Textanalyse des Theaterstücks "Der Himmel ist weiss" von Sabine Harbeke


Hausarbeit, 2013

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Autorin

3. Textanalyse
3.1. Inhaltsanalyse
3.2. Strukturanalyse
3.3. Sprachanalyse
3.4. Die Intention

4. Resümee

Quellenverzeichnis

1. Einführung

Sabine Harbeke ist eine der meistgespielten Schweizer Dramatikerinnen. Diese Arbeit befasst sich mit ihrem Stück Der Himmel ist weiss 1, welches 2003 als Auftragsarbeit für das Theater Neumarkt in Zürich entstand und in der Regie der Autorin uraufgeführt wurde. Zuerst wird ein Überblick über die Arbeitsweise von Sabine Harbeke gegeben und anschließend ihr Stück Der Himmel ist weiss inhaltlich, sprachlich sowie im Hinblick auf seine Struktur und Intention analysiert.

2. Die Autorin

Sabine Harbeke wurde 1965 in der Schweiz geboren. Sie studierte Visuelle Kommunikation in Luzern und später Filmregie in New York. Seit 1999 schreibt und inszeniert sie Theaterstücke. Ihre Stücke handeln von allgemeingültigen Problemen, welche anhand von einzelnen Personen dargestellt werden.2 Häufig sind die Figuren in ihren Stücken überfordert, verlieren ihren inneren oder gesellschaftlichen Halt.3 Auffallend ist außerdem die Distanz, mit welcher in Harbekes Stücken erzählt wird. Es werden zwar Einzelschicksale betrachtet, jedoch geschieht dies, wie es in einem Artikel in der Neuen Züricher Zeitung formuliert wird, „mit dem kühlen Blick der Wirklichkeit“.4 Solche Einzelschicksale finden sich in Harbekes Stücken beispielweise in Form von Tod, Schuld, Kinderlosigkeit oder Gewalt. All dies sind Aspekte, mit welchen viele Menschen zu kämpfen haben und welche Harbeke anhand einzelner Personen in ihrer Alltäglichkeit zeigt, ohne emotional zu werden. Diese Erzählweise wird daher in einem Artikel über die Arbeit Harbekes auch als „Laborsituation“5 beschrieben, in welcher die Figuren mit Problemen konfrontiert werden. Dieser Begriff soll die Distanz zwischen Harbeke und ihren Figuren deutlich machen. Neben Distanz ist auch Präzision ein wichtiger Bestandteil in der Arbeit Harbekes. Sie gibt an, dass sie durch ihr Studium in Filmregie „den minutiösen Blick auf die Welt inhaltlich wie gestalterisch schärfen“ konnte und mit einer Liebe zum Detail arbeitet.6

Eine weitere Besonderheit an Sabine Harbeke besteht darin, dass sie sowohl als Autorin als auch als Regiesseurin arbeitet. Sie sagt in einem Interview von sich selbst, dass ihr das bloße Schreiben zu einsam sei und dass die Arbeit in der Gruppe es ermögliche, dass sich ihre Stücke während der Proben noch weiterentwickeln und schärfen.7 Sie gibt daher den Schauspielern bei den Proben auch viel Freiheit und lässt die Figuren mit ihrer Hilfe entstehen und sich entwickeln.8

3. Textanalyse

3.1. Inhaltsanalyse

Der Himmel ist weiss beschreibt das Liebesleben einer Frau. Maria ist mit 23 mit dem rebellischen Jan zusammen, später, mit 37 führt sie eine Ehe mit Paul und mit 51 hat sie eine Affäre mit dem Kapitän Eb. Diese Stationen des Lebens von Maria werden in dem Stück in 13 Szenen nachgezeichnet. Man bekommt Einblick in die Entwicklungen der Partnerschaften, in die Streitigkeiten und in die glücklichen Momente.

Sabine Harbeke beschreibt das Stück in einem Interview als eine Geschichte über die Unmöglichkeit der Liebe.9 Erkennen lässt sich diese Unmöglichkeit daran, dass Maria in keinem der Männer den idealen Partner findet. Von Jan trennt sie sich, da er zu aggressiv und die Beziehung zu unausgeglichen und wild ist, mit Paul führt sie eine Ehe, welche immer öfter zu Streit führt und droht langweilig zu werden und von Eb wird sie ohne Vorwarnung verlassen. Wie für Harbeke üblich handelt es sich auch bei dem in Der Himmel ist weiss thematisierten Problem um ein allgemeingültiges und es werden Maria exemplarisch, wie in einer Versuchsanordnung, drei Männer gegenübergestellt. Der Himmel ist weiss kann somit als eine Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe und Beziehung, welche sich nicht auf das Leben Marias beschränkt, sondern allgemeingültige Stationen der Liebe darstellt, die eine Frau erleben kann, gesehen werden. Vermutlich sind aus diesem Grund die Männer auch alle sehr unterschiedlich. Da gibt es die wilde Jugendliebe, die stabile aber nicht problemlose Ehe sowie die leidenschaftliche Affäre.

Die Szenen, die in Der Himmel ist weiss beschrieben werden, spielen alle im selben Park. Das bedeutet, dass Maria den drei Männern auf sehr ähnliche Weise begegnet. Dadurch wird der vergleichende Charakter der Beschreibung deutlich; die Beziehungen werden einander direkt gegenübergestellt. Am häufigsten werden die Treffen von Maria und ihrem Mann Paul beschrieben. Acht der dreizehn Szenen handeln von ihren Treffen in der Mittagspause, zu welchen immer jeweils einer das Essen mitbringt. Dieses Ritual zeigt die Routine in Marias und Pauls Ehe. Jedes Treffen läuft ungefähr gleich ab und auch die Konversationen der beiden wirken eher leidenschaftslos. So reden sie beispielsweise häufig nur über die Arbeit10 oder hören einander nicht wirklich zu und reden aneinander vorbei11. Es lässt sich in den Szenen außerdem erkennen, dass die Aufmerksamkeit füreinander in der Ehe von Maria und Paul immer mehr verloren geht. Im Stück ist zwar nur von vergessenem Salz und Mittagessen die Rede, jedoch könnte sich dies auch als allgemeiner Aufmerksamkeitsverlust deuten lassen. Während Maria und Paul in den meisten Szenen zwar miteinander reden, aber sich nicht wirklich viel zu sagen haben, gibt es auch eine Szene, in der sie sich tatsächlich nichts sagen, sondern nur schweigend nebeneinander sitzen, nachdem sie über eine Belanglosigkeit gestritten hatten.12 So wird der Eindruck, dass die Ehe der beiden zerrüttet ist, immer weiter verstärkt. Am Ende bleiben sie jedoch zusammen, wodurch die Beschreibung des Stücks als Geschichte über die Unmöglichkeit der Liebe noch einmal deutlich wird. Eine Chance für eine tiefe Liebesbeziehung hat Maria in Eb gesehen. Von Treffen mit ihm erzählen drei der Szenen. Das erste beschriebene Treffen mit Eb bildet einen inhaltlichen Kontrast zu den Treffen mit Paul. Maria macht hier Aussagen wie „ich konnte es kaum erwarten“13 oder „verliebte haben das glück auf ihrer seite“14, während die Gespräche mit Paul distanziert und weniger liebevoll sind. Aber auch in dieser Beziehung zeigt sich die Unmöglichkeit der Liebe, da Eb Maria unerwartet verlässt. Marias Jugendliebe Jan werden nur zwei Szenen gewidmet. Man wird Zeuge einer sehr unausgeglichenen Beziehung, in welcher der Mann die Frau mehr liebt. In diesem Fall ist Maria diejenige, die verlässt anstatt verlassen zu werden. Es werden also im Verlauf des Stückes unterschiedliche Beziehungsmöglichkeiten durchgespielt und verglichen.

3.2. Strukturanalyse

Ein Vergleich der verschiedenen Beziehungen findet auch durch die Struktur des Stücks statt. Jede Szene beginnt mit ähnlichen Bühnenanweisungen und findet am selben Ort statt, wodurch die Ausgangssituation trotz der unterschiedlichen Männer immer eine Ähnliche ist. Sieben von dreizehn Szenen beginnen damit, dass Maria sich auf eine Parkbank setzt und sich die Lippen rot bemalt.

Die Szenen sind außerdem nicht chronologisch angeordnet, wodurch ebenfalls der vergleichende Charakter des Stücks deutlich wird. Anstatt zuerst Jan vorzustellen, dann Paul und dann Eb, werden Zeitsprünge eingesetzt. So erfährt man beispielsweise von der Jugendliebe Jan erst nachdem man bereits von der Ehe mit Paul weiss. Durch diese Anordnung der Szenen werden die beiden Partnerschaften zueinander in Beziehung gesetzt, ohne dass sie zeitgleich geschehen wären. Man kann also sagen, dass in Der Himmel ist weiss nicht drei verschiedene Beziehungen unabhängig voneinander betrachtet werden, sondern, dass durch die bestimmte Strukturierung des Stückes die Beziehungen miteinander verwoben sind und aufeinander reflektieren. Man kann daher davon ausgehen, dass es gewollt ist, dass die verschiedenen Partnerschaften von Maria erscheinen, als bedingten sie einander. Die Anordnung, dass Szenen mit Eb zwischen Szenen mit Paul stehen, legt beispielsweise den Schluss nahe, dass sich Marias Affäre mit Eb zumindest teilweise aus dem Frust über die Ehe mit Paul entwickelte.

Durch die nicht lineare Erzählung ihres Liebeslebens wird auch die Entwicklung in Marias Charakter sichtbar, da so ihre Verhaltensweisen gegenüber den verschiedenen Männern in direkten Kontrast gesetzt werden. Wenn sie zuerst mit Jan herumtobt15 und in der nächsten Szene mit Paul über ernsteren Themen wie ihre gemeinsame Tochter spricht16, wird beispielsweise anschaulich, dass sie auch in ihrem Chrakter älter geworden ist. Diese Anschaulichkeit, sowohl der Abhängigkeit der Partnerschaften voneinander wie auch der charakterlichen Entwicklung von Maria, wäre bei einer chronologischen Erzählung vermutlich nicht gegeben, da der direkte Kontrast und damit die Gegenüberstellung nicht gegeben wäre. Zum Aufbau des Stückes ist außerdem zu sagen, dass mit den dreizehn Szenen zwar ein Zeitraum von 28 Jahren abgedeckt wird, aber der Leser nur kurze Einblicke in das Liebesleben von Maria erhält. Die erzählte Zeit ist wesentlich länger als die Erzählzeit und man kann daher davon ausgehen, dass es sich bei den Begegnungen, die beschrieben werden, um sehr exemplarische Situationen handelt. Trotz der starken Zeitraffung erhält der Leser einen Einblick in das komplette Liebesleben Marias. Es werden sowohl glückliche als auch traurige Momente beleuchtet und versucht alle Facetten ihrer Beziehungen prägnant zu zeigen. Die Beziehung zu Eb wird beispielweise in nur drei Szenen behandelt und trotzdem sind die wichtigsten Aspekte enthalten: das Verliebtsein, Die Trennung sowie eine Begegnung viele Jahre nach der Trennung.

3.3. Sprachanalyse

Die Figuren in Der Himmel ist weiss sprechen alle eine einfache, alltägliche und natürliche Sprache. Ihre Sätze klingen allerdings häufig verloren, so lautet ein Dialog zwischen Maria und Paul beispielweise: „was ist? habe ich was falsches gesagt?“ „nein.“ „sondern?“ „ich weiss nicht.“ „was soll das heißen?“ „nichts. ich weiss nicht.“17 Dies zeugt von ihrer Unsicherheit und der für die Figuren Harbekes typischen Überforderung mit ihrer Situation. Der zitierte Dialog ist außerdem ein Beispiel für das Sich-im-Kreis-Drehen und die Wiederholungen, welche viele Dialoge in Der Himmel ist weiss kennzeichnen. Es wird hier durch die Sprache auch die Ausweglosigkeit vermittelt, in der sich Maria befindet. In einem Streit mit Paul sagen sie immer abwechseln „nein“ und „doch“ und kommen so zu keinem Ergebnis.18 Nicht nur inhaltlich fällt es Maria schwer in ihrem Liebesleben zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, sondern auch auf verbaler Ebene lässt sich keine Einigung finden. So wird die Ausweglosigkeit ihrer Situation verschärft dargestellt.

[...]


1 Harbeke, Sabine: „der himmel ist weiss“, in: Uwe B. Carstensen / Stefanie von Lieven (Hrsg.), Aktuelle Stücke, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2003 (Theater Theater 13), S. 151-210.

2 Vgl. Nissen-Rizivani, Karin: „Sabine Harbeke“, in: Christine Künzel (Hrsg.), Radikal weiblich? Theaterautorinnen heute, Berlin: Theater der Zeit 2010, S. 18.

3 Vgl. Ebda.

4 Neue Zürcher Zeitung zitiert nach: Uwe B. Carstensen: „Über die Autoren und ihre Theaterstücke“, in: Ders. / Stefanie von Lieven (Hrsg.), Aktuelle Stücke, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2002 (Theater Theater 12), S. 579.

5 Nissen-Rizivani: „Sabine Harbeke“, S. 22.

6 Nissen-Rizivani: „Sabine Harbeke“, S. 25.

7 Vgl. Nissen-Rizivani: „Sabine Harbeke“, S. 33.

8 Vgl. Nissen-Rizivani: „Sabine Harbeke“, S. 21.

9 Vgl. Nissen-Rizivani: „Sabine Harbeke“, S. 27.

10 Vgl. Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 159.

11 Vgl. Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 201.

12 Vgl. Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 175.

13 Ebda.

14 Harbeke: „der himmel ist weiss“. S. 176.

15 Vgl. Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 166.

16 Vgl. Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 169.

17 Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 156.

18 Vgl. Harbeke: „der himmel ist weiss“, S. 170.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Textanalyse des Theaterstücks "Der Himmel ist weiss" von Sabine Harbeke
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V302800
ISBN (eBook)
9783668012059
ISBN (Buch)
9783668012066
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
himmel, eine, textanalyse, sabine, harbekes, theaterstück
Arbeit zitieren
Annika Pech (Autor), 2013, Textanalyse des Theaterstücks "Der Himmel ist weiss" von Sabine Harbeke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302800

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