Die vorliegende Arbeit thematisiert die Verflechtung von Nationalität, sozialer Identität und Fremdenfeindlichkeit aus soziologischer, politikwissenschaftlicher sowie sozialpsychologischer Sicht. Hierbei werden Aspekte der Forschungsarbeit von SKROBANEK (2004) repliziert, wobei der Fragestellung nachgegangen wird, wie sich eine deutsche Identität bzw. eine europäische Identität auf die Einstellung gegenüber Fremdgruppen auswirkt.
Die Wirkung sozialer Identitäten wird in der Forschungstradition als monokausale Erklärung oder theoretische Verbindung zu anderen Determinanten gehandhabt. Um diese Problematik zu umgehen, wird in der Analyse der Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit ebenfalls die objektive Deprivation als mögliche Determinante berücksichtigt. Ebenfalls soll versucht werden die objektive Deprivation theoretisch mit der Theorie der sozialen Identität zu verbinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Theoretisches Grundmodell
2.1 Genealogie des „natio“-Begriffs
2.2 Theorie der sozialen Identität
2.3 Deutsche und europäische Identität
2.4. Hypothesen
3. Datenmaterial und Methoden
3.1 Datenmaterial
3.2 Operationalisierungen
3.2.1 Die abhängige Variable „Fremdenfeindlichkeit“
3.2.2 Die unabhängigen Variablen „deutsche Identität“, „europäische Identität, Erwerbstätigkeit und Einkommen
3.2.3. Kontrollvariablen
3.3. Methoden
4. Ergebnisse
4.1 Deskriptive Ergebnisse
4.2. Multivariate Ergebnisse
5. Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen nationaler sowie europäischer Identität und der Einstellung gegenüber Fremdgruppen (Fremdenfeindlichkeit) unter Berücksichtigung von objektiver Deprivation und demografischen Faktoren. Das primäre Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob eine ausgeprägte deutsche Identität fremdenfeindliche Tendenzen verstärkt, während eine europäische Identität diese möglicherweise abmildert.
- Verflechtung von Nationalität, sozialer Identität und Fremdenfeindlichkeit
- Einfluss objektiver Deprivation auf fremdenfeindliche Einstellungen
- Testung von Hypothesen mittels Sekundärdatenanalyse (EVS 2008)
- Anwendung der Theorie der sozialen Identität nach Tajfel
- Multivariate Analyse von Identitätsmerkmalen und soziodemografischen Determinanten
Auszug aus dem Buch
2.2 Theorie der sozialen Identität
Während andere Vorstellungen von sozialen Gruppen eine Face-to-Face-Interaktion voraussetzen, wodurch sich gemeinsame strukturelle Merkmale wie ein gemeinsames Wertesystem, ähnliche Motive und Einstellungen, etc. entwickeln, zeichnet sich der Gruppenbegriff der Theorie der sozialen Identität durch eine Betonung der subjektiven Ebene aus: TAJFEL deutet „soziale Identität“ als „das Wissen eines Individuums, daß [sic] es bestimmten sozialen Gruppen angehört, ein Wissen verbunden mit der emotionalen und wertmäßigen Bedeutung, die diese Gruppenmitgliedschaft für das Individuum hat“ (Tajfel 1975, S. 369).
Hierbei wird deutlich, dass die subjektive emotionale Identifikation mit einer Gruppe die wesentliche Grundannahme dieser Theorie darstellt. Gleichzeitig betont TAJFEL (1975), dass ein Individuum in einer komplexen Gesellschaft einer Vielzahl von Gruppen zugehörig sein kann, wobei manchen Gruppenzugehörigkeiten eine höhere Wertigkeit beigemessen werden kann, als anderen. Jedoch ist es unzureichend für die Theorie der sozialen Identität, wenn Personen als eine Gruppe definiert werden, vielmehr ist es für die soziale Identität von Bedeutung, dass die Individuen ihre Gruppenzugehörigkeit als Aspekt ihres Selbstkonzepts internalisieren. Es wird deutlich, dass der Gruppenbegriff der Theorie der sozialen Identität von einem subjektiven Zugehörigkeitsempfinden ausgeht, wodurch der Gruppenbegriff geweitet wird, sodass auch Personengruppen eingeschlossen werden, zu denen kein wechselseitiger Kontakt besteht. Nach der Theorie der sozialen Identität können ebenfalls regionale, nationale sowie europäische Identitäten als kognitive Kategorisierungen und emotionale Identifikationen verstanden werden.
Das theoretische Konstrukt der sozialen Identität baut auf drei zentralen Konzepten auf: der sozialen Kategorisierung, dem sozialen Vergleich sowie der sozialen Distinktheit. Das soziale Kategorisieren wird als der Prozess verstanden, in dem die soziale Umwelt durch das Individuum systematisiert und geordnet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert den Begriff Nation und verknüpft ihn mit der Theorie der sozialen Identität.
2. Theoretisches Grundmodell: Es werden die theoretischen Grundlagen der nationalen Identität sowie die psychologischen Mechanismen der Gruppenidentifikation und -abgrenzung dargestellt.
3. Datenmaterial und Methoden: Dieser Abschnitt beschreibt die Datengrundlage (EVS 2008), die Variablenoperationalisierung und das methodische Vorgehen der Regressionsanalyse.
4. Ergebnisse: Hier werden die deskriptiven Befunde und die multivariaten Regressionsmodelle präsentiert, um die Hypothesen über den Einfluss von Identität und Deprivation zu prüfen.
5. Zusammenfassung und Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert die empirischen Ergebnisse, ordnet sie in den theoretischen Kontext ein und diskutiert Limitationen sowie zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Nation, soziale Identität, Fremdenfeindlichkeit, europäische Identität, deutsche Identität, soziale Kategorisierung, soziale Distinktheit, objektive Deprivation, Migranten, EVS 2008, Regressionsanalyse, soziale Vergleichsprozesse, Integration, Gruppenidentifikation, Vorurteile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht soziologische und sozialpsychologische Faktoren, die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland beeinflussen, insbesondere die Rolle nationaler und europäischer Identitäten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen soziale Identitätstheorien, den Einfluss ökonomischer Faktoren (Deprivation) auf Vorurteile gegenüber Migranten und die Bedeutung nationaler versus europäischer Zugehörigkeitsgefühle.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist die empirische Prüfung der Hypothese, dass eine starke Identifikation mit der deutschen Nation fremdenfeindliche Tendenzen fördert, während eine europäische Identität als moderierender Faktor wirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Sekundärdatenanalyse auf Basis des European Values Survey (EVS) 2008 durchgeführt, wobei lineare multivariate Regressionsmodelle zur Hypothesenprüfung eingesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Identitätsbegriffe, die Operationalisierung der Variablen (wie Fremdenfeindlichkeit und Einkommen) und eine schrittweise multivariate statistische Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "soziale Identität", "Fremdenfeindlichkeit", "nationale Identität", "Deprivation" und "EVS 2008" beschreiben.
Warum wurden Befragte mit Migrationshintergrund aus dem Sample ausgeschlossen?
Der Ausschluss erfolgte, um Verzerrungen zu vermeiden, da Personen mit Migrationshintergrund potenziell eine andere Identifikation mit dem Herkunftsland besitzen und ihre Einstellung zu Migranten durch eigene Diskriminierungserfahrungen systematisch beeinflusst sein könnte.
Welche Rolle spielt die objektive Deprivation im Analysemodell?
Objektive Deprivation (gemessen durch Einkommen und Erwerbstätigkeit) wird als Kontrollfaktor einbezogen, um zu prüfen, ob fremdenfeindliche Einstellungen lediglich durch ökonomische Konkurrenz oder tatsächlich durch Identitätskonzepte erklärt werden können.
- Arbeit zitieren
- Julia Sterzer (Autor:in), 2015, Nation und Fremdenfeindlichkeit. Inklusions- und Exklusionsmomente sozialer Identitäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302727