Der pathologische Internetgebrauch gehört zu einem der neuesten beobachtbaren Phänomene des Jugendalters. Der wissenschaftliche Diskurs darüber wird sehr kontrovers geführt. Bisher ist der pathologische Internetgebrauch nicht als ein eigenständiges Störungsbild anerkannt und hat bislang keinen Einzug in die internationalen Diagnoseklassifikationssysteme der psychischen Störungen gefunden. Ausgehend davon wurden in einer systematischen Literatursammlung internationale Studien aufgearbeitet, in denen die Prävalenzraten des pathologischen Internetgebrauchs in sozialen Netzwerken bei Jugendlichen im Alter zwischen 12 bis 18 Jahren betrachtet wurden. Es konnten 24 Studien gefunden werden, die sich in drei Gruppen einteilen und vergleichen lassen. Abhängig vom diagnostischen Messinstrument und des kulturellen Kontextes schwanken die Prävalenzraten zwischen 0,8% und 28%. Zudem scheinen weibliche Jugendliche stärker gefährdet zu sein. Die Ergebnisse der Prävalenzraten lassen vermuten, dass es sich bei dem pathologischen Internetgebrauch um ein ernstzunehmendes Störungsbild handelt und die Dringlichkeit besteht, die wissenschaftliche Forschung zu fokussieren und voranzutreiben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung des Untersuchungskontextes
2.1 Pathologischer Internetgebrauch
2.2 Definition und Terminologie des pathologischen Internetgebrauchs
2.3 Klinische Symptomatik
2.4 Formen des pathologischen Internetgebrauchs
2.5 Klassifikation und diagnostische Kriterien
2.5.1 ICD-10
2.5.2 DSM-5
2.6 Diagnostische Messinstrumente
2.7 Ätiologie
2.8 Komorbidität
3 Methodik
3.1 Auswahlkriterien
3.2 Suchstrategien
3.3 Analyse
4 Beschreibung der ausgewählten Studien
4.1 Studien auf der Basis integrativer Ansätze
4.2 Studien auf der Basis der Spielsuchtkriterien
4.3 Studien auf der Basis der DSM-Kriterien für Abhängigkeitsstörungen
4.4 Diskussion
5 Fazit und Einbettung der Studien in den Gesamtkontext
5.1 Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen systematischen Forschungsüberblick über die Prävalenzraten des pathologischen Internetgebrauchs (PIG) bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren zu erstellen, wobei der Schwerpunkt auf der Nutzung sozialer Netzwerke liegt. Die zentrale Fragestellung konzentriert sich darauf, inwiefern internationale Studien das Phänomen PIG abbilden, welche Unterschiede sich in den Prävalenzraten zeigen und wie diese Ergebnisse im wissenschaftlichen Gesamtkontext zu bewerten sind.
- Aktueller Forschungsstand zum pathologischen Internetgebrauch bei Jugendlichen
- Vergleich internationaler Prävalenzstudien und methodische Ansätze
- Kulturelle Einflüsse und geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Internetnutzung
- Bedeutung der Definition, Diagnostik und klinischen Symptomatik
- Identifikation von Schutz- und Risikofaktoren in der Entwicklung
Auszug aus dem Buch
2.1 Pathologischer Internetgebrauch
Die Möglichkeit des entgrenzten Internetkommunizierens kann vor allem bei jungen Menschen, deren Fähigkeiten zur Verhaltenskontrolle noch nicht ausgereift sind, problematisch werden und bis hin zu schädlichen psychischen als auch körperlichen Beeinträchtigungen führen (vgl. Bilke-Hentsch et al., 2014; Scholz, 2014). Aufgrund der Ähnlichkeit zu den stoffgebundenen Abhängigkeitsstörungen wird von einer Sucht gesprochen, deren Besonderheit darin besteht, dass dem Körper keine Substanzen von außen zugeführt werden. Die Internetnutzung wird zu einem belohnend wirkenden Verhalten, welches für die Betroffenen stressreduzierend und stimmungsaufhellend wirken kann. Es kann zu körpereigenen biochemischen Veränderungen kommen.
Im Laufe einer Suchtentwicklung rückt dieses exzessive Verhalten zu Lasten von anderen Verhaltensweisen in den Vordergrund. Die Muster der verhaltensverstärkenden Prozesse werden im sogenannten Suchtgedächtnis abrufbar gemacht. So kann es dazu kommen, dass alternative Stressverarbeitungsprozesse verlernt werden. Kinder und Jugendliche lernen, dass sie mit solchen Verhaltensmustern schnell und effektiv Gefühle im Zusammenhang mit Frustration, Unsicherheit und Ängsten regulieren können. Somit werden keine alternativen Verhaltensmuster gelernt und die Entstehung und die Aufrechterhaltung von Abhängigkeitsstörungen im Jugendalter könnte begünstigt werden (Grüsser & Thalemann, 2006).
Der PIG wird als eine stoffungebundene Sucht bezeichnet. Auch neuroanatomische und physiologische Befunde untermauern die Nähe zu drogeninduzierten Süchten, da bei betroffenen Personen unabhängig von einer vorliegenden stoffgebundenen oder stoffungebundenen Sucht die gleichen Hirnareale sensibilisiert werden und es zu einer erhöhten Dopaminausschüttung kommt (vgl. Bilke-Hentsch et al., 2014; Fröhlich & Lehmkuhl, 2012; Lin et al., 2012; Petry, 2006; Thalemann, Wölfling, & Grüsser, 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des pathologischen Internetgebrauchs ein, beleuchtet dessen Relevanz für Jugendliche und formuliert die Ziele der vorliegenden Bachelorarbeit.
2 Darstellung des Untersuchungskontextes: Dieses Kapitel erläutert Definitionen, klinische Symptome und theoretische Erklärungsmodelle des pathologischen Internetgebrauchs sowie dessen aktuelle diagnostische Einordnung.
3 Methodik: Hier wird das systematische Vorgehen bei der Literatursammlung sowie die Kriterien für die Auswahl und Analyse der berücksichtigten internationalen Studien dargelegt.
4 Beschreibung der ausgewählten Studien: Dieser Hauptteil gliedert die 24 analysierten Studien nach ihren theoretischen Grundlagen und vergleicht die erhobenen Prävalenzraten unter Berücksichtigung unterschiedlicher Messinstrumente.
5 Fazit und Einbettung der Studien in den Gesamtkontext: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung für zukünftige Forschung und Präventionsmaßnahmen und gibt einen Ausblick.
Schlüsselwörter
Pathologischer Internetgebrauch, PIG, Jugendliche, Prävalenz, soziale Netzwerke, Internetabhängigkeit, Verhaltenssucht, Diagnostik, Mediensucht, Online-Sucht, Symptomatik, Ätiologie, Interventionsprogramm, Forschungsstand, Risiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das wissenschaftlich kontrovers diskutierte Phänomen des pathologischen Internetgebrauchs (PIG) bei Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren mit einem Fokus auf soziale Netzwerke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die klinische Symptomatik, diagnostische Messinstrumente, theoretische Erklärungsmodelle zur Ätiologie und einen internationalen Vergleich der Prävalenzraten des PIG.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist ein systematischer Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Prävalenz des PIG bei Jugendlichen in sozialen Netzwerken, basierend auf einer literaturbasierten Analyse von 24 internationalen Studien.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, bei der internationale Studien nach definierten Auswahlkriterien gesucht, analysiert und strukturiert aufbereitet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die untersuchten Studien in drei Kategorien: solche auf der Basis integrativer Ansätze, Studien auf Basis von Spielsuchtkriterien und Studien, die DSM-Kriterien für Abhängigkeitsstörungen nutzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pathologischer Internetgebrauch (PIG), Prävalenz, Jugendliche, soziale Netzwerke, Internetabhängigkeit und Verhaltenssucht.
Warum ist die Vergleichbarkeit der Studien eingeschränkt?
Die Vergleichbarkeit wird durch unterschiedliche Definitionen, eine uneinheitliche Terminologie, variierende diagnostische Messinstrumente und verschiedene kulturelle Kontexte der untersuchten Jugendlichen erschwert.
Welche Erkenntnis ergibt sich bezüglich der Geschlechterrollen?
Die Analyse zeigt, dass Mädchen eine stärkere Gefährdung durch die Nutzung sozialer Netzwerke aufweisen können, während bei Jungen häufig eine Gefährdung durch Computerspiele im Vordergrund steht.
- Quote paper
- Natalie Samimi (Author), 2015, Prävalenz des pathologischen Internetgebrauchs in sozialen Netzwerken im Jugendalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301921