Ob Edward Cullen oder die Salvatore Brüder – die Zeiten sind vorbei, in denen Vampire als schreckliche Monster galten. Die attraktiven Blutsauger aus Büchern, Filmen und TV-Serien wie „Twilight“, „Wir sind die Nacht“ oder „Vampire Diaries“ begeistern ein breites Publikum, vor allem aber die Jugend. Der Vampir ist somit gesellschaftsfähig geworden, er füllt Bücherregale und Kinosäle und erfreut sich einer stets wachsenden Fangemeinde.
Dieser Sammelband illustriert den medialen Hype um den Vampir anhand populärer Bücher, Serien und Filme, stellt den historischen Kontext zur Vergangenheit her und zeigt den Wandel einer ehemals gefürchteten Kreatur hin zum Teenieschwarm.
Aus dem Inhalt:
Der Vampirismus in Literatur und Filmen und seine Fans
Was fasziniert Jugendliche am Vampir-Genre?
Wie hat sich das Bild des Vampirs über die Jahrhunderte verändert?
Inhaltsverzeichnis
Birte Richter: Literarische Vampirmotivik als Spiegel der Moral
Einleitung
Die Texte
Ernährungs- und Konsumverhalten
Religion nach der Aufklärung
Zusammenfassung der Ergebnisse
Ausblick
Kristof Beuthner: Blutsauger zwischen Emanzipation und Konservativismus: Umcodierung von Genrekonventionen in den Vampirromanen von Stephenie Meyer und Wolfgang Hohlbein
Einführung
Der Vampir in Literatur und Legende
Präsentation der verwendeten Primärliteratur
Vergleich der beiden Romane
Zur Rezeption der Romane von Meyer und Hohlbein
Fazit und Ausblick
Kathrin Fäller: „And it’s all there” – Intertextual Structures, Themes, and Characters in Stephenie Meyer’s „Twilight“ Series
Introduction
Methodology
Directions in Research
Man of Feeling, Byronic Hero and the Nineteenth-Century Vampire
Intertextual Structures, Themes, and Characters in the Twilight Series
The Twilight Saga – An Intertextual Summary
Conclusion
Jennifer Vogt: The Image of Vampires in the TV Series „The Vampire Diaries“
Introduction
The Image of Vampires in Contemporary Fiction
Plot and Important Characters of The Vampire Diaries
The Image of Vampires in The Vampire Diaries
Conclusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Vampirfigur in der populären Literatur und im Fernsehen, wobei der Fokus auf der Transformation vom klassischen, angsteinflößenden Monster hin zum sympathischen, oft romantisierten Protagonisten liegt. Es wird analysiert, wie moderne Vampirfiguren gesellschaftliche Umbrüche, Konzepte von Sexualität, Moral und Identität spiegeln und inwieweit sie als Projektionsfläche für menschliche Ängste und Wünsche dienen.
- Wandel des Vampirbildes von der Schwarzen Romantik bis zum 21. Jahrhundert.
- Die Vampirfigur als Ausdruck gesellschaftlicher und moralischer Diskurse.
- Intertextualität und die Neuordnung von Genrekonventionen in modernen Vampirromanen.
- Der Vampir als Spiegel für Sexualmoral, Jugendkulturen und Identitätsfragen.
- Vergleich der Rollen von Vampiren als Projektionsfiguren für Gut und Böse.
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Die Belletristik in der ersten Dekade des gegenwärtigen Jahrtausends hat den Vampirismus als Thema in den Blick genommen. Nach dem Erfolg der Bücher von Anna Rice vor der Jahrtausendwende, die dem Thema auch außerhalb der Sparten-Literatur wieder Aufmerksamkeit verschafft haben, steht nun die Reihe Twilight von Stephenie Meyer monatelang unter den ersten Plätzen der Bestsellerlisten. Neu ist diese Präsenz des Vampirismus in der Belletristik nicht. Im Gegenteil, schon vor mehr als 200 Jahren tauchten die ersten Vampire in der Literatur auf, und seitdem haben sie mehrere Hochphasen durchlebt.
Dracula dürfte kaum einem Menschen völlig unbekannt sein und ist inzwischen beinahe ein Synonym für „Vampir“. Was aber ist es, das die Faszination des Blutsaugers ausmacht, ihn einerseits für die wissenschaftliche Rezeption interessant macht, ihm andererseits eine breite Leserschaft beschert, die in Teilen ohne weiteres als Fangemeinde bezeichnet werden kann? Es wird argumentiert, dass es gerade die Vereinigung von teilweise gegensätzlichen Prinzipien sei, die dem Vampir zu seiner Popularisierung verholfen habe; die Vereinigung aller „großen“ Themen, die das Mensch-Sein betreffen: ewiges Leben und Tod; Ekstase, Sexualität und Depression, Melancholie; Religion und Wissenschaftsglaube (Lecouteux 2001, S. 12). Darin inbegriffen sind gerade auch - je nach Zeitalter mehr oder weniger stark – tabuisierte Themen, wie Tod und Sterblichkeit, die durch den Untoten, der andere tötet, stets angesprochen sind und die häufig im Vampir mit einem weiteren Tabu verknüpft auftreten: Sexualität, insbesondere auch von der gesellschaftlichen Norm abweichende, deviante Sexualität. Mit dieser Verbindung zwischen Liebe und Tod greift der literarische Blutsauger ein typisches Topos der Schwarzen Romantik auf.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige literarische Tradition der Vampirfigur und führt in die Fragestellung ein, warum das Motiv des Untoten trotz seiner 200-jährigen Geschichte weiterhin eine immense Faszination ausübt.
Die Texte: In diesem Kapitel werden zentrale Vampirtexte von Dracula bis zu modernen Werken wie Twilight und Gespräch mit einem Vampir inhaltlich kurz vorgestellt, um eine Grundlage für die weitere Analyse zu schaffen.
Ernährungs- und Konsumverhalten: Dieser Teil untersucht den Übergang vom "Menschensauger" hin zum "vegetarischen" Vampir und zieht Parallelen zum moralischen Dilemma des modernen Menschen im Kontext von Konsumethik und Tierrechten.
Religion nach der Aufklärung: Hier wird der Vampir als antireligiöse Instanz und als Spiegel für Sinnfragen in einer säkularisierten Welt betrachtet, in der der Glaube an Gott durch wissenschaftliche Erklärungsmodelle herausgefordert wurde.
Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit fasst die Analyse zusammen, dass moderne Vampire zunehmend menschliche Züge annehmen und als ambivalente Projektionsfiguren für Identität und Moral dienen.
Schlüsselwörter
Vampir, Literatur, Sexualität, Moral, Identität, Dracula, Twilight, Vampirismus, Gothic Novel, Romanze, Gender, Identifikationspotenzial, Religion, Konsumethik, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den literarischen Wandel der Vampirfigur über zwei Jahrhunderte und untersucht, wie dieses Motiv dazu dient, gesellschaftliche Normen, menschliche Ängste und moralische Werte zu verhandeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen Sexualmoral, die Rolle der Frau, die Entwicklung der Vampir-Identität (vom Monster zum "humanisierten" Vampir), religiöse Implikationen nach der Aufklärung sowie ethische Aspekte der Ernährung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Identifikationspotenzial und die moralische Dimension der Vampirfigur in verschiedenen Epochen der Literaturgeschichte herauszuarbeiten und zu erklären, warum diese Figur als moderne Metapher menschlicher Existenz fungiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Bezüge herstellt und insbesondere soziologische sowie ethische Aspekte der behandelten Romane unter Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher Theorien beleuchtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene analytische Kapitel, die den Vampir in Bezug auf Sexualität, Inzest, Sadomasochismus, den "vegetarischen" Vampirismus und religiöse Sinnsuche untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vampir, Literatur, Sexualität, Identität, Moral, Religion und moderne Mythenbildung geprägt.
Wie unterscheidet sich der Vampir in modernen Werken vom klassischen Vampir?
Während der klassische Vampir als absolute Verkörperung des Bösen und als Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung galt, sind moderne Vampire oft "humanisierte" Figuren, die über Moral, Selbstreflexion und ein ausgeprägtes Innenleben verfügen.
Welche Bedeutung hat das Motiv der Sexualität bei Vampiren?
Sexualität ist seit Dracula eng mit dem Vampirbiss verknüpft; sie dient in der Literatur häufig als Metapher für gesellschaftlich tabuisierte Begierden oder als Symbol für "verbotene" Liebesbeziehungen, die soziale Grenzen überschreiten.
- Citar trabajo
- Birte Richter (Autor), Kristof Beuthner (Autor), Kathrin Fäller (Autor), Jennifer Vogt (Autor), 2015, Vom Monster zum Teenieschwarm. Der Wandel des Vampirs in "Twilight", "Vampire Diaries" & Co, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302647