Deeskalationstraining und die Prävention von Gewalt im Sicherheitsbereich


Hausarbeit, 2015
11 Seiten
Jonas Hauser (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen

3 Entstehung von Gewalt
3.1 Verlauf gewalttätiger Konfliktsituationen
3.1.1 Auslöser
3.1.2 Eskalation
3.1.3 Krise
3.1.4 Erholung und Depression

4 Konfliktmanagement im Sicherheitsunternehmen
4.1 Konfliktpotentiale in der operativen Sicherheit
4.2 Die Rolle des Sicherheitsmanagements
4.3 Deeskalationstraining

5 Interventionen und Gewaltprävention
5.1 Intervention: Auslöse-Phase
5.2 Intervention: Eskalationsphase

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Die methodischen Schwerpunkte von Sicherheitsberufen haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt (Sticher, 2012). Sicherheitsmitarbeiter[1] werden immer mehr im kommunikativen Umgang mit Menschen in Konfliktsituationen geschult (Jochmann, 2003).

Der Anstieg von Gewalttaten gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zeigt, dass auch Sicherheitskräften eine wachsende Bedeutung bei der Bewältigung von Konflikten zukommt (Boltz, 2012, http://www.dguv.de/.../.pdf [21.06.2015]).

Im Empfangsdienst von Behörden sind sie häufig die ersten im Kontakt mit potentiellen Gewalttätern. Kommunikationskompetenzen können in Situationen drohender Gewalt erheblich zur Verminderung von Aggressionspotentialen führen (Wesuls et al., 2005).

Welche Maßnahmen stehen dem Sicherheitsmanagement zur Verfügung, um proaktiv die Mitarbeiter zu schützen? Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Maßnahme eines Deeskalationstrainings:

Ist ein Deeskalationstraining als Maßnahme des Sicherheitsmanagements dazu geeignet, gewalttätige Konflikte auf der operativen Ebene proaktiv zu verhindern?

Zur Beantwortung der Fragestellung soll zunächst, unabhängig von den Ursachen der Gewalt, der typische Verlauf von Konfliktsituationen untersucht werden. Danach werden Konfliktpotentiale der operativen Sicherheit sowie mögliche Interventionen identifiziert. Zum Schluss werden Deeskalationstechniken vorgestellt und in Bezug auf die Geeignetheit für den Sicherheitsbereich überprüft.

2 Begriffsbestimmungen

Zunächst werden die Begriffe „Aggression“, „Gewalt“ und „Deeskalation“ definiert.

Der Aggressionsbegriff kann auf unterschiedliche Weise definiert werden. Bezogen auf den Handlungsinhalt umfasst die Definition von Aggression „das Spektrum von leichter Gereiztheit, Verbalaggressivität, (…), Tätlichkeit und körperliche Gewaltanwendung“ (Pajonk, 2001, S. 206).

Gewalt wird in der Psychologie häufig als extreme Form der Aggression beschrieben. Sie wird als Handlung definiert, „in der vorsätzlich versucht wird, jemanden körperlichen Schaden zuzufügen“ (Breakwell, 1998, S. 19)

Gewalt und Aggression werden in der Literatur oft nicht eindeutig abgegrenzt (Steck-Egli, 2005). Der Einfachheit halber werden die Begriffe Aggression und Gewalt in dieser Arbeit synonym verwendet.

Unter Deeskalation versteht man Maßnahmen, die die „Entstehung oder die Steigerung von Gewalt und Aggression erfolgreich verhindern“ (Wesuls et al., 2005, S. 19).

3 Entstehung von Gewalt

Was sind die Ursachen, die zu gewalttätigen Handlungen führen? Die Frage lässt sich nicht kurz und prägnant beantworten, denn selbst wo ganz bestimmte Gewaltakte erklärt werden können, stellt sich häufig heraus, dass ein Zusammenspiel vieler Faktoren dazu geführt hat (Nolting, 2005).

Psychologische Erklärungsansätze ermöglichen die Grundlage einer Prognose, unter welchen Umständen Gewalt auftreten kann. In der Praxis ist es jedoch kaum möglich, Gewaltausbrüche, allein durch die Vorhersage der verschiedenen Einflüsse, zu verhindern (Breakwell, 1998).

Breakwell ist der Meinung, dass das Wissen über die Ursache eines Gewaltaktes nur dann nützlich sei, „wenn sie aufgrund dieses Wissens eliminiert werden kann“ (S. 11).

Sicherheitsmitarbeitern ist es im Einsatz aber oft nicht möglich, die Ursachen der Aggressionen Einzelner zu beseitigen. Aus diesem Grund ist es für operative Kräfte notwendig, genauestens den Verlauf von Gewalttaten zu kennen, um früh durch Interventionen einen Ausbruch der Gewalt zu verhindern (a.a.O.).

3.1 Verlauf gewalttätiger Konfliktsituationen

Jeder Akt der Gewalt ist in seiner Form einzigartig. Es lässt sich jedoch ein Ablauf typischer Phasen aufzeichnen (siehe Abbildung 1), der sich in den meisten Angriffssituationen wiederfindet (Breakwell, 1998).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Typische Angriffsphasen (Atzenweiler, 2006, S. 82)

3.1.1 Auslöser

In dieser Phase zeigt eine Person, durch Veränderungen im verbalen oder nonverbalen Verhalten, dass sie sich von ihrer normalen Handlungsweise wegbewegt. Zum Beispiel wäre das Nichtbefolgen der Weisung eines Sicherheitsmitarbeiters ein Indiz für diese Phase. Der eigentliche Auslöser für das abweichende Verhalten kann individuell sehr unterschiedlich sein (Atzenweiler, 2006).

3.1.2 Eskalation

Die Person weicht, aufgrund mentaler und körperlicher Kampfvorbereitung, immer mehr von ihrem normalen Grundverhalten ab. Drohgebärden und Kampfrituale nehmen zu. Zu beobachten wäre z.B. ein zunehmender Zigarettenkonsum oder das Ignorieren des wiederholten Nachfragens eines Sicherheitsmitarbeiters (a.a.O.).

Laut Hücker (2010) betreten die Konfliktparteien „eine ‚Eskalationstreppe‘, die Stufe für Stufe zum ‚Zusammenprall‘ führt“ (S. 22). Die Phase der Eskalation unterteilt sich in die Stufen der Emotionalisierung (Frustration, Stress, Wut), der Personalisierung („Was erlaubt der sich?“), der Legitimierung („Er hat es nicht anders gewollt!“) und der Radikalisierung („Wenn du nicht sofort …, dann …“).

3.1.3 Krise

In dieser Phase kommt es zu tätlichen Angriffen, da die Kontrolle über aggressive Impulse immer schwächer wird. Jeder Versuch verbal zu argumentieren heizt die Erregung des Täters nur noch mehr an (Breakwell, 1998). Sicherheitsmitarbeiter sollten in dieser Situation Verstärkung anfordern oder sich selbst in Sicherheit zu bringen.

3.1.4 Erholung und Depression

Nach dem Gewaltakt kehrt die Person zwar wieder langsam zu ihrem normalen Verhalten zurück, sie ist jedoch noch besonders empfindlich für neue Auslösefaktoren, die zurück zur Krise führen könnten. Die Erregung kann sich über 90 Min. konstant halten, danach tritt geistige und körperliche Erschöpfung auf. Die Person wird sich ihrer Tat bewusst. Sie empfindet Schuld, Reue, ist verstört oder verzweifelt (Atzenweiler, 2006).

4 Konfliktmanagement im Sicherheitsunternehmen

Glasl (2004) versteht unter Konfliktmanagement alle Maßnahmen zur Verhinderung der Eskalation bestehender Konflikte. Präventive Interventionen sind die Mittel, mit denen der Ausbruch eines Konfliktes verhindert werden kann. Sie sind allerdings nur dann möglich, wenn die Führungsebene regelmäßig Konfliktpotentiale auf der operativen Ebene untersucht.

4.1 Konfliktpotentiale in der operativen Sicherheit

Sicherheitsmitarbeiter können sich meistens, aufgrund ihres Berufs, konfliktträchtigen Situationen nicht entziehen. Laut Jochmann (2003) gibt es in Berufen der operativen Sicherheit „immer wieder bestimmte ‚Grundtypen‘ von Konflikten“ (S.61).

Der Normenkonflikt ist eine Auseinandersetzung um gültige Normen wie z.B. der Hausordnung. Diese Situation kann sich schnell zu einem Rangkonflikt entwickeln („Du hast mir gar nichts zu sagen“). Wenn der Sicherheitsmitarbeiter weiterhin auf die Durchsetzung gültiger Normen besteht, könnte sich z.B. durch die Erteilung eines Hausverweises ein Territorialkonflikt anschließen. Wenn dritte Personen beteiligt sind, wäre auch ein Beschützerkonflikt möglich („Fass ihn nicht an!“).

4.2 Die Rolle des Sicherheitsmanagements

Um die Sicherheit der Angestellten gewährleisten zu können, liegt es in der Verantwortung der Führungsebene, ihre Mitarbeiter auf gewalttätige Konfliktsituationen vorzubereiten. Sicherheitsmitarbeiter, die mit potentiellen Gewalttätern konfrontiert werden, durchleben eine vergleichbare Folge der in 3.1 dargestellten Phasen. Es kann also zur psychischen und physischen Erregung der Sicherheitskraft kommen, die einem rationalen und wirkungsvollen Handeln entgegenstehen können (Breakwell, 1998).

[...]


[1] Um die Lesbarkeit zu erleichtern, wurde die männliche Form personenbezogener Hauptwörter gewählt. Frauen und Männer werden jedoch gleichermaßen angesprochen.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Deeskalationstraining und die Prävention von Gewalt im Sicherheitsbereich
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin  (Fachbereich 5 – Polizei und Sicherheitsmanagement)
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V302599
ISBN (eBook)
9783668008090
ISBN (Buch)
9783668008106
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deeskalationstraining, prävention, gewalt, sicherheitsbereich
Arbeit zitieren
Jonas Hauser (Autor), 2015, Deeskalationstraining und die Prävention von Gewalt im Sicherheitsbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302599

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