Wolfgang Erharters "Kreativität gibt es nicht". Eine Buchrezension


Rezension / Literaturbericht, 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Aufbau des Buches

3.Zusammenfassung des Inhalts

4.Der Autor Wolfgang A. Erharter

5.Einschätzung und Bewertung

6.Das Buch „Kreativität gibt es nicht“ in Bezug zur pädagogischen Praxis und weiterer Fachliteratur

7.Fazit

8.Literaturliste

1. Einleitung

Diese Rezension beschäftigt sich mit dem Buch „Kreativität gibt es nicht“. Ein provokanter Titel, der die Lesenden[1] aufmerksam werden lässt und zum Hinsehen auffordert. Im Untertitel „Wie Sie geniale Ideen erarbeiten“, wird die Neugierde der Lesenden geweckt.

Der Autor, Wolfgang A. Erharter ist Berater am Malik Management Zentrum in St. Gallen. Er hält seit 15 Jahren Vorträge und Coachings zu dem Thema Kreativität. Erharter lebt mit seiner Familie in Wien und kommt ursprünglich aus dem Arbeitsbereich der Musik[2]. Sein Buch trifft mit dem Inhalt den aktuellen Zeitgeist und bearbeitet ein Thema, das zunehmend zum Interesse für alle Berufszweige wird. Die Veröffentlichung ist 2012 als 1. Auflage als Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH erschienen.

Was kommt in diesem Buch auf die Lesende zu? Gibt es tatsächlich keine Kreativität? Was ist mit den vielen Fachbüchern, Vorträgen, Schulungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu dieser Thematik? Wollte der Autor tatsächlich nur reizen oder befinden sich in diesem Buch revolutionäre neue Forschungsergebnisse, die alles was bisher eruiert und gelesen wurden in ein neues Licht rückt?

2. Aufbau des Buches

Der Aufbau des Buches ist sehr klar und deutlich strukturiert. Zu Beginn findet die Lesende ein, durch Hauptpunkte klar gegliedertes, Inhaltsverzeichnis. Die Unterkapitel sind nicht nummeriert. Ideal ist das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches. Hier findet die Lesende direkt was sie sucht. Sie stößt sogar auf Namen und Stichwörter, die das Interesse der Lesenden wecken. Parallelen lassen sich hierbei schon zu Mihaly Csikszentmihalyis Buch, Kreativität, Wie Sie das unmögliche schaffen und ihre Grenzen überwinden, von 1997 entdecken. Dieses Buch gilt als anerkannte Grundlagenliteratur zur Thematik. Hierzu wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen. Der Gesamtumfang des Buches beläuft sich auf etwa 200 Seiten, die durch die klare Schrift und den interessanten Inhalt nicht abschrecken, sondern die Lesende Seite für Seite weiter in die Materie einbezieht und bindet. Interessanter Weise fehlt im Inhaltsverzeichnis, sowie im Buch ein ganzes Kapitel. Der Autor springt von Kapitel vier auf Kapitel sechs. Ob dies der kreative Schaffensprozess des Autors ist oder schlicht weg ein Lektoren Fehler, bleibt der Lesenden verborgen. Allerdings und nicht zuletzt bedingt durch die interessante Thematik, wird die Lesende zum Nachdenken über die Bedeutung der fehlenden Kapitelzahl angeregt. Zu Beginn eines jeden Kapitels stellt der Autor unter die Überschrift eine Warum-Aussage und beginnt dann im Folgenden mit den Ausführungen. Mit dieser Aussage, vertieft er die Überschrift und schafft es gleichzeitig die Neugier der Lesenden anzuregen. Im gesamten Buch arbeitet der Verfasser immer wieder mit Beispielen aus seinen Reden, Erfahrungen und Begegnungen. Dadurch schafft er es, die theoretischen Hintergründe zu vertiefen und anhand von Beispielen der Lesenden verständlich und klar zu vermitteln. Hier lassen sich ebenso wieder Ähnlichkeiten zu Csikszentmihalyis Publikation erkennen.

3. Zusammenfassung des Inhalts

Der Autor, Wolfgang A. Erharter, geht in seinem Buch sehr genau auf den Begriff Kreativität ein.[3] Im Vorwort spannt er die Lesende auf die Folter und versucht „Klarheit in den allgemeinen Kreativitäts-Wirrwarr“ (S. 8) zu bringen. Der Verfasser möchte die Interessierte auf den Weg des Schaffens bringen und Wege aufzeigen, „wie jeder sein Wissen produktiv machen“ (S. 8) und somit selbständig etwas erschaffen kann.

Im ersten Kapitel geht er auf den geschichtlichen Hintergrund des Begriffs Kreativität ein. Er beschreibt, dass alles im 20. Jahrhundert begann und Kreativität als Folge der intensiven Auseinandersetzung mit den Themen Intelligenz und Genialität hervor ging. Er bezieht sich hier auf das populärste wissenschaftliche Werk von Mihaly Csikszentmihalyi, 1997. Wie bereits erwähnt, untersuchte dieser Wissenschaftler das Phänomen der Kreativität und zählt zu den berühmtesten Vordenkern zu dieser Thematik. Csikszentmihalyi schrieb 1997 in seinem Werk „Kreativität, wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden“, bereits sehr ausführlich über diese Themenstellung. Als bedeutsames Geschehnis zu dieser Thematik berichtet Erharter von dem sogenannten Sputnik-Schock, der 1957 die USA in Bangen versetzte. Diese historischen Hintergründe findet die Lesende in den verschiedensten Publikationen, die sich mit Kreativität beschäftigen, wieder.

Im weiteren Verlauf schafft es der Autor, die Lesende zum Nachdenken anzuregen. Er erklärt in welchen verschiedenen Kontexten der Begriff Kreativität verwendet wird und wie schnell dieser benutzt wird, ohne über die Bedeutung wirklich nachgedacht zu haben. Der Autor beschreibt Kreativität unter anderem als Fähigkeit und erklärt, dass dahinter auch die disziplinierte Arbeit gesehen werden muss. Er stellt die Faustregel von Thomas A. Edison vor[4], „ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration“ (S. 18) vor. Deutlich zu verstehen gibt der Verfasser mit diesem Zitat, dass die wirklich schöpferischen Menschen keine Kreativitätstechniken verwenden und die kreativen Prozesse zumeist unterbewusst fließen. Viele kreative Ideen entstehen oft aus einer Notlage heraus. Ein Handbuch mit bestimmten Techniken, ist daher nicht empfehlenswert. Es kann nicht davon gesprochen werden, wenn man bestimmte Dinge tut, ist man kreativ oder entwickelt Ideen. Vielmehr muss von ausdauernder, disziplinierter und harter Arbeit gesprochen werden.

Wenn wir von kreativen Menschen sprechen, geht es „ um Menschen, die gelernt haben, wie sie am besten aus vorhandenem Wissen etwas Wertvolles erschaffen können“ (S. 27). Der Autor erklärt, dass Kreativität zwar bedeutet, etwas Neues zu erschaffen, er zeigt aber auch auf, dass dieses Neue durchaus auch aus bestehendem weiterentwickelt werden kann. Schöpferische Kreativität bedeutet daher auch Innovation. Hierzu ist es wichtig, sich nicht stetig mit dem Begriff auseinanderzusetzen und zu überlegen ob man nun kreativ ist oder nicht. Es bedeutet vielmehr, dass der Mensch die Logik des Schaffens begreift und umsetzt. Durch den Schaffensprozess wird etwas zum Ausdruck gebracht. Voraussetzung für jeden Schaffenden, der etwas zum Ausdruck bringen möchte ist, dass dieser sich mit der Materie intensiv auseinandersetzt und hart arbeitet. Denn die kreativen Ideen kommen nicht von alleine, sondern brauchen eine Basis aus der sie entspringen können, keine Techniken. Alle schöpferischen Menschen haben zuerst ihr Handwerk gelernt, bevor sie beginnen konnten, es weiter zu entwickeln oder zu erforschen. Um dies allerdings sicher tun zu können, braucht der Schaffende einen sicheren Kreis, ein sicheres Umfeld, indem er sich entfalten kann. Er braucht Raum, verschiedenste Materialien und Werkstoffe zu seiner freien Verfügung.

Dieses schöpferische Treiben bedeutet allerdings auch Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für das zu Entstehende, den Prozess und die Selbstverwirklichung. Erharter stellt in seiner Publikation zehn Werkzeuge des Schaffens vor, welche das Fundament bieten, um kreativ arbeiten zu können. Grundlegend ist dabei das völlig zweckfreie aber konzentrierte Spielen mit Ideen und Lösungsansätzen. Wichtig ist, sich ebenfalls die Ideen Anderer anzuschauen und sich dadurch inspirieren zu lassen. Kinder lernen ihre ganzen Grundlagen durch die Beobachtung und die Inspiration der Vorbilder. Bedeutend ist, sich nicht das Ergebnis stetig vor Augen zu führen. So würde der Schaffensprozess eher gelähmt als voran gebracht. Die Kreative sollte durch die sicheren Rahmenbedingungen die Möglichkeit haben, sich auf den Prozess einzulassen. Ein treffendes Zitat des Autors kann an dieser Stelle passend genannt werden: „Ein Genie macht in einer Mußestunde beiläufig eine Entdeckung, die allen anderen entgeht, und verändert dadurch mit spielerischer Leichtigkeit die Welt“ (S. 115). Erharter schreibt in seiner Argumentation immer wieder vom schöpferischen und nicht vom kreativen Menschen. Denn letztendlich schöpft der Kreative etwas. Er schöpft etwas Neues. Während dieses gesamten Prozesses hat der Mensch nicht stetig das Ergebnis im Kopf sondern befindet sich in einem Flow. „Der Flow ist durch klare Ziele gekennzeichnet. Das Handeln und Bewusstsein bilden eine Einheit in der das Zeitgefühl aufgehoben und das Abgelenkt werden ausgeschlossen ist. Außerdem ist es ein Zustand der Selbstgelassenheit und ohne Versagensängste, da sich die Aufgaben und Fähigkeiten in Gleichgewicht befinden. Diejenige, die sich im Flow befindet erhält ein unmittelbares Feedback für das eigene Handeln du die Aktivität ist das Ziel in sich (autotelisch)“[5]. Dieser Flow ist somit unabhängig vom Ergebnis selbst und der Sinn liegt in der intrinsischen Motivation diesen Flow zu erleben. Erharter beschreibt dies folgendermaßen: „Kreativität besteht […] darin, […] dass Sie bislang unbekannte Kombinationen innerhalb bestehender Grenzen finden“ (S. 122). Von diesem Flow, wird in verschiedenster Literatur ebenso berichtet. „Der Flow, der Kreativität“, so berichtet, wie bereits erwähnt, Csikszentmihalyi bereits 1997, darüber. Auch in pädagogischen Fachbüchern, von Daniela Braun, ist in der neusten Ausgabe, „Kreativität in Theorie und Praxis“, davon zu lesen. Dies zeigt, welch tragende Rolle diesem Flow zukommt.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit, wird auf die Schreiweise „-er/innen“ verzichtet. Generell wurden die Begriffe in der weiblichen Schreibweise verwendet, da über 90 Prozent der pädagogischen Fachkräfte weiblich sind. Diese Schreibform wird als Synonym für die männliche und weibliche Form vereinfacht verwendet und alle männlichen und weiblichen Personen sind gleichberechtigt angesprochen.

[2] Vgl. Erharter, Wolfgang (2012) S. 203

[3] Im folgenden Kapitel wird der Inhalt des Buches „Kreativität gibt es nicht“, zusammengefasst. Einzelne Vermerke oder Seitenzahlen werden bei direkten Zitaten kenntlich gemacht.

[4] Thomas A. Edison war ein amerikanischer Erfinder der von 1847- 1931 lebte. (planet-wissen.de)

[5] Dies ist eine zusammenfassende Kurzbeschreibung des Flow nach Csikszentmihalyi, Mihaly (1997) S. 162-166

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wolfgang Erharters "Kreativität gibt es nicht". Eine Buchrezension
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V301729
ISBN (eBook)
9783956875281
ISBN (Buch)
9783668005174
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wolfgang, erharters, kreativität, eine, buchrezension
Arbeit zitieren
B.A. Tina Keller (Autor), 2013, Wolfgang Erharters "Kreativität gibt es nicht". Eine Buchrezension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301729

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