Das Factoring als Finanzierungsform im gewerblichen Kundensegment der Banken


Studienarbeit, 2013

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswirkungen von Basel II auf die Mittelstandsfinanzierung

3. Factoring als Finanzierungsalternative
3.1 Definition
3.2 Ablauf des Factorings
3.2.1 Vertragsanbahnung und -abschluss
3.2.2 Der regelmäßige Ablauf nach Vertragsabschluss
3.3 Funktionen des Factorings
3.4 Kosten des Factorings

4. Factoring aus Unternehmersicht
4.1 Zielgruppe des Factorings
4.2 Vor- und Nachteile
4.3 Factoring und Kontokorrentkredit im Vergleich

5. Fazit

Anhangsverzeichnis

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2: Ablauf des Factoringverfahrens

1. Einleitung

Factoring - eine Finanzierungsform, die in Deutschland erst vor nicht allzu langer Zeit auf sich aufmerksam gemacht hat. Ihren Ursprung hat diese Finanzierungsform daher in den 1960er Jahren. Noch unbekannt und eingegliedert aus den USA entwickelte sich das Factoring in den ersten fünf Jahren unerwartet positiv. So war es nicht verwunderlich, dass sich bald eine Vielzahl von Anbietern fand, was die Verbreitung vorantrieb (vgl. Hietel 2012, S. 26 ff.).

Getrieben von dieser Entwicklung hat sich seit 1977 der Umsatz, der mit der Finanzierungsform Factoring erzielt wurde, bis ins Jahr 2001 mehr als verzehnfacht. Der Gesamtumsatz im Jahr 2002 lag schon bei 30,1 Milliarden Euro und das allein in Deutschland, Tendenz steigend (vgl. Hietel 2012, S. 26 ff.). Der Trend setzt sich bis heute fort. Der Deutsche Factoring-Verband e.V., bestehend aus 24 Factoringanbietern mit einem Marktanteil von rund 85 % des deutschen Factoring-Marktes, verkündete vor kurzem den Umsatzanstieg auf 80,88 Milliarden Euro, hauptsächlich aus der Geschäftsbeziehung mit kleinen und mittelständischen Unternehmen (vgl. Deutscher Factoring-Verband e. V. 2013, S. 1).

Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass Factoring eine Finanzierungsform ist, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Dies kann durch den Beschluss von Basel II und III in Zukunft noch einmal verstärkt werden. Was es mit den Baseler Abkommen auf sich hat, weshalb sie zur vermeintlich kommenden Wichtigkeit von Factoring, vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen, beitragen, was Factoring ist und inwiefern es tatsächlich ein probates Finanzierungssurrogat sein kann, wird in der folgenden Arbeit, begleitend durch die Leitfrage: „Inwieweit eignet sich Factoring als alternative Finanzierungsform für Unternehmen?“, thematisiert.

Dazu soll beginnend die Auswirkungen von Basel II auf die Mittelstandsfinanzierung dargestellt werden, um die Finanzierungsproblematik der kleinen und mittelständischen Unternehmen nachvollziehen zu können. Überleitend wird in einem zweiten Abschnitt dann Factoring als Finanzierungsform vorgestellt. Dabei soll Factoring zunächst definiert werden und daraufhin der typische Ablauf, unterteilt nach Vertragsanbahnung und -abschluss sowie der Ablauf während der Vertragsbeziehung, erläutert werden. Gefolgt von der Ausführung der Finanzierungs-, Dienstleistungs-, und Delkrederefunktion, welche oft mit Factoring in Verbindung gebracht werden, werden zum Schluss des zweiten Abschnitts die mit Factoring verbundenen Kosten thematisiert. In einem dritten Abschnitt soll dann eine kritische Analyse dieser Finanzierungsform folgen. Dazu soll zunächst erörtert werden, für welche Unternehmen sich Factoring überhaupt eignet. Im Anschluss folgt eine kritische Bewertung in Form einer Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen. Um einen Vergleich mit anderen Finanzierungsformen zu erfahren, wird zum Abschluss des dritten Abschnitts eine Gegenüberstellung von Factoring und dem bekanntesten Finanzierungssurrogat, dem Kontokorrentkredit, geschaffen. Am Schluss der Arbeit steht ein Fazit.

2. Auswirkungen von Basel II auf die Mittelstandsfinanzierung

Basel II - so nennt sich das von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht überarbeitete und abgeschlossene Folgeabkommen von Basel I. Letzteres selbst wurde 1988 verabschiedet und sollte für die Förderung und Sicherung eines intakten Bankenwesens sorgen, wurde dann allerdings aufgrund aufkommender Kritik 2007 durch das "Erste Konsultationspapier zur Neufassung der Eigenkapitalvereinbarung" (Basel II) ersetzt (vgl. Finanzund Wirtschaftsberatung Dr. Winkler GmbH o. J.). Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen (KMU) war die Einführung von Basel II im Zusammenhang mit der Fremdfinanzierung unvorteilhaft, wie im Folgenden noch dargestellt wird (vgl. Hibler/Müllner 2007, S. 31).

KMU, das sind diejenigen Unternehmen, die nach der deutschen Definition max. 500 Mitarbeiter beschäftigen und max. 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften. Vor allem zeichnen sie sich aber dadurch aus, dass sie ca. 60 % der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und ca. 80 % aller Ausbildungsplätze unterhalten, was die wirtschaftliche Wichtigkeit der KMU unterstreicht (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie o. J., S. 2 ff.). KMU finanzieren sich vorzugsweise über Kredite von Banken. Dies lässt sich einerseits traditionell begründen, da die Fremdfinanzierung über Kredite nach dem zweiten Weltkrieg größtenteils die einzige Möglichkeit zur Unternehmensfinanzierung darstellte und Eigenkapitalaufbau im großen Stil nicht möglich war, andererseits aber auch aufgrund der aktuellen steuerlichen Gesetzgebung in Deutschland (vgl. Guhl 2006, S. 14). Zum einen fehlen den Unternehmen steuerliche Anreize, die Gewinne zu thesaurieren und Eigenkapital anzuhäufen, zum anderen lassen sich Fremdkapitalzinsen als Betriebsausgaben ansetzen, sodass Fremdkapital steuerlich gesehen eine hohe Attraktivität genießt. Ein weiterer Grund ist die häufig vorkommende Rechtsform der KMU in Form von Personengesellschaften und Einzelunternehmen, welche nicht die Möglichkeit haben, über Aktienemission Eigenkapital anzuhäufen. Diese typische Finanzierungsstruktur von KMU wirkt sich folglich negativ auf deren Eigenkapitalquote aus (vgl. Hietel 2004, S. 8 f.; vgl. Schmitt 1968, S. 67).

Diese beiden Aspekte, die typische Finanzierungsstruktur der KMU und die daraus folgende niedrige Eigenkapitalquote, sind der Hauptgrund für die Nachteiligkeit der Einführung von Basel II für KMU. Die Baseler Abkommen selbst sollen, wie schon zuvor angedeutet, die Sicherung und Förderung des Bankensystems garantieren. Hierzu mussten Banken unter Basel I vergebene Kredite pauschal mit 8 % Eigenkapital hinterlegen, um sich vor Kreditausfallrisiken zu schützen (vgl. Werner/Kobabe 2007, S. 18). Diese Eigenkapitalhinterlegungskosten wurden auf den Kreditnehmer in den Kreditkonditionen abgewälzt, was in Abb. 1 durch die Bestandteile der Kreditkostenkalkulation erkennbar ist (vgl. Thiermeier/Greulich/Schmeisser 2004, S. 339; siehe Abb. 1 auf S. 22 im Anhang).

Allerdings war diese 8%-Pauschale unabhängig vom ausgehenden Risiko durch den Kreditnehmer. Dies war auch der große Kritikpunkt an Basel I, welcher zur Einführung von Basel II führte. Die Eigenkapitalvorsorge sollte zukünftig risikogerechter gestaltet werden, d. h. Kredite mit höherem Risiko sollten mit einem Mehr an Eigenkapital hinterlegt werden als solche mit geringem Risiko. Zum einen, weil bonitätsstarke nicht mehr die Kosten von bonitätsschwachen Unternehmen über die Kreditkonditionen mittragen und somit für gerechtere Finanzierungskosten gesorgt werden sollte. Zum anderen gehen von bonitätsschwachen Unternehmen höhere Kreditausfallrisiken aus, sodass Kreditinstitute mit der höheren Eigenkapitalhinterlegung bei diesen Unternehmen vor solchen ökonomischen Risiken stärker geschützt werden sollen (vgl. Rajmann 2004, S. 14 f.; vgl. Wirtschaftslexikon o. V. o. J.).

Um die Bonität der Kreditnehmer einschätzen zu können, wird die Benutzung eines Ratingverfahrens vorgeschrieben. Hierbei kann man sich als Kreditinstitut an externen Ratings durch Ratingagenturen oder an internen, erlaubten Ratingverfahren bedienen. Die Eigenkapitalquote nimmt bei der Auswertung der Bonität durch ein solches Ratingverfahren die wohl bedeutendste Stellung ein, da sie Aufschluss über die Finanzkraft des Unternehmens gibt und für ein Kreditinstitut als Haftkapital die wichtigste Sicherheit darstellt. Somit bedeutet eine niedrige Eigenkapitalquote folglich höhere Kreditzinsen, da das ausgehende Risiko dieser Unternehmen größer ist und somit von den Kreditinstituten durch den Einfluss von Basel II mehr Eigenkapital hinterlegt werden muss. Diese Kosten werden, wie schon zuvor erläutert, über die Kreditkonditionen auf den Kreditnehmer abgewälzt (vgl. Werner/Kobabe 2007, S. 21; vgl. Maass 2005, S. 24 f.).

Hierbei wird der Nachteil der Einführung von Basel II für die KMU letztlich verdeutlicht. Angesichts der niedrigen Eigenkapitalausstattung von KMU ist die Kreditaufnahme sehr teuer geworden bzw. teilweise nicht mehr möglich. Durch die Einführung von Basel III in 2013 wurde die Eigenkapitalhinterlegungsvorschriften nach Basel II für Banken noch einmal verschärft, was die Situation für die KMU bei der Kreditaufnahme zusätzlich erschwert (vgl. Bundesverband deutscher Banken 2011, S. 3). Dies bedeutet für die KMU also, die große Abhängigkeit von Bankkrediten abzuwenden und kreative Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. Hierbei kann Factoring eine Alternative sein. Inwieweit dies der Fall ist und warum sich Factoring auch positiv auf die Kreditaufnahme für KMU auswirken kann, wird im Folgenden dargestellt.

3. Factoring als Finanzierungsalternative

3.1. Definition

Das Factoring-Geschäft lässt sich als Beziehung zwischen drei unabhängigen Parteien verstehen. Beim Factoring verkauft und überträgt ein Unternehmen, auch Factoringkunden, Klient oder Anschlussfirma genannt, laufend kurzfristige, offene Forderungen aus Warenlieferung und Leistung gegenüber Drittschuldnern bzw. Debitoren an ein Finanzierungsinstitut, welches als Factor bezeichnet wird, und bekommt im Gegenzug kurzfristige liquide Mittel zur Verfügung gestellt. Es findet somit ein Gläubigerwechsel statt, der Factor tritt an die Stelle des Factoringkunden. Mit dieser Definition werden bewusst langfristige und Einzelforderungen ausgegrenzt. Somit erlangt man eine definitorische Abgrenzung zu anderen Finanzierungsformen, wie z. B. der Forfaitierung (vgl. Bette 1999, S. 15-16; vgl. Prätsch/Schikorra/Ludwig 2003, S. 193).

Factoring stellt generell kein Bankgeschäft dar, sondern zählt rechtlich zu den bankverwandten Geschäften und wird daher von einer Vielzahl von Unternehmen ausgeübt. Trotzdem besitzen viele dieser Unternehmen eine Bankerlaubnis, sodass sie ihren Kunden über Darlehen- und Factoringfinanzierung eine breite Produktpalette anbieten können (vgl. Samuelsen 2005, S. 157; vgl. Jahrmann 2009, S. 151). Unschlüssig ist man in der Literatur über die Zuordnung von Factoring zur Innen- oder Außenfinanzierung. Einerseits stellt es eine Innenfinanzierung dar, da Vermögensgegenstände, also Forderungen, veräußert werden und somit eine Vermögensumschichtung der Aktiva stattfindet. Andererseits kann Factoring auch als Außenfinanzierung angesehen werden, wenn man die Herkunft des Kapitals betrachtet. Denn beim Factoring findet ein Geldzufluss durch ein Finanzierungsinstitut bzw. einen Factor von außen statt, was definitorisch der Außenfinanzierung zugeordnet werden kann (vgl. Thiermeier/Greulich/Schmeisser 2004, S. 340).

Ungeachtet der nun angesprochenen Finanzierungsfunktion erlangt das Factoring ihre Besonderheit erst durch die gleichzeitige Übernahme des Ausfallrisikos der Forderungen durch den Factor, auch Delkrederefunktion genannt, und die Übernahme einiger Dienstleistungen durch das Finanzierungsinstitut, die im Zusammenhang mit der Forderungsübernahme anfallen, was auch als Dienstleistungsfunktion bezeichnet wird. Diese drei Funktionen werden im Folgenden noch genauer erläutert. An dieser Stelle soll gesagt sein, dass sich der Autor in dieser Arbeit auf das echte Factoring, welches alle drei Funktionen impliziert, konzentriert und nicht auf das unechte Factoring, bei dem die Delkrederefunktion nicht berücksichtigt wird. Gleichzeitig wird auf das offene Verfahren Bezug genommen, bei dem der Drittschuldner über den Forderungsankauf des Factors informiert wird. Bei dem stillen Factoring hingegen bekommt der Drittschuldner keine Mitteilung. Dieses Verfahren soll in dieser Arbeit allerdings ebenfalls nicht beleuchtet werden. Grund hierfür ist, dass das echte, offene Factoring ungleich häufiger in der Praxis vorkommt als die anderen beiden Varianten (vgl. Bette 1999, S. 17; vgl. Mayer 1997, S. 106 f.).

3.2. Ablauf des Factorings

3.2.1 Vertragsanbahnung und -abschluss

Bevor es zum Abschluss des Factoring-Vertrags kommt, welcher die grundlegenden Rechten und Pflichten der beiden Vertragsparteien, Factor und Klient, regelt, ist es aus Sicht des Factors wichtig, eine Bonitäts- bzw. Kreditwürdigkeitsprüfung des Factoringkunden durchzuführen. Dies wird unter ähnlichen Gesichtspunkten durchgeführt wie bei einer Bonitätsprüfung durch die Bank. Mit welcher Intensität dies passiert, ist allerdings nur schwer nachvollziehbar. Fakt ist, dass eine schlechte Bonität und ein damit verbundener finanzieller Engpass des Factoringkunden schnell zu Vertragsverletzungen verführt, sodass z. B. Forderungen gefälscht werden, um schnell an Liquidität zu kommen (vgl. Lüdtke 2006, S. 64 ff.). Da es dem Factor nicht möglich ist, jede einzelne Forderung auf ein Bestehen zu kontrollieren, sind Vertrauen und Ehrlichkeit ebenfalls wichtige Punkte, welche unter die persönliche Kreditwürdigkeit fallen. Auch wird auf die Produktqualität geachtet, sodass es nicht zu Zahlungsverweigerungen wegen mangelhafter Ware durch den Debitor kommen kann. Festzuhalten ist allerdings auch, dass eine niedrige Eigenkapitalquote oder fehlende zu stellende Sicherheiten generell kein Ausschlusskriterium für Factoring darstellen, da sich das Risiko für den Factor neben dem Klienten auch auf die Vielzahl der Debitoren verteilt, welche ihm gegenüber im Schuldverhältnis einer Zahlung stehen. Daher ist die Bonitätsüberprüfung der Debitoren ebenfalls wichtig, worauf zu einem späteren Zeitpunkt noch eingegangen wird (vgl. Thiermeier/Greulich/Schmeisser 2004, S. 358 ff.; vgl. Binder- Degenschild 1997, S. 88).

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Das Factoring als Finanzierungsform im gewerblichen Kundensegment der Banken
Hochschule
Berufsakademie für Bankwirtschaft, Hannover
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V302706
ISBN (eBook)
9783668008427
ISBN (Buch)
9783668008434
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Factoring, Finanzierung, gewerbliche Kunden
Arbeit zitieren
Tim Stolle (Autor), 2013, Das Factoring als Finanzierungsform im gewerblichen Kundensegment der Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302706

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