Der Aufstieg des Guaraní in Paraguay. Ein Produkt ökonomischer Entwicklungen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
22 Seiten, Note: 1,3
Susanne Becker (Autor)

Leseprobe

Inhalt

Abstract

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Mehrsprachigkeit
2.1. Eroberung
2.2. Postkoloniale Sprachpolitik

3. Die Situation des Guaraní im heutigen Paraguay
3.1. Sprachstand
3.2. Prestige

4. Der Einfluss der Ökonomie auf den Wert des Guaraní
4.1. Sprachpolitik als Barometer des externen Prestiges
4.2. Die Politik im Allgemeinen
4.3. Das Bildungswesen
4.4. Identität der Sprecher
4.5. Verschriftlichung und Präsenz in den Medien
4.6. Tourismus

5. Der MERCOSUR als Chance für das Guaraní

6. Fazit und Ausblick

7. Bibliographie

8. Internetquellen

Abstract

Gracias a la decisión del Mercado Común del Sur de clasificar como “idioma oficial de trabajo” el Guaraní este mismo año, el idioma indígena ha llamado la atención del mundo. Lo que muchos no saben: En la República del Paraguay, el Guaraní es, junto con el español, lengua oficial, lo que es único, y por eso una característica exclusiva entre los países hispanohablantes de Latinoamérica. El presente trabajo escrito quiere investigar las razones, tomando por base la tesis que el desarrollo del Guaraní está relacionado de manera directa con intereses económicos. Para verificar eso, antes de averiguar la situación lingüística actual de Paraguay, se analizará la fase de la conquista así como la política lingüística poscolonial. Por lo demás el texto expondrá factores vinculados con la economía que sin duda influyen la valoración y el futuro del Guaraní. Por último, la decisión ya mencionada del MERCOSUR será centro de atención. Aunque no parezca a primera vista, el acuerdo otra vez se basa en reflexiones económicos, con lo que finalmente se puede probar la tesis formulada.

1. Einleitung

„Paraguay gilt heute in der gängigen Literatur als Paradebeispiel für eine stabile Diglossie, die kaum in Frage gestellt wird“ (Fasoli-Wörmann 2002: 11f). Davon abgesehen, dass der eher statisch anmutende Begriff stabil im Zusammenhang mit Sprachen mit äußerster Vorsicht zu gebrauchen ist, da die Linguistik sich natürlicherweise durch eine hohe Dynamik auszeichnet und sich ständig verändert, ist Fakt, dass je nach Definition zwischen 59% (vgl. Kallfell 2011: 25) und 90% (vgl. Weise 2012) der Bevölkerung des südamerikanischen Landes zweisprachig ist. Auch wenn das Definitionsproblem der Zweisprachigkeit außerhalb des thematischen Rahmens der vorliegenden Arbeit liegt, sollen diese Zahlen nicht einfach unkommentiert bleiben. Es ist davon auszugehen, dass ihre enorme Divergenz daher rührt, dass in einem Fall Lesen und vor allem Schreiben in der indigenen Sprache Kriterium für Zweisprachigkeit war, im anderen jedoch nicht. Doch zurück zum Thema:

In der Praxis sticht unter den hispanophonen Ländern tatsächlich besonders Paraguay heraus, da es als einziges Land Lateinamerikas eine autochthone Sprache, in diesem Fall Guaraní, zur Landessprache neben Spanisch erhoben hat. Es scheint außerdem, als ob tatsächlich eine hohe Anzahl von Paraguayern in irgendeiner Weise sowohl mit dem Spanischen als auch mit dem Guaraní aktiven Kontakt hat. In Anbetracht der Tatsache, dass viele andere indigene Sprachen in lateinamerikanischen Ländern um ihre Stellung und Existenz kämpfen müssen, stellt sich die Frage, wieso das Guaraní seinen Status neben dem Spanischen erlangen konnte. Die vorliegende Arbeit möchte behaupten, dass der heutige Stellenwert der indigenen Sprache in Paraguay fast ausschließlich Resultat wirtschaftlich orientierter Entscheidungen ist.

Um diese These zu verifizieren, muss logischerweise am ersten Kontakt vom Spanischen und vom Guaraní angesetzt werden. Daher beleuchtet der Text zunächst die Entstehung der Mehrsprachigkeit, wobei sowohl die herausragende conquista als auch die postkoloniale Sprachpolitik Beachtung finden und detailliert die Hintergründe der Sprachentwicklung aufgezeigt werden, bevor die heutige Sprachsituation in den Fokus der Arbeit rückt, die den heutigen Wert des Guaraní in der Gesellschaft widerspiegelt.

In einem nächsten Abschnitt zeigt die Hausarbeit an die Wirtschaft gebundene Faktoren auf, die die Entwicklung des Guaraní in Paraguay nachweislich beeinflusst haben. Dazu gehören sowohl die Sprachpolitik des Landes, die Politik im Allgemeinen, das Bildungswesen und die Identität der Sprecher als auch die Verschriftlichung und die Präsenz in verschiedenen Medien sowie der Wirtschaftssektor des Tourismus.

Das letzte Kapitel vor dem Fazit befasst sich mit dem Einfluss des MERCOSUR auf die Bewertung des Guaraní. Kann auch hier die These der Wirtschaftsabhängigkeit des Wertes einer Sprache verifiziert werden, oder stellt die Sprachpolitik der Handelsallianz eine Ausnahme dar? Nach Behandlung dieser Frage zieht die vorliegende Arbeit ein Fazit und gibt einen Ausblick zur Lage des Guaraní in Paraguay.

Die Forschungsliteratur weist zur Mehrsprachigkeit in Paraguay bereits einige Werke auf, wobei sich die vorliegende Arbeit hauptsächlich auf die Publikationen von Fasoli-Wörmann und Zajícová stützt, die anschauliche Einblicke in die paraguayische Sprachgeschichte und –politik der Geschichte und Gegenwart geben und darüber hinaus auch Studien zum Prestige des Guaraní und des Spanischen betrieben haben. Die Beiträge stammen jedoch aus den Jahren 2002 und 2009 und können so die neuesten, durchaus wichtigen Entwicklungen bereits nicht mehr fassen. Das Guaraní heben sie kaum im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Faktoren heraus. An dieser Stelle bietet das Internet einige Seiten und Artikel, die aktuelle Beschlüsse darstellen. Hervorzuheben sind hier die Texte von Contursi und Weise. Jedoch gehen auch sie nicht stärker auf die Verbindung der linguistischen und der ökonomischen Entwicklung ein. An dieser Stelle besteht durchaus noch Forschungsbedarf; eine Publikation zum allgemeinen Zusammenhang zwischen Politik, Wirtschaft und Sprachentwicklung wäre wünschenswert. Die vorliegende Arbeit möchte dazu bereits einen kleinen Teil beitragen, orientiert sich jedoch stets am Beispiel des Guaraní in Paraguay und nicht am allgemeinen Sachverhalt. Lohnenswert ist es auf jeden Fall, diese Zusammenhänge bis zu den Wurzeln aufzudecken, die im Fall Paraguays in der Phase der Eroberung liegen.

2. Die Entwicklung der Mehrsprachigkeit

In allen hispanophonen Ländern Lateinamerikas erhebt sich das Spanische als offizielle Landessprache über die Vielzahl von indigenen Sprachen, die noch stets unter den Nachfahren der eingeborenen Bevölkerung verbreitet sind. In allen hispanophonen Ländern Lateinamerikas – außer in Paraguay. Um zu verstehen, wie die dortige Eingeborenensprache Guaraní zur zweiten offiziellen Landessprache neben dem Spanischen erhoben werden konnte, ist ein Blick in die Geschichte des Landes unabdingbar. Aus diesem Grund beleuchtet die vorliegende Arbeit zunächst etwas detaillierter die Phase der Eroberung, bevor sie die für das Verständnis der Entwicklung der Mehrsprachigkeit wichtigsten Etappen der postkolonialen Sprachpolitik in einem groben Abriss vorstellt.

2.1. Eroberung

Wie bereits kurz angesprochen, unterscheidet sich die Eroberung Paraguays deutlich von jener anderer lateinamerikanischer Länder: Während die spanischen Eroberer in letzteren schonungslos und rigoros gegen die Eingeborenen und deren Sprache vorgingen und auch vor grausigen Massenmorden nicht zurückschreckten, sahen die Eroberer Paraguays die autochthone Bevölkerung als Verbündete an. Obgleich sie die Menschen als kostenlose Arbeitskräfte ausnutzten, ordneten sie sich ansonsten jedoch der dortigen Kultur und Sprache unter (vgl. Fasoli-Wörmann 2002: 17ff). Die Eingeborenen nahmen diese Allianz mit den Spaniern an und die Ausbeutung hin, da die europäischen Feuerwaffen ihnen nun besseren Schutz gegen andere feindliche indigene Stämme boten (vgl. ebd.). Doch wieso ließen die Spanier von ihrem üblichen blutigen Eroberungsmuster ab?

Ermöglicht wurde sowohl das harmonische Verhältnis (vgl. ebd.: 20) als auch die Koexistenz beider Sprachen durch den Mangel an Bodenschätzen sowie die enorme Entfernung zu wichtigen Handelsstädten und zum Meer, da das Land nach einer Neuaufteilung der Großregion 1617 vom Meer abgeschnitten wurde (vgl. Kahle 1962: 128f). Aus diesen Gründen konnten die Eroberer keinen schnellen Reichtum, wie sie ihn in anderen Ländern Lateinamerikas durch die Förderung von Mineralien erfahren hatten, erwarten. Folglich hat Paraguay es allein seiner fehlenden ökonomischen Attraktivität durch den Mangel an wertvollen Ressourcen zu verdanken, dass die con-quista so friedlich verlief, sodass das Guaraní in seiner Position sogar gestärkt wurde, da die Spanier zwecks besserer Zusammenarbeit und zur Beschleunigung der Kolonialisierung die Eingeborenensprache lernten (vgl. Fasoli-Wörmann 2002: 23) – ein sicher einmaliges Phänomen in der Eroberung Amerikas.

Obwohl Spanisch Verwaltungssprache war (vgl. ebd.) und im offiziellen Bereich gesprochen wurde, wies die Mehrheit der indigenen Bevölkerung nur geringe Kompetenzen im Spanischen auf, da es nicht systematisch gelehrt wurde (vgl. ebd.: 26). Erst ab dem 17. Jahrhundert lehrten die Jesuiten Spanisch als Fremdsprache – wohlgemerkt neben dem Hauptunterrichtsgegenstand Guaraní (vgl. ebd.: 26f). Diese Tradition wirkte nicht zuletzt Einflüssen des Spanischen in der indigenen Sprache entgegen und vergrößerte ihre Akzeptanz unter den Eroberern (vgl. Fasoli-Wörmann 2002: 29). Trotz anhaltender Bemühungen gelang es den Jesuiten jedoch nicht, eine nachhaltige Schrifttradition zu begründen (vgl. ebd.: 119).

Damit ist festzuhalten, dass bereits diese erste Phase der Entwicklung der Mehrsprachigkeit allein auf ökonomisch orientierten Entscheidungen beruht. Hätten die Spanier ein bodenschatzreiches Land vorgefunden, wäre die Eroberung sicherlich ganz anders und nicht unbedingt zu Gunsten des Guaraní verlaufen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg des Guaraní in Paraguay. Ein Produkt ökonomischer Entwicklungen?
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V302036
ISBN (eBook)
9783668002944
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paraguay, Guaraní, Mercosur, Lateinamerika
Arbeit zitieren
Susanne Becker (Autor), 2014, Der Aufstieg des Guaraní in Paraguay. Ein Produkt ökonomischer Entwicklungen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302036

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