Erziehungswissenschaften und Pädagogik sehen in der Bildung eine zentrale Schlüsselrolle für eine erfolgreiche bzw. nicht erfolgreiche Identitätsbildung. Obwohl Identitätskonstruktion mittlerweile als ein lebenslanger Prozess angesehen wird, gilt die Jugendphase auch heute noch als der bedeutendste Zeitabschnitt in der der Mensch sich seiner eigenen Identität und seinem Platz in der Gesellschaft bewusst wird.
Wenn Bildung einen bedeutenden Faktor für die Identitätsbildung darstellt, so gilt dies auch für die Medienbildung. Erfolgt dadurch der Erwerb von gelungener Medienkompetenz, so kann mittels dieser ebenso eine erfolgreichere Identitätskonstruktion gelingen. Derzeit verbreitet sich die Verwendung neuer bzw. digitaler Medien rasant schnell und auch oder gerade Jugendliche bedienen sich dieser täglich. Das Internet und technische Kommunikationsmittel, wie Smartphone, Laptop oder Tablet, begeistern alle Jugendlichen. Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und beeinflussen ihn auf vielfältige Weise.
Obwohl Medien als kulturelle Ressource und Bildungsmittel angesehen werden, sind Migrationsjugendliche laut PISA immer noch in der Bildung benachteiligt. Stehen also Jugendliche mit Migrationshintergrund, denen oftmals auch eine prekäre Zugehörigkeit zwischen den Kulturen zugeschrieben wird, ihren deutschen Mitschülern in der Identitätsbildung durch Medien etwa nach?
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand und Zielsetzung
2. Medienkompetenz als Basisqualifikation für Migranten
3. Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
3.1. Bildungsgefälle
3.2. Familiärer Hintergrund
4. Medienkompetenz und Identitätsbildung junger Migranten
4.1. Orientierungsfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund
4.2. Integrationsfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund
4.3. Brückenfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund
5. Abschließende Betrachtung und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag Medienbildung und Medienkompetenz zur Identitätsentwicklung und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund leisten können. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Medien trotz kultureller Spannungsfelder als Ressource für eine erfolgreiche Identitätskonstruktion genutzt werden können.
- Grundlagen der Medienkompetenz als Basisqualifikation
- Analyse des Mediennutzungsverhaltens in Abhängigkeit vom Bildungsstand
- Einfluss des familiären Hintergrunds auf die Medienaneignung
- Medien als Orientierungs-, Integrations- und Brückeninstrumente
Auszug aus dem Buch
4.1. Orientierungsfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund
In Bezug auf jugendliche Migranten ermöglichen die Nutzung der Mehrheits- und Minderheitsmedien, neben den Identitätskonstruktionen für alle Jugendlichen durch Medien, eine emotionale Orientierung und Auseinandersetzung mit den Kulturen sowie der Findung der eigenen Identität dazwischen (POHLSCHMIDT 29f.). So ist davon auszugehen, dass die Medien gezielt nach Orientierungsangeboten durchforstet werden und dass das dort Gefundene umso ernsthafter in Erwägung gezogen wird, je weniger attraktiv und tragfähig Orientierungsangebote im wirklichen Leben erscheinen (EGGERT/THEUNERT 2002: 6). Denn mitunter müssen jugendliche Migranten Diskrepanzen zwischen unterschiedlichen oder unvereinbaren Lebenswelten und Kulturen ausgleichen, was einen Balanceakt darstellt.
Das „Balancieren zwischen den Kulturen“ (EBD.) steht in Zusammenhang mit der bereits angesprochenen prekären Mehrfachzugehörigkeit. Hugger und Özcelik haben in ihren Untersuchungen herausgearbeitet, dass beispielsweise intraethnische Jugendgemeinschaften im Internet für Migrantenjugendliche der zweiten und dritten Generation eine Ressource darstellen können, weil sie dort die Möglichkeit (ergänzend zu Offline-Welt) haben, sich mit ihrer prekären Mehrfachzugehörigkeit auseinanderzusetzten und Anerkennung finden können (HUGGER/ÖZCELIK 2010: 37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand und Zielsetzung: Einführung in die Problematik der Medienbildung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Definition der Forschungsrelevanz.
2. Medienkompetenz als Basisqualifikation für Migranten: Theoretische Herleitung des Begriffs der Medienkompetenz als vierte Schlüsselkompetenz in der modernen Informationsgesellschaft.
3. Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Darstellung des aktuellen Forschungsstands zum Medienbesitz und Nutzungsverhalten unter Berücksichtigung sozialer und bildungsrelevanter Faktoren.
3.1. Bildungsgefälle: Analyse des Einflusses des Bildungsstandes auf die Qualität und Art der Medienaneignung bei Jugendlichen.
3.2. Familiärer Hintergrund: Untersuchung der Rolle des Elternhauses und der Herkunftskultur bei der Mediennutzung junger Migranten.
4. Medienkompetenz und Identitätsbildung junger Migranten: Diskussion der Möglichkeiten zur Identitätskonstruktion in einem kulturellen Zwischenraum mittels Medien.
4.1. Orientierungsfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund: Erläuterung, wie Medien bei der Identitätsfindung und der Verarbeitung von Mehrfachzugehörigkeit unterstützen.
4.2. Integrationsfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund: Betrachtung des Konzepts der dualistischen Integration durch die Nutzung von Herkunfts- und Aufnahmemedien.
4.3. Brückenfunktion für Jugendliche mit Migrationshintergrund: Analyse der stabilisierenden Wirkung digitaler Medien auf die Verbindung zum Herkunftsland und die Sprachkompetenz.
5. Abschließende Betrachtung und Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur Rolle der Medien als Ressource für die Bildungs- und Integrationsförderung.
Schlüsselwörter
Medienkompetenz, Identitätsbildung, Migrationshintergrund, Integrationsfunktion, Mediennutzung, Jugendliche, Bildungsgefälle, Hybrididentität, Mehrfachzugehörigkeit, Orientierungsfunktion, Brückenfunktion, Sozialisation, Medienaneignung, digitale Medien, Ethnoportale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche mit Migrationshintergrund Medien nutzen und welche Rolle Medienkompetenz bei der Identitätsentwicklung in einer multiethnischen Gesellschaft spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Medienkompetenz als Basisqualifikation, den Einflüssen von Bildungs- und Familienhintergrund auf die Mediennutzung sowie der Funktion von Medien bei der Identitätskonstruktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Medien zur Identitätsbildung, zur sozialen Integration und zur Orientierung junger Migranten beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und Expertenmeinungen zu den Themen Medienpädagogik, Migration und Identitätsforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Mediennutzungsverhalten nach Bildungsschichten, untersucht den familiären Einfluss und erörtert die Orientierungs-, Integrations- und Brückenfunktionen, die Medien für betroffene Jugendliche erfüllen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Medienkompetenz, Identitätsbildung, Migrationshintergrund, Hybrididentität und dualistische Integration.
Welchen Einfluss hat das Bildungsmilieu auf die Mediennutzung?
Das Bildungsmilieu beeinflusst die Mediennutzung stärker als die ethnische Herkunft; bildungsnahe Jugendliche nutzen Medien reflektierter, während bildungsfernere Gruppen eher konsumorientiert und risikoreicher agieren.
Können Medien zur Radikalisierung führen?
Ja, der Autor warnt, dass Medien auch Gefahren wie Identitätsdiffusion, Separierung oder Radikalisierung bergen können, weshalb eine gezielte medienpädagogische Begleitung notwendig ist.
- Citar trabajo
- Michael Fammels (Autor), 2014, Medienkompetenz und Identitätsbildung durch Medien bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302041