Der nicht genau datierbare sechste Psalm , der sich im ersten Buch des Psalters, dem ersten Davidpsalter befindet, handelt von einem einzelnen Menschen, der sich anscheinend in großer Not befindet. Im Vordergrund stehen Angst und Verzweiflung im Widerspruch zu dem Stimmungsumschwung am Ende des Psalms. Die Not wird klagend als Lied oder Gebet vor Gott gebracht. Die Sprache zeichnet sich wie alle Psalmentexte durch eine gewisse poetische Prägung aus, die vor allem durch Parallelismen gekennzeichnet wird.
Laut Gunkel gehört dieser Psalm in die Gattung der Klagelieder. In der Psalmenforschung ist allerdings umstritten, auf was sich die Klage bezieht und daraus folgend, wie der Text ausgelegt werden kann. So kann der Psalm als Krankheits- oder Feindpsalm gedeutet werden, während die altkirchliche Tradition ihn zu den sieben Bußpsalmen zählt. Möglich ist allerdings auch, dass nicht genau definiert werden kann, auf welchen Bereich sich die Not in der Klage bezieht. Dabei spielt der Sitz des Lebens für die Bestimmung der Psalmengattung eine entscheidende Rolle.
In der vorliegenden Exegese werden in einem ersten Schritt Basisgrundlagen für die Exegese erläutert. Die Arbeit am ausgewählten Text konzentriert sich zum einen auf den Text an sich, zum anderen auf dessen entstehungsgeschichtlichen Werdegang, sowie auf den Hintergrund des Psalms. Abschließend soll die theologische Relevanz dieses Psalms dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. VORBEREITUNG DER EXEGETISCHEN ARBEIT
2.1. Begründung der Bibelauswahl
2.2. Differenzierte Verseinteilung des Textes
2.3. Erste Gedanken zum Text
3. EXEGETISCHE ARBEIT AM AUSGEWÄHLTEN TEXT
3.1. Beobachtungen am Text
3.1.1 Textabgrenzung
3.1.2 Kontextanalyse
3.1.3 Strukturanalyse
3.2. Entstehung des Textes
3.2.1 Trennung von Tradition und Redaktion
3.2.2 Sitz im Buch
3.3. Hintergrund des Textes
3.3.1 Formgeschichte
3.3.2 Bestimmung wichtiger Schlüsselbegriffe
3.4. Theologische Relevanz der exegetischen Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine historisch-kritische Exegese des 6. Psalms zu erstellen, um dessen Bedeutung als Klagegebet im Kontext seiner Entstehungsgeschichte und theologischen Relevanz zu beleuchten. Der Fokus liegt dabei auf der synchronen Textanalyse, der Untersuchung der Entstehungsgeschichte sowie der Erörterung zentraler Begriffe, um die Dynamik der Wandlung des Klagenden zu verdeutlichen.
- Methodische Grundlagen der exegetischen Arbeit
- Semantische und strukturelle Analyse von Psalm 6
- Gattungsbestimmung und Sitz im Leben des Textes
- Literar- und redaktionskritische Untersuchung
- Theologische Relevanz und Bedeutung der Gottesnähe
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Strukturanalyse
Es ist davon auszugehen, dass der Psalmentext 6, ebenso wie andere biblische Texte „nach einem bestimmten Plan gestaltet [ist] […]“. Bei der nun folgenden Analyse der Struktur des Textes sollen die einzelnen Bausteine des Textes, sein Aufbau und der oben erwähnte Plan beleuchtet werden. Hierzu ist es von Nöten, die Texteinheit in Sinneinheiten zu gliedern. Wie schon oben erwähnt, gehört die Überschrift in V.2 nicht in den ursprünglichen Textbestand und wird deshalb nicht mit in die Gliederung aufgenommen. Auffällig ist erst einmal, dass sich der Beter in Ps 6 größtenteils an Gott wendet, während er in den letzten drei der insgesamt elf Verse Feinde anspricht, die bis V.8c überhaupt nicht vorkommen und in der Psalmenexegese unterschiedlich interpretiert werden. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass in den V.7f. nicht eindeutig klar ist, ob sich die Sprechrichtung wie in den Versen vorher an Gott richtet. Dieser Eindruck kommt dadurch zustande, dass in den V.2-6 Gott viermal im Vokativ angesprochen wird, während diese Anrede in V.7-8 nicht fortgesetzt wird. Die V.9-11 sprechen von Gott in der dritten Person und der Imperativ in V.9 verändert sich durch einen Numerus Wechsel von der zweiten Person Singular zur zweiten Person Plural. Im Gesamten gesehen, bedient sich der Psalm drei Wortfeldern, die sich mit Schuld und Buße, Krankheit und der Anwesenheit von Feinden beschäftigen. Ein Wechsel der Lexeme in V.2f.3 bewirkt ein dynamisches Gebet. Der Psalm zählt innerhalb des Psalters zu den zehn Psalmen, die durch eine besonders formelhafte Sprache geprägt sind. Dabei entsteht durch mehrere im Text vorkommende Leerstellen, der Eindruck, dass der Psalm bewusst offen gehalten ist und dadurch mehreren Betern unterschiedlicher Anliegen zugänglich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des 6. Psalms als individuelles Klagelied und Zielsetzung der historisch-kritischen Exegese.
2. VORBEREITUNG DER EXEGETISCHEN ARBEIT: Begründung der Wahl der Lutherbibel als Arbeitsgrundlage und methodische Segmentierung des Textes.
3. EXEGETISCHE ARBEIT AM AUSGEWÄHLTEN TEXT: Umfassende Untersuchung der Struktur, Entstehung und theologischen Relevanz des Psalms sowie Bestimmung zentraler Begriffe.
4. QUELLEN-UND LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Quellen, Hilfsmittel und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
5. ANHANG: Tabellarische Gegenüberstellung der verschiedenen Bibelübersetzungen von Psalm 6.
Schlüsselwörter
Psalm 6, Exegese, Klagegebet, Bußpsalm, Altes Testament, Gottesnähe, Gottverlassenheit, Krankheitsbezug, Feindbeschämung, Historisch-kritische Methode, Literarkritik, Redaktionskritik, Entstehungsgeschichte, Psalter, Bibelauslegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung des 6. Psalms im Alten Testament, um dessen inhaltliche und formale Struktur zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Gattung des Psalms als Klagelied, der Umgang mit Krankheit und Schuld sowie der Wechsel der Stimmung von Angst zu Zuversicht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, durch eine historisch-kritische Exegese die theologische Relevanz des Psalms und dessen Platz im Psalmenbuch zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt Methoden der historisch-kritischen Exegese, einschließlich Textabgrenzung, Kontextanalyse, Strukturanalyse, Literar- und Redaktionskritik sowie Formgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur, die Entstehungsgeschichte (Trennung von Tradition und Redaktion), den Sitz im Leben (Gattung) sowie zentrale Begriffe wie "Tod", "Feinde" und "Güte".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Exegese, Klagegebet, Bußpsalm, Gottverlassenheit, historisch-kritische Methode und der Psalter.
Welche Bedeutung hat das Fehlen hebräischer Sprachkenntnisse für die Arbeit?
Da die Exegese ohne Hebräisch-Kenntnisse verfasst wurde, stützt sich die Autorin auf einen Vergleich verschiedener deutscher Bibelübersetzungen, um den Text fundiert zu analysieren.
Wie interpretiert die Autorin den Stimmungsumschwung in den Versen 9-11?
Der Umschwung wird als Ausdruck einer neu gewonnenen Erhörungsgewissheit gedeutet, die dem Beter Kraft zur Abwehr seiner Feinde verleiht.
- Citation du texte
- Julia Ciardullo (Auteur), 2014, Über den Wandel einer Klage. Eine theologische Exegese des Psalm 6, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302908