Benjamin Franklin lebte und wirkte in einer Zeit, deren geistiges Klima von verschiedenen Faktoren bestimmt wurde. Zum einen war der Puritanismus noch vorherrschend, zum anderen erlebte die Aufklärung bereits einen Höhepunkt und die amerikanische freiheitliche Gesellschaftsordnung (die sich im wirtschaftlichen Bereich als amerikanischer Kapitalismus manifestierte) bildete sich heraus. Im 17. Jahrhundert waren viele Puritaner von England in die britischen Kolonien nach Neuengland emigriert. Dadurch war der Puritanismus damals auch zur bestimmenden Religion in Amerika geworden und hatte somit großen Einfluss auf den Nationalcharakter ausgeübt. Zu den angestrebten Tugenden dieser Religion gehören besonders produktives Tätigsein, Streben nach Erfolg, Ehrgeiz, Fleiß und Askese. Im wirtschaftlichen Erfolg offenbart sich, gemäß der Prädestinationslehre der Puritaner, die von Gott vorherbestimmte (religiöse) Auserwähltheit des Einzelnen. Die Aufklärung dagegen betrachtet die Selbsterkenntnis des Individuums aus seiner eigenen Kraft und Natur heraus als unbedingten Wert. Das koloniale Amerika war ein geeignetes Experimentierfeld für aufklärerische Gedanken und ihre Vertreter versuchten, ihre Ideale auch praktisch umzusetzen. Der Glaube an die individuelle Selbsterkenntnis stand im Zusammenhang mit der Überzeugung, dass die politische Selbstbestimmung zur Natur und daher zum Naturrecht des Menschen gehört. Das stand im Konflikt mit der traditionellen Ergebenheit der Kolonien gegenüber der Kolonialmacht. Die amerikanische Revolution war Ausdruck und Höhepunkt dieses Konfliktes. In der Person Franklins spiegeln sich die verschiedenen Einflüsse seiner Zeit mit ihren Umbrüchen wider. Gerade seine Gesellschaftskritik ist ein Zeugnis dieser Veränderungen. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Franklins Gesellschaftskritik und geht dabei besonders auf seine satirischen Schriften ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer war Benjamin Franklin?
3. Benjamin Franklin als Gesellschaftskritiker und Satiriker
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken von Benjamin Franklin vor dem Hintergrund des intellektuellen Klimas der amerikanischen Aufklärung und analysiert, wie er seine satirischen Schriften nutzte, um gesellschaftliche Missstände zu kritisieren und den Diskurs seiner Zeit zu prägen.
- Der Einfluss des Puritanismus und der Aufklärung auf das Denken Franklins
- Franklin als diplomatischer Staatsmann und Gründervater
- Die Funktion von Pseudonymen in Franklins satirischen Werken
- Die Entwicklung von Franklins Positionen zu Sklaverei und Religion
- Satire als demokratisches Mittel zur gesellschaftlichen Reflexion
Auszug aus dem Buch
3. Benjamin Franklin als Gesellschaftskritiker und Satiriker
Schon in sehr jungen Jahren sah Benjamin Franklin die Welt um ihn herum mit kritischen Augen und war bestrebt seine Ansichten mit anderen Menschen zu teilen. Er war gerade 16 Jahre alt, als er sich entschloss, für die Zeitung seines Bruders, The New England Courant, zu schreiben. Da er aber wusste, dass sein Bruder niemals etwas von ihm veröffentlichen würde – schließlich war er nur ein junger Lehrling – schrieb er nachts Briefe, die er mit dem Namen Silence Dogood, unterschrieb und unter der Druckereitür durchschob, so dass keiner merkte, wer diese Briefe in Wirklichkeit verfasst hatte.
Silence Dogood war eine von Franklin erfundene Person, eine Witwe in mittleren Jahren, die ihre Umwelt satirisch, kritisch und voller Humor beschrieb und Ratschläge gab. Ihre Briefe beschäftigten sich mit ganz verschiedenen Themen, von Liebe über die Bildungssituation in Massachusetts bis hin zur Stellung der Frau in der Gesellschaft. Franklin kreierte Mrs. Silence Dogood in direktem Bezug auf die Essays to Do Good des Pfarrers Cotton Mather, des letzten der puritanischen Theokraten. Er stellte damit solches puritanisches „doing good“ satirisch dar und hatte damit durchschlagenden Erfolg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext zwischen puritanischer Tradition und aufklärerischem Denken, in dem Franklin agierte.
2. Wer war Benjamin Franklin?: Gibt einen Überblick über die Biografie Franklins, seine diplomatischen Erfolge und sein Wirken als Drucker und Postminister.
3. Benjamin Franklin als Gesellschaftskritiker und Satiriker: Analysiert den Einsatz von Pseudonymen und den satirischen Schreibstil als Werkzeug gesellschaftlicher Kritik.
4. Schlussbemerkung: Resümiert, wie Franklin aufklärerische Ideale durch Satire für breite Bevölkerungsschichten zugänglich machte.
Schlüsselwörter
Benjamin Franklin, Amerikanische Aufklärung, Puritanismus, Satire, Gesellschaftskritik, Pseudonyme, Silence Dogood, Pennsylvania Gazette, Staatsmann, Unabhängigkeitserklärung, Sklaverei, Religionsfreiheit, Politische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet das Leben und Werk von Benjamin Franklin im Kontext der amerikanischen Aufklärung und untersucht insbesondere seine Rolle als kritischer Beobachter und Satiriker.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Verschränkung von puritanischen Werten mit utilitaristischer Ethik sowie die Wirksamkeit von satirischen Texten als Instrument politischer und sozialer Teilhabe.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Franklin durch seine literarischen Arbeiten, insbesondere seine satirischen Texte, die Gesellschaft seiner Zeit aktiv mitgestaltet und zu eigenständigem Denken angeregt hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literatur- und geistesgeschichtliche Analyse, die historische Primär- und Sekundärquellen auswertet, um Franklins intellektuelle Entwicklung zu skizzieren.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil behandelt Franklins Biografie, seine Nutzung verschiedener Identitäten durch Pseudonyme und seine Wandlung in ethischen Fragen wie der Sklaverei oder der religiösen Toleranz.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind das Wirken des "Gründervaters" Franklin, die satirische Form der Meinungsäußerung und der Übergang von puritanischen zu säkularen Lebensidealen.
Welche Bedeutung kommt der Figur "Silence Dogood" zu?
Diese erfundene Figur erlaubte es dem jungen Franklin, gesellschaftliche Konventionen wie die Bildungssituation oder die Rolle der Frau humorvoll und dennoch scharfzüngig zu hinterfragen.
Wie stand Franklin persönlich zum Thema Sklaverei?
Während er anfangs die gängigen Vorurteile seiner Zeit teilte, vollzog Franklin später eine bedeutende Wende, setzte sich für afrikanische Kinder ein und wurde Präsident einer Organisation zur Abschaffung der Sklaverei.
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- Martina Kästner (Author), 2004, Benjamin Franklin: Gesellschaftskritiker und Satiriker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30216