Schon seit mehreren Jahren ist bekannt, dass Mädchen im Durchschnitt einen höheren Schulabschluss erreichen als Jungen. Somit scheinen sie auch für viele Berufe besser qualifiziert zu sein als Jungen. Diese Tatsache müsste sich also beispielsweise in den Führungspositionen von Unternehmen oder bei der Vergabe von Professuren widerspiegeln. Die Realität ist allerdings eine andere. Nur wenige Führungspositionen oder Professuren sind in den letzten Jahren an Frauen vergeben worden. Dies wird vor allem in den sogenannten typischen „Männerberufen“ deutlich. So hat man also eine vertikale Segregation der Arbeitsmärkte durch von wenigen Frauen besetzte Führungspositionen auf der einen Seite und eine horizontale Segregation der Arbeitsmärkte durch die typischen „Männer- oder Frauenberufe“ auf der anderen Seite. (Vgl. Gottschall 2009: 120) Liegt es wirklich daran, dass Frauen für die sogenannten „Männerberufe“ schlechter qualifiziert sind als Männer oder haben Frauen einfach nicht das Interesse an diesen Berufen? Eine weitere Tatsache ist, dass noch immer weniger Frauen als Männer erwerbstätig sind, weil sie Kinder haben und sich um den Haushalt kümmern müssen. Besondere Aufmerksamkeit wird also auch den erwerbstätigen Frauen und Männern mit Kindern zuteil, für die es aufgrund von Zeitmangel noch schwieriger ist, in eine Führungsposition zu gelangen. Dieser Sachverhalt wird dadurch bestätigt, dass sich die Karrieren von Frauen langsamer entwickeln, als die der Männer (Vgl. Meyerhofer 2009: 104), weil die Frauen sich nach der Geburt häufiger um die Kinder kümmern als die Männer und somit den Anschluss an ihrem Arbeitsplatz verlieren können. Des Weiteren wird Frauen oft unterstellt, sie seien gefühlsbetonter als Männer und daher weniger für eine Führungsposition geeignet, in der man willensstark sein muss und konsequente Entscheidungen treffen muss. Männer haben also immer noch eine eingeschränkte Sichtweise auf die Kompetenzen einer erwerbstätigen Frau. Für sie steht im Vordergrund, im Beruf Karriere zu machen und weniger, sich um Haushalt und Familie zu kümmern. Ist es aber wirklich so, dass ausschließlich die Männer dazu beitragen, dass es Frauen verwehrt wird, in einen bestimmten Beruf einzusteigen oder eine Führungsposition in einem Unternehmen zu erlangen?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Strukturelle Chancengleichheit
1.1 Chancenungleichheit durch Bildung
1.2 Statistische Chancenungleichheit am Arbeitsplatz
2. Normative Vorstellungen von beruflichem Einsatz
2.1 Chancenungleichheit durch soziale Herkunft
2.2 Chancenungleichheit durch die „Natur der Frau“
3. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen im Berufsleben. Dabei wird analysiert, ob diese Disparitäten primär auf objektivierbare Leistungskriterien oder auf tief verwurzelte normative gesellschaftliche Vorstellungen zurückzuführen sind.
- Strukturelle Barrieren beim Berufseinstieg und Aufstieg
- Einfluss von Bildungswegen und Bildungsabschlüssen
- Statistische Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen
- Die Rolle sozialer Herkunft und traditioneller Rollenbilder
- Auswirkungen von Erwerbsarbeitsunterbrechungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Chancenungleichheit durch Bildung
Bereits in den Schulen und auch in Berufsschulen werden Mädchen / jungen Frauen und Jungen/jungen Männern die Berufsmöglichkeiten in typischen Männer- und Frauenberufen dargestellt. Wenn man Grundschulkinder danach fragen würde, welchen Beruf sie später ausüben wollen, so würden viele Jungen damit antworten, dass sie Feuerwehrmann oder Polizist werden wollen, während viele Mädchen Lehrerin, Krankenschwester oder auch Friseurin werden wollen. Gerade auch in Schulbüchern werden diese typischen Rollenbilder weiterhin vermittelt. Deshalb ist die „[…] Integration des Aspektes Gender in den Lehrstoff, in die Didaktik, Förderung von Gender in der Forschung und Verbesserung eines förderlichen Klimas“ (Meyerhofer 2009: 103)unbedingt notwendig, um schon im jungen Alter Jungen und Mädchen für eine spätere geschlechtsunabhängige Berufswahl zu sensibilisieren. Dazu beitragen können auch „[…]entsprechende Aktivitäten der Berufsberatung“(Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung: 11), die sich darauf spezialisieren, gerade Frauen die Möglichkeiten der Wahl eines typischen „Männerberufs“ zu verdeutlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen den höheren Bildungsabschlüssen von Frauen und ihrer geringen Präsenz in Führungspositionen und führt die Forschungsfrage nach den Ursachen dieser Ungleichheit ein.
1. Strukturelle Chancengleichheit: Dieses Kapitel analysiert, wie Auswahlprozesse in Unternehmen und institutionelle Strukturen in Schulen und Hochschulen zur Benachteiligung von Frauen beitragen.
1.1 Chancenungleichheit durch Bildung: Der Abschnitt untersucht die Auswirkungen von Geschlechterstereotypen in der Bildungsphase sowie die Bedeutung geschlechtsunabhängiger Berufsorientierung.
1.2 Statistische Chancenungleichheit am Arbeitsplatz: Hier wird thematisiert, wie eine männlich geprägte „Unternehmenskultur“ und mangelnde gezielte Förderung den beruflichen Aufstieg von Frauen statistisch belegen.
2. Normative Vorstellungen von beruflichem Einsatz: Das Kapitel widmet sich den gesellschaftlichen Denkweisen und dem Bild der „erwerbstätigen Hausfrau“, die den Aufstieg von Frauen in Führungsetagen behindern.
2.1 Chancenungleichheit durch soziale Herkunft: Dieser Teil betrachtet, inwiefern der sozioökonomische Hintergrund der Eltern die spätere Karrierewahrscheinlichkeit von Kindern beeinflusst.
2.2 Chancenungleichheit durch die „Natur der Frau“: Hier wird diskutiert, wie biologische Zuschreibungen und die Doppelbelastung durch Familie und Beruf als Argumente gegen die volle berufliche Teilhabe von Frauen genutzt werden.
3. Abschließende Betrachtung: Das Schlusskapitel fasst die vielschichtigen Ursachen zusammen und diskutiert Lösungsansätze wie die Frauenquote sowie die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels.
Schlüsselwörter
Chancenungleichheit, Frauen im Beruf, Führungspositionen, Arbeitsmarkt, Geschlechterrollen, Bildungsabschlüsse, strukturelle Segregation, Männerberufe, Frauenquote, Vereinbarkeit, soziale Herkunft, Erwerbsbiographie, Diskriminierung, Karriereförderung, Geschlechterverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Gründe, warum trotz gleicher oder besserer Bildungsqualifikationen von Frauen im Vergleich zu Männern weiterhin eine erhebliche Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die strukturelle Segregation des Arbeitsmarktes, der Einfluss von Sozialisation und Bildung, normative Rollenbilder sowie die Rolle von Unternehmenskulturen und politischen Instrumenten wie der Frauenquote.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Problemstellen zu identifizieren, an denen für eine bessere Gleichberechtigung von Frauen im Beruf angesetzt werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschung zu geschlechterspezifischen Arbeitsmarktdifferenzen, theoretische Reflexionen und die Auswertung soziologischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung struktureller Barrieren (Bildung, Unternehmensauswahl) und eine Analyse normativer gesellschaftlicher Vorstellungen (soziale Herkunft, das „Natur der Frau“-Konstrukt).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Begriffe Chancenungleichheit, Führungspositionen, Geschlechterverhältnisse, Arbeitsmarktsegregation und Frauenquote sind für das Verständnis der Arbeit maßgeblich.
Wie beeinflusst laut der Arbeit die soziale Herkunft den beruflichen Erfolg?
Die soziale Herkunft beeinflusst bereits früh durch die Bildungsentscheidungen der Eltern und die Finanzierbarkeit der Ausbildung den weiteren Lebensweg, was wiederum die Chancen auf Führungspositionen im späteren Berufsleben prägt.
Warum ist laut der Arbeit die Einführung einer Frauenquote umstritten?
Die Quote wird einerseits als effektives Mittel zur Beseitigung struktureller Ungleichheit gesehen, andererseits besteht die Sorge, dass sie die Kompetenz von Frauen infrage stellt oder Männer diskriminiert.
- Arbeit zitieren
- Lena Müller (Autor:in), 2013, Chancenungleichheit zwischen Frauen und Männern im Beruf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301924