Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem „soziologischen Tatbestand“ nach Émile Durkheim, insbesondere mit dessen Auslegung im Hinblick auf Freundschaften und Familie. Durkheim (1858-1916) war ein französischer Soziologe zur Zeit des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Zusammen mit Karl Marx und Max Weber wird er als einer der wichtigsten Begründer der modernen Soziologie angesehen. Die damalige Zeit war von den Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich geprägt; der verlorene deutsch-französische Krieg (1870/71) führte in Frankreichs Dritter Republik - neben dem gesellschaftlichen Wandel von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft - zu teilweise schweren politischen Auseinandersetzungen innerhalb der Bevölkerung. In diesem Essay geht es in einem ersten Schritt um die Definition des soziologischen Tatbestandes. Diesen determiniert Durkheim in „Die Regeln der soziologischen Methode“, im Jahr 1895 unter dem Namen „Les régles de la méthode sociologique“ veröffentlicht.
Im Anschluss soll unter Zuhilfenahme des im Jahr 2012 erschienen Films 3 Zimmer/Küche/Bad von Dietrich Brüggemann, die Frage beantwortet werden: „Wie stellt sich der soziologische Tatbestand nach Émile Durkheim in Freundschaften und der Familie dar?“
Ein abschließendes Fazit beendet das Essay.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der soziologische Tatbestand nach Émile Durkheim
2.1 Definition und Wesen des fait social
2.2 Dinghaftigkeit und soziale Normen
2.3 Normalität und Pathologie
3. Analyse anhand des Films „3 Zimmer/Küche/Bad“
3.1 Solidarität in Freundschaft und Familie
3.2 Soziale Sanktionen in persönlichen Beziehungen
3.3 Unbewusste soziale Einflüsse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des „soziologischen Tatbestands“ nach Émile Durkheim und dessen Anwendung auf mikrosoziologische Strukturen wie Freundschaften und die Familie, indem sie theoretische Definitionen mit cineastischen Beobachtungen aus dem Film „3 Zimmer/Küche/Bad“ verknüpft.
- Grundlagen der soziologischen Theorie Émile Durkheims
- Definition des „fait social“ und dessen objektive Existenz
- Mechanische vs. organische Solidarität in sozialen Systemen
- Gesellschaftliche Reaktionsmuster und Sanktionsmechanismen
- Die Validität klassischer soziologischer Ansätze in modernen Beziehungsgefügen
Auszug aus dem Buch
Analyse der Filmszene: Die Rolle der sozialen Sanktion
Die erste Filmszene die vor diesem Hintergrund beschrieben werden soll spielt in einem Baumarkt. Dina und Phillip kaufen Malerbedarf für die Renovierung des Zimmers von Philips Freundin. Das Gespräch der beiden ist zunächst ungezwungen. Dina fragt Phillip beiläufig, was dieser zu einer Trennung von ihrem Freund Julian halten würde. Die Antwort von Phillip ist betont „locker“ und flapsig. Daraufhin erklärt sie Phillip, dass sie sich bereits getrennt habe. An seiner Reaktion ist deutlich abzulesen wie „zerrissen“ er durch diese Information ist (vgl. 3 Zimmer/Küche/Bad. 2012. TC: 00:29:48-00:30:41).
Diese Situation ist kennzeichnend für die Beziehung der beiden Akteure. Der eigentliche Wunsch Phillips - eine Beziehung zu Dina - wird in deren Konversation nicht erwähnt. Es kann vermutet werden, dass Phillip sich vor einer Abweisung durch Dina fürchtet und davon ausgeht, dass ein solches Liebesgeständnis den Verlust der Freundschaft mit sich bringt. Für Phillip stellt diese Situation einen soziologischen Tatbestand dar; die Angst vor den Konsequenzen wenn er Dina seine Gefühle mitteilt, übt einen äußeren Zwang auf ihn aus, der zu Sanktionen führen könnte. Durkheim führt dazu eine klare Definition an: „Ein soziales Phänomen ist an der äußerlich verbindlichen Macht zu erkennen, die es über den Einzelnen ausübt oder auszuüben im Stande ist; und das vorhanden Sein dieser Macht zeigt sich … durch das Dasein einer bestimmten Sanktion“ (Durkheim 1980, S. 111f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des soziologischen Tatbestands ein und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand des Films „3 Zimmer/Küche/Bad“.
2. Der soziologische Tatbestand nach Émile Durkheim: Hier werden die theoretischen Grundlagen des „fait social“ dargelegt, insbesondere dessen Merkmale als äußere Zwangsmacht und kollektives Phänomen.
3. Analyse anhand des Films „3 Zimmer/Küche/Bad“: Dieses Kapitel überträgt die abstrakten Theorien Durkheims auf konkrete Alltagsszenen des Films und untersucht dabei Solidaritätsformen und Sanktionen.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die theoretischen Erkenntnisse und bestätigt die anhaltende Relevanz von Durkheims Ansätzen für die Analyse moderner sozialer Interaktionen.
Schlüsselwörter
Soziologischer Tatbestand, Émile Durkheim, Fait social, Soziale Solidarität, Organische Solidarität, Soziale Sanktion, Sozialer Zwang, Soziologische Methode, Gruppendynamik, Familiensoziologie, Freundschaft, Handlungsnormen, Kollektives Bewusstsein, Soziale Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Überprüfung und Anwendung des Begriffs des „soziologischen Tatbestands“ nach Émile Durkheim auf zwischenmenschliche Nahbeziehungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition des „fait social“, Formen der sozialen Solidarität und die Frage, wie soziale Normen und Sanktionen in Freundeskreisen und Familien wirken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu zeigen, dass Durkheims klassische soziologische Theorie auch heute noch genutzt werden kann, um alltägliche Verhaltensweisen und soziale Strukturen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Fundierung vorgenommen, die anschließend qualitativ anhand von Filmszenen des Werks „3 Zimmer/Küche/Bad“ illustriert und geprüft wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst Durkheims Theorie definiert und dann analysiert, wie sich Solidarität, Zwang und Sanktionen in den im Film dargestellten Beziehungsgeflechten manifestieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere Fait social, Soziale Solidarität, Soziologischer Tatbestand und Soziale Sanktion.
Wie unterscheidet Durkheim zwischen normalen und pathologischen Tatbeständen?
Durkheim definiert „normale“ Tatbestände als solche, die allgemein in der Gesellschaft auftreten, während „pathologische“ Tatsachen nur ausnahmsweise und nicht dauerhaft vorkommen.
Welche Rolle spielt der Film bei der Beantwortung der Forschungsfrage?
Der Film dient als cineastisches Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie sich gesellschaftliche Erwartungen und soziale Zwänge auf die Entscheidungen und das Befinden von Individuen in ihrem privaten Umfeld auswirken.
- Arbeit zitieren
- Michael Knief (Autor:in), 2015, Darstellung des soziologischen Tatbestands in Freundschaften und Familie nach Émile Durkheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301909