Deutsche Journalisten. Rezipientenerwartungen, Rollenselbstbild und Auswirkungen auf die Wahrnehmung des journalistischen Produktes


Studienarbeit, 2011

10 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Funktion und Rolle des Journalismus

3. Rollenselbstbilder der Journalisten
3.1 Aktuelles Rollenselbstbild nach Weischenberg et al
3.2 Handlungsrelevanz und Auswirkungen

4. Publikumserwartungen

5. Wahrnehmung des Journalismus durch die Rezipienten
5.1 Image der Journalisten
5.2 Publikumserwartungen und Rollenselbstbild
5.3 Ursachen für das Image der Journalisten
5.4 Folgen und Verbesserungsansätze

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegenden Arbeit befasst sich im Rahmen der Kommunikatorforschung mit den Medienakteuren: den Journalisten, ihrem Rollenselbstbild und ihrem Image beim Publikum. Dieses hängt von der Erwartungshaltung der Rezipienten und der wahrgenommenen Erfüllung der Aufgaben der Journalisten ab. Journalisten nehmen dabei in ihrem Beruf eine Rolle ein, an die sie eigene Erwartungen und Ansprüche bezüglich ihrer beruflichen Performanz stellen und nach denen sich ihr Handeln unter anderem richtet.

Widersprechen sich journalistisches Rollenselbstbild und die Erwartungen des Publikums an Aufgaben, Arbeitsweisen und Funktionen der Journalisten, führt dies im Endeffekt zu einer negativeren Beurteilung journalistischer Leistungen, da diese, sofern sie nach dem Rollenselbstbild ausgerichtet sind, der Erwartungshaltung des Publikums nicht mehr entsprechen. Dies kann zu Medienverdrossenheit führen, die wiederum Politikverdrossenheit nach sich zieht. Aus diesem Grund ist es wichtig, zu beleuchten, ob der Journalismus den Erwartungen des Publikums überhaupt gerecht wird, und wo wahrgenommene Mängel liegen, um so Lösungsansatze für diese erarbeiten zu können. Auf dieser Basis stellt die vorliegende Arbeit das Rollenselbstbild der Journalisten, Erwartungshaltungen an den Journalismus und dessen Wahrnehmung durch die Bevölkerung dar.

2. Funktion und Rolle des Journalismus

Um die Relevanz des Themas deutlicher zu machen, ist es zunächst wichtig, die Stellung des Journalismus sowie seine Aufgaben in der Gesellschaft zu betrachten. Diese ergeben sich aus „gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, historischen und rechtlichen Grundlagen sowie professionellen und ethischen Standards“ (Scholl/ Weischenberg, 1998, S.29). Journalismus trägt durch die Verbreitung von Nachrichten zur Information bei, die meisten Ereignisse sind für den Großteil der Bevölkerung keine Primärerlebnisse, sondern sie erfahren durch die Medien darüber (vgl. Burkart, 2002, S.405). Durch Nachrichtenselektion und -aufbereitung konstruieren Medien so eine Realität, welche die von den Rezipienten wahrgenommene Relevanz von Themen und Ereignissen beeinflussen kann. Daraus ergeben sich die Forderung nach Objektivität und Vollständigkeit der Berichterstattung, sodass alle relevanten Meinungen Gehör finden (vgl. Burkart, 2002, S.407f.). Weitere Aufgaben des Journalismus liegen in Bildung und Erziehung, sowie Kritik und Kontrolle (vgl. Scholl/ Weischenberg, 1998, S.29, Burkhart, 2002, S.395). Dadurch stellt der Journalismus Themen für die öffentliche Diskussion zur Verfügung und trägt somit zur Meinungsbildung bei. Zudem stellen Medien eine Öffentlichkeit zur Informationsverbreitung der Aussagen von Parteien oder Verbänden her (Artikulationsfunktion) und fördern so den Austausch zwischen Bevölkerung und Politik (vgl. Burkart, 2002, S.391ff.). Damit ist der Journalismus konstituierend für die Demokratie und dient zudem durch Vermittlung gesellschaftlicher Werte und Normen der sozialen Orientierung und Integration (vgl. Burkart, 2002, S.385ff.).

3. Rollenselbstbilder der Journalisten

Ein zentraler Einflussfaktor auf journalistische Arbeit bildet, neben persönlichen Präferenzen und redaktioneller Linie das Rollenselbstbild der Journalisten. Thematisiert wird dabei die Selbsteinschätzung der Journalisten bezüglich ihrer Ziele, Arbeitsweisen und Aufgaben. Es lässt sich somit als eine Erklärungsvariable für Nachrichtenselektion und -produktion betrachten (vgl. Donsbach, 2005, S.415, S.418f.).

3.1 Aktuelles Rollenselbstbild nach Weischenberg et al.

Das Rollenselbstbild setzt sich unter anderem zusammen aus Berufsmotiven, ethischen Vorstellungen, sowie dem allgemeinen subjektiven Berufsverständnis (vgl. Donsbach, 2005, S.419). Erfasst wurde dies unter anderem im Rahmen einer repräsentativen quantitativen Telefonbefragung von 1536 Journalisten im Jahr 2005. Die Studie gelangt zu dem Schluss, dass Journalisten ihre Rolle primär darin sehen, das Publikum „möglichst neutral und präzise zu informieren“. Damit einher gehen das Erklären komplexer Sachverhalte, möglichst schnelles Vermitteln von Informationen und präzise Abbildung der Realität, die jeweils von ca. ¾ der Befragten genannt wurden. Bezüglich politischem Journalismus betrachtet es über die Hälfte der Journalisten als ihre Funktion, Kritik an Missständen zu üben, wobei nur knapp 14% der Journalisten „die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die politische Agenda setzen“ wollen. Auch die Kontrollfunktion des Journalismus findet nur von einer Minderheit Zustimmung. Knapp zwei Drittel der befragten Journalisten wollen, dass ihre Nachrichten für ein möglichst breites Publikum interessant sind, „Unterhaltung und Entspannung bieten“ beanspruchen jedoch nur knapp 40% der Journalisten als ihre Aufgabe (vgl. Weischenberg et al., 2005, Tabelle 14, S.356). Journalisten bilden nach ihrer Selbsteinschätzung also vorwiegend neutrale Vermittler, deren Arbeit sich auch nach den Publikumsinteressen richtet, und deren politische Kritik- und Kontrollfunktion von etwas untergeordneterer Relevanz ist.

Bezüglich journalistischer Ethik befürwortet nur eine Minderheit der Befragten die Verwendung fragwürdigen Recherchemethoden zur Informationsbeschaffung, wobei die Tatsache, dass deutlich mehr Journalisten die exemplarisch genannten Methoden „teils/ teils“ für vertretbar halten, zeigt, dass über deren Legitimität im Berufsalltag häufig situativ entschieden wird (vgl. Weischenberg et al., 2005, Tabelle 15, S.357).

3.2 Handlungsrelevanz und Auswirkungen

Wichtig bei diesen Aussagen ist jedoch hauptsächlich, ob die genannten Rollenbilder tatsächliche Auswirkungen auf das journalistische Handeln haben, und ob Journalisten überhaupt die Möglichkeit haben, sie im redaktionellen Alltag umzusetzen. Nur dann können sie (über das journalistische Produkt) durch die Rezipienten wahrgenommen werden. Handlungsrelevant sind besonders die Unterhaltungsfunktion sowie schnellstmögliche Informationsvermittlung, jedoch können nach Einschätzung der Journalisten auch die anderen Aspekten, die den Journalist als neutralen Vermittler kategorisieren, mehrheitlich im Berufsalltag umgesetzt werden. Von geringer Handlungsrelevanz ist die politische Kontrollfunktion. Nur eine Minderheit der Befragten, die Themen auf die politische Agenda setzen oder Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kontrollieren wollen, glaubt, dies auch wirklich zu schaffen (vgl. Weischenberg et al., 2005, Tabelle 14, S.356). Somit stehen besonders der Wunsch nach neutraler Berichterstattung und Unterhaltung der Rezipienten im Vordergrund, wenn es um handlungsrelevante Auswirkungen des Rollenselbstbildes geht.

4. Publikumserwartungen

Dem Rollenselbstbild der Journalisten gegenüber stehen die Erwartungen und Ansprüche der Rezipienten an journalistische Arbeit und Produkte. Welchen Ansprüchen müssen die Inhalte genügen? Wird der Journalismus als demokratietheoretisch relevant wahrgenommen? Diese Fragen sollen im folgenden Abschnitt behandelt werden.

Überprüft wird dies unter anderem durch Wolfgang Donsbach et al. im Rahmen einer repräsentativen Befragung der deutschen Bevölkerung 2007/2008. Die Studie differenziert zwischen Ansehen bzw. Wertschätzung (dem allgemeinen Prestige der Berufsgruppe in der Gesellschaft) und Vertrauen (aus unmittelbaren persönlichen Erfahrungen im Rahmen der Erwartungen an den Beruf resultierend) (vgl. Donsbach et al., 2009, S.49). Somit ist hier zunächst das Ansehen, bzw. die Wertschätzung, die Journalisten entgegengebracht wird, zu betrachten. Bei vorangegangenen Studien hatte der Journalistenberuf im Vergleich in der Regel schlecht abgeschnitten. So steht er bei der Allensbacher Berufsprestigeskala 2011, die jährlich repräsentativ die Wertschätzung unterschiedlicher Berufsgruppen erhebt, auf Platz 12 von 18, nur 17% der deutschen Bevölkerung schätzen den Beruf (vgl. Allensbach, 2011). In Anlehnung an die Skala wird in der Studie Donsbachs et al. die Wertschätzung von 10 verschiedenen, dem Journalismus teils ähnlichen Berufen erfasst. Mit 61% der Befragten,

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Details

Titel
Deutsche Journalisten. Rezipientenerwartungen, Rollenselbstbild und Auswirkungen auf die Wahrnehmung des journalistischen Produktes
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Publizistik)
Veranstaltung
Kommunikatorforschung
Note
1,7
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V301618
ISBN (eBook)
9783956872822
ISBN (Buch)
9783668003828
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsche, journalisten, rezipientenerwartungen, rollenselbstbild, auswirkungen, wahrnehmung, produktes
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Deutsche Journalisten. Rezipientenerwartungen, Rollenselbstbild und Auswirkungen auf die Wahrnehmung des journalistischen Produktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301618

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