„Eine Nation schenkt einer zweiten Nation das Land einer dritten“ kommentierte der Schriftsteller Arthur Koestler das gegebene Versprechen der Briten über die Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in der Balfour-Deklaration von 1917, welche dann 1920 in den Mandatstext des Völkerbundes inkorporiert wurde.
Mit dieser Formulierung beschrieb Koestler die Absurdität des Umstandes, dass sich Großbritannien das Recht herausnahm, wahllos über den Verbleib eines Gebietes zu entscheiden und somit ein Konflikt zwischen der dort ansässigen Bevölkerung und den zuwandernden Juden vorprogrammiert war.
Nachdem Palästina 1920 auf der Konferenz von San Remo als A-Mandat an die Briten übertragen wurde, begann ein Buhlen um die Gunst der vermeintlichen britischen Befreier.
Denn sowohl die Araber, als auch die Juden Palästinas hofften aufgrund der Hussein-McMahon-Korrespondenz von 1915 und der Balfour-Deklaration von 1917 auf die Realisierung eines unabhängigen Staates durch die Briten.
Als Heilsarmee empfangen, offenbarten die Briten jedoch bereits nach kurzer Zeit, dass sie der „two-fold duty“ , die sie sich durch die Unterzeichnungen des Mandatsvertrages, der die schnellstmögliche Übergabe in die Selbstverwaltung vorsah und der Balfour-Deklaration, welche die Unterstützung einer jüdischen Heimstätte versprach, auferlegt hatten, nicht gerecht werden konnten.
Dass die Briten den bereits entflammten Konflikt zwischen Arabern und Juden während ihrer Mandatszeit in Palästina nicht lösen konnten, ist offensichtlich. Ob sie ihn jedoch mit ihrer unentschlossenen Politik sogar beschleunigt haben, soll in folgender Arbeit herausgearbeitet werden.
Zunächst soll ein kurzer Überblick über die Ereignisse vor Beginn der Mandatsherrschaft gegeben werden.
Daraufhin soll die Agency, sowohl der Juden, als auch der Araber in Palästina unter britischer Mandatsherrschaft dargestellt und primär ihre Beziehung zu den Briten fokussiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangslage vor britischer Mandatsherrschaft
2.1. Die Hussein-McMahon Korrespondenz
2.2. Das Sykes-Picot Abkommen
2.3. Die Balfour-Erklärung
3. Palästina unter britischer Mandatsherrschaft 1922-1948
3.1. Juden in Palästina
3.2. Araber in Palästina
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Großbritanniens als Mandatsmacht in Palästina zwischen 1922 und 1948 und analysiert, inwiefern die britische Politik als Katalysator für den arabisch-israelischen Konflikt fungierte. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie widersprüchliche Versprechungen gegenüber beiden Bevölkerungsgruppen die Spannungen nachhaltig verschärften.
- Die Auswirkungen der Hussein-McMahon-Korrespondenz, des Sykes-Picot-Abkommens und der Balfour-Erklärung.
- Die Analyse der britischen Mandatsverwaltung und ihrer "Indirect Rule"-Politik.
- Die Rolle der Jewish Agency im Verhältnis zur britischen Mandatsmacht.
- Die Entwicklung der Lebenssituation und der Interessenvertretung von Juden und Arabern unter dem Mandat.
Auszug aus dem Buch
2.3. Die Balfour-Erklärung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich bei den in Europa verstreuten Juden die Bewegung des politischen Zionismus aus. Als Gründe hierfür können der Druck von Diskriminierungen, Pogromen und des allgemein erwachten Nationalismus gesehen werden. Die staatenlosen Juden suchten durch Rückkehr in ihre historische Heimat „Zion“- dem späteren Palästina- einen Ausweg aus der „Judennot“, wie sie der wohl bedeutendste zionistische Anführer Theodor Herzl in seinem Werk „der Judenstaat“ aus dem Jahre 1886 nennt.
Nachdem Großbritannien Kriegsgegner des Osmanischen Reichs geworden war, wandte sich die Zionistische Bewegung der britischen Regierung zu. Die in London lebenden Führer der World Zionist Organisation Chaim Weizmann, der erste Staatspräsident Israels und Nahum Sokolow, späterer Führer der WZO, bauten enge Verbindungen zum damaligen Premierminister David Llyod George auf, um ihre zionistischen Interessen taktisch klug umsetzen zu können. Die letztendliche Fassung der Balfour-Erklärung fand vor Veröffentlichung Zustimmung des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson und der französischen sowie der italienischen Regierung und wurde am 02. November 1917 in Form eines Briefes des britischen Außenministers Arthur James Balfour an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Großbritannien Lord Walter Rothschild verfasst und am 09.November 1917 veröffentlicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der britischen Mandatsherrschaft ein und verdeutlicht die historische Absurdität der Versprechungen, die den Konflikt in Palästina vorprägten.
2. Ausgangslage vor britischer Mandatsherrschaft: Hier werden die kriegsbedingten Abmachungen wie die Hussein-McMahon-Korrespondenz, das Sykes-Picot-Abkommen und die Balfour-Erklärung analysiert, die den Grundstein für die späteren Spannungen legten.
3. Palästina unter britischer Mandatsherrschaft 1922-1948: Dieser Abschnitt untersucht die Umsetzung der Mandatsmacht in der Praxis, unterteilt in die spezifischen Erfahrungen und politischen Dynamiken der jüdischen und arabischen Bevölkerungsgruppen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die rücksichtslose britische Politik und die unvereinbaren Versprechungen wesentlich zur Beschleunigung des arabisch-israelischen Konflikts beitrugen.
Schlüsselwörter
Palästina, britisches Mandat, Balfour-Erklärung, Hussein-McMahon-Korrespondenz, Sykes-Picot-Abkommen, Zionismus, arabisch-israelischer Konflikt, Jewish Agency, Völkerbund, Indirect Rule, Mandatsherrschaft, Naher Osten, Selbstverwaltung, Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der britischen Mandatsherrschaft in Palästina zwischen 1922 und 1948 und deren Einfluss auf die Entstehung des arabisch-israelischen Konflikts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die diplomatischen Versprechungen Großbritanniens während des Ersten Weltkriegs, die Umsetzung des Mandats durch die Briten sowie die Entwicklung der jüdischen und arabischen Interessenvertretungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, ob die unentschlossene und widersprüchliche Politik Großbritanniens den bereits existierenden Konflikt zwischen Juden und Arabern in Palästina beschleunigt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse einschlägiger Forschungsliteratur, offizieller Mandatstexte des Völkerbundes sowie zeitgenössischer Dokumente wie der Balfour-Erklärung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage durch die verschiedenen diplomatischen Abkommen und untersucht anschließend detailliert die Rolle und Entwicklung der jüdischen sowie arabischen Bevölkerungsgruppen unter der britischen Verwaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Palästinamandat, Balfour-Erklärung, Zionismus und der arabisch-israelische Konflikt.
Warum wird die Balfour-Erklärung als "Kompromisscharakter" beschrieben?
Einige Zionisten werteten die vagen Formulierungen der Balfour-Erklärung als Kompromiss, da Großbritannien vermied, eine aktive Umsetzung oder einen expliziten jüdischen Staat völkerrechtlich verbindlich zuzusagen.
Wie reagierten die Briten auf den arabischen Aufstand von 1939?
Die Briten veröffentlichten das MacDonald-Weißbuch, welches die jüdische Einwanderung massiv einschränkte, was wiederum zu Protesten der jüdischen Bevölkerung weltweit führte.
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- Katharina Müller (Autor), 2013, Großbritanniens Mandatsherrschaft in Palästina. Katalysator für den arabisch-israelischen Konflikt?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302539