Darstellung der Person Marie Antoinettes im Spielfilm von Sofia Coppola


Facharbeit (Schule), 2013

19 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Informationen zum Film „Marie Antoinette“

3. Verlauf des Lebens Marie Antoinettes
3.1 Biographische Fakten
3.2 Schwerpunkte des Films

4. Person und Charakter Marie Antoinettes
4.1 Äußeres Erscheinungsbild
4.2 Persönliche Beziehungen
4.2.1 Entwicklung des Verhältnisses zu Ludwig XVI.
4.2.2 Die Rolle Maria Theresias in Marie Antoinettes Leben
4.3 Vergnügungen und ihr Umgang mit Geld
4.4. Wirkung Marie Antoinettes auf das Volk

5. Persönliche Stellungnahme zu Marie Antoinette und ihrer Darstellung im Film

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis

1. Einführung

Eine der geschichtlich faszinierendsten Persönlichkeiten ist die Person Marie Antoinettes. War sie es doch, welche mit ihrem Charme die Herzen des Volkes eroberte. Eine Königin, welche Vergnügungen wie Bälle oder Feste nicht widerstehen konnte. Zudem war sie das „Topmodel“ der damaligen Zeit. So war es doch dieser Lebensstil, der ihr gleichzeitig neben der Bewunderung auch ihren Tod unter der Guillotine eintrug. Wie muss ein Charakter geschaffen sein, dass er so einen Umschwung von Liebe in Hass auszulösen vermag? Welche Vorfälle muss es gegeben haben, dass das Volk den Tod ihrer zuvor geliebten Königin fordert? Die Beantwortung dieser Fragen widmet sich die Drehbuchautorin und Regisseurin Sofia Coppola des Filmes „Marie Antoinette“, beruhend auf der Biographie von Antonia Fraser. Doch ist die filmische Interpretation der historischen Person Marie Antoinettes wirklichkeitsgetreu? Setzte Sofia Coppola bei der Darstellung Marie Antoinettes einen Schwerpunkt auf die Dokumentation der geschichtlichen Ereignisse in ihrem Leben oder auf die Präsentation ihrer Charakterzüge?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, ist die Arbeit strukturiert in einen zunächst zum Film informierenden Teil. Daraufhin werden die Stationen in Marie Antoinettes Leben kurz skizziert und quantitativ bewertet. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf den Charakterzügen Marie Antoinettes. Bei jedem Untersuchungsaspekt über den Charakter werden zuerst die historische Person Marie Antoinettes und dann die Darstellung im Film auf den jeweiligen Aspekt hin untersucht.

2. Informationen zum Film „Marie Antoinette“

Für den Film „Marie Antoinette“, dessen Premiere am 24.Mai 2006 stattfand, leitete Sofia Coppola, die Oscargewinnerin für das beste Drehbuch1 mit dem Film „Lost in Translation“ (2003), die Regie und schrieb das Drehbuch.2 Ein Jahr später gewann Milena Canonero einen Oscar mit diesem Film für die besten Kostüme3. Der Film besitzt eine Lauflänge von 123 Minuten. Gedreht wurde er von den Produzenten Sofia Coppola und Ross Katz, unterstützt von der Zusammenarbeit von Princel, Columbia Pictures und Tohokushinsha. Die Protagonistin spielt Schauspielerin Kirsten Dunst. Jason Schwartzmann findet sich in der Rolle des Ludwig XVI. wieder.

3. Verlauf des Lebens Marie Antoinettes

3.1 Biographische Fakten

Maria Antonia wird am 2. November 1755 als fünfzehntes von „ sechzehn Kindern “ der österreichischen Kaiserin Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen geboren, „ von denen zehn [der Kinder] das Erwachsenenalter erreichen4. Maria Antonia ist Franz Stephans „ Liebling5. Als dieser stirbt, ist Maria Antonia gerade einmal 9 Jahre alt.6 Eine brillante Partie arrangiert Maria Theresia mit der Vermählung von ihrer Tochter Maria Antonia mit Louis Auguste, dem Enkel von König Ludwig XV.7 Prägend für Marie Antoinettes Charakter ist die Vorbereitungszeit für das Leben am Hof von Versailles. Maria Theresia lässt die werdende Dauphine, was so viel wie Thronfolgerin bedeutet, Opern, Ballettabende, Bälle sowie den Spieltisch des Hofes besuchen.8 Außerdem wird ein Lehrer angestellt, um ihren Bildungsstand aufzubessern.9 Zur Verbesserung Maria Antonias Erscheinungsbild wird ein Zahnarzt und ein Friseur aus Paris herbestellt.

Die Reise der 14-Jährigen nach Versailles beinhaltet eine so genannte symbolische Übergabe der österreichischen Maria Antonia an den französischen Hof. Bei diesem „ symbolische[n] Ritual10 muss die Dauphine ihre gesamte Kleidung sowie alle Andenken an ihre alte Heimat zurücklassen. Sogar ihr Name wird geändert von Maria Antonia auf Marie Antoinette. Am 16. Mai 1770 werden Ludwig Auguste und Marie Antoinette vermählt. Vollzogen wird die Ehe erst sieben Jahre später, wodurch die Ehe lange Zeit annullierbar bleibt.11 An den Höfen in ganz Europa wird über die nicht vollzogene Ehe gespottet.12

Das Volk aber liebt das Thronfolgerpaar aufgrund ihrer Großzügigkeit. Diese zeigt sich zum Beispiel darin, dass Marie Antoinette den Wiederaufbau des abgebrannten Hospitals aus ihrer Privatschatulle zahlt. So säumen bei ihrem Besuch in Paris „ hunderttausende Menschen die Straßen, Blüten fliegen in die Luft, überall erklingen Hurra-Rufe13. Zum Jubel des Volkes übernimmt Louis Auguste im Jahr 1774 den Thron von Ludwig XV. als Ludwig XVI.14 Im selben Jahr lernt die Königin auf einem Maskenball den gut aussehenden Graf von Fersen kennen. Die beiden werden ihr ganzes Leben lang ihre Liebe zueinander vor der Öffentlichkeit verstecken müssen.15 Inzwischen besteht das Leben der Königin aus einem einzigen Rausch aus Vergnügungen wie das Glückspiel, das Theater, die Opern, Kleider und Frisuren. Die Königin wird zu dem Dreh- und Angelpunkt der Modewelt. „ Was sie trägt, wird Mode.“16

Erst sieben Jahre nach der Hochzeit - Maria Theresia sieht die nicht vollzogene Hochzeitsnacht als „ persönliche[s] Versagen Marie Antoinettes “[1] - kommt es nach einer Unterredung zwischen Marie Antoinettes Bruder Joseph II. mit dem Ehepaar zum Vollzug der Ehe.17 In den folgenden Jahren gebärt die Königin ihrem Gemahl insgesamt vier Kinder.18

Die Stimmung des Volkes den absolutistischen Herrschern gegenüber verschlechtert sich zunehmend aufgrund von hohen Steuern, dem ungerechten Drei-Stände-System und durch Missernten.19 In der französischen Revolution bringt das Volk die angestaute Unzufriedenheit zum Ausdruck unter anderem in Form von Schmähschriften gegen den Hof von Versailles.20 Vor allem Marie Antoinette als Ausländerin wird zum Sündenbock der Nation. Im Zuge dessen fordert das Volk die Hinrichtung ihres Königs.21 Tatsächlich stirbt Ludwig XVI. am 21. Januar unter der Guillotine. Auch Marie Antoinette wird nicht verschont. Ohne Beweismaterial wird sie von dem Revolutionstribunal einstimmig zum Tode verurteilt.22 Am 16. Oktober findet Marie Antoinette den Tod unter der Guillotine.

3.2 Schwerpunkte des Films

Um den Film quantitativ zu analysieren, ist es notwendig, die Länge der verschiedenen Lebensabschnitte der historischen Person Marie Antoinettes im Film zu stoppen und dann in Beziehung mit der Gesamtlänge des Filmes zu bringen (vgl. Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Quantitative Untersuchung des Filmes

Zwar beträgt die Gesamtlänge des Filmes 123 Minuten, jedoch ohne Abspann beträgt die tatsächliche Lauflänge nur 111 Minuten. Bei der Angabe der Länge prozentual zur Lauflänge wird somit nur die tatsächliche Lauflänge berücksichtigt. Die Prozentangaben sind abbrechend angegeben. Die verbleibenden 2,2% resultieren aus den für die Person Marie Antoinettes bedeutungslosen Szenen.

Auf Marie Antoinettes Kindheit wird im Film nicht näher eingegangen. Es werden nur kurz (14s lang) die Vorbereitungen des Kindes auf das Leben am Hofe von Versailles gezeigt. Dagegen wird deutlich, dass der Film von Sofia Coppola das Verlassen Österreichs und die Hochzeit mit Louis Auguste hervorheben soll. Damit wird der Beginn eines neuen Lebens in Versailles verdeutlicht. Diesem Teil wird nämlich ungefähr ein Sechstel der tatsächlichen Filmlänge bemessen, obgleich die Echtzeit nur 26 Tage in den 37 Jahren von Antoinettes Leben beträgt. Viel Wert wird auch auf das Leben am Hofe gelegt. Allein dieser Teil macht ein Drittel der tatsächlichen Filmlänge aus. Erstaunlich ist, wie wenig Marie Antoinette politisch gezeigt wird, obwohl sie doch eine Königin ist. Dies resultiert daraus, dass Marie Antoinette am Anfang ihres Lebens an politischen Dingen kein Interesse zeigt und ihr zusätzlich von ihrer Mutter eingetrichtert wird, sie solle sich nicht in politische Dinge einmischen. Die französische Revolution wird daher nur als Randnotiz bemerkt. Die Gefangenschaft Marie Antoinettes sowie ihre kluge Verteidigungsrede vor dem Revolutionstribunal werden gänzlich weggelassen. Für den Tod Marie Antoinettes unter der Guillotine werden deutliche Hinweise dargelegt. Obgleich der durchschnittliche Normalbürger von heute über die Person Marie Antoinettes größtenteils weiß, dass sie die letzte französische Königin gewesen ist und dass sie während der französischen Revolution guillotiniert wurde, geht Sofia Coppola genau auf diese Aspekte nur oberflächlich ein. Auf der anderen Seite gelingt ihr damit eine ganz andere Sicht auf die Person Marie Antoinettes. Der Schwerpunkt des Films liegt auf den charakterlichen Eigenschaften Antoinettes und die Hintergründe ihres Handelns. Sofia Coppola selbst sagt über ihre filmischen Absichten:

Der politische Kontext ist präsent, wenn auch nur unter unterschwellig. […] Ich habe beschlossen diese Interpretationslinie einer von der Außenwelt abgeschotteten Art Blase, in welcher sie lebte, beizubehalten. Das ist ein sehr intimer Ansatz und auf einer wirklich persönlichen Ebene. “23

4. Person und Charakter Marie Antoinettes

4.1 Äußeres Erscheinungsbild

Berichten zufolge besitzt die Österreicherin einen leicht verschleierten Blick aus großen blau-grauen Augen.24 Ihr schönes, dichtes, aschblondes Haar kontrastiert angenehm zu ihrem rosigen Teint, obwohl sie ansonsten eine „ Haut, durchscheinend wie Porzellan25 besitzt. Der unregelmäßige Haaransatz und die „ hohe Stirn […] entsprechen nicht der Mode der Zeit “6. Bezeichnend ist ihr „ übermütiger Mund, der auf das kindlichste zu lachen, auf anmutigste Weise zu schmollen versteht.“26 Sie besitzt eine schlanke, zierliche Figur. Während die 15-jährige im Alltag in der steifen Gesellschaft Versailles „ kindlich unbefangen27 herumtollt, bewegt sie sich bei Anlässen tadellos: Sie schreitet graziös mit einem sicheren, aufrechten und stolzen Gang, zudem beherrscht sie einen würdevollen Tanzstil.28 Am Hof von Versailles passt sie sich dem damaligen Modestil an, auf ihre Backen „ große knallrote Kreise29 mit Rouge zu malen, welche nicht besonders schön aussehen, aber am französischen Hof ein „ Abzeichen des Rangs und der Vornehmheit30 sind.

[...]


1 Vgl. Granec, Laurence & Ménard, Karine. Marie Antoinette. (Presseinforation mit Interview von Sofia Coppola zur Filmpremiere am 24.Mai 2006). [http://www.festival-cannes.fr/assets/Image/Direct/016496.pdf, abgerufen am 24.03.13] S.8

2 Vgl. Granec, Laurence & Ménard, Karine. Marie Antoinette. S.1

3 Vgl. Coppola, Sofia [Regie]/ Coppola, Sofia & Katz, Ross & Coppola, Francis Ford [Produktion]. Marie Antoinette. DVD, 123 Min., USA : Columbia Pictures, 2006. Filmcover

4 Haslip, Joan. Marie Antoinette. Ein tragisches Leben in stürmischer Zeit. München: Piper, 1998. S.12

5 Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. München: Deutsche Verlags Anstalt, 2006. S.19

6 Vgl. Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.19

7 Vgl. Sievers, Sara: „Die letzten Tage von Marie Antoinette“. In: P.M. History 2012, H.10 S.14-25. S.16

8 Vgl. Cronin, Vincent. Ludwig XVI und Marie Antoinette. Eine Biographie. Hildesheim: Claassen, 1993. S.55

9 Vgl. Cronin, Vincent. Ludwig XVI und Marie Antoinette. Eine Biographie. S.54

10 Cronin, Vincent. Ludwig XVI und Marie Antoinette. Eine Biographie. S.55

11 Vgl. Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.47

12 Vgl. Zweig, Stefan. Marie Antoinette. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2007. S.38

13 Sievers, Sara. „Die letzten Tage von Marie Antoinette“. S.16/19

14 Vgl. Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.60

15 Vgl. Zweig, Stefan. Marie Antoinette. S.278 & 288

16 Sievers, Sara. „Die letzten Tage von Marie Antoinette“. S.20

17 Vgl. Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.84

18 Vgl. Sievers, Sara. „Die letzten Tage von Marie Antoinette“. S.17

19 Vgl. Siever, Sara. „Die letzten Tage von Marie Antoinette“. S.19

20 Vgl. Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.122

21 Vgl. Cronin, Vincent. Ludwig XVI und Marie Antoinette. Eine Biographie. S.409

22 Vgl. Granec, Laurence & Ménard, Karine. Marie Antoinette. S.20

23 Granec, Laurence & Ménard, Karine. Marie Antoinette. S.3 [übersetzt von mir, F.V.]

24 Vgl. Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.22 & S.23

25 Haslip, Joan. Marie Antoinette. Ein tragisches Leben in stürmischer Zeit. S.22

26 Zweig, Stefan. Marie Antoinette. S.50

27 Zweig, Stefan. Marie Antoinette. S.50

28 Vgl. Zweig, Stefan. Marie Antoinette. S.50

29 Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.43

30 Fraser, Antonia. Marie Antoinette. Biographie. S.41

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Person Marie Antoinettes im Spielfilm von Sofia Coppola
Veranstaltung
Geschichtsrezeption im Spielfilm
Note
1,4
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V302088
ISBN (eBook)
9783668013049
ISBN (Buch)
9783668013056
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, person, marie, antoinettes, spielfilm, sofia, coppola
Arbeit zitieren
Felicia Volle (Autor:in), 2013, Darstellung der Person Marie Antoinettes im Spielfilm von Sofia Coppola, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302088

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