Die Menschheitsgeschichte ist eine Geschichte des Wandels und der Veränderung. Diese Geschichte zeigt sich in besonders ausgeprägter Form mit der Beginnenden immer stärker werdenden Verflechtung der internationalen Handelsbeziehungen nach 1950. Aus dem Wachstum der Handelsbeziehungen erwuchs eine stärker werdende Weltwirtschaft. Eine Entwicklung, die mit einigen Ausnahmen weiter signifikant anhält. Die Globalisierung der Wirtschaft führte aber auch dazu, dass der statistisch erfasste Warentransport zwischen den Jahren 1960 und 2012 um knapp das 16-fache und die Warenproduktion um mehr als das 4,5-fache anstieg.
Neben dem Fortschritt der Weltwirtschaft hat sich in den letzten 62 Jahren auch die Technologiebranche maßgeblich gewandelt. Der Einzug des Computers in den Alltag und die zunehmende Vernetzung durch das Internet waren nur die Grundlage einer Vielzahl neuartiger Technologien. Doch während der Technologiefortschritt in nahezu allen Lebensbereichen des Menschen Einzug erhielt und bestehende Systeme durch neuartige, leistungsfähigere ersetzte, wurden bestehende statische Infrastrukturen wie Straßen und Schienen zu großen Teilen ausgebaut und erweitert, aber nicht ersetzt. Der resultierende Konflikt zwischen wachsendem Warentransport und limitierter Ausbaufähigkeit scheint bis heute ungeklärt.
Mit dem Bewusstsein um diesen Konflikt wurden weltweit viele großartige Projekte gestartet. Im deutschsprachigen Raum haben sich mit CargoCab, Swissmetro und Transrapid drei beispielhafte Systeme für die Modernisierung der Infrastruktur durch den Einsatz von Hochtechnologien entwickelt. Ein weiteres solches Konzeptsystem, ist das Hypercargo-System. Basierend auf dem bahnbrechendem Personenbeförderungskonzept Hyperloop welches von Elon Musk, SpaceX und Tesla Motors erdacht wurde, ist das Hypercargo-System die gedankliche Weiterentwicklung für den Güterverkehr.
Im Zuge dieser explorativen Fallstudie soll erstmals über eine Realisierung des Technologiekonzepts auf deutschem Boden gesprochen werden. Die Studie versteht sich dabei weit weniger als inhaltlich vollständiges Regelwerk zur Konfliktlösung, sondern als Anregung zur Diskussion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Konzeption
2.1 Der Hyperloop
2.2 Das Hypercargo-System
3 Marktanalyse
3.1 Ist-Analyse: Deutscher Straßengüterverkehrsmarkt
3.1.1 Generelle Marktbetrachtung
3.1.2 Marktbereichsabgrenzung – Güterarten
3.1.3 Marktbereichsabgrenzung – Streckenlänge
3.2 Prognose: Deutscher Straßengüterverkehrsmarkt
4 Fallstudie
4.1 Streckenplanung
4.1.1 Detailbetrachtung
4.1.2 Wirtschaftlichkeit
4.2 Operative Umsetzung
4.2.1 Betriebskonzeption
4.2.2 Preis und Abrechnung
4.4 Finanzielles Potential
5 Konzeptabgrenzung
5.1 Notwendigkeit der Konzeptabgrenzung
5.2 Transrapid
5.3 Swissmetro
5.4 Cargolifter
5.5 Cargocap
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Hypercargo-System als innovatives Güterverkehrs-Infrastrukturkonzept für den deutschen Markt. Ziel ist es, durch eine explorative Fallstudie die technischen und wirtschaftlichen Chancen einer Projektrealisierung zu bewerten, um eine Entlastung der stark beanspruchten deutschen Autobahnen durch Hochtechnologie zu prüfen.
- Analyse der Ist-Situation und Prognose des deutschen Straßengüterverkehrsmarktes.
- Planung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Modellstreckennetzen für den Gütertransport via Röhreninfrastruktur.
- Konzeption eines operativen Betriebsablaufs für automatisierte Güternetzwerke.
- Abgrenzung zu vergleichbaren Projekten wie Transrapid, Swissmetro, Cargolifter und Cargocap zur Risikobewertung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Das Hypercargo-System
Auf Grundlage des im vorangegangenem Kapitel beschrieben Konzept des Hyperloops bezeichnet das Hypercargo-System eine Nutzung der zugrundeliegenden Technologie als Güterverkehrssubstitut. Dabei ergeben sich wirtschaftliche wie technische Abgrenzungen zum originären Konzept, die im Folgenden knapp dargestellt werden.
Das Hypercargo-System ist in seiner Konzeption dazu gedacht, stark belastete Autobahnabschnitte zwischen Städten zu entlasten. Die Leistungsfähigkeit des Hypercargo-Systems entspricht dabei 12 Tonnen Zuladung pro Kapselfahrt mit Geschwindigkeiten von bis zu 1.200 Kilometer pro Stunde. Durch die hohe Startfrequenz von zwei Kapselstarts pro Minute können in einem Jahr über 25 Millionen Tonnen Güter auf einer zweispurigen, 350 Kilometer langen Strecke transportiert werden. Die Nutzung folgt dem gängigen Arbeitsprinzip vieler Logistikdienstleister, die eine Hauptumschlagsbasis betreiben. Dabei liefern Kunden, externe Anbieter oder eigenen Transportfahrzeuge Waren an der Hub ab, die dann auf Langstreckenlastkraftwagen verladen werden, um so über die Autobahn zur Ziel-Hub zu kommen. Von der Ziel-Hub aus werden die Waren erneut umgeschlagen und auf entsprechende Auslieferungsfahrzeuge verteilt. Das Hypercargo-System substituiert dabei in seiner Gesamtheit Hauptumschlagsbasis, Lkw und die notwendige Infrastruktur.
Das logistische Grundlagenkonzept des Hypercargo-Systems orientiert sich eng am Aufbau des Deutschen Paketnetzes des Unternehmens „Deutsche Post-DHL“. Ähnlich wie dort sind Hauptumschlagsbasen an geographisch bzw. logistisch kritischen Orten vorgesehen, die durch die entsprechende Röhreninfrastruktur miteinander vernetzt werden. Das Hypercargo-System kann somit als Kombination von zwei logistischen Grundsystemen verstanden werden: Zum einen aus einem Hubsystem für die logistischen Knotenpunkte wie z.B. Großstädte oder Ballungsräume, zum anderen als Rasternetz für die Verbindung der einzelnen Hubs untereinander. Zentraler Unterschied zwischen dem Paketnetz der Deutschen Post und dem Verteilungsnetz des Hypercargo-Systems ist die übergeordnete Verwendung in der Supply-Chain und die notwendige Röhreninfrastruktur. Denn während die Deutsche Post die Endkundenzulieferung bedient, ist das Hypercargo-System für einen vorgeschalteten Abschnitt in der Supply-Chain vorgesehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den historischen Wandel der Globalisierung und die daraus resultierende Belastung der Transportinfrastruktur, um die Relevanz des Hypercargo-Systems als Lösungsansatz zu begründen.
2 Konzeption: Hier werden die technischen Grundlagen des Hyperloops erläutert und die spezifische Anpassung als Hypercargo-System für den automatisierten Gütertransport detailliert beschrieben.
3 Marktanalyse: Dieses Kapitel liefert eine empirische Bestandsaufnahme des deutschen Straßengüterverkehrsmarktes, bewertet Güterarten sowie Streckenlängen und erstellt Prognosen für die zukünftige Marktentwicklung.
4 Fallstudie: In der Fallstudie werden eine konkrete Streckenplanung, eine Wirtschaftlichkeitsprüfung sowie operative Betriebsabläufe und das finanzielle Potenzial des Hypercargo-Systems analysiert.
5 Konzeptabgrenzung: Dieses Kapitel vergleicht das Hypercargo-Projekt mit anderen Infrastrukturvorhaben wie dem Transrapid, Swissmetro, Cargolifter und Cargocap, um aus deren Erfahrungen Risikofaktoren und Potenziale abzuleiten.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Chancen und Risiken zusammen und betont die Notwendigkeit einer realistischen, explorativen Betrachtung des Projekts für die zukünftige infrastrukturelle Entwicklung Deutschlands.
Schlüsselwörter
Hypercargo, Hyperloop, Straßengüterverkehr, Infrastruktur, Logistik, Transportleistung, Wirtschaftlichkeit, Fallstudie, Modellstreckennetz, Automatisierung, Güterverkehrssubstitut, Transrapid, Swissmetro, Supply-Chain, CO2-Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die technische und wirtschaftliche Machbarkeit eines Hyperloop-basierten Konzepts für den Güterverkehr, genannt Hypercargo, und untersucht dessen Potenzial zur Entlastung deutscher Autobahnen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zu den zentralen Themen gehören die Marktanalyse des Straßengüterverkehrs, die operative Betriebskonzeption, eine detaillierte Fallstudie zur Streckenplanung sowie die kritische Abgrenzung zu anderen Großprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Spezifizierung der Chancen einer Realisierung des Hypercargo-Systems in Deutschland unter Berücksichtigung von Marktpotenzialen, Kosten-Nutzen-Verhältnissen und technischen Umsetzungsfaktoren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer explorativen Fallstudie, die Daten aus Verkehrszählungen, bestehenden Wirtschaftsprognosen und technischen Whitepapern kombiniert, um ein theoretisches, aber faktenbasiertes Modell zu erstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Ist-Situation und Prognosen des Güterverkehrs als auch die konkrete Planung von Modellstrecken, die Betriebskonzeption der Verlade-Hubs und die finanzielle Amortisationsrechnung des Systems detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hypercargo, Güterverkehrssubstitut, Logistik-Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und Konzepte der Systemabgrenzung charakterisiert.
Wie schneidet das Hypercargo-System im Vergleich zum Transrapid ab?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Hypercargo-System durch seine abgeschlossene Röhreninfrastruktur und die reine Güterauslegung effizienter und leichter zu rechtfertigen ist als das gescheiterte Transrapid-Projekt.
Welche Rolle spielen externe Kosten bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung?
Externe Kosten wie Lärm, Schadstoffbelastung und Unfallfolgen des aktuellen Lkw-Verkehrs werden quantifiziert, um den ökologischen und ökonomischen Mehrwert einer Investition in das Hypercargo-System hervorzuheben.
- Quote paper
- Max Werner (Author), 2014, Hypercargo. Ein deutscher Hyperloop nach Transrapid und Co?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301597