisches Krafttraining, Zirkeltraining, Kraftgeräte
- Prophylaxe gegen Haltungsschäden durch gezieltes Training
Auszug aus dem Buch
3.1 Maximalkraft
„Die Maximalkraft stellt die höchstmögliche Kraft dar, die das Nerv-Muskel-System bei maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag“ (Weineck, 2007, S. 237). Sie ist vom physiologischen Muskelquerschnitt, von der intermuskulären Koordination sowie von der intramuskulären Koordination abhängig.
Für das Krafttraining im Kindesalter ist Maximalkrafttraining kaum relevant. Aus sportmedizinischer Sicht ist es aufgrund des geringen Testosteronspiegels vor der Pubertät ineffektiv und wegen des ungefestigten Binde- und Stützsystems, vor allem der noch nicht geschlossenen Wachstumsfugen, zu risikoreich und daher unangebracht (Weineck, 2007, S. 392). Eine Möglichkeit, die Maximalkraft auch im Kindesalter zu schulen, sind Spielformen wie z.B. die Zieh- und Schiebekämpfe oder Raufspiele, die wir in Punkt 6.1 vorstellen. Es findet zwar auf Grund der oben beschriebenen Gründe keine Hypertrophie statt, jedoch führen koordinative Anpassungen in dieser Altersphase zu Verbesserungen der Maximalkraft.
Erst in der Pubertät gewinnt Maximalkrafttraining an zusätzlicher Relevanz und es können sonstige Formen des Maximalkrafttrainings sinnvoll eingesetzt werden. In dieser Altersphase zeigen sich hohe Zuwachsraten in der Entwicklung der Maximalkraftfähigkeit, die auf reifungsbedingte Änderungen des Hormonhaushaltes zurückzuführen sind, welche die Muskelhypertrophie positiv beeinflussen. Bei einem Training mit Jugendlichen sollte man jedoch unbedingt bedenken, dass der Anstieg der Maximalkraft in der Pubertät bei Jungen deutlich stärker ausfällt als bei Mädchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Krafttraining mit Kindern - Relevanz, Chancen und Vorbehalte: Das Kapitel thematisiert bestehende Vorurteile gegenüber dem Krafttraining bei Kindern und stellt dem die sportwissenschaftliche Notwendigkeit zur Prophylaxe von Haltungsschäden und zur Leistungssteigerung gegenüber.
2. Motorische Entwicklung: Hier wird der Zusammenhang zwischen der biologischen Entwicklung des Muskel- und Nervensystems und der Trainierbarkeit der Kraft in den verschiedenen Lebensphasen erläutert.
3. Arten der Kraft und ihre Relevanz für das Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen: Das Kapitel definiert die Hauptformen der Kraft (Maximalkraft, Kraftausdauer, Schnellkraft) und bewertet deren spezifische Bedeutung für Kinder und Jugendliche.
4. Grundsätze für das Krafttraining im Kindes- und Jugendalter: Hier werden zentrale Sicherheitsaspekte, die Notwendigkeit von Pausen und die Anpassung an den biologischen Entwicklungsstand für ein risikoarmes Training formuliert.
5. Belastungssteuerung im Schulsport: Das Kapitel führt die Methode des subjektiven Belastungsempfindens als besonders geeignetes Werkzeug für ein gesundheitsorientiertes Krafttraining im Schulsport ein.
6. Konkrete Möglichkeiten zur Umsetzung: Dieses Kapitel präsentiert verschiedene praktische Ansätze wie spielerisches Training, Zirkeltraining und den Einsatz von Geräten für den Sportunterricht.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Krafttraining bei Beachtung pädagogischer und physiologischer Prinzipien sicher und effektiv in den Schulsport integrierbar ist.
Schlüsselwörter
Krafttraining, Kinder, Jugendliche, Schulsport, Motorische Entwicklung, Maximalkraft, Kraftausdauer, Schnellkraft, Belastungssteuerung, Gesundheitsorientierung, Haltungsschäden, Zirkeltraining, Spielerisches Training, Prävention, Trainierbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration von Krafttraining in den Sportunterricht bei Kindern und Jugendlichen unter Berücksichtigung gesundheitlicher und pädagogischer Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die motorische Entwicklung, die Definition verschiedener Kraftarten, Sicherheitsgrundsätze, Methoden der Belastungssteuerung sowie praktische Übungsformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Vorurteile gegenüber dem Krafttraining abzubauen und aufzuzeigen, wie ein altersgerechtes und gesundheitsorientiertes Krafttraining sinnvoll in den schulischen Alltag eingebunden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sportwissenschaftlicher Standards, um die physiologischen Grundlagen und praktischen Handlungsempfehlungen für das Krafttraining im Kindes- und Jugendalter abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Entwicklung und Kraftarten sowie einen umfangreichen praktischen Teil mit Umsetzungsmöglichkeiten wie Zirkeltraining und spielerischen Übungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Krafttraining, motorische Entwicklung, Schulsport, Gesundheitsorientierung, Belastungssteuerung und Prävention.
Ist Maximalkrafttraining für Kinder sinnvoll?
Klassisches Maximalkrafttraining ist im Kindesalter aufgrund physiologischer Gegebenheiten kaum relevant und risikoreich; jedoch können koordinative Verbesserungen durch kindgemäße Spielformen zur Kraftsteigerung beitragen.
Wie kann das Motivationsproblem beim Zirkeltraining gelöst werden?
Das Motivationsproblem kann durch eine abwechslungsreiche Übungsgestaltung in Partnerarbeit und insbesondere durch das Führen von Ergebnisbögen zur Visualisierung individueller Leistungsfortschritte minimiert werden.
Warum ist das subjektive Belastungsempfinden für den Schulsport besonders geeignet?
Diese Methode ist besonders geeignet, da sie eine günstige Relation zwischen Trainingseffekten und Risikominimierung gewährleistet und ohne hohen zeitlichen oder apparativen Aufwand sofort umsetzbar ist.
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- Hanna Heun (Autor), 2009, Krafttraining im Schulsport und dessen praktische Umsetzung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301580