[...] Diese Arbeit soll einen ersten Schritt in Richtung interkultureller Analyse wirtschaftsbezogener Lehrwerke darstellen. Hier sollen Kriterien zur Analyse wirtschaftsbezogener Lehrwerke in Bezug auf die Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz zusammengetragen und erklärt werden. Theoretischen Ausgangspunkt bildet dabei die Definition der interkulturelle n Kompetenz, ein Begriff, der leider inflationär verwendet wird und gerade deshalb einer genaueren Abgrenzung bedarf. Ausgehend von dieser Begriffsklärung wird dann versucht, einige wichtige, herausragende Kriterien aufzustellen und theoretisch zu untermauern. Im letzten Teil wird dann ein vorläufiger Kriterienkatalog aufgestellt. Da, wie schon erwähnt, kein einheitliches und systematisches Analyseraster zu interkulturellen Aspekten wirtschaftsbezogener Lehrwerke vorliegt, auf das sich diese Arbeit beziehen kann, erhebt sie auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist gegenüber Überarbeitungen und Änderungen offen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. INTERKULTURELLE KOMPETENZ
3. KRITERIEN
3.1. REFLEXION DER EIGENEN UND DER FREMDEN KULTUR
3.1.1. REFLEXION DER EIGENEN KULTUR:
3.1.2. FREMDKULTUR UND INTERKULTURELLE LERNINHALTE:
3.2. SENSIBILISIERUNG FÜR INTERKULTURELLE SITUATIONEN ALLGEMEIN UND SPEZIELL
3.2.1. SENSIBILISIERUNG FÜR INTERKULTURELLE SITUATIONEN ALLGEMEIN
3.2.2. SENSIBILISIERUNG FÜR INTERKULTURELLE SITUATIONEN SPEZIELL
3.3. METAKOMMUNIKATION
4. KRITERIENKATALOG
4.1 QUANTITATIVE ANALYSE
4.2 QUALITATIVE ANALYSE
5. ANHANG
5.1. BEISPIEL FÜR EIN EIGENSCHAFTSLISTENVERFAHREN
5.2. BEISPIEL EINES ‚CRITICAL INCIDENTS’
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Grundlagen für einen systematischen Kriterienkatalog zur Analyse wirtschaftsbezogener Deutschlehrwerke zu schaffen, um deren Potenzial zur Förderung interkultureller Handlungskompetenz beurteilen zu können. Die Arbeit adressiert dabei das Fehlen standardisierter Analyseraster für diesen spezifischen Lehrwerkstyp.
- Theoretische Fundierung und Definition interkultureller Kompetenz
- Kriterien für die Reflexion von Eigen- und Fremdkultur
- Methoden der Sensibilisierung für interkulturelle Situationen
- Bedeutung der Metakommunikation im wirtschaftsbezogenen DaF-Unterricht
- Entwicklung eines quantitativen und qualitativen Analyserasters
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Reflexion der eigenen Kultur:
Da es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass man eine fremde Kultur nur auf der Folie der eigenen kennen lernen und verstehen kann, sollte es ein Ziel des interkulturell orientierten FSU sein, eigene sozio-kulturelle Vorraussetzungen bewusst zu machen, indem man dem Lerner landeskundliche Informationen anbietet. Hier ergibt sich für den Lehrer sicherlich das Problem, dass kulturspezifische Lehrwerke, meist aus ökonomischen Gründen, selten entwickelt werden und er somit auf fremdes Wissen und selbst zusammengestellte Materialien angewiesen ist. Aber allein schon die Bewusstmachung und Aktivierung von Wissen der Lerner in Bezug auf eigenkulturelle Erscheinungen mit Hilfe von Diskussionen der Art ‚Wie ist das bei Euch?’ und ‚Könnt Ihr Euch erklären, warum das so ist?’ dienen der Versprachlichung der eigenen Realität und der Fähigkeit, eine Außensicht auf das eigene Land zu entwickeln.
Unterstützt werden kann die Bewusstmachung des Selbstkonzeptes in sogenannten ‚Werte-Rankings’. Besonders hervorzuheben wären hier Eigenschaftslistenverfahren, bei denen Lerner innerhalb von Paaren gegensätzlicher Attribute ihre eigenen kulturellen Eigenschaften definieren müssen. Darüber hinaus wären Assoziogramme zu thematisch relevanten Begriffen zur Veranschaulichung des eigenen Selbstkonzeptes sinnvoll. Ein Beispiel für die Arbeit in einer multikulturellen Klasse beschreibt Bolten folgendermaßen: „Die Teilnehmer erhalten – insofern sie aus unterschiedlichen Kulturen stammen – eine Wortliste [z.B. ‚Motivation’, ‚Arbeit’ oder ‚fleißig’]. Zu den Ausgangswörtern werden Assoziationen gebildet, notiert und danach mit den Ergebnissen einer anderen Kulturgruppe verglichen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Verschiebung des Ziels im DaF-Unterricht hin zur interkulturellen Kompetenz und Begründung der Notwendigkeit einer Kriterienentwicklung für wirtschaftsbezogene Lehrwerke.
2. INTERKULTURELLE KOMPETENZ: Theoretische Klärung des Begriffs interkulturelle Kompetenz unter Heranziehung von Gertraude Heyd und Jürgen Bolten als Grundlage für die Kriterienbildung.
3. KRITERIEN: Systematische Erarbeitung der Analysekriterien, gegliedert in die Reflexion von Kulturen, die Sensibilisierung für interkulturelle Situationen und die Metakommunikation.
3.1. REFLEXION DER EIGENEN UND DER FREMDEN KULTUR: Analyse der Bedeutung der Bewusstmachung des eigenen kulturellen Hintergrunds als Voraussetzung für das Verständnis fremder Kulturen und Erörterung von Lerninhalten.
3.1.1. REFLEXION DER EIGENEN KULTUR:: Untersuchung von Methoden zur Bewusstmachung des Selbstkonzeptes und der eigenen sozio-kulturellen Prägung im Unterricht.
3.1.2. FREMDKULTUR UND INTERKULTURELLE LERNINHALTE:: Diskussion der Auswahl von Lerninhalten und der Notwendigkeit, fremdkulturelle Begebenheiten in systematische Kontexte einzubetten.
3.2. SENSIBILISIERUNG FÜR INTERKULTURELLE SITUATIONEN ALLGEMEIN UND SPEZIELL: Differenzierung zwischen allgemeinen Trainings und spezifisch auf den Kontakt mit Deutschen ausgerichteten Ansätzen.
3.2.1. SENSIBILISIERUNG FÜR INTERKULTURELLE SITUATIONEN ALLGEMEIN: Vorstellung von Methoden zur theoretischen Fundierung und Förderung der Wahrnehmung durch Simulationen und Analysen.
3.2.2. SENSIBILISIERUNG FÜR INTERKULTURELLE SITUATIONEN SPEZIELL: Erörterung diskursanalytischer Module sowie der Arbeit mit 'Critical Incidents', Rollenspielen und Planspielen zur Vorbereitung auf spezifische Kontakte.
3.3. METAKOMMUNIKATION: Untersuchung der sprachorientierten und soziokulturellen Ebenen der Metakommunikation als Werkzeug zur Sicherung des gegenseitigen Verstehens.
4. KRITERIENKATALOG: Vorstellung eines zweigeteilten Katalogs zur quantitativen und qualitativen Erfassung interkultureller Aspekte in Lehrwerken.
4.1 QUANTITATIVE ANALYSE: Detaillierte Auflistung der Kriterien zur Erfassung des Vorkommens und der Häufigkeit interkultureller Aspekte in Lehrwerkseinheiten.
4.2 QUALITATIVE ANALYSE: Erläuterung des Verfahrens zur Bewertung des Potenzials von Lerneinheiten hinsichtlich der Vermittlung spezifischer interkultureller Kompetenzen.
5. ANHANG: Bereitstellung von Praxisbeispielen für Eigenschaftslistenverfahren und 'Critical Incidents' zur Anwendung im Unterricht.
6. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Wirtschaftsdeutsch, DaF-Unterricht, Lehrwerkanalyse, Kriterienkatalog, Kultursensibilisierung, Metakommunikation, Critical Incidents, Fremdverstehen, Landeskunde, Interkulturelle Wirtschaftskommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines systematischen Kriterienkatalogs zur Analyse von wirtschaftsbezogenen Deutschlehrwerken hinsichtlich ihrer Eignung zur Förderung interkultureller Handlungskompetenz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition interkultureller Kompetenz, die Reflexion eigener und fremder kultureller Prägungen, Methoden zur interkulturellen Sensibilisierung sowie die Bedeutung von Metakommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Instrumentarium für Lehrer bereitzustellen, da bisher keine vollständig dokumentierten Analyseraster für den speziellen Bereich wirtschaftsbezogener Lehrwerke existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Konzepte (u.a. von Bolten und Heyd) und führt diese in einem quantitativen sowie qualitativen Analyseraster zur Lehrwerkbewertung zusammen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet detaillierte Kriterien für die Analyse, unterteilt in Wahrnehmungstraining, interkulturelle Lerninhalte, Methoden wie Simulationen und Planspiele sowie sprachliche und soziokulturelle Metakommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind interkulturelle Kompetenz, Wirtschaftsdeutsch, Lehrwerkanalyse, Sensibilisierung, Metakommunikation und Critical Incidents.
Welche Rolle spielen die 'Critical Incidents' in der Arbeit?
Critical Incidents werden als essenzielles Werkzeug zur Darstellung kritischer interkultureller Begegnungen vorgestellt, die es Lernenden ermöglichen, Situationen zu analysieren und Handlungsalternativen zu erproben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen sprachorientierter und soziokultureller Metakommunikation wichtig?
Diese Unterscheidung hilft dabei, einerseits die sprachliche Verständigungssicherung (Wortbedeutungen, Paraphrasierung) und andererseits die Gestaltung des Kommunikationsprozesses unter Berücksichtigung soziokultureller Regeln und Werte im interkulturellen Kontext gezielt zu fördern.
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- Doreen Frank (Author), 2002, Interkulturelle Kompetenz in Lehrwerken - Skizzierung eines Kriterienkataloges zur Analyse von wirtschaftsbezogenen Deutschlehrwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30238